Gedichte

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27 Mär 2020 05:32 - 27 Mär 2020 05:32 #27661 von Feschtbrueder
Ein Singsang vom Rheine

Herr Steuermann, Herr Steuermann,
leg an der Brück von Köllen an!
Ein Schifflein kommt gefahren
wohl über den grünen Rhein.
Was hat das Schiff geladen?

Ei, roten Wein,
ei, weissen Wein,
den hat das Schiff geladen.

Zu Köllen an der Brücke,
da tagt der hohe Rat am Rhein.
Was wollen die Herren trinken?
Ei, roten Wein,
ei, weissen Wein,
den wollen die Herren trinken.

Ein Schifflein kommt gefahren
wohl über den grünen Rhein.
Was hat das Schiff geladen?
Ei, blonde Jüngferlein,
ei, braune Jüngferlein,
die hat das Schiff geladen.

Zu Köllen an der Brücke,
da tagt der hohe Rat am Rhein.
Wen wollen die Herren küssen?
Ei, blonde Jüngferlein,
ei, braune Jüngferlein,
die wollen die Herren küssen.

Herr Steuermann, Herr Steuermann,
leg an der Brück von Köllen an!

Paula Dehmel

:-) Humor ist, wenn man trotzdem lacht! Lachen ist die beste Medizin!
Letzte Änderung: 27 Mär 2020 05:32 von Feschtbrueder. Grund: Formatierung

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27 Mär 2020 07:42 - 27 Mär 2020 08:06 #27678 von Kaninchen
Tante Klara macht am Abend
manchmal sich ein warmes Bad,
radelt gern und mag Bananen
oder Ananassalat.


Edgar Degas Frau in der Badewanne

Besengret, die Wetterhexe,
hext den Regen, hext den Schnee,
fegt auf ihrem Hexenbesen
über Felder, Berg und See.



Zipf und Kipf, die beiden Wichtel,
sitzen schon seit Viertel vier
auf dem Fliegenpilz und trinken
Wichtelwein und Wichtelbier.



Oben jodelt, oh wie komisch,
Onkel Otto aus Tirol,
hat ein Loch im Hosenboden
und kocht morgen Rosenkohl.



Unten schlurft durch dunkle Stuben
Urgroßmutter Uhlenfuß,
brummt und braut Rapunzelsuppe,
Wurzelwein und Gurkenmus.



Werner Halle, in „Die Wundertüte“,
Alte und neue Gedichte für Kinder.
Reclam 1989 und 2005
Letzte Änderung: 27 Mär 2020 08:06 von Kaninchen.

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28 Mär 2020 08:08 #27700 von Kaninchen


März

Sprich noch nicht vom Frühling, es ist zu früh!
So lockend die Sonne vom Himmel blitzt,
so lockend alles gänzt und glitzt…
Sprich noch nicht vom Frühling, es ist zu früh!
Es werden Tage wieder kommen,
bevor erblüht, wovon du träumst,
da alles wie vorher trostlos weh
im Regen sich begräbt und Schnee,
Tage voll Traurigkeit, Tage voll Müh…
sprich noch nicht vom Frühling, es ist zu früh!

Und doch und dennoch: Mit jubelndem Liede
grüße dies frohe befreiende Blau
über all dem farblosen Grau,
freu dich der flimmernden Mittagsstunden,
sonne das Herz dir zu keimender Kraft,
daß es dem müde machenden Winter
und seiner Enttäuschung sich wieder entrafft!

Nur warte, nur wart noch! Es wird sich erfüllen,
es wird sich erfüllen, was du ersehnst:
Glutig auflodern wird es am Himmel,
über die Berge her wird es wehn
und wie donnernde Osterglocken
wird es durch die Lande gehn…
Nur warte, nur wart noch und hab Geduld!
So schön und so köstlich dies blitzende Blau
mit seinem süßen stillen Locken,
es kommen Tage noch und Wochen,
farblos grau,
da alles wie vorher trostlos weh
in Regen sich begräbt und Schnee,
Tage voll Traurigkeit, Tage voll Müh…
sprich noch nicht vom Frühling, es ist zu früh!

Cäsar Flaischlen
(1864 - 1920)
deutscher Schriftsteller,

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29 Mär 2020 06:57 #27708 von Feschtbrueder
Der Veilchenpflücker

Sie sprach: "Ich möcht 'nen Veilchenstrauss,
Gepflückt von deiner Hand!"
Da ritt ich flugs in's Feld hinaus,
Bis dass ich Veilchen fand.
Mein Rösslein band ich an den Baum
Und bückte mich in's Gras,
Doch wie ich dort im Liebestraum

Recht emsig pflückend sass -
Da riß mein Pferd sich plötzlich los
Und nahm mit Hast Reissaus.
Ich fügte still mich in mein Los
Und sprach: 's gilt ihrem Strauss!
Der Lohn ist süss, der meiner harrt,
Sie küsst die Veilchen gar,
Dann droht sie mir nach Schelmenart
Und reicht den Mund mir dar.

Dem Rosse folgt' ich lange Zeit,
Und rief und lockte sehr.
Durch Wald und Wiesen lief ich weit,
Doch sah ich's nimmermehr.
Und finster ward's, ich kam nach Haus
Nach manchem Sprung und Sturz -
Was sagte sie zu meinem Strauss?
"Die Stiele sind zu kurz!"

Anna Löhn-Siegel

:-) Humor ist, wenn man trotzdem lacht! Lachen ist die beste Medizin!

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29 Mär 2020 09:30 #27723 von Kaninchen


Himmel oder Frühling ?

Habt ihr mich hinausgetragen,
in den Wald, den morgenfrischen,
wo die Nachtigallen schlagen
in den jungen Rosenbüschen?

Mutter, hilf mir aus dem Bette!
Auf den Rasen möcht ich springen
wie das Reh, und um die Wette
möcht ich mit der Lerche singen.

Und von Blumen welch Gewimmel!
Ach, so schön war's nie auf Erden!
Mutter, sag, ist das der Himmel,
oder will es Frühling werden.

Hermann von Gilm zu Rosenegg
1812 - 1864


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30 Mär 2020 08:11 #27743 von Kaninchen

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