Gedichte

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16 Jan 2018 07:08 #15750 von Kaninchen
Verzeihlich



Er ist ein Dichter; also eitel.
Und, bitte, nehmt es ihm nicht krumm,
Zieht er aus seinem Lügenbeutel
So allerlei Brimborium.
Juwelen, Gold und stolze Namen,
Ein hohes Schloß, im Mondenschein
Und schöne, höchstverliebte Damen,
Dies alles nennt der Dichter sein.
Indessen ist ein enges Stübchen
Sein ungeheizter Aufenthalt.
Er hat kein Geld, er hat kein Liebchen,
Und seine Füße werden kalt.

Wilhelm Busch


"Der arme Poet"
Künstler: Carl Spitzweg
Geschaffen: 1839

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17 Jan 2018 07:28 - 17 Jan 2018 07:29 #15767 von Kaninchen
Bin gerad’ nicht blöd, bin gerad’ nicht hell
Ich bin ein lustiger Gesell
Und trinke Wasser, trinke Wein
Und lasse fünfe gerade sein.
Erst stopf ich mir mein Pfeifchen
Dann pfeif ich mir ein Lied
Vormittag’s hab’ ich Hunger
Nachmittags Appetit.

Ich wandre durch die weite Welt
Die mir ausnehmend gut gefällt
Und schlaf im Bette, schlaf im Stroh
Denn sterben tut sich’s so wie so.
Erst stopf ich mir mein Pfeifchen
Dann pfeif ich mir ein Lied
Und hab’ ich gerade nicht Hunger
Dann hab ich Appetit

Kommt geradewegs ein Dirndl her
Trägt einen Korb mit Äpfeln schwer
Ihr Fuß ist nackt, ihr Kleid ist rauh
Doch ist ihr Auge treu und blau
Erst stopf ich mir mein Pfeifchen
Dann pfeif ich mir ein Lied
Auf die Äpfel hab ich Hunger
Auf das Dirndl Appetit

Alfred Lichtenstein




(Bild: "Alfred Lichtenstein" von S. Tebbutt)
Alfred Lichtenstein (* 23. August 1889 in Wilmersdorf; † 25. September 1914 bei Vermandovillers, Département Somme, Frankreich)
war ein deutscher frühexpressionistischer Lyriker und Erzähler
Letzte Änderung: 17 Jan 2018 07:29 von Kaninchen.

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18 Jan 2018 06:48 #15777 von Kaninchen
Wenn du darnach was fragst ...

Wenn du darnach was fragst,
Wir waren hier.
Du, der du nach uns kommen magst,
Hab wenigstens so frisches Blut
Und sei so leidlich fromm und gut
Und leidlich glücklich als wie wir!

Johann Wolfgang von Goethe

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19 Jan 2018 06:45 #15796 von Kaninchen

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20 Jan 2018 06:59 #15814 von Kaninchen
August Heinrich Hoffmann von Fallersleben
Geboren: 2. April 1798, Fallersleben
Gestorben: 19. Januar 1874, Höxter

Nichts hat in der Welt Bestand...

Nichts hat in der Welt Bestand:
Was da kommt, muss scheiden,
und so reichen sich die Hand
immer Freud und Leiden.

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21 Jan 2018 02:45 #15826 von Feschtbrueder
Trost im Gedicht

Denk dir ein Trüffelschwein,
denks wieder weg:
Wird es auch noch so klein,
wird nie verschwunden sein,
bleibt doch als Fleck.

Was je ein Mensch gedacht,
lässt eine Spur.
Wirkt als verborgne Macht,
und erst die letzte Nacht
löscht die Kontur.

Hat auch der Schein sein Sein
und seinen Sinn.
Musst ihm nur Sein verleihn:
Denk dir kein Trüffelschwein,
denks wieder hin.

Robert Gernhardt,
1937 - 2006, Schriftsteller, Maler, Karikaturist und Kritiker

:-) Humor ist, wenn man trotzdem lacht! Lachen ist die beste Medizin!

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