Gedichte
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25 Apr 2025 13:59 #52302
von Kaninchen
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26 Apr 2025 15:07 #52316
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27 Apr 2025 10:10 #52323
von Kaninchen
Der Heilige Antonius von Padua
Wallfahrt
Ein Christ verspüret großen Drang,
Das heil’ge Grab zu sehn;
Drum will Antonius schon lang
Dahin wallfahrten gehn.
Es schickt sich, daß ein frommer Mann
Die Sache überlegt;
Er schafft sich einen Esel an,
Der ihm den Ranzen trägt.
So zogen sie hinaus zum Tor
Und fürder allgemach;
Der Heilige, der ging hervor,
Der Esel hinten nach.
Da kam aus seinem Hinterhalt
Ein Bär in schnellem Lauf;
Er greift den Esel alsobald
Und zehrt ihn mählich auf.
Antonius, als ein guter Christ,
Schaut’s an mit Seelenruh’:
„He, Alter! Wenn du fertig bist, –
Wohlan! – so trage du!“
Der heilige Antonius macht
Sich bald das Ding bequem;
Er setzt sich auf und reitet sacht
Bis nach Jerusalem.
Wo Salomonis Tempel stand,
Liegt mancher dicke Stein;
Den allerdicksten, den er fand,
Packt St. Antonius ein.
Er sprach: „Den Stein, den nehm’ ich mit!“
Der Bär, der macht: Brumm brumm!
Das hilft ihm aber alles nit,
Wir kümmern uns nicht drum.
Der Bär, obschon ganz krumm und matt,
Setzt sich in kurzen Trab
Bis hin nach Padua der Stadt;
Da stieg Antonius ab.
Und milde sprach der heil’ge Mann:
„Mein Freund, du kannst nun gehn!
Und wie es einem gehen kann,
Das hast du nun gesehn!“
Der Bär, als er zum Walde schlich,
Der brummte vor sich her:
„Mein lebelang bekümmr’ ich mich
Um keinen Esel mehr!“
Wilhelm Busch
Der Heilige Antonius von Padua
Wallfahrt
Ein Christ verspüret großen Drang,
Das heil’ge Grab zu sehn;
Drum will Antonius schon lang
Dahin wallfahrten gehn.
Es schickt sich, daß ein frommer Mann
Die Sache überlegt;
Er schafft sich einen Esel an,
Der ihm den Ranzen trägt.
So zogen sie hinaus zum Tor
Und fürder allgemach;
Der Heilige, der ging hervor,
Der Esel hinten nach.
Da kam aus seinem Hinterhalt
Ein Bär in schnellem Lauf;
Er greift den Esel alsobald
Und zehrt ihn mählich auf.
Antonius, als ein guter Christ,
Schaut’s an mit Seelenruh’:
„He, Alter! Wenn du fertig bist, –
Wohlan! – so trage du!“
Der heilige Antonius macht
Sich bald das Ding bequem;
Er setzt sich auf und reitet sacht
Bis nach Jerusalem.
Wo Salomonis Tempel stand,
Liegt mancher dicke Stein;
Den allerdicksten, den er fand,
Packt St. Antonius ein.
Er sprach: „Den Stein, den nehm’ ich mit!“
Der Bär, der macht: Brumm brumm!
Das hilft ihm aber alles nit,
Wir kümmern uns nicht drum.
Der Bär, obschon ganz krumm und matt,
Setzt sich in kurzen Trab
Bis hin nach Padua der Stadt;
Da stieg Antonius ab.
Und milde sprach der heil’ge Mann:
„Mein Freund, du kannst nun gehn!
Und wie es einem gehen kann,
Das hast du nun gesehn!“
Der Bär, als er zum Walde schlich,
Der brummte vor sich her:
„Mein lebelang bekümmr’ ich mich
Um keinen Esel mehr!“
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30 Apr 2025 17:30 #52358
von Kaninchen
Storm, Theodor
Walpurgisnacht
Am Kreuzweg weint die verlassene Maid,
Sie weint um verlassene Liebe.
Die klagt den fliegenden Wolken ihr Leid,
Ruft Himmel und Hölle zu Hülfe.-
Da stürmt es heran durch die finstere Nacht,
Die Eiche zittert, die Fichte kracht,
Es flattern so krächzend die Raben.
Am Kreuzweg feiert der Böse sein Fest,
Mit Sang und Klang und Reigen:
Die Eule rafft sich vom heimlichen Nest
Und lädt viel luftige Gäste.
Die stürzen sich jach durch die Lüfte heran,
Geschmückt mit Distel und Drachenzahn,
Und grüßen den harrenden Meister.
Und über die Heide weit und breit
Erschallt es im wilden Getümmel.
"Wer bist du, du schöne, du lustige Maid?
Juchheisa, Walpurgis ist kommen!
Was zauderst du, Hexchen, komm, springe mit ein,
Sollst heute des Meisters Liebste sein,
Du schöne, du lustige Dirne!"
Der Nachtwind peitscht die tolle Schar
Im Kreis um die weinende Dirne,
Da packt sie der Meister am goldenen Haar
Und schwingt sie im sausenden Reigen,
Und wie im Zwielicht der Auerhahn schreit,
Da hat der Teufel die Dirne gefreit
Und hat sie nimmer gelassen.
