Gedichte
- Feschtbrueder
-
Autor
- Offline
- Administrator
-
Weniger
Mehr
- Beiträge: 13491
07 Okt 2018 07:25 #19552
von Feschtbrueder
Humor ist, wenn man trotzdem lacht! Lachen ist die beste Medizin!
„Sie faule, verbummelte Schlampe,“
Sagte der Spiegel zur Lampe.
„Sie altes, schmieriges Scherbenstück,“
Gab die Lampe dem Spiegel zurück.
Der Spiegel in seiner Erbitterung
Bekam einen ganz gewaltigen Sprung.
Der zornigen Lampe verging die Puste.
Sie fauchte, rauchte, schwelte und russte.
Das Stubenmädchen liess beide in Ruhe
Und doch: Ihr schob man die Schuld in die Schuhe.
Joachim Ringelnatz
Sagte der Spiegel zur Lampe.
„Sie altes, schmieriges Scherbenstück,“
Gab die Lampe dem Spiegel zurück.
Der Spiegel in seiner Erbitterung
Bekam einen ganz gewaltigen Sprung.
Der zornigen Lampe verging die Puste.
Sie fauchte, rauchte, schwelte und russte.
Das Stubenmädchen liess beide in Ruhe
Und doch: Ihr schob man die Schuld in die Schuhe.
Joachim Ringelnatz
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
- Kaninchen
-
- Offline
- Platinum Boarder
-
Weniger
Mehr
- Beiträge: 28354
07 Okt 2018 08:02 - 07 Okt 2018 08:05 #19554
von Kaninchen
Heute geht die Wiesn zu Ende
Oktoberfest 100 Jahre
Lasset uns, ihr edlen Bayern
– Untertanen! Publikum! –,
Mit gehobnen Herzen feiern
Dieses stolze saeculum!
Hühner-, Gäns- und Heringsbrater,
Heute seid ihr zentenar!
Dank so manchem Landesvater,
Der euch mild gewogen war.
Stier- und Sau- und Ochsentreiber,
Heute fühlt euch vaterländ'sch!
Brezelfrauen! Radiweiber!
Jedes alte Kuchelmensch!
Schweige jeder Widersacher!
Denn noch blühen sie uns frisch:
Treue für die Wittelsbacher,
Wiesenmaß und Steckerlfisch!
Nein! Noch ist es keine Lüge,
Daß man treu und bieder denkt!
Hebet hoch die Literkrüge,
Mit drei Quarteln eingeschenkt!
Ludwig Thoma
(* 21.01.1867, † 26.08.1921)
Ludwig Thoma ist durch seine realistischen wie satirischen Schilderungen des bairischen Alltags seiner Zeit populär geworden. Dieses Gedicht hat er zum
100. Jubiläum der Wiesn 1910 verfaßt.
Lasset uns, ihr edlen Bayern
– Untertanen! Publikum! –,
Mit gehobnen Herzen feiern
Dieses stolze saeculum!
Hühner-, Gäns- und Heringsbrater,
Heute seid ihr zentenar!
Dank so manchem Landesvater,
Der euch mild gewogen war.
Stier- und Sau- und Ochsentreiber,
Heute fühlt euch vaterländ'sch!
Brezelfrauen! Radiweiber!
Jedes alte Kuchelmensch!
Schweige jeder Widersacher!
Denn noch blühen sie uns frisch:
Treue für die Wittelsbacher,
Wiesenmaß und Steckerlfisch!
Nein! Noch ist es keine Lüge,
Daß man treu und bieder denkt!
Hebet hoch die Literkrüge,
Mit drei Quarteln eingeschenkt!
Ludwig Thoma
(* 21.01.1867, † 26.08.1921)
Ludwig Thoma ist durch seine realistischen wie satirischen Schilderungen des bairischen Alltags seiner Zeit populär geworden. Dieses Gedicht hat er zum
100. Jubiläum der Wiesn 1910 verfaßt.
Letzte Änderung: 07 Okt 2018 08:05 von Kaninchen.
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
- Kaninchen
-
- Offline
- Platinum Boarder
-
Weniger
Mehr
- Beiträge: 28354
08 Okt 2018 07:51 #19579
von Kaninchen
Stallknecht und Viehmagd
Carmen bucolicon
Die Bärin wohnt im tiefen Walde,
Im tiefen Wald wohnt auch der Bär,
Und an demselben Aufenthalte,
Da wohnen Bären bald noch mehr.
Und im Olymp, da wohnen Götter,
Darunter Venus und Apoll;
Dort hat man ewig schönes Wetter
Und jeder Gott ist liebevoll.
Auf ödem Felde schafft die Viehmagd,
Tut ob der Arbeit manchen Schrei,
Jedoch Cupido, der sich nie plagt,
Wälzt sich im Grase nebenbei.
Nun kommt der Stallknecht mit den Kühen;
Auch Ochsen ziehen an dem Pflug,
Doch muß er selbst das meiste ziehen,
Dann geht es eben flott genug.
Cupido duckt sich listig nieder,
Er legt den Bogen an mit Lust
Und schießt die Viehmagd durch das Mieder
In ihre ahnungslose Brust.
Der Stallknecht kommt herbeigesprungen,
Auf daß er rasch ihr Hilfe bringt;
Cupido trifft den guten Jungen,
Daß er mit ihr zu Boden sinkt.
