Gedichte
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01 Feb 2022 15:36 - 01 Feb 2022 15:39 #39687
von Kaninchen
Früher Frühling
Zwischen Februar und März
liegt die große Zeitenwende,
und man spürt es allerwärts,
mit dem Winter geht´s zu Ende.
Schon beim ersten Sonnenschimmer
steigt der Lenz ins Wartezimmer
Keiner weiß, wie es geschah´
und auf einmal ist er da.
Manche Knospe wird verschneit
zwar im frühen Lenz auf Erden.
Alles dauert seine Zeit,
nur Geduld, es wird schon werden.
Folgt auch noch ein rauher Schauer,
lacht der Himmel umso blauer.
Leichter schlägt das Menschenherz
zwischen Februar und März.
Fred Endrikat
Zwischen Februar und März
liegt die große Zeitenwende,
und man spürt es allerwärts,
mit dem Winter geht´s zu Ende.
Schon beim ersten Sonnenschimmer
steigt der Lenz ins Wartezimmer
Keiner weiß, wie es geschah´
und auf einmal ist er da.
Manche Knospe wird verschneit
zwar im frühen Lenz auf Erden.
Alles dauert seine Zeit,
nur Geduld, es wird schon werden.
Folgt auch noch ein rauher Schauer,
lacht der Himmel umso blauer.
Leichter schlägt das Menschenherz
zwischen Februar und März.
Fred Endrikat
Letzte Änderung: 01 Feb 2022 15:39 von Kaninchen.
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02 Feb 2022 09:42 #39696
von Kaninchen
Der Tanzbär
Gotthold Ephraim Lessing
Ein Tanzbär war der Kett´ entrissen,
Kam wieder in den Wald zurück,
Und tanzte seiner Schar ein Meisterstück
auf den gewohnten Hinterfüßen.
"Seht!", schrie er, "das ist Kunst,
das lernt man in der Welt,
Tut es mir nach, wenn´s Euch gefällt
Und wenn ihr könnt !" - "Geh", brummt ein alter Bär,
"Dergleichen Kunst sie sei so schwer,
Sie sei so rar sie sei,
Zeigt Deinen niedern Geist und Deine Sklaverei".
Ein großer Hofmann sein,
Ein Mann, dem Schmeichelei und List
Statt Witz und Tugend ist;
Der durch Kabalen steigt, des Fürsten Gunst erstiehlt,
Mit Wort und Schwur als Komplimenten spielt,
Ein solcher Mann ein großer Hofmann sein,
Schließt das Lob oder Tadel ein ?
Gotthold Ephraim Lessing
Ein Tanzbär war der Kett´ entrissen,
Kam wieder in den Wald zurück,
Und tanzte seiner Schar ein Meisterstück
auf den gewohnten Hinterfüßen.
"Seht!", schrie er, "das ist Kunst,
das lernt man in der Welt,
Tut es mir nach, wenn´s Euch gefällt
Und wenn ihr könnt !" - "Geh", brummt ein alter Bär,
"Dergleichen Kunst sie sei so schwer,
Sie sei so rar sie sei,
Zeigt Deinen niedern Geist und Deine Sklaverei".
Ein großer Hofmann sein,
Ein Mann, dem Schmeichelei und List
Statt Witz und Tugend ist;
Der durch Kabalen steigt, des Fürsten Gunst erstiehlt,
Mit Wort und Schwur als Komplimenten spielt,
Ein solcher Mann ein großer Hofmann sein,
Schließt das Lob oder Tadel ein ?
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02 Feb 2022 16:45 #39697
von Kaninchen
Mariechen
Mariechen saß am Rocken,
Im Grase schlummert ihr Kind;
Durch ihre schwarzen Locken
Weht kühl der Abendwind.
Sie saß so sinnend und traurig
So ernst und geisterbleich;
Dunkle Wellen schlugen schaurig
Und Wellen schlug der Teich.
