Gedichte
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30 Mai 2025 17:32 #52713
von Kaninchen
Der Baum in der Wüste
Franz Graf von Pocci
Als Maria mit dem Kinde,Feder von
Nach Ägypten auf der Flucht
Von des Tages Wandrung müde,
in dem Schatten Ruhe sucht,
Da sie zu des heil’gen Kindleins
Labung bang nach Früchten spät:
Schaut sie endlich in der Wüste
einen Baum, der einsam steht.
Seine Zweige schwer belastet
Sind mit Früchten reich geschmückt,
Was die liebevolle Mutter
Ob des Kindleins hoch entzückt.
Wie sie sich dem Baume nahet,
Von den Früchten pflücken will,
sieht sie, dass zu hoch sie hangen,
Und sie weint betrübet still.
Doch des Baumes schlanke Zweige
Neigen nun zur Erde sich,
Gleich als ob sie freundlich sprächen:
Heilige Maria, brich!
Brich die Früchte, die wir bieten
Dir und dem geliebten Kind,
Dem wir, gleichwie des Erschaffnen
Alle, untertänig sind.
Und Maria brach die Früchte
Und pries Gottes Allmacht laut,
Niederkniend voll der Demut,
Als das Wunder sie geschaut.
Der Baum in der Wüste
Franz Graf von Pocci
Als Maria mit dem Kinde,Feder von
Nach Ägypten auf der Flucht
Von des Tages Wandrung müde,
in dem Schatten Ruhe sucht,
Da sie zu des heil’gen Kindleins
Labung bang nach Früchten spät:
Schaut sie endlich in der Wüste
einen Baum, der einsam steht.
Seine Zweige schwer belastet
Sind mit Früchten reich geschmückt,
Was die liebevolle Mutter
Ob des Kindleins hoch entzückt.
Wie sie sich dem Baume nahet,
Von den Früchten pflücken will,
sieht sie, dass zu hoch sie hangen,
Und sie weint betrübet still.
Doch des Baumes schlanke Zweige
Neigen nun zur Erde sich,
Gleich als ob sie freundlich sprächen:
Heilige Maria, brich!
Brich die Früchte, die wir bieten
Dir und dem geliebten Kind,
Dem wir, gleichwie des Erschaffnen
Alle, untertänig sind.
Und Maria brach die Früchte
Und pries Gottes Allmacht laut,
Niederkniend voll der Demut,
Als das Wunder sie geschaut.
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02 Jun 2025 17:34 #52747
von Kaninchen
Flora von Bistram
Rosenballade
Ich gehe durch verwildert‘ Land,
verschlungen stehen Kraut und Blumen,
zerborsten ist schon lang die Wand
des alten Hauses. Dunkle Krumen
der Erde liegen hart und schwer.
Doch sehe ich im Nähergehen,
mit Zweigen, völlig blätterleer,
den dürren Dornenstrauch dort stehen.
Die Sonne lacht, der Wind leis weht,
ganz zart berühr ich ihn, den Kargen,
der rissig, rau und trocken steht
und wünscht, er würde Rosen tragen.
Ich setz mich auf den großen Stein,
der vor dem trock’nen Dornbusch liegt,
tauch in das Frühlingweben ein,
das tanzend eine Birke wiegt.
Mein Taschenmesser ist zur Hand,
behutsam schneid das Holz ich aus,
und säubere das Stückchen Land
dort an dem alt-zerfall‘nen Haus.
Nach Wochen lockt die Sommerluft
mich wieder zu dem alten Garten,
es ist, als ob ein Stimmchen ruft:
Komm, lass uns doch nicht länger warten!
Mein Herz schlägt laut und hüpft vor Glück,
denn schon von weitem kann ich sehen,
das Leben kam zum Busch zurück
und ließ das Sterbegrau verwehen.
So grüne Blätter, dicht an dicht
und Blüten, die in Duft mich hüllen.
Und leise eine Blüte spricht:
So kann sich mancher Wunsch erfüllen.
Flora von Bistram
Rosenballade
Ich gehe durch verwildert‘ Land,
verschlungen stehen Kraut und Blumen,
zerborsten ist schon lang die Wand
des alten Hauses. Dunkle Krumen
der Erde liegen hart und schwer.
Doch sehe ich im Nähergehen,
mit Zweigen, völlig blätterleer,
den dürren Dornenstrauch dort stehen.
Die Sonne lacht, der Wind leis weht,
ganz zart berühr ich ihn, den Kargen,
der rissig, rau und trocken steht
und wünscht, er würde Rosen tragen.
Ich setz mich auf den großen Stein,
der vor dem trock’nen Dornbusch liegt,
tauch in das Frühlingweben ein,
das tanzend eine Birke wiegt.
Mein Taschenmesser ist zur Hand,
behutsam schneid das Holz ich aus,
und säubere das Stückchen Land
dort an dem alt-zerfall‘nen Haus.
