Gedichte
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14 Dez 2017 07:22 - 14 Dez 2017 07:26 #15162
von Kaninchen
Noch einmal ein Weihnachtsfest,
Immer kleiner wird der Rest,
Aber nehm' ich so die Summe,
Alles Grade, alles Krumme,
Alles Falsche, alles Rechte,
Alles Gute, alles Schlechte –
Rechnet sich aus allem Braus
Doch ein richtig Leben raus.
Und dies können ist das Beste
Wohl bei diesem Weihnachtsfeste.
Theodor Fontane
Immer kleiner wird der Rest,
Aber nehm' ich so die Summe,
Alles Grade, alles Krumme,
Alles Falsche, alles Rechte,
Alles Gute, alles Schlechte –
Rechnet sich aus allem Braus
Doch ein richtig Leben raus.
Und dies können ist das Beste
Wohl bei diesem Weihnachtsfeste.
Theodor Fontane
Letzte Änderung: 14 Dez 2017 07:26 von Kaninchen.
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15 Dez 2017 06:43 - 15 Dez 2017 06:48 #15171
von Kaninchen
Drey Winterrosen
Es ritt ein Herr mit seinem Knecht,
Des Morgens in dem Thaue,
Was fand er auf der Heide stehn?
Ein wunderschöne Jungfraue.
"Gott grüß euch Jungfrau hübsch und fein,
Gott grüß euch Auserwählte,
Wollt Gott ich sollt heut bey euch seyn,
In euren Armen schlafen."
"In meinen Armen schlaft ihr nicht,
Ihr bringt mir denn drey Rosen,
Die in dem Winter wachsen sind,
In voller Blüt erschlossen."
Er schwang sich in den Sattel frei,
Dahin so thät er traben,
Da wo die rothen Röslein stehn,
Um Fräuleins Gunst zu haben.
Der Röslein warn nicht mehr denn drey,
Er brach sie an den Stielen,
Er schütt sie der Magd in Geren frei,
Nach allem ihren Willen.
Da sie die rothen Röslein sah,
Gar freundlich thät sie lachen:
"So sagt mir edle Röslein roth,
Was Freud könnt ihr mir machen?"
"Die Freud, die wir euch machen wohl,
Die wird sich auch schon finden,
Jetzund geht ihr ein Mägdlein jung,
Aufs Jahr mit einem Kinde."
"Geh ich mit einem Kindelein,
So muß es Gott erbarmen,
Hab ich doch nur eine halbe Nacht,
Geschlafn an deinen Armen."
"So klage nicht mein Töchterlein,
Und weine nicht so sehre,
Es ist geschehn; manch Jungfräulein
Kam noch zu großen Ehren."
Das hat gesungen ein Reuter gut,
Ein Berggesell hat ihn verdrungen,
Er trinkt viel lieber den lautern Wein,
Denn Wasser aus kühlem Brunnen
Achim von Arnim / Clemens Brentano
(aus: Des Knaben Wunderhorn)
Drey Winterrosen
Es ritt ein Herr mit seinem Knecht,
Des Morgens in dem Thaue,
Was fand er auf der Heide stehn?
Ein wunderschöne Jungfraue.
"Gott grüß euch Jungfrau hübsch und fein,
Gott grüß euch Auserwählte,
Wollt Gott ich sollt heut bey euch seyn,
In euren Armen schlafen."
"In meinen Armen schlaft ihr nicht,
Ihr bringt mir denn drey Rosen,
Die in dem Winter wachsen sind,
In voller Blüt erschlossen."
Er schwang sich in den Sattel frei,
Dahin so thät er traben,
Da wo die rothen Röslein stehn,
Um Fräuleins Gunst zu haben.
Der Röslein warn nicht mehr denn drey,
Er brach sie an den Stielen,
Er schütt sie der Magd in Geren frei,
Nach allem ihren Willen.
Da sie die rothen Röslein sah,
Gar freundlich thät sie lachen:
"So sagt mir edle Röslein roth,
Was Freud könnt ihr mir machen?"
