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06 Jan 2017 07:28 #10932 von Kaninchen

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Die Heiligen drei Könige

Legende

Einst als am Saum der Wüsten sich
auftat die Hand des Herrn
wie eine Frucht, die sommerlich
verkündet ihren Kern,
da war ein Wunder: Fern
erkannten und begrüßten sich
drei Könige und ein Stern.
Drei Könige von Unterwegs
und der Stern Überall,
die zogen alle (überlegs!)
so rechts ein Rex und links ein Rex
zu einem stillen Stall.
Was brachten die nicht alles mit
zum Stall von Bethlehem!
Weithin erklirrte jeder Schritt,
und der auf einem Rappen ritt,
saß samten und bequem.
Und der zu seiner Rechten ging,
der war ein goldner Mann,
und der zu seiner Linken fing
mit Schwung und Schwing
und Klang und Kling
aus einem runden Silberding,
das wiegend und in Ringen hing,
ganz blau zu rauchen an.
Da lachte der Stern Überall
so seltsam über sie,
und lief voraus und stand am Stall
und sagte zu Marie:
Da bring ich eine Wanderschaft
aus vieler Fremde her.
Drei Könige mit magenkraft*,
von Gold und Topas schwer
und dunkel, tumb und heidenhaft,
erschrick mir nicht zu sehr.
Sie haben alle drei zuhaus
zwölf Töchter, keinen Sohn,
so bitten sie sich deinen aus
als Sonne ihres Himmelblaus
und Trost für ihren Thron.
Doch musst du nicht gleich glauben: bloß
ein Funkelfürst und Heidenscheich
sei deines Sohnes Los.
Bedenk, der Weg ist groß.
Sie wandern lange, Hirten gleich,
inzwischen fällt ihr reifes Reich
weiß Gott wem in den Schoß.
Und während hier, wie Westwind warm,
der Ochs ihr Ohr umschnaubt,
sind sie vielleicht schon alle arm
und so wie ohne Haupt.
Drum mach mit deinem Lächeln licht
die Wirrnis, die sie sind,
und wende du dein Angesicht
nach Aufgang und dein Kind;
dort liegt in blauen Linien,
was jeder dir verließ:
Smaragda und Rubinien
und die Tale von Türkis.

(Rainer Maria Rilke)

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06 Jan 2017 23:09 #10935 von Feschtbrueder


Epiphanias-Fest
       
Die heilgen drei König' mit ihrem Stern,
Sie essen, sie trinken, und bezahlen nicht gern;
Sie essen gern, sie trinken gern,
Sie essen, trinken, und bezahlen nicht gern.

Die heilgen drei König', sie kommen allhier,

Es sind ihrer drei und sind nicht ihrer vier;

Und wenn zu dreien der vierte wär,

So wär ein heilger drei König mehr.

Ich erster bin der weiß und auch der schön,

Bei Tage solltet ihr erst mich sehn!

Doch ach, mit allen Spezerein

Werd ich sein Tag kein Mädchen mir erfrein.

Ich aber bin der braun und bin der lang,

Bekannt bei Weibern wohl und bei Gesang.

Ich bringe Gold statt Spezerein,

Da werd ich überall willkommen sein.

Ich endlich bin der schwarz und bin der klein,

Und mag euch wohl einmal recht lustig sein.

Ich esse gern, ich trinke gern,

Ich esse, trinke und bedanke mich gern.

Die heilgen drei König' sind wohlgesinnt,

Sie suchen die Mutter und das Kind;

Der Joseph fromm sitzt auch dabei,

Der Ochs und Esel liegen auf der Streu.

Wir bringen Myrrhen, wir bringen Gold,

Dem Weihrauch sind die Damen hold;

Und haben wir Wein von gutem Gewächs,

So trinken wir drei so gut als ihrer sechs.

Da wir nun hier schöne Herrn und Fraun,

Aber keine Ochsen und Esel schaun,

So sind wir nicht am rechten Ort

Und ziehen unseres Weges weiter fort.

Johann Wolfgang von Goethe

:-) Humor ist, wenn man trotzdem lacht! Lachen ist die beste Medizin!

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