Gedichte

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12 Aug 2020 07:42 #30442 von Kaninchen
Von des Sonnengotts Geschossen
Liegen Wald und Flur versengt,
Drüber, wie aus Stahl gegossen,
Wolkenlose Bläue hängt.
In der glutgeborstnen Erde
Stirbt das Saatkorn, durstig ächzt
Am versiegten Bach die Herde,
Und der Hirsch im Forste lechzt.
Kein Gesang mehr in den Zweigen!
Keine Lilie mehr am Rain! –
O wann wirst du niedersteigen,
Donnerer, wir harren dein.
Komm, o komm in Wetterschlägen!
Deine Braut vergeht vor Weh –
Komm herab im goldnen Regen
Zur verschmachtenden Danae!

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13 Aug 2020 07:39 #30467 von Kaninchen


Bist du schon auf der Sonne gewesen ?

Bist du schon auf der Sonne gewesen ?
Nein? - Dann brich dir aus einem Besen
Ein kleines Stück Spazierstock heraus
Und schleiche dich heimlich aus dem Haus
Und wandere langsam in aller Ruh
Immer direkt auf die Sonne zu.

So lange, bis es ganz dunkel geworden.
Dann öffne leise dein Taschenmesser,
Damit dich keine Mörder ermorden.
Und wenn du die Sonne nicht mehr erreichst,
Dann ist es fürs erstemal schon besser,
Dass du dich wieder nach Hause schleichst.

Joachim Ringelnatz

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14 Aug 2020 08:11 #30486 von Kaninchen

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15 Aug 2020 08:13 - 15 Aug 2020 08:28 #30504 von Kaninchen

Wer wollte sich mit Grillen plagen,
So lang uns Lenz und Jugend blühn?
Wer wollt’ in seinen Blütentagen
Die Stirn in düstre Falten ziehn?

Wie wunderschön ist Gottes Erde
Und wert, darauf vergnügt zu sein;
Drum will ich, bis ich Asche werde,
Mich dieser schönen Erde freun.

Ludwig Hölty
(1748 - 1776)
deutscher Lieder-, Hymnen-, Balladen- und Odendichter

Letzte Änderung: 15 Aug 2020 08:28 von Kaninchen.

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16 Aug 2020 07:39 #30519 von Kaninchen
Viel tausend Jahr' hat der Himmel gelacht,
Bevor man hat an dich gedacht;
Die Blumen, sie blühten, die Vögel, sie sangen,
Eh' Dir ein Frühling aufgegangen;
Von tausend Tagen unendlicher Lust
Hast nichts, o Menschenkind, gewußt,
Und doch ist's dir nicht eben leid
Um jene nicht genoss'ne Zeit.
Warum willst du dich nun beklagen,
Daß, wenn sie dich zu Grabe tragen,
Du wieder von viel tausend Jahren
Wirst nichts empfinden und nichts erfahren?

Hermann Allmers
1821 - 1902
deutscher Schriftsteller,
als „Marschendichter“ schrieb er vor allem über Kultur und Landschaft seiner nordwestdeutschen Heimat

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17 Aug 2020 07:29 #30536 von Kaninchen
Auf einen guten Mann !

Der Silvian, das fromme Blut!
Ihm glückt auch alles, was er tut.
Er lebt so friedsam, so vergnügt;
Ob er nicht ackert oder pflügt,
So bleibet er doch wohlversorgt:
Hat er kein Geld, ihm wird geborgt.
Sein Weib bleibt von ihm jede Nacht,
Doch jährlich ihn zum Vater macht.
Schaut, ob es ihm nicht wohl ergeht?
Er erntet, was ein andrer sät.

Ernst Christoph Homburg
1605-1681
deutscher Epigramm- und Kirchenlieddichter


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