Walpurgisnacht
Am Kreuzweg weint die verlassene Maid,
Sie weint um verlassene Liebe.
Die klagt den fliegenden Wolken ihr Leid,
Ruft Himmel und Hölle zu Hülfe.-
Da stürmt es heran durch die finstere Nacht,
Die Eiche zittert, die Fichte kracht,
Es flattern so krächzend die Raben.
Am Kreuzweg feiert der Böse sein Fest,
Mit Sang und Klang und Reigen:
Die Eule rafft sich vom heimlichen Nest
Und lädt viel luftige Gäste.
Die stürzen sich jach durch die Lüfte heran,
Geschmückt mit Distel und Drachenzahn,
Und grüßen den harrenden Meister.
Und über die Heide weit und breit
Erschallt es im wilden Getümmel.
"Wer bist du, du schöne, du lustige Maid?
Juchheisa, Walpurgis ist kommen!
Was zauderst du, Hexchen, komm, springe mit ein,
Sollst heute des Meisters Liebste sein,
Du schöne, du lustige Dirne!"
Der Nachtwind peitscht die tolle Schar
Im Kreis um die weinende Dirne,
Da packt sie der Meister am goldenen Haar
Und schwingt sie im sausenden Reigen,
Und wie im Zwielicht der Auerhahn schreit,
Da hat der Teufel die Dirne gefreit
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02 Mai 2025 18:21 #52380
von Kaninchen
August Heinrich Hoffmann von Fallersleben,
Maiglöckchen und die Blümelein
Maiglöckchen läutet in dem Tal,
das klingt so hell und fein,
so kommt zum Reigen allzumal,
ihr lieben Blümelein!
Die Blümchen, blau und gelb und weiß
Sie kommen all herbei,
Vergißmeinnicht und Ehrenpreis
und Veilchen sind dabei.
Maiglöckchen spielt zum Tanz im Nu
und alle tanzen dann.
Der Mond sieht ihnen freundlich zu,
hat seine Freude dran.
Den Junker Reif verdroß das sehr,
Er kommt ins Tal hinein;
Maiglöckchen spielt zum Tanz nicht mehr.
Fort sind die Blümelein.
Doch kaum der Rief das Tal verläßt,
da rufet wieder schnell
Maiglöckchen auf zum Frühlingsfest
und leuchtet doppelt hell.
Nun hält's auch mich nicht mehr zu Haus
Maiglöckchen ruft auch mich.
Die Blümchen gehn zum Tanze aus,
zum Tanzen geh auch ich!
August Heinrich Hoffmann von Fallersleben,
Maiglöckchen und die Blümelein
Maiglöckchen läutet in dem Tal,
das klingt so hell und fein,
so kommt zum Reigen allzumal,
ihr lieben Blümelein!
Die Blümchen, blau und gelb und weiß
Sie kommen all herbei,
Vergißmeinnicht und Ehrenpreis
und Veilchen sind dabei.
Maiglöckchen spielt zum Tanz im Nu
und alle tanzen dann.
Der Mond sieht ihnen freundlich zu,
hat seine Freude dran.
Den Junker Reif verdroß das sehr,
Er kommt ins Tal hinein;
Maiglöckchen spielt zum Tanz nicht mehr.
Fort sind die Blümelein.
Doch kaum der Rief das Tal verläßt,
da rufet wieder schnell
Maiglöckchen auf zum Frühlingsfest
und leuchtet doppelt hell.
Nun hält's auch mich nicht mehr zu Haus
Maiglöckchen ruft auch mich.
Die Blümchen gehn zum Tanze aus,
zum Tanzen geh auch ich!
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03 Mai 2025 09:21 #52381
von Kaninchen
Joachim Ringelnatz
Maikäfermalen
Setze Maikäfer in Tinte. (Es geht auch mit Fliegen.)
Zweierlei Tinte ist noch besser, schwarz und rot.
Lass sie aber nicht zu lange darin liegen,
Sonst werden sie tot.
Flügel brauchst du nicht erst rauszureißen.
Dann musst du sie alle schnell aufs Bett schmeißen
Und mit einem Bleistift so herumtreiben,
Dass sie lauter komische Bilder und Worte schreiben.
Bei mir schrieben sie einmal ein ganzes Gedicht.
– – – –
Wenn deine Mutter kommt, mache ein dummes Gesicht;
Sage ganz einfach: »Ich war es nicht!«
Joachim Ringelnatz
Maikäfermalen
Setze Maikäfer in Tinte. (Es geht auch mit Fliegen.)
Zweierlei Tinte ist noch besser, schwarz und rot.
Lass sie aber nicht zu lange darin liegen,
Sonst werden sie tot.
Flügel brauchst du nicht erst rauszureißen.
Dann musst du sie alle schnell aufs Bett schmeißen
Und mit einem Bleistift so herumtreiben,
Dass sie lauter komische Bilder und Worte schreiben.
Bei mir schrieben sie einmal ein ganzes Gedicht.
– – – –
Wenn deine Mutter kommt, mache ein dummes Gesicht;
Sage ganz einfach: »Ich war es nicht!«
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