Gedichte
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21 Jan 2018 07:04 - 21 Jan 2018 07:10 #15834
von Kaninchen
WINTER
Baumläuferchen, das feine,
Mit seinem Stimmchen hell,
Zaunkönig auch, der kleine,
Der niedliche Gesell,
Die zierlich zarten Meisen,
Goldhähnchen, winz'ges Ding –
Mag auch die Welt vereisen,
Sie schätzen es gering!
Sie zieh'n durch Waldesräume
Mit leisem »Sit, sit, sit,«
Durchsuchen Busch und Bäume
Und nehmen stets was mit.
Zaunkönig gar, der kecke,
Hebt jubelnden Gesang,
Ob auch des Seees Decke
Vom Hauch der Kälte sprang:
»Bald wird die Sonne scheinen,
Du Winter musst hinaus!
Wir Kleinen und wir Feinen,
Wir lachen froh Dich aus!«
Heinrich Seidel
geb. 25. Juni 1842 in Perlin (Mecklenburg-Schwerin)
gest. 7. November 1906 in Berlin
Baumläuferchen, das feine,
Mit seinem Stimmchen hell,
Zaunkönig auch, der kleine,
Der niedliche Gesell,
Die zierlich zarten Meisen,
Goldhähnchen, winz'ges Ding –
Mag auch die Welt vereisen,
Sie schätzen es gering!
Sie zieh'n durch Waldesräume
Mit leisem »Sit, sit, sit,«
Durchsuchen Busch und Bäume
Und nehmen stets was mit.
Zaunkönig gar, der kecke,
Hebt jubelnden Gesang,
Ob auch des Seees Decke
Vom Hauch der Kälte sprang:
»Bald wird die Sonne scheinen,
Du Winter musst hinaus!
Wir Kleinen und wir Feinen,
Wir lachen froh Dich aus!«
Heinrich Seidel
geb. 25. Juni 1842 in Perlin (Mecklenburg-Schwerin)
gest. 7. November 1906 in Berlin
Letzte Änderung: 21 Jan 2018 07:10 von Kaninchen.
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22 Jan 2018 06:48 - 22 Jan 2018 06:53 #15849
von Kaninchen
Der Gesang der Vegetarier
Ein alkoholfreies Trinklied
Wir essen Salat, ja wir essen Salat
Und essen Gemüse von früh bis spat.
Auch Früchte gehören zu unsrer Diät.
Was sonst noch wächst, wird alles verschmäht.
Wir essen Salat, ja wir essen Salat
Und essen Gemüse von früh bis spat.
Wir sonnen den Leib, ja wir sonnen den Leib,
Das ist unser einziger Zeitvertreib.
Doch manchmal paddeln wir auch im Teich,
Das kräftigt den Körper und wäscht ihn zugleich
Wir sonnen den Leib und wir baden den Leib,
Das ist unser einziger Zeitvertreib.
Wir hassen das Fleisch, ja wir hassen das Fleisch
und die Milch und die Eier und lieben keusch.
Die Leichenfresser sind dumm und roh,
Das Schweinevieh – das ist ebenso.
Wir hassen das Fleisch, ja wir hassen das Fleisch
und die Milch und die Eier und lieben keusch.
Wir trinken keinen Sprit, nein wir trinken keinen Sprit,
Denn der wirkt verderblich auf das Gemüt.
Gemüse und Früchte sind flüssig genug,
Drum trinken wir nichts und sind doch sehr klug.
Wir trinken keinen Sprit, nein wir trinken keinen Sprit,
Denn der wirkt verderblich auf das Gemüt.
Wir rauchen nicht Taback, nein wir rauchen nicht Taback,
Das tut nur das scheussliche Sündenpack.
Wir setzen uns lieber auf das Gesäss
Und leben gesund und naturgemäss.
