Gedichte

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30 Mai 2022 07:03 #40905 von Kaninchen
 

Das Schöne

Ich hörte einen Lautenton
in kühlen Waldesgründen
und schlich ihm nach - er war entfloh´n,
ich konnt´ ihn nirgends finden.

Da sah ich eine Blum´ am Bach
in Himmelsbläue stehen,
das Blümlein wollt´ ich brechen, ach!
es war nicht mehr zu sehen !

Und traurig ging ich weiter fort
und weinte helle Thränen,
und suchte da und suchte dort,
und immer wuchs mein Sehnen.

Ein Mägdlein kam, im Abendglanz
wie ich´s noch nie gefunden,
das Blümlein stand in ihrem Kranz,
das mir am Bach entschwunden;

Sie trug die Laute in dem Arm,
die mir so süß geklungen :
es wurde mir das Herz so warm,
das erst der Gram bezwungen.

Sie sprach zu mir : Ich will Dein Glück
Dir freudig offenbaren !
Das Schöne nimmt der Augenblick,
Nur Liebe kann´s bewahren.


Aus : Aloys Schreiber´s Gedichte
Wien 1817

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31 Mai 2022 17:15 #40915 von Kaninchen
Schneller als die schnellsten Rosse
die Lokomotive rennt
Und als diese wieder schneller
man den Telegraphen kennt.
Doch als schnellstes- unbesiegt -
Die Verleumdung vorwärts fliegt.


Friedrich Johann Edler von Radler
österreich. Jurist
1847-1924

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01 Jun 2022 12:26 #40925 von Kaninchen
Wasser und Wein

von Sandor Petöfi

Unerschrocken taucht der Fischer
in die Meeresflut,
wo au tiefem feuchtem Grunde
still die Perle ruht.
Gerne hab´ ich volle Krüge
und vom Wein ein Meer
sind in meinen Liedern Perlen
holt´ ich da sie her.

Da die Welt von Sünd´ umnachtet
kam die Sintflut wild,
und die Nacht ward von den Wassern
jäh hinweggespült !
Auch mein Herz ist oft umnachtet
doch von Gram und Pein,
machtlos ist das Wasser,
mir hilft nur der Wein !

Müde in der Sommerhitze
steht das Blümelein,
doch ihm flößt ein milder Regen
neues Leben ein :
Wenn verzagt ich und ermüdet
macht der Wein mich frei,
und nach einem feinen Tropfen
glüht´s in mir auf neu`

Ob Verstellung, ob Betrübnis,
was es immer ist,
alter Brauch, daß um die Toten
Tränen man vergießt;
Ich verbitte mir das Wasser :
Wenn es Tränen gilt,
mögen sie dem Kelch entströmen,
der mit Wein gefüllt.





 

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02 Jun 2022 11:30 #40937 von Kaninchen
Je höher der Kirchturm
desto schöner das Geläute.
Und je weiter zum Dirndl,
desto größer die Freude.

Je tiefer das Wasser,
desto weißer die Fisch,
je weiter mein Schätzel,
desto lieber mir´s is.

Daß es im Walde dunkel is´ ,
das macht ja das Holz,
daß mir mein Schätzel untreu ist,
das macht ja sein Stolz.

Zwei schneeweiße Tauben
fliegen über mein Haus;
der Schatz, wo mir bestimmt ist,
der bleibt mir nit aus.

Je dunkler die Nacht,
desto heller die Stern;
Je heimlicher die Lieb´ ist,
desto mehr hab´ ich sie gern.


Volksweise

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03 Jun 2022 11:30 #40947 von Kaninchen
 

Der Löwe saß auf seinem Thron von Knochen
und sann auf Sklaverei und Tod.
Ein Igel kam ihm in den Weg gekrochen.
"Ha ! Wurm !" So brüllte der Despot
und hielt ihn zwischen seinen Klauen,
"mit einem Schluck verschling ich Dich !"
Der Igel sprach : "Verschlingen kannst Du mich;
Allein Du kannst mich nicht verdauen".


Gottlieb Konrad Pfeffel
1736-1809
deutscher Fabeldichter und Erzähler

 

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04 Jun 2022 12:20 #40958 von Kaninchen
 

Der Juni kam.
Lind weht die Luft.
Geschoren ist der Rasen.
Eine Wonne voller Rosenduft
Dringt tief in unsre Nasen.

 

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