Gedichte
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28 Aug 2023 16:09 #45184
von Kaninchen
Das Paradies
Sein Glück für einen Apfel geben
O Adam, welche Lüsternheit !
Statt Deiner hätt´ ich sollen leben,
so wär´ das Paradies noch heut.
Wie aber, wenn alsdann die Traube
die Probefrucht gewesen wär ?
Wie da, mein Freund ? - Ei nun, ich glaube -
das Paradies wär´ auch nicht mehr.
Gotthold Eprahim Lessing
Das Paradies
Sein Glück für einen Apfel geben
O Adam, welche Lüsternheit !
Statt Deiner hätt´ ich sollen leben,
so wär´ das Paradies noch heut.
Wie aber, wenn alsdann die Traube
die Probefrucht gewesen wär ?
Wie da, mein Freund ? - Ei nun, ich glaube -
das Paradies wär´ auch nicht mehr.
Gotthold Eprahim Lessing
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29 Aug 2023 15:21 #45193
von Kaninchen
Will er sauer, so will ich süß,
will er Mehl, so will ich Grieß,
schreit er Hu, so schrei ich Ha
ist er dort, so bin ich da,
will er essen, so will ich fasten,
will er gehn, so will ich rasten,
will er recht, so will ich link,
sagt er Spatz, so sag ich Fink,
ißt er Suppen, so ess ich Brocken,
will er Strümpf, so will ich Socken,
sagt er ja, so sag ich nein,
sauft er Bier, so trink ich Wein,
will er dies, so will ich das,
singt er den Alt, so sing ich den Baß,
steht er auf, so sitz ich nieder,
schlägt er mich, so kratz ich wider,
will er Hü !, so will ich Hott,
das ist ein Leben, erbarm es Gott !
Abraham a Santa Clara
will er Mehl, so will ich Grieß,
schreit er Hu, so schrei ich Ha
ist er dort, so bin ich da,
will er essen, so will ich fasten,
will er gehn, so will ich rasten,
will er recht, so will ich link,
sagt er Spatz, so sag ich Fink,
ißt er Suppen, so ess ich Brocken,
will er Strümpf, so will ich Socken,
sagt er ja, so sag ich nein,
sauft er Bier, so trink ich Wein,
will er dies, so will ich das,
singt er den Alt, so sing ich den Baß,
steht er auf, so sitz ich nieder,
schlägt er mich, so kratz ich wider,
will er Hü !, so will ich Hott,
das ist ein Leben, erbarm es Gott !
Abraham a Santa Clara
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30 Aug 2023 16:04 #45208
von Kaninchen
Mein Garten
Mein Garten ist ein Liederbuch,
die Rosen und Reseden
verstreuen weichen Wohlgeruch,
im Wind die Bäume reden;
Sie flüstern Märchen mancherlei
aus meines Lebens Gängen,
wie oft ich Tor gewesen sei
im Säumen und im Drängen.
Doch ob ich oft das Glück verschlief
in Lenz- und Sommerwinden,
umsonst die Füße blutig lief,
mich an ein Ziel zu finden -
Ich traure nicht.
Was kam und schied,
Verzichten und Erwarten,
geht wie ein fernes altes Lied
traumhaft durch meinen Garten.
Jakob Christoph Heer
schweizer Schriftsteller
Mein Garten
Mein Garten ist ein Liederbuch,
die Rosen und Reseden
verstreuen weichen Wohlgeruch,
im Wind die Bäume reden;
Sie flüstern Märchen mancherlei
aus meines Lebens Gängen,
wie oft ich Tor gewesen sei
im Säumen und im Drängen.
Doch ob ich oft das Glück verschlief
in Lenz- und Sommerwinden,
umsonst die Füße blutig lief,
mich an ein Ziel zu finden -
Ich traure nicht.
Was kam und schied,
Verzichten und Erwarten,
geht wie ein fernes altes Lied
traumhaft durch meinen Garten.
Jakob Christoph Heer
schweizer Schriftsteller
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02 Sep 2023 10:53 #45243
von Kaninchen
Der Rosenzweig
von Kurt dem Träumer
Von einem blühenden Rosenstrauch
brach´ heut ich ein Zweiglein mir.
Das trug eine volle Ros´
und dazu auch der Knospen vier.
Und als ich der Liebsten den Zweig gereicht,
da fiel mir folgendes ein :
O diese Rose, wie sehr sie gleicht
einer Sau mit vier Ferkelein.
