Gedichte

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28 Apr 2020 08:18 #28374 von Feschtbrueder
Der Hase und der Igel
 
Der Igel und der Hase,
sie sassen einst im Grase.
 
Der Igel zu dem Hasen spricht,
ich lauf dir weg, du kriegst mich nicht.
 
Der Hase sagt, du hast ‚n Knall,
kriege dich auf jeden Fall.
 
Sie rennen los nun alle beide,
der Igel schwingt die Stummelbeine,
 
dem Hasen fliegen weg die Ohren,
glaubt, der Igel hat schon längst verloren.
 
Am End der Strecke angekommen,
der Hase torkelt ganz benommen,
 
glaubt den Igel hinter sich,
als neben ihm die Stimme spricht:
 
Hase, wo biste denn geblieben,
warte hier schon seit halb sieben?
 
Der Hase traut den Ohren nicht,
es ist der Igel, der da spricht!
 
Der Igel ist ein schlauer Wicht,
unterschätze man die Kleinen nicht,
 
täuscht er doch  arg den armen Hasen,
lässt ihn um sein Leben rasen,
 
während Igelmann sich unterwegs vergnügt,
Igelfrau schon längst  im Ziele liegt.
 
Barbara Greskamp

:-) Humor ist, wenn man trotzdem lacht! Lachen ist die beste Medizin!

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29 Apr 2020 07:41 #28391 von Kaninchen


Der bayerische Spruch "I gang so gern auf´d Kampenwand, wenn i mit meiner Wamp´n kannt."
sollte allzu Ungeübten eine Warnung sein. Der Gipfel der Kampenwand in den Chiemgauer
Alpen erfordert Trittsicherheit und Schwindelfreiheit
foto dpa

Wenn i aufi die Berg' steig'
Und kraxel umanand,
Und schau aussi weitmächti
Jn's boarische Land,
Da wird mir in Herz drin
So wohl und so leicht,
Als wenn i 'n Pfarrer
Meine Sünden all beicht',
Da thu-r-i an Juchschroa
So laut i grad will
Und mach' glei an Purzelbaam,
Denn i hab halt viel G'fühl!

Josef Feller
1839 - 1915
bayerischer Mundartdichter

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30 Apr 2020 12:52 #28417 von Kaninchen
Was du erwirbst an Geist und Gut
Erwirb dir viel und gib das meiste fort.
Viel zu behalten hat den Wert von Sport.

Behalte Dinge, die du innig liebst,
bis du sie gern an Freunde weitergibst.

Liebe und halte frei dein Eigentum.
Besitz macht ruhelos und bringt nicht Ruhm.

Joachim Ringelnatz

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01 Mai 2020 06:45 #28431 von Feschtbrueder
Der Kuckuck und der Esel

Der Kuckuck und der Esel,
Die hatten grossen Streit,
Wer wohl am besten sänge
Zur schönen Maienzeit
Wer wohl am besten sänge
Zur schönen Maienzeit

Der Kuckuck sprach: „Das kann ich!“
Und hub gleich an zu schreien.
Ich aber kann es besser!
Fiel gleich der Esel ein.
Ich aber kann es besser!
Fiel gleich der Esel ein.

Das klang so schön und lieblich,
So schön von fern und nah;
Sie sangen alle beide
Kuckuck, Kuckuck, i-a!
Sie sangen alle beide
Kuckuck, Kuckuck, i-a!

Hoffmann von Fallersleben 



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01 Mai 2020 08:00 #28440 von Kaninchen


Der Mai ist gekommen

Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus.
Da bleibe wer Lust hat, mit Sorgen zu Haus.
Wie die Wolken dort wandern am himmlischen Zelt,
so steht auch mir der Sinn in die Weite, weite Welt.

Herr Vater, Frau Mutter, dass Gott euch behüt´!
Wer weiss, wo in der Ferne mein Glück mir noch blüht.
Es gibt so manche Strasse, da nimmer ich marschiert;
es gibt so manchen Wein, den nimmer ich probiert.

Frisch auf drum, frisch auf im hellen Sonnenstrahl,
wohl über die Berge, wohl durch das tiefe Tal!
Die Quellen erklingen, die Bäume rauschen all-
mein Herz ist wie ´ne Lerche und stimmet ein mit Schall.

Und abends im Städtchen, da kehr´ ich durstig ein:
Herr Wirt, mein Herr Wirt, eine Kanne blanken Wein!
Ergreife die Fiedel, du lustiger Spielmann du,
von meinem Schatz das Liedel, das sing´ ich dazu.

Und find ich keine Herberg´, so lieg´ ich zur Nacht
wohl unter blauem Himmel, die Sterne halten Wacht.
Im Winde, die Linde, die rauscht mich ein gemach,
es küsset in der Früh´ das Morgenrot mich wach.

O Wandern, o wandern, du freie Burschenlust!
Da wehet Gottes Odem so frisch in der Brust;
da singet und jauchzet das Herz zum Himmelszelt:
Wie bist du doch so schön, o du weite, weite Welt!

Emanuel Geibel, 1815-1884, deutscher Lyriker

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02 Mai 2020 08:08 #28461 von Kaninchen


Theodor Fontane


Frühling

Nun ist er endlich kommen doch
In grünem Knospenschuh;
"Er kam, er kam ja immer noch",
Die Bäume nicken sich's zu.

Sie konnten ihn all erwarten kaum,
Nun treiben sie Schuss auf Schuss;
Im Garten der alte Apfelbaum,
Er sträubt sich, aber er muss.

Wohl zögert auch das alte Herz
Und atmet noch nicht frei,
Es bangt und sorgt: "Es ist erst März
Und März ist noch nicht Mai."

O schüttle ab den schweren Traum
Und die lange Winterruh:
Es wagt es der alte Apfelbaum,
Herze, wag's auch du.

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