Gedichte

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25 Feb 2022 13:03 #39929 von Kaninchen
 

Daß ich Dich liebe, oh Möpschen,
das ist Dir wohlbekannt.
Wenn ich mit Zucker Dich füttre,
so leckst Du mir die Hand.

Du willst auch nur ein Hund sein,
und willst nicht scheinen mehr;
Alle meine übrigen Freunde
verstellen sich zu sehr.

Heinrich Heine

 

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26 Feb 2022 08:24 #39939 von Kaninchen
Selbstgefühl

Ich weiß nicht, wie mirs ist,
ich bin nicht krank und bin nicht gesund,
ich bin blessiert und hab keine Wund.

Ich weiß nicht, wie mirs ist,
ich thät gern essen und geschmeckt mir nichts,
ich hab ein Geld
und gilt mir nichts.

Ich weiß nicht, wie mirs ist,
ich hab sogar kein Schnupftaback
und hab kein Kreuzer Geld im Sack.

Ich weiß nicht, wie mirs ist,
heirathen thät ich auch schon gern,
kann aber Kinderschrein nicht hörn.

Ich weiß nicht, wie mirs ist,
ich hab erst heut den Doktor gefragt,
der hat mir unters Gesicht gesagt

ich weiß wohl, was dir ist,
ein Narr bist du gewiß;
nun weiß ich, wie mir ist !


Unbekannt

Quelle : Brentano/Armin "Des Knaben Wunderhorn"
alte deutsche Lieder
1805 - 1808

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27 Feb 2022 08:28 #39949 von Kaninchen
Zur Fastnachtszeit

Und beut der Winter auch manche Leiden,
so will er doch nicht traurig scheiden;
er bringt uns erst noch die Fastnachtszeit,
mit all ihrer Lustigkeit.

Da gibt es Kurzweil mancherlei,
Musik und Tanz und Mummerei.
Pfannkuchen, Brezel, Kuchen und Weck,
und Eier und Würste, Schinken und Speck.

Wir Kinder singen von Haus zu Haus
und bitten uns eine Gabe aus,
und machen´s hinterdrei wie die Alten
und wollen heuer auch Fastnacht halten.


August Heinrich Hoffmann von Fallersleben
1798 - 1874

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28 Feb 2022 07:39 #39959 von Kaninchen
Narrenzeit

O wär im Februar doch auch,
wie´s andrer Orten ist der Brauch,
bei uns die Narrheit zünftig !

Denn wer, so lang das Jahr sich mißt,
nicht einmal herzlich närrisch ist,
wie wäre der zu andrer Frist
wohl jemals ganz vernünftig.


Theodor Storm
1832 - 1908

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01 Mär 2022 08:07 #39969 von Kaninchen
Karneval

Auch uns, in Ehren sei´s gesagt,
hat einst der Karneval behagt;
besonders und zuallermeist
in einer Stadt, die München heißt.

Wie reizend fand man dazumal
ein menschenwarmes Festlokal,
wie fleißig wurde über Nacht
das Glas gefüllt und leer gemacht.

Und gingen wir im Schnee nach Haus,
war grad die frühe Messe aus
dann können gleich die frömmsten Frau´n
sich negativ an uns erbau´n.

Die Zeit verging, das Alter kam,
wir wurden sittsam, wurden zahm.
Nun seh´n wir zwar noch ziemlich gern
die Sach´ uns an, doch nur von fern,
(ein Auge zu, Mundwinkel schief)
durchs umgekehrte Perspektiv.


Wilhelm Busch

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02 Mär 2022 08:02 #39978 von Kaninchen
Zeitenmeer

Bleibe nur eine Minute allein,
ohne Kaffee, ohne Wein,
Du nur mit Dir in einem Raum,
die Zeit ist so lang,
Du glaubst es kaum.

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