Gedichte

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26 Nov 2017 07:26 - 26 Nov 2017 07:28 #14960 von Kaninchen
Die blaue Blume

Ich suche die blaue Blume,
Ich suche und finde sie nie,
Mir träumt, dass in der Blume
Mein gutes Glück mir blüh.
Ich wandre mit meiner Harfe
Durch Länder, Städt und Au'n,
Ob nirgends in der Runde
Die blaue Blume zu schaun.
Ich wandre schon seit lange,
Hab lang gehofft, vertraut,
Doch ach, noch nirgends hab ich
Die blaue Blum geschaut.


Joseph von Eichendorff
Letzte Änderung: 26 Nov 2017 07:28 von Kaninchen.

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27 Nov 2017 05:56 #14972 von Feschtbrueder
Der Schnupfen

Ein Schnupfen hockt auf der Terrasse,
auf dass er sich ein Opfer fasse

- und stürzt alsbald mit grossem Grimm
auf einen Menschen namens Schrimm.

Paul Schrimm erwidert prompt: "Pitschü!"
und hat ihn drauf bis Montag früh.

Christian Morgenstern

:-) Humor ist, wenn man trotzdem lacht! Lachen ist die beste Medizin!

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27 Nov 2017 07:02 - 27 Nov 2017 07:06 #14979 von Kaninchen
Joseph Freiherr von Hammer-Purgstall
(1774 - 1856),
österreichischer Diplomat, Orientalist und Dichter
erster Übersetzer der Gedichte von Hafiz.

Auch dieses wird vorübergehn,
Sei's Gram, sei's Lust;
Wer kam, der nicht vorübergehn
Zuletzt gemußt?

Drum tröste dich in allen Wehen;
Gib dich zur Ruh –
Wenn jene nicht vorübergehen,
So gehest du.




Porträt Joseph von Hammer-Purgstall.
Kupferstich von Tommaso Benedetti (um 1857). nach einer Zeichnung von Thomas Lawrence
Letzte Änderung: 27 Nov 2017 07:06 von Kaninchen.

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28 Nov 2017 06:40 #14993 von Kaninchen
Kyber Manfred

Porzellan

Zwei dicke Chinesen aus Porzellan,
Mit langen Chinesenzöpfen,
Die stehn und sehn sich traurig an
Und wackeln mit den Köpfen.

Die kleine Tänzerin nebendran,
Die lieben sie alle beide.
Sie hat ein kurzes Kleidchen an
Von Goldpapier und Seide.

Das kurze Kleidchen von Goldpapier,
Das flimmert im Sonnenscheine —
Die beiden wollen so gern zu ihr
Und haben keine Beine.

Die armen Chinesen aus Porzellan,
Mit langen Chinesenzöpfen,
Die stehn und sehn sich traurig an
Und wackeln mit den Köpfen.

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29 Nov 2017 07:02 #15006 von Kaninchen
Der Brief, den du geschrieben,
er macht mich gar nicht bang;
Du willst mich nicht mehr lieben,
aber Dein Brief ist lang.
Zwölf Seiten, eng und zierlich!
Ein kleines Manuskript!
Man schreibt nicht so ausführlich,
wenn man den Abschied gibt.



Heinrich Heine
(1797 - 1856)

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01 Dez 2017 06:37 - 01 Dez 2017 06:41 #15018 von Kaninchen


Tannengeflüster


Wenn die ersten Fröste knistern,
In dem Wald bei Bayrisch-Moos;
Geht ein Wispern und ein Flüstern
In den Tannenbäumen los,
Ein Gekicher und Gesumm
Ringsherum.

Eine Tanne lernt Gedichte,
Eine Lärche hört Ihr zu.
Eine dicke, alte Fichte
Sagt verdrießlich: "Gebt doch Ruh!
Kerzenlicht und Weihnachtszeit
Sind noch weit!"

Vierundzwanzig lange Tage
Wird gekräuselt und gestutzt
Und das Wäldchen ohne Frage
Wunderschön herausgeputzt.
Wer noch fragt: "Wieso? Warum?"
Der ist dumm.

Was das Flüstern hier bedeutet,
Weiß man selbst im Spatzennest:
Jeder Tannenbaum bereitet
Sich nun vor aufs Weihnachtsfest,
Denn ein Weihnachtsbaum zu sein:
Das ist fein!

James Krüss
Letzte Änderung: 01 Dez 2017 06:41 von Kaninchen.

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