"Die Freud, die wir euch machen wohl,
Die wird sich auch schon finden,
Jetzund geht ihr ein Mägdlein jung,
Aufs Jahr mit einem Kinde."
"Geh ich mit einem Kindelein,
So muß es Gott erbarmen,
Hab ich doch nur eine halbe Nacht,
Geschlafn an deinen Armen."
"So klage nicht mein Töchterlein,
Und weine nicht so sehre,
Es ist geschehn; manch Jungfräulein
Kam noch zu großen Ehren."
Das hat gesungen ein Reuter gut,
Ein Berggesell hat ihn verdrungen,
Er trinkt viel lieber den lautern Wein,
Denn Wasser aus kühlem Brunnen
Achim von Arnim / Clemens Brentano
(aus: Des Knaben Wunderhorn)
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16 Dez 2017 07:01 #15191
von Kaninchen
Das Jahr ward alt. Hat dünnes Haar.
Ist gar nicht sehr gesund.
Kennt seinen letzten Tag, das Jahr.
Kennt gar die letzte Stund.
Ist viel geschehn. Ward viel versäumt.
Ruht beides unterm Schnee.
Weiß liegt die Welt, wie hingeträumt.
Und Wehmut tut halt weh.
Noch wächst der Mond. Noch schmilzt er hin.
Nichts bleibt. Und nichts vergeht.
Ist alles Wahn. Hat alles Sinn.
Nützt nichts, dass man’s versteht.
Und wieder stapft der Nikolaus
durch jeden Kindertraum.
Und wieder blüht in jedem Haus
der goldengrüne Baum.
Warst auch ein Kind. Hast selbst gefühlt,
wie hold Christbäume blühn.
Hast nun den Weihnachtsmann gespielt
und glaubst nicht mehr an ihn.
Bald trifft das Jahr der zwölfte Schlag.
Dann dröhnt das Erz und spricht:
„Das Jahr kennt seinen letzten Tag,
und du kennst deinen nicht.“
Erich Kästner
Ist gar nicht sehr gesund.
Kennt seinen letzten Tag, das Jahr.
Kennt gar die letzte Stund.
Ist viel geschehn. Ward viel versäumt.
Ruht beides unterm Schnee.
Weiß liegt die Welt, wie hingeträumt.
Und Wehmut tut halt weh.
Noch wächst der Mond. Noch schmilzt er hin.
Nichts bleibt. Und nichts vergeht.
Ist alles Wahn. Hat alles Sinn.
Nützt nichts, dass man’s versteht.
Und wieder stapft der Nikolaus
durch jeden Kindertraum.
Und wieder blüht in jedem Haus
der goldengrüne Baum.
Warst auch ein Kind. Hast selbst gefühlt,
wie hold Christbäume blühn.
Hast nun den Weihnachtsmann gespielt
und glaubst nicht mehr an ihn.
Bald trifft das Jahr der zwölfte Schlag.
Dann dröhnt das Erz und spricht:
„Das Jahr kennt seinen letzten Tag,
und du kennst deinen nicht.“
Erich Kästner
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17 Dez 2017 07:00 - 17 Dez 2017 07:06 #15204
von Kaninchen
WINTERROSEN.
Rosen sind mir aufgeblüht
Wider alles Hoffen;
Und nun fühlt sich mein Gemüth
Fast dabei betroffen.
Rosen sind's, doch schwach und klein,
Mit betrübten Mienen;
Drum , zu fröhlicherm Gedeihn ,
Send' ich sie Alwinen.
Rosen sind der Jugend Zier,
Blühen nicht dem Alten ;
Nimm — und mögen sie bei dir
besser sich entfalten
Johann Diederich Gries
(Scherenschnitt von Christian Friedrich Traugott Duttenhofer)
(* 7. Februar 1775 in Hamburg; † 9. Februar 1842 ebenda) war ein deutscher Übersetzer in der romantischen Ära.
