Gedichte
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08 Sep 2023 10:27 #45308
von Kaninchen
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10 Sep 2023 10:44 #45330
von Kaninchen
Kunigunde
Das Köhlerweib ist trunken
und singt im Wald;
Hört ihr, wie ihre Stimme
im Grünen hallt ?
Ruht auf der roten Nase
der Abendstrahl :
glüht sie wie wilde Rosen
im dunklen Tal.
Sie war die feinste Blume,
berühmt im Land;
Es warben Reich´ und Arme
um ihre Hand.
Sie trat in Gürtelketten
so stolz einher;
Den Bräutigam zu wählen
fiel ihr zu schwer !
Da hat sie überlistet
der rote Wein -
wie müssen alle Dinge
vergänglich sei !
Das Köhlerweib ist trunken
und singt im Wald;
Wie durch die Dämmrung gellend
ihr Lied erschallt !
Gottfried Keller
Kunigunde
Das Köhlerweib ist trunken
und singt im Wald;
Hört ihr, wie ihre Stimme
im Grünen hallt ?
Ruht auf der roten Nase
der Abendstrahl :
glüht sie wie wilde Rosen
im dunklen Tal.
Sie war die feinste Blume,
berühmt im Land;
Es warben Reich´ und Arme
um ihre Hand.
Sie trat in Gürtelketten
so stolz einher;
Den Bräutigam zu wählen
fiel ihr zu schwer !
Da hat sie überlistet
der rote Wein -
wie müssen alle Dinge
vergänglich sei !
Das Köhlerweib ist trunken
und singt im Wald;
Wie durch die Dämmrung gellend
ihr Lied erschallt !
Gottfried Keller
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12 Sep 2023 10:45 #45349
von Kaninchen
Die Heimführung
Ich geh nicht allein, mein feines Lieb,
Du mußt mit mir wandern
nach der lieben, alten, schaurigen Klause,
in dem trüben, kalten, traurigen Hause,
wo meine Mutter am Eingang kaurt,
und auf des Sohnes Heimkehr laurt.
"Laß ab von mir, Du finstrer Mann !
Wer hat Dich gerufen ?
Dein Odem glüht, Deine Hand ist Eis,
Dein Auge sprüht, Deine Wang´ ist weiß; -
Ich aber will mich lustig freun
an Rosenduft und Sonnenschein".
Laß duften die Rosen, laß scheinen die Sonn,
mein süßes Liebchen !
Wirf um den weiten, weißwallenden Schleier,
und greif in die Saiten der schallenden Leier,
und singe ein Hochzeitslied dabei;
Der Nachtwind pfeift die Melodei.
Heinrich Heine
Die Heimführung
Ich geh nicht allein, mein feines Lieb,
Du mußt mit mir wandern
nach der lieben, alten, schaurigen Klause,
in dem trüben, kalten, traurigen Hause,
wo meine Mutter am Eingang kaurt,
und auf des Sohnes Heimkehr laurt.
"Laß ab von mir, Du finstrer Mann !
Wer hat Dich gerufen ?
Dein Odem glüht, Deine Hand ist Eis,
Dein Auge sprüht, Deine Wang´ ist weiß; -
Ich aber will mich lustig freun
an Rosenduft und Sonnenschein".
Laß duften die Rosen, laß scheinen die Sonn,
mein süßes Liebchen !
Wirf um den weiten, weißwallenden Schleier,
und greif in die Saiten der schallenden Leier,
und singe ein Hochzeitslied dabei;
Der Nachtwind pfeift die Melodei.
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17 Sep 2023 10:24 #45400
von Kaninchen
Was die Rose im Winter tut
Mascha Keleko
Was tut wohl die Rose zur Winterszeit ?
Sie träumt einen hellroten Traum.
Wenn der Schnee sie deckt um die Adventszeit,
träumt sie vom Holunderbaum.
Wenn Silberfrost in den Zweigen klirrt,
träumt sie vom Bienengesumm,
vom blauen Falter, und wie er flirrt ...
Ein Traum, und der Winter ist um !
Was die Rose im Winter tut
Mascha Keleko
Was tut wohl die Rose zur Winterszeit ?
Sie träumt einen hellroten Traum.
Wenn der Schnee sie deckt um die Adventszeit,
träumt sie vom Holunderbaum.
Wenn Silberfrost in den Zweigen klirrt,
träumt sie vom Bienengesumm,
vom blauen Falter, und wie er flirrt ...
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19 Sep 2023 10:37 #45419
von Kaninchen
Du bist nervös, drum lies doch mal
das Buch, das man Dir anempfehl.
Es ist beinah wie eine Reise
im alten wohlbekannten Gleise.
Der Weg ist glatt und flach das Land,
rechts, links und unten, nichts wie Sand.
Kein Räderlärm verbittert Dich,
kein harter Stoß erschüttert Dich,
und bald umfängt Dich sanft und kühl
ein Kaumvorhandenseinsgefühl.
Du bist behaglich eingenickt.
Dann, wenn du angenehm erquickt,
kehrst Du beim "stillen Wirte" ein.
Da gibt es weder Bier noch Wein.
Du schlürfst ein wenig Apfelmost,
ißt eine leichte Löffelkost,
mit wenig Fett und vieler Grütze,
gehst früh zu Bett in spitzer Mütze
und trinkst zuletzt ein Gläschen Wasser.
Schlaf wohl und segne den Verfasser !
Wilhelm Busch
Du bist nervös, drum lies doch mal
das Buch, das man Dir anempfehl.
Es ist beinah wie eine Reise
im alten wohlbekannten Gleise.
Der Weg ist glatt und flach das Land,
rechts, links und unten, nichts wie Sand.
Kein Räderlärm verbittert Dich,
kein harter Stoß erschüttert Dich,
und bald umfängt Dich sanft und kühl
ein Kaumvorhandenseinsgefühl.
Du bist behaglich eingenickt.
Dann, wenn du angenehm erquickt,
kehrst Du beim "stillen Wirte" ein.
Da gibt es weder Bier noch Wein.
Du schlürfst ein wenig Apfelmost,
ißt eine leichte Löffelkost,
mit wenig Fett und vieler Grütze,
gehst früh zu Bett in spitzer Mütze
und trinkst zuletzt ein Gläschen Wasser.
Schlaf wohl und segne den Verfasser !
Wilhelm Busch
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22 Sep 2023 10:41 #45448
von Kaninchen
Herbstbild
Friedrich Hebbel
Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah !
Die Luft ist still, als atmete man kaum,
und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
die schönsten Früchte ab von jedem Baum.
O stört sie nicht, die Feier der Natur !
Dies ist die Lese, die sie selber hält;
Denn heute löst sich von den Zweigen nur,
was vor dem milden Strahl der Sonne fällt.
Herbstbild
Friedrich Hebbel
Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah !
Die Luft ist still, als atmete man kaum,
und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
die schönsten Früchte ab von jedem Baum.
O stört sie nicht, die Feier der Natur !
Dies ist die Lese, die sie selber hält;
Denn heute löst sich von den Zweigen nur,
was vor dem milden Strahl der Sonne fällt.
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