Gedichte

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19 Mär 2022 08:04 - 19 Mär 2022 08:14 #40144 von Kaninchen
 


An die Sonne

Sinke, liebe Sonne, sinke !
Ende Deinen trüben Lauf,
und an Deine Stelle winke
bald den Mond herauf.
Herrlich und schöner dringe
aber morgen dann herfür,
liebe Sonn`!, und mit Dir bringe
meinen Lieben mir.


Gabriele von Baumberg
1768-1829
österr. Schriftstellerin und Dichterin
Letzte Änderung: 19 Mär 2022 08:14 von Kaninchen.

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21 Mär 2022 12:10 #40165 von Kaninchen
Glauben

Mit dem Vogel sind geflogen
seine Kinder übers Meer.
Droben ward der Himmel trüber,
drunten brausten Sturmeswogen;
Und die Kinder klagten sehr :
"Ach, wie kommen wir hinüber ?
Nirgend will ein Land uns winken,
und die müden Schwingen sinken".

Aber ihre Mutter sagt :
"Kinder, bleibet unverzagt !
Fühlt ihr nicht im tiefsten innen
unaufhaltsam einen Zug,
neuen Frühling zu gewinnen ?
Auf, in Jenem ist kein Trug,
der die Sehnsucht hat gegeben.
Er wird uns hinüberheben
und euch trösten, balde, balde,
in dem jungbelaubten Walde !""


Abraham Emanuel Fröhlich
1796-1865
Schweizer Theologe und Schriftsteller

Quelle: Fröhlich, Fabeln, 1829 

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22 Mär 2022 12:09 #40176 von Kaninchen
 

Wann der Hahn kräht

Wann der Hahn kräht auf dem Dache
Putzt der Mond die Lampe aus
Und die Stern´ ziehn von der Wache,
Gott behüte Land und Haus !


Joseph Freiherr von Eichendorff 

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23 Mär 2022 10:51 #40187 von Kaninchen
 

Auch ein Institut

A.E. Fröhlich

Hund und Aff´ und Papagei,
wohldressiert im Allerlei
fremder Wörter, Tänz´´ und Sitten
schlossen einen Lehrerrund.
Und es ward von ihnen kund :
Daß sie bei so vielen Bitten
für die unerzogne Jugend
endlich sich entschlossen haben :
"Sowohl Töchter als auch Knaben
in Religion und Tugend
und im Tanz zu unterweisen,
nach den angesetzten Preisen".

Eltern, aller Sorg´ entladen
eilten nun zum Ort der Gnaden.

Ausstaffiert mit Pfaugefieder
schnattert dort das Gänschen zierlich;
und das Bärchen tanzt manierlich
nach dem Takt verliebter Lieder.

Oh wie schnell lernt nun die Jugend
die Religion und Tugend.

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25 Mär 2022 17:19 #40208 von Kaninchen
Freude und Sorgen
gehn stets Hand in Hand
Heute wie morgen
wechseln sie schnell ihr Band.
Nur in der Kürze ,
die Freude uns beschert
liegt ja die Würze
die den Genuß vermehrt,
denn hinter Sorgen, die uns wie Wolken droh´n,
lachet verborgen
auch neue Freude schon.
Willst du drum zagen, wenn dich der Kummer drückt,
Nein ! Frisch getragen !
Hoffnung bleibt stets geschmückt !


Heinrich Martin
1818-1872
deutscher Schriftsteller
Pseudonym für Heinrich Martin Jaenicke

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26 Mär 2022 13:27 - 26 Mär 2022 13:28 #40218 von Kaninchen
Der Hase im Rausch

von Sergej Michalkow

Der Igel hatte einst zu seinem Wiegenfeste
den Hasen auch im Kreise seiner Gäste,
und er bewirtete sie alle auf das beste.

Vielleicht ist auch sein Namenstag gewesen,
denn die Bewirtung war besonders auserlesen.
Und gradezu in Ströen floß der Wein,
die Nachbarn gossen ihn sich gegenseitig ein.

So kam es denn, daß Meister Lamp
zu schielen anfing, er verlor den Halt.
Er konnte nur mit Mühe sich erheben
und sprach die Absicht aus, sich heimwärts zu begeben.

Der Igel war ein sehr besorgter Wirt
und fürchtete, daß sich sein Gast verirrt.
"Wo willst Du hin mit einem solchen Affen ?
Du wirst den Weg nach Hause nicht mehr schaffen
und ganz allein dem Tod entgegengehen.
Denn einen Löwen, wild,
hat man jüngst dort gesehen".

Dem Hasen schwoll der Kamm, er brüllt in seinem Tran :
"Was kann der Löwe mir , bin ich sein Untertan ?
Es könnte schließlich sein, daß ich ihn selbst verschlinge.
Den Löwen her, ich ford´re ihn vor die Klinge !
Ihr werdet seh´n, wie ich den Schelm vertreibe,
die sieben Häute, Stück für Stück, zieh´´ ich ihm ab von seinem Leibe
und schicke ihn dann nackt nach Afrika zurück !"

Und so verließ der Hase also bald
das fröhliche laute Fest und er begann im Wald
von einem Stamm zum anderen zu schwanken
und brüllt dabei die kühnlichsten Gedanken
laut in die dunkle Naccht hinaus :
"Den Löwen werde ich zersausen,
wir sah´n in dem Wald schon ganz andre Tiere hausen
und machten ihnen doch den blutigen Garaus !"

Infolge des geräuschvollen Gezeters
und des Gebrülls des trunk´nen Schwerenöters,
der sich mit Mühe durch das Dickicht schlug,
fuhr unser Löwe auf mit einem derben Fluch
und packt den Hasen grob am Kragen :
"Du Strohkopf willst es also wagen
mich zu belästigen mit dem Gebrüll ?
Doch warte mal, halt still !
Du scheinst mir ja nach Alkohol zu stinken !
Mit welchem Zeug gelang es Dir, dich derart sinnlos zu betrinken ?"

Sofort verflog der Rausch dem kleinen Tier,
es suchte rasch sich irgendwie zu retten:
"Sie, wir, nein ich ... Oh, wenn Sie Einsicht hätten -
Ich war auf einem Fest und trank viel Alkohol...
Doch immer nur auf Euer Gnaden Wohl !
Und Eurer lieben Frau und Eurer lieben Kleinen !
Das wäre doch, so wollte es mir scheinen,
ein trift´ger Grund, sich maßlos zu besaufen !"
Der Löwe ging ins Garn und ließ den Hasen laufen

Der Löwe war dem Schnaps abhold
und haßte jeden Trunkenbold
Letzte Änderung: 26 Mär 2022 13:28 von Kaninchen.

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