Gedichte

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14 Apr 2024 15:12 #47648 von Kaninchen
 

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16 Apr 2024 13:08 #47671 von Kaninchen
 

Ein Vogel saß auf einem Baum
und unten ging ein Mann.
Da sprach der Vogel : "Ei der Daus,
dem zeig ich, was ich kann".

Er ließ sodann von oben her
sein schönstes Lied erschallen,
doch weil der Mann nicht aufwärts sah,
da läßt er etwas fallen.

Das merkte sich der Mann im Nu,
jetzt sah er gleich nach oben.
Und da das Resultat ihn traf,
da fing er an zu toben.

Nun fragt ihr mich nach der Moral
von Vöglein und dem Mann :
Die Kunst hat´s schwer heut allzumal.
Der Mist kommt immer an.

Heinz Schenk

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19 Apr 2024 14:44 #47711 von Kaninchen
 

Maiglöckchen und die Blümelein

Maiglöckchen läutet in dem Tal,
das klingt so hell und fein,
so kommt zum Reigen allzumal
ihr lieben Blümelein !

Die Blümchen blau und gelb und weiß
sie kommen all herbei,
Vergißmeinnicht und Ehrenpreis
und Veilchen sind dabei.

Maiglöckchen spielt zum Tanz im Nu
und alle tanzen dann.
Der Mond sieht ihnen freundlich zu,
hat seine Freude dran.

Den Junker Reif verdroß das sehr,
er kommt ins Tal hinein;
Maiglöckchen spielt zum Tanz nicht mehr.
Fort sind die Blümelein.

Doch kaum der Reif das Tal verläßt,
da rufet wieder schnell
Maiglöckchen auf zum Frühlingsfest
und leuchtet doppelt hell.

Nun hält´s auch mich nicht mehr zu Haus,
Maiglöckchen ruft auch mich,
die Blümchen gehn zum Tanze auch,
Zum Tanzen geh auch ich !

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20 Apr 2024 16:17 #47729 von Kaninchen
 

Vom kleinen Alltag

Nichts ist so rührend wie die Habseligkeiten
der Todten, ihre Kleider und Wäsche und alle
die kleinen verlassenen Gegenstände. Sie liegen
so arm umher und warten, daß wieder Hände
sie nehmen mit wärmenden zärtlichen Fingern.
Sie frieren so sehr und haben auf einmal Augen,
die bitten, sie nicht zu verachten. Aber da kommen
die Menschen, sie teilend nach Wert und Unwert, legen,
was brauchbar, beiseit und häufen das andre zusammen.
So manches findet sich da. Hier hat sich der Tote
noch neue Brillen gekauft, in seiner Brieftasche
sind noch Marken und in der Schreibtischlade
drei, vier Cigarren, gespart für besonderen Anlaß.
Nun nimmt sie der Erbe und prüft sie, ob sie auch trocken.
Dann zündet er sich eine an und raucht sie ...

Anton Wildgans
österr. Lyriker

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24 Apr 2024 16:05 #47779 von Kaninchen
 

Die Ballade vom Papagei

In Wien entkam ein Papagei.
Und als der arme Vogel frei,
rief deutlich er die Worte bald:
»Der wird noch hundert Jahre alt!«

Er rief es früh, er rief es spat,
er rief es durch die ganze Stadt,
er rief es durch den Wienerwald:
»Der wird noch hundert Jahre alt!«

Man fing den klugen Papagei,
doch setzte fort er sein Geschrei.
Er schrie, als wäre er bezahlt:
»Der wird noch hundert Jahre alt!«

Was fällt dem losen Vogel bei?
Und wem gehört der Papagei?
So riet man hin und riet man her,
von wo er denn entflogen wär’.

Da brachte man den Papagei
aufs Fundbureau zur Polizei.
Dort schrie er erst mit aller G’walt:
»Der wird noch hundert Jahre alt!«

Kaum daß er diesen Ruf getan,
sahn sich die Fundbeamten an,
sofort entschied der Kommissär:
»Der Vogel g’hört ins Belvedere!«

Gleich fragt dort an ein Polizist,
ob man nicht so etwas vermißt.
Erfreut sagt man, daß dem so sei,
und es kehrt heim der Papagei.

Mit Ungeduld erwartet ihn
schon längst die Frau Erzherzogin.
Und es versetzt Franz Ferdinand:
»Ich bin vom Warten abgespannt!

Wo warst du denn die ganze Zeit?
Erzähl die letzte Neuigkeit!«
Da ruft er, daß im Schloß es schallt:
»Der wird noch hundert Jahre alt!«

Erzürnt sagt drauf Erzherzog Franz:
»Ja, jetzt erkenne ich dich ganz!«
Und es ergänzte die Sophie:
»Das ist die alte Melodie!«

Der Erzherzog war recht erbost:
»Weißt du mir keinen andern Trost?
Geht das so fort, so werd’ ich halt
noch selber hundert Jahre alt!«

Jedoch dem klugen Papagei
war dieser Standpunkt einerlei.
Er rief- die Wirkung ließ ihn kalt:
»Noch hundert Jahre wirst du alt!«

Er übertrieb. Denn um ein Jahr
war diese Ansicht nicht mehr wahr.
Der Papagei, stumm trauert er
in dem verwaisten Belvedere.

Er schwingt sich auf- was will er tun?
Er ist schon fort — schon in Schönbrunn.
Mit der ihm eignen Konsequenz
fliegt er direkt zur Audienz.

Klar ist’s, daß ihn sein Herz herzog;
denn er beweint den Erzherzog.
Er singt sein Lied, sein Gott erhalt’:
»Der wird noch hundert Jahre alt!«

Und vor ihm steht ein Heldengreis,
der sich nicht mehr zu helfen weiß.
Der Vogel kreischt um die Gestalt:
»Der wird noch hundert Jahre alt!«

»So schrei nur, bis du heiser bist!«
»Ich schrei, solang du Kaiser bist!«
»Was ist denn das für eine Art?
Mir bleibt bekanntlich nichts erspart.

Trotzdem hat es mich sehr gefreut,
ich bin erst fünfundachtzig heut.
Das weitere werden wir noch sehn.
Bisher, das weiß ich, war’s sehr schön.

Du prophezeist mir, hoff ich, gut.
Doch bis dahin brauch’ ich noch Blut.
Denn jetzt bin ich, das ist doch klar,
bin jetzt erst fünfundachtzig Jahr’.

Noch fünfzehn Jahr, du kluges Tier,
leb’ ich fürs blutige Pläsier.
Dann gratulier, hast du noch Lust,
mir erst zum 18. August.«

Da ward dem armen Vogel bang.
Der Weltkrieg dauert ihm zu lang.
Und er verließ den grausen Ort
und sprach nicht mehr das alte Wort.

Die Jahre gingen nach und nach.
Es starb das Tier, von Alter schwach.
Es starb die Welt. Es starb die Zeit.
Es starb das Lied. Es starb das Leid.

Nur einer blieb. Nur einer war.
Nur einer wurde hundert Jahr’.
Und in des Todes Einerlei
lebt fort ein Urgroßpapagei.

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28 Apr 2024 11:33 #47839 von Kaninchen
 

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