Rosen sind mir aufgeblüht
Wider alles Hoffen;
Und nun fühlt sich mein Gemüth
Fast dabei betroffen.
Rosen sind's, doch schwach und klein,
Mit betrübten Mienen;
Drum , zu fröhlicherm Gedeihn ,
Send' ich sie Alwinen.
Rosen sind der Jugend Zier,
Blühen nicht dem Alten ;
Nimm — und mögen sie bei dir
besser sich entfalten
Johann Diederich Gries
(Scherenschnitt von Christian Friedrich Traugott Duttenhofer)
(* 7. Februar 1775 in Hamburg; † 9. Februar 1842 ebenda) war ein deutscher Übersetzer in der romantischen Ära.
Letzte Änderung: 17 Dez 2017 07:06 von Kaninchen.
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18 Dez 2017 07:33 - 18 Dez 2017 07:38 #15222
von Kaninchen
Vor Weihnachten
Oh, süßer Weihnachtsvorgeschmack:
Mit einem neuen Bücherpack,
der mich zu toller Neugier reizt,
komm ich nach Haus und manche
Eisblume sich am Fenster spreizt.
Bald glüht und sprüht mit Knick und Knack
der Ofen, tüchtig eingeheizt.
Nun her mit Pfeife und Tabak!
Wie lieblich mir´s die Nase beizt...
Gar noch Kaffee? Nur nicht gegeizt:
So heimlich war´s seit Jahren nicht!
Aufs alte Sofa ich mich flack
und schmökre erst in Schnick und Schnack -
doch bald vesink ich im Gedicht,
indes mit Jagdruf, Wind und Wicht
die wilde Rauhnacht draußen weizt.
Eugen Roth
geb. 24. Januar 1895 in München
gest. 28. April 1976 ebenda
Vor Weihnachten
Oh, süßer Weihnachtsvorgeschmack:
Mit einem neuen Bücherpack,
der mich zu toller Neugier reizt,
komm ich nach Haus und manche
Eisblume sich am Fenster spreizt.
Bald glüht und sprüht mit Knick und Knack
der Ofen, tüchtig eingeheizt.
Nun her mit Pfeife und Tabak!
Wie lieblich mir´s die Nase beizt...
Gar noch Kaffee? Nur nicht gegeizt:
So heimlich war´s seit Jahren nicht!
Aufs alte Sofa ich mich flack
und schmökre erst in Schnick und Schnack -
doch bald vesink ich im Gedicht,
indes mit Jagdruf, Wind und Wicht
die wilde Rauhnacht draußen weizt.
Eugen Roth
geb. 24. Januar 1895 in München
gest. 28. April 1976 ebenda
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19 Dez 2017 06:44 #15238
von Kaninchen
Noch ist Herbst nicht ganz entflohn,
Aber als Knecht Ruprecht schon
Kommt der Winter hergeschritten,
Und alsbald aus Schnees Mitten
Klingt des Schlittenglöckleins Ton.
Und was jüngst noch, fern und nah,
Bunt auf uns herniedersah,
Weiß sind Türme, Dächer, Zweige,
Und das Jahr geht auf die Neige,
Und das schönste Fest ist da.
Tag du der Geburt des Herrn,
Heute bist du uns noch fern,
Aber Tannen, Engel, Fahnen
Lassen uns den Tag schon ahnen,
Und wir sehen schon den Stern.
Aber als Knecht Ruprecht schon
Kommt der Winter hergeschritten,
Und alsbald aus Schnees Mitten
Klingt des Schlittenglöckleins Ton.
Und was jüngst noch, fern und nah,
Bunt auf uns herniedersah,
Weiß sind Türme, Dächer, Zweige,
Und das Jahr geht auf die Neige,
Und das schönste Fest ist da.
Tag du der Geburt des Herrn,
Heute bist du uns noch fern,
Aber Tannen, Engel, Fahnen
Lassen uns den Tag schon ahnen,
Und wir sehen schon den Stern.
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