Nach Wochen lockt die Sommerluft
mich wieder zu dem alten Garten,
es ist, als ob ein Stimmchen ruft:
Komm, lass uns doch nicht länger warten!
Mein Herz schlägt laut und hüpft vor Glück,
denn schon von weitem kann ich sehen,
das Leben kam zum Busch zurück
und ließ das Sterbegrau verwehen.
So grüne Blätter, dicht an dicht
und Blüten, die in Duft mich hüllen.
Und leise eine Blüte spricht:
So kann sich mancher Wunsch erfüllen.
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03 Jun 2025 18:02 #52754
von Kaninchen
Aston Luise
Die wilde Rose
Da droben auf einsamer Höhe
Die wilde Rose blüht.
Und wer sie von Ferne gesehen,
in heißer Sehnsucht erglüht.
Zu ihr über Felsen und Klüfte
ein kühner Jäger klimmt
Schon ist er in nächster Nähe-
Das Auge in Thränen ihm schwimmt.
Er will sie erfassen und pflücken
da strauchelt jäh sein Fuß,
des Abgrunds finstere Tiefe
Empfängt ihn mit kaltem Kuß.
Dort droben auf einsamer Höhe
Die wilde Rose blüht.
Und wer sie von Ferne gesehen
in heißer Sehnsucht erglüht.
Aston Luise
Die wilde Rose
Da droben auf einsamer Höhe
Die wilde Rose blüht.
Und wer sie von Ferne gesehen,
in heißer Sehnsucht erglüht.
Zu ihr über Felsen und Klüfte
ein kühner Jäger klimmt
Schon ist er in nächster Nähe-
Das Auge in Thränen ihm schwimmt.
Er will sie erfassen und pflücken
da strauchelt jäh sein Fuß,
des Abgrunds finstere Tiefe
Empfängt ihn mit kaltem Kuß.
Dort droben auf einsamer Höhe
Die wilde Rose blüht.
Und wer sie von Ferne gesehen
in heißer Sehnsucht erglüht.
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05 Jun 2025 11:31 #52774
von Kaninchen
Vom Dorfe schon die Abendglocken klangen,
Die müden Vöglein gingen auch zur Ruh,
Nur auf den Wiesen noch die Heimchen sangen
Und von den Bergen rauscht' der Wald dazu;
Da kam ein Wandrer durch die Ährenwogen,
Aus fernen Landen schien er hergezogen.
Vor seinem Hause, unter blühnden Lauben
Lud ihn ein Mann zum fröhl'chen Rasten ein,
Die junge Frau bracht Wein und Brot und Trauben,
Setzt dann, umspielt vom letzten Abendschein,
Sich neben ihn und blickt halb scheu, halb lose,
Ein lockig Knäblein lächelnd auf dem Schoße.
Ihr dünkt, er wär schon einst im Dorf gewesen,
Und doch so fremd und seltsam war die Tracht,
In seinen Mienen feur'ge Schrift zu lesen
Gleich Wetterleuchten fern bei stiller Nacht,
Und traf sein Auge sie, wollt ihr fast grauen,
Denn 's war, wie in den Himmelsgrund zu schauen.
Und wie sich kühler nun die Schatten breiten:
Vom Berg Vesuv, der über Trümmern raucht,
Vom blauen Meer, wo Schwäne singend gleiten,
Kristallnen Inseln, blühend draus getaucht,
Und Glocken, die im Meeresgrunde schlagen,
Wußt wunderbar der schöne Gast zu sagen.
»Hast viel erfahren, willst du ewig wandern?«
Sprach drauf sein Wirt mit herzlichem Vertraun,
»Hier kannst du froh genießen wie die andern,
Am eignen Herd dein kleines Gärtchen baun,
Des Nachbars Töchter haben reiche Truhen,
Ruh endlich aus, brauchst nicht allein zu ruhen.«
Da stand der Wandrer auf, es blühten Sterne
Schon aus dem Dunkel überm stillen Land,
»Gesegn euch Gott! mein Heimatland liegt ferne. –«
Und als er von den beiden sich gewandt,
Kam himmlisch Klingen von der Waldeswiese –
So sternklar war noch keine Nacht wie diese
Nur auf den Wiesen noch die Heimchen sangen
Und von den Bergen rauscht' der Wald dazu;
Da kam ein Wandrer durch die Ährenwogen,
Aus fernen Landen schien er hergezogen.
Vor seinem Hause, unter blühnden Lauben
Lud ihn ein Mann zum fröhl'chen Rasten ein,
Die junge Frau bracht Wein und Brot und Trauben,
Setzt dann, umspielt vom letzten Abendschein,
Sich neben ihn und blickt halb scheu, halb lose,
Ein lockig Knäblein lächelnd auf dem Schoße.
