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05 Jun 2022 08:03 #40968
von Kaninchen
Wenn´s Pfingsten regnet
Paula Dehmel 1862-1918, Auf der grünen Wiese
Oben aus dem Fahnenhaus
guckt das schwarze Wettermännchen raus,
spreizt die Beine und grinst uns an,
schäme Dich, alter Wettermann !
Am Ostersonntag, vor sieben Wochen,
hast Du dem Fritze fest versprochen,
daß zu Pfingsten, im Monat Mai,
das allerschönste Wetter sei.
Und nun regnets, liebe Not,
alle hellen Blüten tot,
sie liegen da wie nasser Schnee,
auf den Wegen steht See an See:
Ja, wenn wir noch drin baden könnten,
wie die Spatzen und die Enten !
Wir dürfen aber gar nicht raus,
sehn so muksch wie Maulwürfe aus:
Röch nicht der Kuchen so lecker her,
wüßt man gar nicht, daß Feiertag wär.
Nicht mal die Pfingstkleider kriegt man an;
schäme Dich, schwarzer Wettermann !
Wenn´s Pfingsten regnet
Paula Dehmel 1862-1918, Auf der grünen Wiese
Oben aus dem Fahnenhaus
guckt das schwarze Wettermännchen raus,
spreizt die Beine und grinst uns an,
schäme Dich, alter Wettermann !
Am Ostersonntag, vor sieben Wochen,
hast Du dem Fritze fest versprochen,
daß zu Pfingsten, im Monat Mai,
das allerschönste Wetter sei.
Und nun regnets, liebe Not,
alle hellen Blüten tot,
sie liegen da wie nasser Schnee,
auf den Wegen steht See an See:
Ja, wenn wir noch drin baden könnten,
wie die Spatzen und die Enten !
Wir dürfen aber gar nicht raus,
sehn so muksch wie Maulwürfe aus:
Röch nicht der Kuchen so lecker her,
wüßt man gar nicht, daß Feiertag wär.
Nicht mal die Pfingstkleider kriegt man an;
schäme Dich, schwarzer Wettermann !
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06 Jun 2022 08:25 #40977
von Kaninchen
Gottfried Keller
Berliner Pfingsten
Heute sah ich ein Gesicht,
wonnevoll zu deuten :
In dem frühen Pfingstenlicht
und beim Glockenläuten
schritten Weiber drei einher,
feierlich im Gange,
Wäscherinnen, fest und schwer !
Jede trug ne Stange.
Mädchensommerkleider drei
flaggten von den Stangen;
schönre Fahnen, stolz und frei,
als je Krieger schwangen,
blau und weiß und rot gestreift,
wunderbar beflügelt,
frisch gewaschen und gesteift,
tadellos gebügelt.
Lustig blies der Wind, der Schuft,
Lenden auf und Büste,
und von frischer Morgenluft
blähten sich die Brüste !
Und ich sang, als ich gesehn
ferne sie entschweben :
Auf und laßt die Fahnen wehn,
schön ist doch das Leben !
Gottfried Keller
Berliner Pfingsten
Heute sah ich ein Gesicht,
wonnevoll zu deuten :
In dem frühen Pfingstenlicht
und beim Glockenläuten
schritten Weiber drei einher,
feierlich im Gange,
Wäscherinnen, fest und schwer !
Jede trug ne Stange.
Mädchensommerkleider drei
flaggten von den Stangen;
schönre Fahnen, stolz und frei,
als je Krieger schwangen,
blau und weiß und rot gestreift,
wunderbar beflügelt,
frisch gewaschen und gesteift,
tadellos gebügelt.
Lustig blies der Wind, der Schuft,
Lenden auf und Büste,
und von frischer Morgenluft
blähten sich die Brüste !
Und ich sang, als ich gesehn
ferne sie entschweben :
Auf und laßt die Fahnen wehn,
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07 Jun 2022 07:21 #40988
von Kaninchen
Die Kirschen in Nachbar´s Garten
Rosenzeit
Da ließ der Lenz sich leis´ hernieder
beim Festgesang der Nachtigall,
und als er kam, erwachten wieder
die kleinen Blumen überall.
Das ist ein Flüstern, ist ein Kosen,
das ist der Liebe süße Macht,
und überall sind auch die Rosen
im grünen Strauch schon aufgewacht.
