Gedichte
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18 Mai 2018 07:18 #17633
von Kaninchen
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19 Mai 2018 08:38 #17648
von Kaninchen
Wandere!
Wenn dich ein Weib verraten hat,
So liebe flink eine andre;
Noch besser wär es, du ließest die Stadt -
Schnüre den Ranzen und wandre!
Du findest bald einen blauen See,
Umringt von Trauerweiden;
Hier weinst du aus dein kleines Weh
Und deine engen Leiden.
Wenn du den steilen Berg ersteigst,
Wirst du beträchtlich ächzen;
Doch wenn du den felsigen Gipfel erreichst,
Hörst du die Adler krächzen.
Dort wirst du selbst ein Adler fast,
Du bist wie neugeboren,
Du fühlst dich frei, du fühlst: du hast
Dort unten nicht viel verloren.
Wandere!
Wenn dich ein Weib verraten hat,
So liebe flink eine andre;
Noch besser wär es, du ließest die Stadt -
Schnüre den Ranzen und wandre!
Du findest bald einen blauen See,
Umringt von Trauerweiden;
Hier weinst du aus dein kleines Weh
Und deine engen Leiden.
Wenn du den steilen Berg ersteigst,
Wirst du beträchtlich ächzen;
Doch wenn du den felsigen Gipfel erreichst,
Hörst du die Adler krächzen.
Dort wirst du selbst ein Adler fast,
Du bist wie neugeboren,
Du fühlst dich frei, du fühlst: du hast
Dort unten nicht viel verloren.
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20 Mai 2018 08:14 - 20 Mai 2018 08:30 #17661
von Kaninchen
Sternennacht
Sternennacht ist eines der bekanntesten Gemälde des niederländischen Künstlers Vincent van Gogh. Er malte das Bild im Juni 1889 im französischen Saint-Rémy-de-Provence mit Ölfarben auf Leinwand. Das Bild ist seit 1941 im Besitz des Museum of Modern Art in New York
Kluge Sterne
Die Blumen erreicht der Fuß so leicht,
Auch werden zertreten die meisten;
Man geht vorbei und tritt entzwei
Die blöden wie die dreisten.
Die Perlen ruhn in Meerestruhn,
Doch weiß man sie aufzuspüren;
Man bohrt ein Loch und spannt sie ins Joch,
Ins Joch von seidenen Schnüren.
Die Sterne sind klug,
Sie halten mit Fug
Von unserer Erde sich ferne;
Am Himmelszelt, als Lichter der Welt,
Stehn ewig sicher die Sterne.
Heinrich Heine
(1797 - 1856) deutscher Dichter und Romancier,
Die Blumen erreicht der Fuß so leicht,
Auch werden zertreten die meisten;
Man geht vorbei und tritt entzwei
Die blöden wie die dreisten.
Die Perlen ruhn in Meerestruhn,
Doch weiß man sie aufzuspüren;
Man bohrt ein Loch und spannt sie ins Joch,
Ins Joch von seidenen Schnüren.
Die Sterne sind klug,
Sie halten mit Fug
Von unserer Erde sich ferne;
Am Himmelszelt, als Lichter der Welt,
Stehn ewig sicher die Sterne.
Heinrich Heine
(1797 - 1856) deutscher Dichter und Romancier,
Sternennacht
Sternennacht ist eines der bekanntesten Gemälde des niederländischen Künstlers Vincent van Gogh. Er malte das Bild im Juni 1889 im französischen Saint-Rémy-de-Provence mit Ölfarben auf Leinwand. Das Bild ist seit 1941 im Besitz des Museum of Modern Art in New York
Letzte Änderung: 20 Mai 2018 08:30 von Kaninchen.
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21 Mai 2018 07:56 - 21 Mai 2018 07:57 #17681
von Kaninchen
Heinrich Heine als Gourmet
Der Tisch war gedeckt, hier fand ich ganz die altgermanische Küche,
Sei mir gegrüßt mein Sauerkraut, holdselig sein deine Gerüche,
gestovte Kastanien an grünem Kohl, so aß ich sie einst bei der Mutter,
ihr heimischen Stockfische seid mir gegrüßt, wie schwimmt ihr klug in der Butter,
jedem fühlenden Herz bleibt das Vaterland ewig teuer,
ich liebe auch recht braungeschmort die Bücklinge und Eier,
die jauchzenden Würste im spritzenden Fett, die Grammesvögel die Frommen,
gebratenen Englein mit Apfelmus, sie zwitscherten mir: Willkommen!
Willkommen Landsmann!zwitscherten sie, bist lange aus geblieben,
hast dich mit fremden Gevögel so lang in der Fremde herumgetrieben,
es stand auf dem Tisch eine Gans, ein stilles gemütliches Wesen,
sie hat mich vielleicht geliebt, als wir noch jung gewesen,
sie blickte mich an so bedeutungsvoll, so innig, so wehe,
besaß eine schöne Seele gewiss, doch war das Fleisch sehr zähe,
auch einen Schweinskopf trug man auf, in einer zinnernen Schüssel,
noch immer schmückt den Schweinen man bei uns mit Lorbeerblättern den Rüssel.