Der Reiher kreist über dem Rohre
Die Möwe streift´ wild umher,
Der Staub fegt wirbelnd am Wege,
Schon fielen die Tropfen schwer.
Und schwer von Mariechen´s Wangen
Die heiße Thräne rinnt,
Und weinend in ihre Arme
schließt sie ihr schlummernd´ Kind,
Wie schläfst Du so ruhig und träumest
Du armer verlaß´ner Wurm !
Es donnert, die Tropfen fallen !
Die Bäume schüttelt der Sturm !
Dein Vater hat Dich vergessen,
Dich und die Mutter Dein;
Du bist, Du armer Waise,
auf der weiten Erde allein!
Dein Vater lebt lustig in Freuden;
Gott laß es ihm wohlergeh´n,
Er weiß nichts von uns Beyden,
Will Dich und mich nicht seh´n !
Und stürzt´ ich, während Du schlummerst,
Mit Dir in den tiefen See,
Dann sind wir Beyde geborgen,
Vorüber ist Gram und Weh !
Da öffnet das Kind die Augen,
Blickt freundlich auf und lacht;
Die Mutter schluchzt und preßt es
An ihre Brust mit Macht
Nein, nein, wir wollen leben,
Wir Beyde, Du und ich !
Deinem Vater sey vergeben,
Wie selig macht´ er mich !
Joseph Christian von Zedlitz
1790-1862
Philipp Joseph Christian Karl Anton Freiherr von Zedlitz und Nimmersatt
österreichischer Offizier und Schriftsteller
Mariechen saß am Rocken,
Im Grase schlummert ihr Kind;
Durch ihre schwarzen Locken
Weht kühl der Abendwind.
Sie saß so sinnend und traurig
So ernst und geisterbleich;
Dunkle Wellen schlugen schaurig
Und Wellen schlug der Teich.
Der Reiher kreist über dem Rohre
Die Möwe streift´ wild umher,
Der Staub fegt wirbelnd am Wege,
Schon fielen die Tropfen schwer.
Und schwer von Mariechen´s Wangen
Die heiße Thräne rinnt,
Und weinend in ihre Arme
schließt sie ihr schlummernd´ Kind,
Wie schläfst Du so ruhig und träumest
Du armer verlaß´ner Wurm !
Es donnert, die Tropfen fallen !
Die Bäume schüttelt der Sturm !
Dein Vater hat Dich vergessen,
Dich und die Mutter Dein;
Du bist, Du armer Waise,
auf der weiten Erde allein!
Dein Vater lebt lustig in Freuden;
Gott laß es ihm wohlergeh´n,
Er weiß nichts von uns Beyden,
Will Dich und mich nicht seh´n !
Und stürzt´ ich, während Du schlummerst,
Mit Dir in den tiefen See,
Dann sind wir Beyde geborgen,
Vorüber ist Gram und Weh !
Da öffnet das Kind die Augen,
Blickt freundlich auf und lacht;
Die Mutter schluchzt und preßt es
An ihre Brust mit Macht
Nein, nein, wir wollen leben,
Wir Beyde, Du und ich !
Deinem Vater sey vergeben,
Wie selig macht´ er mich !
Joseph Christian von Zedlitz
1790-1862
Philipp Joseph Christian Karl Anton Freiherr von Zedlitz und Nimmersatt
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03 Feb 2022 11:49 #39707
von Kaninchen
Herr Schmitz hat heute viel zu tun,
hat wenig Zeit, sich auszuruh´n,
Ihm stehen alle Wege offen,
er hat den Nagel auf den Kopf getroffen,
Nun kommt das Bild noch an die Wand,
es paßt, das ist ja allerhand,
Dann wird die Heizung repariert,
damit Mathilde nicht mehr friert,
Beim Fahrrad fehlt die Luft im Reifen,
die Hände wäscht er mit zwei Seifen,
Zum Mittag tut ne Pause gut,
er legt sich auf die Couch und ruht.