Wir rauchen nicht Taback, nein wir rauchen nicht Taback,
Erich Mühsam (1878-1934)
nach einer Bleistiftzeichnung von J. Pfeil
Ein alkoholfreies Trinklied
Wir essen Salat, ja wir essen Salat
Und essen Gemüse von früh bis spat.
Auch Früchte gehören zu unsrer Diät.
Was sonst noch wächst, wird alles verschmäht.
Wir essen Salat, ja wir essen Salat
Und essen Gemüse von früh bis spat.
Wir sonnen den Leib, ja wir sonnen den Leib,
Das ist unser einziger Zeitvertreib.
Doch manchmal paddeln wir auch im Teich,
Das kräftigt den Körper und wäscht ihn zugleich
Wir sonnen den Leib und wir baden den Leib,
Das ist unser einziger Zeitvertreib.
Wir hassen das Fleisch, ja wir hassen das Fleisch
und die Milch und die Eier und lieben keusch.
Die Leichenfresser sind dumm und roh,
Das Schweinevieh – das ist ebenso.
Wir hassen das Fleisch, ja wir hassen das Fleisch
und die Milch und die Eier und lieben keusch.
Wir trinken keinen Sprit, nein wir trinken keinen Sprit,
Denn der wirkt verderblich auf das Gemüt.
Gemüse und Früchte sind flüssig genug,
Drum trinken wir nichts und sind doch sehr klug.
Wir trinken keinen Sprit, nein wir trinken keinen Sprit,
Denn der wirkt verderblich auf das Gemüt.
Wir rauchen nicht Taback, nein wir rauchen nicht Taback,
Das tut nur das scheussliche Sündenpack.
Wir setzen uns lieber auf das Gesäss
Und leben gesund und naturgemäss.
Wir rauchen nicht Taback, nein wir rauchen nicht Taback,
Erich Mühsam (1878-1934)
nach einer Bleistiftzeichnung von J. Pfeil
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23 Jan 2018 06:37 #15868
von Kaninchen
Den Kopf von blühenden Zweigen bedeckt
Den Kopf von blühenden Zweigen bedeckt,
Die Arme über den Kopf gestreckt
Und die Beine hinaus in die Sonne.
Es ist wohl schon ein rundes Jahr,
Daß mir so wohl, so wohl nicht war,
So voller Wonne.
Wie scheint so anders, so anders die Welt,
Wenn man die Augen zum Himmel hält!
Wo blieben doch alle die Sorgen?
Schon manchen Monat hat's gesäumt,
Daß ich so lustig nicht geträumt
Wie heute morgen.
Felix Schumann
(1854 - 1879)
Sohn von Robert und Clara Schumann
Den Kopf von blühenden Zweigen bedeckt,
Die Arme über den Kopf gestreckt
Und die Beine hinaus in die Sonne.
Es ist wohl schon ein rundes Jahr,
Daß mir so wohl, so wohl nicht war,
So voller Wonne.
Wie scheint so anders, so anders die Welt,
Wenn man die Augen zum Himmel hält!
Wo blieben doch alle die Sorgen?
Schon manchen Monat hat's gesäumt,
Daß ich so lustig nicht geträumt
Wie heute morgen.
Felix Schumann
(1854 - 1879)
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24 Jan 2018 07:09 - 24 Jan 2018 07:10 #15889
von Kaninchen
Der Entschluss
Als ich dich fragte: "Darf ich Sie beschützen?"
Da sagtest du: "Mein Herr, Sie sind trivial."
Als ich dich fragte: "Kann ich Ihnen nützen?"
Da sagtest du: "Vielleicht ein andres Mal."
Als ich dich bat: "Ein Kuß, mein Kind, zum Lohne!"
Da sagtest du: "Mein Gott, was ist ein Kuß?"
Als ich befahl: "Komm mit mir, wo ich wohne!"
Da sagtest du: "Na, endlich ein Entschluß!"
Erich Mühsam (1878 - 1934
dt. Schriftsteller, Anarchist und Pazifist
Als ich dich fragte: "Darf ich Sie beschützen?"
