Gedichte
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13 Mär 2022 08:31 #40079
von Kaninchen
Ein Veilchen auf der Wiese stand,
gebückt in sich und unbekannt;
Es war ein herziges Veilchen.
Da kam eine junge Schäferin
mit leichtem Schritt und munterm Sinn
daher, daher,
die Wiese her und sang.
Ach !, denkt das Veilchen,
"wär´ ich nur
die schönste Blume der Natur.
ach nur ein kleines Weilchen,
bis mich das Liebchen abgepflückt
und an dem Busen mattgedrückt!
Ach nur, ach nur
ein Viertelstündchen lang.
Ach ! aber ach ! , das Mädchen kam
und nicht in acht das Veilchen nahm,
ertrat das arme Veilchen.
Es sank und starb und freut sich noch:
So sterb ich denn, so sterb ich doch
durch sie, durch sie,
zu ihren Füßen doch.
Johann Wolfgang von Goethe
gebückt in sich und unbekannt;
Es war ein herziges Veilchen.
Da kam eine junge Schäferin
mit leichtem Schritt und munterm Sinn
daher, daher,
die Wiese her und sang.
Ach !, denkt das Veilchen,
"wär´ ich nur
die schönste Blume der Natur.
ach nur ein kleines Weilchen,
bis mich das Liebchen abgepflückt
und an dem Busen mattgedrückt!
Ach nur, ach nur
ein Viertelstündchen lang.
Ach ! aber ach ! , das Mädchen kam
und nicht in acht das Veilchen nahm,
ertrat das arme Veilchen.
Es sank und starb und freut sich noch:
So sterb ich denn, so sterb ich doch
durch sie, durch sie,
zu ihren Füßen doch.
Johann Wolfgang von Goethe
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14 Mär 2022 07:41 #40089
von Kaninchen
Es scheint die Sonne nicht an allen Tagen,
wohl mancher ist in Nebel tiefgehüllt;
Nicht alle Blüten sieht man Früchte tragen,
viel heiße Wünsche bleiben unerfüllt;
Es kann das bare Leben
ein dauernd Glück nicht geben :
Doch wo zwei Herzen füreinander schlagen,
da werden leichter sie das Leid der Erde tragen.
Johann Dietrich Lüttringhaus
1814-1888
deutscher Pädagoge und Schriftsteller
Es scheint die Sonne nicht an allen Tagen,
wohl mancher ist in Nebel tiefgehüllt;
Nicht alle Blüten sieht man Früchte tragen,
viel heiße Wünsche bleiben unerfüllt;
Es kann das bare Leben
ein dauernd Glück nicht geben :
Doch wo zwei Herzen füreinander schlagen,
da werden leichter sie das Leid der Erde tragen.
Johann Dietrich Lüttringhaus
1814-1888
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15 Mär 2022 08:27 #40100
von Kaninchen
Wenn´s Frühling wird
Die ersten Keime sind, die zarten,
im goldnen Schimmer aufgesprossen;
Schon sind die ersten der Karossen
im Baumgarten.
Die Wandervögel wieder scharten
zusamm sich an der alten Stelle,
und bald stimmt ein auch die Kapelle
im Baumgarten.
Der Lenzwind plauscht in neuen Arten
die alten, wundersamen Märchen,
und draußen träumt das erste Pärchen
im Baumgarten.
Rainer Maria Rilke
1875-1926
österreichischer Erzähler und Lyriker
Wenn´s Frühling wird
Die ersten Keime sind, die zarten,
im goldnen Schimmer aufgesprossen;
Schon sind die ersten der Karossen
im Baumgarten.
Die Wandervögel wieder scharten
zusamm sich an der alten Stelle,
und bald stimmt ein auch die Kapelle
im Baumgarten.
Der Lenzwind plauscht in neuen Arten
die alten, wundersamen Märchen,
und draußen träumt das erste Pärchen
im Baumgarten.
Rainer Maria Rilke
1875-1926
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16 Mär 2022 08:15 #40110
von Kaninchen
Mir träumt, ich komm ans Himmelstor
und finde Dich, die Süße !
Du saßest bei dem Quell davor
und wuschest Dir die Füße.
Du wuschest, wuschest ohne Rast
den blendend weißen Schimmer,
begannst mit wunderlicher Hast
Dein Werk von neuem immer.
Ich frug : "Was badest Du Dich hier
mit tränennassen Wangen ?"
Du sprachst : "Weil ich im Staub mit Dir
so tief im Staub gegangen"
Conrad Ferdinand Meyer
1825-1898
Schweizer Novellist, Dichter und Epiker
Mir träumt, ich komm ans Himmelstor
und finde Dich, die Süße !
Du saßest bei dem Quell davor
und wuschest Dir die Füße.
Du wuschest, wuschest ohne Rast
den blendend weißen Schimmer,
begannst mit wunderlicher Hast
Dein Werk von neuem immer.
Ich frug : "Was badest Du Dich hier
mit tränennassen Wangen ?"
Du sprachst : "Weil ich im Staub mit Dir
so tief im Staub gegangen"
Conrad Ferdinand Meyer
1825-1898
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17 Mär 2022 12:12 #40121
von Kaninchen
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18 Mär 2022 12:05 #40135
von Kaninchen
Die beiden Hunde
Längs einem Strom im Felsenschlunde
ging einst ein Edelmann,
und ihn umhüpften seine beiden Hunde
Joli und Soliman.
Joli, das Windspiel, sprang mit tausend Possen
hinan an seinen Herrn,
indessen steht verstoßen
der arme Pudel fern.
Den armen liebt man nicht,
er kann nicht schmeicheln,
zu finster ist sein Blick,
und statt den treuen, wie Joli, zu streicheln,
stößt man ihn stets zurück.
Nun aber wankt der Herr am Strande
mit ungewissem Fuß,
und stürzet plötzlich von dem glatten Rande
des Abgrunds in den Fluß.
Indes Joli mit bangem Bellen
am hohen Ufer steht,
sich in dem Spiegel glatter Wellen
begaffet und dann geht,
stürzt sich der brave, stets verschmähte Pudel
hinab vom Strand,
entreißet mühsam seinen Herrn dem Strudel
und trägt ihn froh ans Land.
Oh möge diese Fabel lehren,
wie oft der Schein belügt;
nur die Gefahr kann einen Freund bewähren -
die Außenseite trügt
Längs einem Strom im Felsenschlunde
ging einst ein Edelmann,
und ihn umhüpften seine beiden Hunde
Joli und Soliman.
Joli, das Windspiel, sprang mit tausend Possen
hinan an seinen Herrn,
indessen steht verstoßen
der arme Pudel fern.
Den armen liebt man nicht,
er kann nicht schmeicheln,
zu finster ist sein Blick,
und statt den treuen, wie Joli, zu streicheln,
stößt man ihn stets zurück.
Nun aber wankt der Herr am Strande
mit ungewissem Fuß,
und stürzet plötzlich von dem glatten Rande
des Abgrunds in den Fluß.
Indes Joli mit bangem Bellen
am hohen Ufer steht,
sich in dem Spiegel glatter Wellen
begaffet und dann geht,
stürzt sich der brave, stets verschmähte Pudel
hinab vom Strand,
entreißet mühsam seinen Herrn dem Strudel
und trägt ihn froh ans Land.
Oh möge diese Fabel lehren,
wie oft der Schein belügt;
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