Gedichte

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29 Feb 2020 07:53 #27206 von Kaninchen


Alles kann man umgestalten!
Mag das dunkle Schicksal walten.
Mutig! Auf der steilsten Bahn.
Trau dem Glücke! Trau den Göttern!
Steig trotz Wogen, Wind und Wettern,
Kühn, wie Cäsar, in den Kahn.

Laß den Schwächling angstvoll zagen!
Wer um Hohes kämpft, muß wagen,
Leben gilt es oder Tod!
Laß die Woge donnernd branden:
Nur bleib immer, magst du landen
Oder scheitern, selbst Pilot.

Friedrich von Matthisson (1761 - 1831), deutscher Lyriker, Legationsrat, Theaterintendant und Bibliotheksleiter

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01 Mär 2020 08:03 #27218 von Kaninchen
Die Kälte kann wahrlich brennen
Wie Feuer. Die Menschenkinder
Im Schneegestöber rennen
Und laufen immer geschwinder.

O, bittre Winterhärte!
Die Nasen sind erfroren,
Und die Klavierkonzerte
Zerreißen uns die Ohren.

Weit besser ist es im Summer,
Da kann ich im Walde spazieren
Allein mit meinem Kummer
Und Liebeslieder skandieren.

Heinrich Heine

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02 Mär 2020 07:36 #27237 von Kaninchen


Die blauen Frühlingsaugen


Die blauen Frühlingsaugen
Schaun aus dem Gras hervor;
Das sind die lieben Veilchen,
Die ich zum Strauß erkor.

Ich pflücke sie und denke,
Und die Gedanken all,
Die mir im Herzen seufzen,
Singt laut die Nachtigall.

Ja, was ich denke, singt sie
Lautschmetternd, daß es schallt;
Mein zärtliches Geheimnis
Weiß schon der ganze Wald.

Heinrich Heine



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03 Mär 2020 07:58 #27257 von Kaninchen


In welche soll ich mich verlieben

In welche soll ich mich verlieben,
Da beide liebenswürdig sind?
Ein schönes Weib ist noch die Mutter,
Die Tochter ist ein schönes Kind.

Die weißen, unerfahrnen Glieder,
Sie sind so rührend anzusehn!
Doch reizend sind geniale Augen,
Die unsre Zärtlichkeit verstehn.

Es gleicht mein Herz dem grauen Freunde,
Der zwischen zwei Gebündel Heu
Nachsinnlich grübelt, welch' von beiden
Das allerbeste Futter sei.

Heinrich Heine


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04 Mär 2020 07:20 #27277 von Kaninchen

van Gogh Blühender Pfirsichbaum

Der alte Adel

Jüngst sprach zu mir ein faules Holz:
»Ich bin des Pfirsichstammes Sohn,
der viel der edlen Früchte trug
vor mehr als tausend Jahren schon.«
Ich warf es lachend ins Kamin.
Was tu ich mit dem leeren Wicht,
Der prahlerisch zu seinem Ruhm
von alter Ahnen Taten spricht ?

Wilhelm Müller
(1794 - 1827) genannt Griechen-Müller, deutscher Liederdichter (Wander-, Müller-, Griechenlieder) und Philhellene

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05 Mär 2020 07:28 - 05 Mär 2020 09:15 #27301 von Kaninchen


Wer will vergnüglich alten,
soll mit niemand Feindschaft,
mit jedermann Freundschaft,
mit wenigen Gemeinschaft,
mit vielen Kundschaft halten
und lassen Gott dann walten.

Georg Rodolf Weckherlin
(1584 - 1653)
deutscher Lyriker
Letzte Änderung: 05 Mär 2020 09:15 von Georg Borer. Grund: Formatierung

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