Mit neuer Kraft und Tatendrang
mäht er den Rasen mit Gesang,
Noch ein Regal muß Schmitz errichten,
dann hat er abends Zeit zum Dichten,
Am Ende hat er viel vollbracht,
und auch Mathilde froh gemacht,
Nun sitzen sie im Garten hier,
und freu´n sich auf ein Gläschen Bier
hat wenig Zeit, sich auszuruh´n,
Ihm stehen alle Wege offen,
er hat den Nagel auf den Kopf getroffen,
Nun kommt das Bild noch an die Wand,
es paßt, das ist ja allerhand,
Dann wird die Heizung repariert,
damit Mathilde nicht mehr friert,
Beim Fahrrad fehlt die Luft im Reifen,
die Hände wäscht er mit zwei Seifen,
Zum Mittag tut ne Pause gut,
er legt sich auf die Couch und ruht.
Mit neuer Kraft und Tatendrang
mäht er den Rasen mit Gesang,
Noch ein Regal muß Schmitz errichten,
dann hat er abends Zeit zum Dichten,
Am Ende hat er viel vollbracht,
und auch Mathilde froh gemacht,
Nun sitzen sie im Garten hier,
und freu´n sich auf ein Gläschen Bier
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04 Feb 2022 08:14 #39716
von Kaninchen
Parodie
Ehret die Frauen ! Sie stricken die Strümpfe
wollig und warm zu durchwaten die Sümpfe,
flicken zerrissene Pantalons aus;
Kochen dem Mann die kräftigen Suppen
putzen den Kindern die niedlichen Puppen,
halten mit mäßigem Wochengeld haus.
Doch der Mann, der tölpelhafte,
find´t am Zarten nicht Geschmack.
Zum gegohrnen Gerstensafte
raucht er immerfort Taback,
brummt, wie Bären an der Kette,
knufft die Kinder spat und fruh
und dem Weibchen nachts im Bette
kehrt er gleich den Rücken zu.
August Wilhelm von Schlegel
1767-1845
deutscher Philosoph und Schriftsteller
zusammen mit seinem Bruder Friedrich Schlegel gilt er als Mitbegründer der deutschen Romantik
Ehret die Frauen ! Sie stricken die Strümpfe
wollig und warm zu durchwaten die Sümpfe,
flicken zerrissene Pantalons aus;
Kochen dem Mann die kräftigen Suppen
putzen den Kindern die niedlichen Puppen,
halten mit mäßigem Wochengeld haus.
Doch der Mann, der tölpelhafte,
find´t am Zarten nicht Geschmack.
Zum gegohrnen Gerstensafte
raucht er immerfort Taback,
brummt, wie Bären an der Kette,
knufft die Kinder spat und fruh
und dem Weibchen nachts im Bette
kehrt er gleich den Rücken zu.
August Wilhelm von Schlegel
1767-1845
deutscher Philosoph und Schriftsteller
zusammen mit seinem Bruder Friedrich Schlegel gilt er als Mitbegründer der deutschen Romantik
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05 Feb 2022 07:46 #39725
von Kaninchen
Das war eine schöne Zeit,
als ich in die Urne des Glücks noch griff.
Da waren Freunde so viel um mich,
wie Ratten auf einem Schiff.
Nun werden die Freunde weniger stets,
weil Stürme drohen und Riff.
Dem Schiffbruch, seh´ ich, entgegen geht´s;
Die Ratten verlassen das Schiff
Unbekannt
Quelle : Fliegende Blätter
humoristische deutsche Wochenschrift
1845-1944
als ich in die Urne des Glücks noch griff.
Da waren Freunde so viel um mich,
wie Ratten auf einem Schiff.
Nun werden die Freunde weniger stets,
weil Stürme drohen und Riff.
Dem Schiffbruch, seh´ ich, entgegen geht´s;
Die Ratten verlassen das Schiff
Unbekannt
Quelle : Fliegende Blätter
humoristische deutsche Wochenschrift
1845-1944
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