Ihr dünkt, er wär schon einst im Dorf gewesen,
Und doch so fremd und seltsam war die Tracht,
In seinen Mienen feur'ge Schrift zu lesen
Gleich Wetterleuchten fern bei stiller Nacht,
Und traf sein Auge sie, wollt ihr fast grauen,
Denn 's war, wie in den Himmelsgrund zu schauen.
Und wie sich kühler nun die Schatten breiten:
Vom Berg Vesuv, der über Trümmern raucht,
Vom blauen Meer, wo Schwäne singend gleiten,
Kristallnen Inseln, blühend draus getaucht,
Und Glocken, die im Meeresgrunde schlagen,
Wußt wunderbar der schöne Gast zu sagen.
»Hast viel erfahren, willst du ewig wandern?«
Sprach drauf sein Wirt mit herzlichem Vertraun,
»Hier kannst du froh genießen wie die andern,
Am eignen Herd dein kleines Gärtchen baun,
Des Nachbars Töchter haben reiche Truhen,
Ruh endlich aus, brauchst nicht allein zu ruhen.«
Da stand der Wandrer auf, es blühten Sterne
Schon aus dem Dunkel überm stillen Land,
»Gesegn euch Gott! mein Heimatland liegt ferne. –«
Und als er von den beiden sich gewandt,
Kam himmlisch Klingen von der Waldeswiese –
So sternklar war noch keine Nacht wie diese
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06 Jun 2025 10:48 #52788
von Kaninchen
Beim Einkaufsbummel
Eine rundliche goldbraune Hummel
unternahm ihren täglichen Einkaufsbummel.
Im duftenden Goldlack flog sie von Blüte zu Blüte,
schnell war mit Nektar gefüllt ihre Einkaufstüte.
Zielstrebig flog sie zurück ins Hummelhaus
und packte dort ihre gesammelten Schätze aus.
Die kleinen Hummeln riefen: Wir wollen davon mehr,
bring uns von dem Goldlack-Blütenstaub mehr her,
er ist besonders köstlich, wir lieben ihn gar sehr.
Eifrig startete die fleißige Hummel wieder hinaus,
doch plötzlich, oh Schreck und Graus,
zog ein Gewittersturm mit starkem Regen auf,
schnell rettete sich die Hummel wieder nach Haus.
Die kleinen Hummeln waren böse und ärgerten sich,
Du hast den gewünschten Nektar vergessen, sicherlich.
„Das war höhere Gewalt, meine dummen Schwestern,
deshalb gibt’s heut nur noch die Reste von gestern“!
Hannelore Knödler-Stojanovic, Ludwigsburg
Beim Einkaufsbummel
Eine rundliche goldbraune Hummel
unternahm ihren täglichen Einkaufsbummel.
Im duftenden Goldlack flog sie von Blüte zu Blüte,
schnell war mit Nektar gefüllt ihre Einkaufstüte.
Zielstrebig flog sie zurück ins Hummelhaus
und packte dort ihre gesammelten Schätze aus.
Die kleinen Hummeln riefen: Wir wollen davon mehr,
bring uns von dem Goldlack-Blütenstaub mehr her,
er ist besonders köstlich, wir lieben ihn gar sehr.
Eifrig startete die fleißige Hummel wieder hinaus,
doch plötzlich, oh Schreck und Graus,
zog ein Gewittersturm mit starkem Regen auf,
schnell rettete sich die Hummel wieder nach Haus.
Die kleinen Hummeln waren böse und ärgerten sich,
Du hast den gewünschten Nektar vergessen, sicherlich.
„Das war höhere Gewalt, meine dummen Schwestern,
deshalb gibt’s heut nur noch die Reste von gestern“!
Hannelore Knödler-Stojanovic, Ludwigsburg
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07 Jun 2025 13:28 #52797
von Kaninchen
Sphinx in Rosen
Aus weißem Stein geformt, im Junigarten,
Liegt eine Sphinx, die greulichste der Katzen.
Es küssen ihr die zierlichsten Standarten
Die Rosen, windgeschaukelt, leicht die Tatzen.
Das Untier schweigt, die Lippen offenbarten
Wie schon zu Ramses Zeiten - leere Fratzen.
Und schweigt, und schweigt, und läßt auf Antwort warten.
Im stillen Garten schwatzen nur die Spatzen.
Detlev von Liliencron
Sphinx in Rosen
Aus weißem Stein geformt, im Junigarten,
Liegt eine Sphinx, die greulichste der Katzen.
Es küssen ihr die zierlichsten Standarten
Die Rosen, windgeschaukelt, leicht die Tatzen.
Das Untier schweigt, die Lippen offenbarten
Wie schon zu Ramses Zeiten - leere Fratzen.
Und schweigt, und schweigt, und läßt auf Antwort warten.
Im stillen Garten schwatzen nur die Spatzen.
Detlev von Liliencron
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