Und sollte meine Tat es sprechen,
wie Du mir lieb bist, Du allein,
ich müßte alle, alle brechen,
und Dir sie vor die Füße streu´n !
Johann Meyer
Die Kirschen in Nachbar´s Garten
Rosenzeit
Da ließ der Lenz sich leis´ hernieder
beim Festgesang der Nachtigall,
und als er kam, erwachten wieder
die kleinen Blumen überall.
Das ist ein Flüstern, ist ein Kosen,
das ist der Liebe süße Macht,
und überall sind auch die Rosen
im grünen Strauch schon aufgewacht.
Und sollte meine Tat es sprechen,
wie Du mir lieb bist, Du allein,
ich müßte alle, alle brechen,
und Dir sie vor die Füße streu´n !
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08 Jun 2022 07:45 #40998
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11 Jun 2022 12:44 #41027
von Kaninchen
Blütenzeit
Durch die Nacht, die monderglühte,
flog der Schelm, der Frühliing, heut
mit der großen Zuckertüte,
und nun ist mit weißer Blüte
Baum und Strauch und Flur bestreut.
Zucker ! Zucker ! Nichts als Zucker !
Alles Bittre süß gemacht !
Schnuppernd streich ich armer Schlucker,
Bücherdrucker, Versedrucker,
durch die neue Blütenpracht.
Soll ich schönre Schenken suchen ?
Lieblich duftet um die Nas´
mir der frische Frühlingskuchen -
unter Linden, unter Buchen,
leg ich mich ins grüne Gras.
Und ich strample mit den Füßen
und bis in des Magens Grund
laß ich mir den goldnen süßen
Honigseim der Sonne fließen
durch den offnen Schleckermund.
A. de Nora
1864-1936
Pseudonym für Alfred Anton Noder
deutscher Arzt und Dichter
Quelle de Nora, Gedichte Hochsommer
Neue Gedichte, 1912
Blütenzeit
Durch die Nacht, die monderglühte,
flog der Schelm, der Frühliing, heut
mit der großen Zuckertüte,
und nun ist mit weißer Blüte
Baum und Strauch und Flur bestreut.
Zucker ! Zucker ! Nichts als Zucker !
Alles Bittre süß gemacht !
Schnuppernd streich ich armer Schlucker,
Bücherdrucker, Versedrucker,
durch die neue Blütenpracht.
Soll ich schönre Schenken suchen ?
Lieblich duftet um die Nas´
mir der frische Frühlingskuchen -
unter Linden, unter Buchen,
leg ich mich ins grüne Gras.
Und ich strample mit den Füßen
und bis in des Magens Grund
laß ich mir den goldnen süßen
Honigseim der Sonne fließen
durch den offnen Schleckermund.
A. de Nora
1864-1936
Pseudonym für Alfred Anton Noder
deutscher Arzt und Dichter
Quelle de Nora, Gedichte Hochsommer
Neue Gedichte, 1912
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12 Jun 2022 10:47 #41037
von Kaninchen
Sommerfrische
von Joachim Ringelnatz
Zupf Dir ein Wölkchen aus dem Wolkenweiß,
das durch den sonnigen Himmel schreitet.
Und schmücke den Hut, der Dich begleitet,
mit einem grünen Reis.
Verstecke Dich faul in die Fülle der Gräser.
Weil´s wohltut, weil´s frommt.
Und bist Du ein Mundharmonikabläser
und hast eine bei Dir,
dann spiel, was Dir kommt.
Und laß deine Melodien lenken
von dem freigegebenen Wolkengezupf.
Vergiß Dich.
Es soll Dein Denken nicht weiter reichen
als ein Grashüpferhupf.
Sommerfrische
von Joachim Ringelnatz
Zupf Dir ein Wölkchen aus dem Wolkenweiß,
das durch den sonnigen Himmel schreitet.
Und schmücke den Hut, der Dich begleitet,
mit einem grünen Reis.
Verstecke Dich faul in die Fülle der Gräser.
Weil´s wohltut, weil´s frommt.
Und bist Du ein Mundharmonikabläser
und hast eine bei Dir,
dann spiel, was Dir kommt.
Und laß deine Melodien lenken
von dem freigegebenen Wolkengezupf.
Vergiß Dich.
Es soll Dein Denken nicht weiter reichen
als ein Grashüpferhupf.
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