Das sagt´ ich der Liebsten, sie nahm es schief,
warf mir den Zweig ins Gesicht,
ich aber schimpfend von dannen lief,
und machte dieses Gedicht.
Johannes Trojan
dt. Humorist
Der Rosenzweig
von Kurt dem Träumer
Von einem blühenden Rosenstrauch
brach´ heut ich ein Zweiglein mir.
Das trug eine volle Ros´
und dazu auch der Knospen vier.
Und als ich der Liebsten den Zweig gereicht,
da fiel mir folgendes ein :
O diese Rose, wie sehr sie gleicht
einer Sau mit vier Ferkelein.
Das sagt´ ich der Liebsten, sie nahm es schief,
warf mir den Zweig ins Gesicht,
ich aber schimpfend von dannen lief,
und machte dieses Gedicht.
Johannes Trojan
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03 Sep 2023 10:34 #45250
von Kaninchen
Mutter, schallt es immerfort,
und fast ohne Pause,
Mutter hier und Mutter dort,
in dem ganzen Hause.
Überall zugleich zu sein,
ist ihr nicht gegeben.
Sonst wohl hätte sie, ich mein,
ein bequemes Leben.
Jedes ruft, und auf der Stell´
will sein Recht es kriegen.
Und sie kann doch nicht so schnell
wie die Schwalben fliegen !
Ich, fürwahr, bewundre sie,
daß sie noch kann lachen.
Was allein hat sie für Müh
alle satt zu machen !
Kann nicht einen Augenblick
sich zu ruhn erlauben.
Und das hält sie gar für Glück !
Sollte man es glauben ?
Johannes Trojan
Mutter, schallt es immerfort,
und fast ohne Pause,
Mutter hier und Mutter dort,
in dem ganzen Hause.
Überall zugleich zu sein,
ist ihr nicht gegeben.
Sonst wohl hätte sie, ich mein,
ein bequemes Leben.
Jedes ruft, und auf der Stell´
will sein Recht es kriegen.
Und sie kann doch nicht so schnell
wie die Schwalben fliegen !
Ich, fürwahr, bewundre sie,
daß sie noch kann lachen.
Was allein hat sie für Müh
alle satt zu machen !
Kann nicht einen Augenblick
sich zu ruhn erlauben.
Und das hält sie gar für Glück !
Sollte man es glauben ?
Johannes Trojan
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06 Sep 2023 10:32 #45283
von Kaninchen
Stern und Sternschnuppe
Wie´s am Himmel strahlt und funkelt;
Wagen, Gürtel, Opihuch !
Keine Letter blieb verdunkelt
in dem großen Sternenbuch !
Und von einer Demantseite
fällt ein Sternlein, merkbar kaum,
gleitet durch die blaue Weite
ruhig in den niedern Raum.
Seht ! Welch´ Rennen in die Ferne,
wo es sich zur Erde senkt :
Keiner denkt mehr an die Sterne,
weil man nur ans Lichtlein denkt.
Seht ! Nun wähnen sie´s gewonnen,
nun gehascht in trunk´ner Hast :
Aber plötzlich ist´s zerronnen, -
und sie stehn und weinen fast.
Brüder ! Kommt nicht ins Gewirre,
wenn ein Schein sich niederläßt;
Lichtlein führen euch nur irre :
An den Sternen haltet fest !
Johann Gabriel Seidl
Stern und Sternschnuppe
Wie´s am Himmel strahlt und funkelt;
Wagen, Gürtel, Opihuch !
Keine Letter blieb verdunkelt
in dem großen Sternenbuch !
Und von einer Demantseite
fällt ein Sternlein, merkbar kaum,
gleitet durch die blaue Weite
ruhig in den niedern Raum.
Seht ! Welch´ Rennen in die Ferne,
wo es sich zur Erde senkt :
Keiner denkt mehr an die Sterne,
weil man nur ans Lichtlein denkt.
Seht ! Nun wähnen sie´s gewonnen,
nun gehascht in trunk´ner Hast :
Aber plötzlich ist´s zerronnen, -
und sie stehn und weinen fast.
Brüder ! Kommt nicht ins Gewirre,
wenn ein Schein sich niederläßt;
Lichtlein führen euch nur irre :
An den Sternen haltet fest !
Johann Gabriel Seidl
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