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27 Jul 2020 07:43 #30101
von Kaninchen
Der Rosenzweig
Von Kurt dem Träumer
Von einem blühenden Rosenstrauch
Brach heut' ich ein Zweiglein mir.
Das trug eine volle Ros' und auch
Dazu der Knospen vier.
Und als ich der Liebsten den Zweig gereicht,
Da fiel mir folgendes ein:
O diese Rose, wie sehr sie gleicht
Einer Sau mit vier Ferkelein.
Das sagt' ich der Liebsten, sie nahm es schief,
Warf mir den Zweig ins Gesicht,
Ich aber schimpfend von dannen lief
Und machte dieses Gedicht.
Johannes Trojan
(1837 - 1915)
deutscher Humorist, Dichter und Redakteur des »Kladderadatsch«
Der Rosenzweig
Von Kurt dem Träumer
Von einem blühenden Rosenstrauch
Brach heut' ich ein Zweiglein mir.
Das trug eine volle Ros' und auch
Dazu der Knospen vier.
Und als ich der Liebsten den Zweig gereicht,
Da fiel mir folgendes ein:
O diese Rose, wie sehr sie gleicht
Einer Sau mit vier Ferkelein.
Das sagt' ich der Liebsten, sie nahm es schief,
Warf mir den Zweig ins Gesicht,
Ich aber schimpfend von dannen lief
Und machte dieses Gedicht.
Johannes Trojan
(1837 - 1915)
deutscher Humorist, Dichter und Redakteur des »Kladderadatsch«
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28 Jul 2020 07:27 #30122
von Kaninchen
Skat
Und als an das blaue Meer ich trat,
Da standen drei Männer drinnen,
Die spielten während des Bades Skat,
Und einer schien zu gewinnen.
Der Skat dabei auf dem Wasser schwamm.
Mich aber dünkte das wundersam.
Und als ich kam auf des Faulhorns Höh',
Wohl über Klippen und Grate,
Da fand ich drei Männer im ewigen Schnee,
Sie saßen schon lange beim Skate.
Der eine gab schon zum hundertsten Mal –
Da floh ich schaudernd hinab ins Thal.
Es sitzen da im geheimen Rath
Drei strenge Richter der Todten.
Sie sollen's sein, doch sie spielten Skat,
Obgleich es Pluto verboten.
O sagt, wohin kann ein Mensch noch gehn,
Um nicht drei Männer beim Skat zu sehn?
Johannes Trojan
(1837 - 1915)
deutscher Humorist, Dichter und Redakteur des »Kladderadatsch«
Quelle: Trojan, J., Gedichte. Scherzgedichte, 1905
Und als an das blaue Meer ich trat,
Da standen drei Männer drinnen,
Die spielten während des Bades Skat,
Und einer schien zu gewinnen.
Der Skat dabei auf dem Wasser schwamm.
Mich aber dünkte das wundersam.
Und als ich kam auf des Faulhorns Höh',
Wohl über Klippen und Grate,
Da fand ich drei Männer im ewigen Schnee,
Sie saßen schon lange beim Skate.
Der eine gab schon zum hundertsten Mal –
Da floh ich schaudernd hinab ins Thal.
Es sitzen da im geheimen Rath
Drei strenge Richter der Todten.
Sie sollen's sein, doch sie spielten Skat,
Obgleich es Pluto verboten.
O sagt, wohin kann ein Mensch noch gehn,
Um nicht drei Männer beim Skat zu sehn?
Johannes Trojan
(1837 - 1915)
deutscher Humorist, Dichter und Redakteur des »Kladderadatsch«
Quelle: Trojan, J., Gedichte. Scherzgedichte, 1905
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28 Jul 2020 09:55 #30129
von Feschtbrueder
Humor ist, wenn man trotzdem lacht! Lachen ist die beste Medizin!
Der Flügelflagel
Der Flügelflagel gaustert
durchs Wiruwaruwolz,
die rote Fingur plaustert
und grausig gutzt der Golz.
Christian Morgenstern
Der Flügelflagel gaustert
durchs Wiruwaruwolz,
die rote Fingur plaustert
und grausig gutzt der Golz.
Christian Morgenstern
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29 Jul 2020 08:15 - 29 Jul 2020 08:27 #30151
von Kaninchen
Als er sie sahe kirschen essen
Gedicht von Gottlieb Stolle
Es satzte Flavia sich in das grüne gras,
Als ihre hand viel kirschen abgepflücket:
Indem sie nun dieselben as,
So stund Leander ganz entzücket.
Sein auge konnte nicht die lippen unterscheiden,
Und gleichwol war er ihr ganz nah,
Weil er nichts als rothe kirschen
in blutrothen kirschen sah.
Als er sie sahe kirschen essen
Gedicht von Gottlieb Stolle
Es satzte Flavia sich in das grüne gras,
Als ihre hand viel kirschen abgepflücket:
Indem sie nun dieselben as,
So stund Leander ganz entzücket.
Sein auge konnte nicht die lippen unterscheiden,
Und gleichwol war er ihr ganz nah,
Weil er nichts als rothe kirschen
in blutrothen kirschen sah.
Letzte Änderung: 29 Jul 2020 08:27 von Kaninchen.
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30 Jul 2020 07:28 #30166
von Kaninchen
Dauthendey, Max
O Grille, sing
O Grille, sing,
Die Nacht ist lang.
Ich weiß nicht, ob ich leben darf
Bis an das End von deinem Sang.
Die Fenster stehen aufgemacht.
Ich weiß nicht, ob ich schauen darf
Bis an das End von dieser Nacht.
O Grille, sing, sing unbedacht,
Die Lust geht hin,
Und Leid erwacht.
Und Lust im Leid, -
Mehr bringt sie nicht, die lange Nacht.
Dauthendey, Max
O Grille, sing
O Grille, sing,
Die Nacht ist lang.
Ich weiß nicht, ob ich leben darf
Bis an das End von deinem Sang.
Die Fenster stehen aufgemacht.
Ich weiß nicht, ob ich schauen darf
Bis an das End von dieser Nacht.
O Grille, sing, sing unbedacht,
Die Lust geht hin,
Und Leid erwacht.
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31 Jul 2020 07:55 #30194
von Kaninchen
Es war im Sommer
Es war im Sommer,
Und ein helles Kleid
Hascht' ich auf einer grünen Wiese,
Ein helles Kleid und langes Haar,
Das Kind hiess Liese.
Und Liese stand
Und sah mich lange an:
Was willst du denn von mir auf grüner Wiese?
Ich aber sagte leise nur:
Ach, liebe Liese.
Ach, liebe Liese, machte sie mir nach.
Du scheinst es wirklich selber nicht zu wissen.
Dann nahm sie mich und fasste mich,
Erstickt' mich fast mit ihren wilden, weichen Küssen.
Carl Sternheim
1878-1942,
deutscher Dramatiker
Es war im Sommer
Es war im Sommer,
Und ein helles Kleid
Hascht' ich auf einer grünen Wiese,
Ein helles Kleid und langes Haar,
Das Kind hiess Liese.
Und Liese stand
Und sah mich lange an:
Was willst du denn von mir auf grüner Wiese?
Ich aber sagte leise nur:
Ach, liebe Liese.
Ach, liebe Liese, machte sie mir nach.
Du scheinst es wirklich selber nicht zu wissen.
Dann nahm sie mich und fasste mich,
Erstickt' mich fast mit ihren wilden, weichen Küssen.
Carl Sternheim
1878-1942,
deutscher Dramatiker
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