Da sagtest du: "Mein Herr, Sie sind trivial."
Als ich dich fragte: "Kann ich Ihnen nützen?"
Da sagtest du: "Vielleicht ein andres Mal."
Als ich dich bat: "Ein Kuß, mein Kind, zum Lohne!"
Da sagtest du: "Mein Gott, was ist ein Kuß?"
Als ich befahl: "Komm mit mir, wo ich wohne!"
Da sagtest du: "Na, endlich ein Entschluß!"
Erich Mühsam (1878 - 1934
dt. Schriftsteller, Anarchist und Pazifist
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25 Jan 2018 06:44 - 25 Jan 2018 06:45 #15906
von Kaninchen
Wollte nicht der Frühling kommen?
Wollte nicht der Frühling kommen?
War nicht schon die weiße Decke
von dem Rasenplatz genommen
gegenüber an der Ecke?
Nebenan die schwarze Linde
ließ sogar schon (sollt ich denken)
von besonntem Märzenwinde
kleine, grüne Knospen schwenken.
In die Herzen kam ein Hoffen,
in die Augen kam ein Flüstern -
und man ließ den Mantel offen,
und man blähte weit die Nüstern...
Ja, es waren schöne Tage.
Doch sie haben uns betrogen.
Frost und Sturm und Schnupfenplage
sind schon wieder eingezogen.
Zugeknöpft bis an den Kiefer
flieht der Mensch die Gottesfluren,
wo ein gelblichweißer, tiefer
Schnee versteckt die Frühlingsspuren.
Sturmwind pfeift um nackte Zweige,
und der Rasenplatz ist schlammig.
In mein Los ergeben neige
ich das Auge. Gottverdammich!
Erich Mühsam (1878-1934)
Wollte nicht der Frühling kommen?
War nicht schon die weiße Decke
von dem Rasenplatz genommen
gegenüber an der Ecke?
Nebenan die schwarze Linde
ließ sogar schon (sollt ich denken)
von besonntem Märzenwinde
kleine, grüne Knospen schwenken.
In die Herzen kam ein Hoffen,
in die Augen kam ein Flüstern -
und man ließ den Mantel offen,
und man blähte weit die Nüstern...
Ja, es waren schöne Tage.
Doch sie haben uns betrogen.
Frost und Sturm und Schnupfenplage
sind schon wieder eingezogen.
Zugeknöpft bis an den Kiefer
flieht der Mensch die Gottesfluren,
wo ein gelblichweißer, tiefer
Schnee versteckt die Frühlingsspuren.
Sturmwind pfeift um nackte Zweige,
und der Rasenplatz ist schlammig.
In mein Los ergeben neige
ich das Auge. Gottverdammich!
Erich Mühsam (1878-1934)
Letzte Änderung: 25 Jan 2018 06:45 von Kaninchen.
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26 Jan 2018 07:07 #15920
von Kaninchen
Wenn ich dereinst
Wenn ich dereinst ganz alt und schwach,
Und's ist mal ein milder Sommertag,
So hink ich wohl aus dem kleinen Haus
Bis unter den Lindenbaum hinaus.
Da setz ich mich denn im Sonnenschein
Einsam und still auf die Bank von Stein,
Denk an vergangene Zeiten zurücke
Und schreibe mit meiner alten Krücke
Und mit der alten zitternden Hand
So vor mir in den Sand.
Wenn ich dereinst
Wenn ich dereinst ganz alt und schwach,
Und's ist mal ein milder Sommertag,
So hink ich wohl aus dem kleinen Haus
Bis unter den Lindenbaum hinaus.
Da setz ich mich denn im Sonnenschein
Einsam und still auf die Bank von Stein,
Denk an vergangene Zeiten zurücke
Und schreibe mit meiner alten Krücke
Und mit der alten zitternden Hand
So vor mir in den Sand.
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