Mutter von Heinrich Heine
Der Tisch war gedeckt, hier fand ich ganz die altgermanische Küche,
Sei mir gegrüßt mein Sauerkraut, holdselig sein deine Gerüche,
gestovte Kastanien an grünem Kohl, so aß ich sie einst bei der Mutter,
ihr heimischen Stockfische seid mir gegrüßt, wie schwimmt ihr klug in der Butter,
jedem fühlenden Herz bleibt das Vaterland ewig teuer,
ich liebe auch recht braungeschmort die Bücklinge und Eier,
die jauchzenden Würste im spritzenden Fett, die Grammesvögel die Frommen,
gebratenen Englein mit Apfelmus, sie zwitscherten mir: Willkommen!
Willkommen Landsmann!zwitscherten sie, bist lange aus geblieben,
hast dich mit fremden Gevögel so lang in der Fremde herumgetrieben,
es stand auf dem Tisch eine Gans, ein stilles gemütliches Wesen,
sie hat mich vielleicht geliebt, als wir noch jung gewesen,
sie blickte mich an so bedeutungsvoll, so innig, so wehe,
besaß eine schöne Seele gewiss, doch war das Fleisch sehr zähe,
auch einen Schweinskopf trug man auf, in einer zinnernen Schüssel,
noch immer schmückt den Schweinen man bei uns mit Lorbeerblättern den Rüssel.
Mutter von Heinrich Heine
Letzte Änderung: 21 Mai 2018 07:57 von Kaninchen.
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22 Mai 2018 07:19 #17697
von Kaninchen
Kleine Katzen
Kleine Katzen sind so drollig
und so wollig und so mollig,
daß man sie am liebsten küßt.
Aber auch die kleinen Katzen
haben Tatzen, welche kratzen.
Also Vorsicht! Daß ihr’s wißt!
Kleine Katzen wollen tollen
und wie Wolleknäuel rollen.
Das sieht sehr possierlich aus.
Doch die kleinen Katzen wollen
bei dem Tollen und dem Rollen
fangen lernen eine Maus.
Kleine Katzen sind so niedlich
und so friedlich und gemütlich.
Aber schaut sie richtig an:
Jedes Sätzchen auf den Tätzchen
hilft, daß aus dem süßen Kätzchen
mal ein Raubtier werden kann.
James Krüss
Kleine Katzen sind so drollig
und so wollig und so mollig,
daß man sie am liebsten küßt.
Aber auch die kleinen Katzen
haben Tatzen, welche kratzen.
Also Vorsicht! Daß ihr’s wißt!
Kleine Katzen wollen tollen
und wie Wolleknäuel rollen.
Das sieht sehr possierlich aus.
Doch die kleinen Katzen wollen
bei dem Tollen und dem Rollen
fangen lernen eine Maus.
Kleine Katzen sind so niedlich
und so friedlich und gemütlich.
Aber schaut sie richtig an:
Jedes Sätzchen auf den Tätzchen
hilft, daß aus dem süßen Kätzchen
mal ein Raubtier werden kann.
James Krüss
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23 Mai 2018 07:29 - 23 Mai 2018 07:30 #17719
von Kaninchen
Der Bäcker und die Maus.
Ein Mäuschen, das an einer Semmel
In eines Bäckers Laden fraß,
Versah's und nahte sich dem Schemmel,
Darauf der Meister lauschend saß.
Und sieh'! da hatt' er sie bei'm Felle.
So, so! Herr Mausekopf, rief er,
Bist du mein Dieb? wohlan, Geselle,
Holt unsern schwarzen Kater her.
Ich? sprach die Maus, ein Dieb? das wäre
Ein Schimpf für mich und mein Geschlecht!
Gott Lob, ich halte noch auf Ehre;
Beleidigt nicht das Völkerrecht!
Ich bin ein Fremder, lieber Bäcker;
Was Völkerrecht! warf dieser ein,
Du hast den Tod verdient, du Lecker,
Du magst Frank oder Schwabe seyn.
Wie? sprach die Maus, wenn ich euch sage, –
Und was? – was hier geschehen ist.
Der Knecht hat – Rede! – dieser Tage
Dein Weib – was hat er sie? – geküßt.
Der Bäcker geht dem Knecht zu Leibe,
Er schäumt, er flucht, der Knecht erschrickt,
Die Maus entwischt, Gott helf' dem Weibe.
Wer leicht sich zürnt, wird leicht berückt.
Der Bäcker und die Maus.
Ein Mäuschen, das an einer Semmel
In eines Bäckers Laden fraß,
Versah's und nahte sich dem Schemmel,
Darauf der Meister lauschend saß.
Und sieh'! da hatt' er sie bei'm Felle.
So, so! Herr Mausekopf, rief er,
Bist du mein Dieb? wohlan, Geselle,
Holt unsern schwarzen Kater her.
Ich? sprach die Maus, ein Dieb? das wäre
Ein Schimpf für mich und mein Geschlecht!
Gott Lob, ich halte noch auf Ehre;
Beleidigt nicht das Völkerrecht!
Ich bin ein Fremder, lieber Bäcker;
Was Völkerrecht! warf dieser ein,
Du hast den Tod verdient, du Lecker,
Du magst Frank oder Schwabe seyn.
Wie? sprach die Maus, wenn ich euch sage, –
Und was? – was hier geschehen ist.
Der Knecht hat – Rede! – dieser Tage
Dein Weib – was hat er sie? – geküßt.
Der Bäcker geht dem Knecht zu Leibe,
Er schäumt, er flucht, der Knecht erschrickt,
Die Maus entwischt, Gott helf' dem Weibe.
Wer leicht sich zürnt, wird leicht berückt.
Letzte Änderung: 23 Mai 2018 07:30 von Kaninchen.
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