Da liegen Stallknecht nun und Viehmagd
Und schauen sich verwundert an,
Und nachher tun sie, was man nie sagt,
Doch was man leicht erraten kann.
Frank Wedekind
war ein deutscher Schriftsteller, Dramatiker und Schauspieler.
Lebte: 24. Jul 1864 - 9. Mrz 1918 (Alter 53)
Carmen bucolicon
Die Bärin wohnt im tiefen Walde,
Im tiefen Wald wohnt auch der Bär,
Und an demselben Aufenthalte,
Da wohnen Bären bald noch mehr.
Und im Olymp, da wohnen Götter,
Darunter Venus und Apoll;
Dort hat man ewig schönes Wetter
Und jeder Gott ist liebevoll.
Auf ödem Felde schafft die Viehmagd,
Tut ob der Arbeit manchen Schrei,
Jedoch Cupido, der sich nie plagt,
Wälzt sich im Grase nebenbei.
Nun kommt der Stallknecht mit den Kühen;
Auch Ochsen ziehen an dem Pflug,
Doch muß er selbst das meiste ziehen,
Dann geht es eben flott genug.
Cupido duckt sich listig nieder,
Er legt den Bogen an mit Lust
Und schießt die Viehmagd durch das Mieder
In ihre ahnungslose Brust.
Der Stallknecht kommt herbeigesprungen,
Auf daß er rasch ihr Hilfe bringt;
Cupido trifft den guten Jungen,
Daß er mit ihr zu Boden sinkt.
Da liegen Stallknecht nun und Viehmagd
Und schauen sich verwundert an,
Und nachher tun sie, was man nie sagt,
Doch was man leicht erraten kann.
Frank Wedekind
war ein deutscher Schriftsteller, Dramatiker und Schauspieler.
Lebte: 24. Jul 1864 - 9. Mrz 1918 (Alter 53)
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
- Kaninchen
-
- Offline
- Platinum Boarder
-
Weniger
Mehr
- Beiträge: 28354
09 Okt 2018 07:56 - 09 Okt 2018 07:56 #19598
von Kaninchen
Rosen
Als ich im kurzen Röckchen ging,
Da wußt' ich gerne jedes Ding
Und ließ der Mutter keine Ruh:
Warum? Weshalb? Wieso? Wozu?
Schwer war es, Antwort sagen
Auf so viel schwere Fragen:
Du Mama, sag, Mama,
Wozu sind denn die Rosen da?
Sprach Mama:
Eisasa!
Rosen sind zum Brechen da.
Nun trag' ich schon ein langes Kleid
Und bin selbst fürchterlich gescheit
Und darf nicht jeden stellen: Du,
Warum? Weshalb? Wieso? Wozu?
Und hab' doch viel zu fragen.
Was würde sie wohl sagen,
Früg' ich: Du, sag, Mama:
Wozu sind denn wir Mädchen da?
Spräch' Mama:
Eisasa!
Mädchen sind zum Küssen da.
Otto Julius Bierbaum
Als ich im kurzen Röckchen ging,
Da wußt' ich gerne jedes Ding
Und ließ der Mutter keine Ruh:
Warum? Weshalb? Wieso? Wozu?
Schwer war es, Antwort sagen
Auf so viel schwere Fragen:
Du Mama, sag, Mama,
Wozu sind denn die Rosen da?
Sprach Mama:
Eisasa!
Rosen sind zum Brechen da.
Nun trag' ich schon ein langes Kleid
Und bin selbst fürchterlich gescheit
Und darf nicht jeden stellen: Du,
Warum? Weshalb? Wieso? Wozu?
Und hab' doch viel zu fragen.
Was würde sie wohl sagen,
Früg' ich: Du, sag, Mama:
Wozu sind denn wir Mädchen da?
Spräch' Mama:
Eisasa!
Mädchen sind zum Küssen da.
Otto Julius Bierbaum
Letzte Änderung: 09 Okt 2018 07:56 von Kaninchen.
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
- Feschtbrueder
-
Autor
- Offline
- Administrator
-
Weniger
Mehr
- Beiträge: 13491
09 Okt 2018 08:34 #19602
von Feschtbrueder
Humor ist, wenn man trotzdem lacht! Lachen ist die beste Medizin!
Es war ein Brikett
Es war ein Brikett, ein grosses Genie,
Das Philosophie studierte
Und später selbst an der Akademie
Im gleichen Fache dozierte.
Es sprach zur versammelten Briketterie:
»Verehrliches Auditorium,
Das Leben – das Leben – beachten Sie –
Ist nichts als ein Provisorium.«
Da wurde als ketzerisch gleich verbannt
Der Satz mit dem Provisorium.
Das arme Brikett, das wurde verbrannt
In einem Privatkrematorium.
Joachim Ringelnatz
Es war ein Brikett, ein grosses Genie,
Das Philosophie studierte
Und später selbst an der Akademie
Im gleichen Fache dozierte.
Es sprach zur versammelten Briketterie:
»Verehrliches Auditorium,
Das Leben – das Leben – beachten Sie –
Ist nichts als ein Provisorium.«
Da wurde als ketzerisch gleich verbannt
Der Satz mit dem Provisorium.
Das arme Brikett, das wurde verbrannt
In einem Privatkrematorium.
Joachim Ringelnatz
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
- Kaninchen
-
- Offline
- Platinum Boarder
-
Weniger
Mehr
- Beiträge: 28354
10 Okt 2018 08:00 - 10 Okt 2018 08:00 #19615
von Kaninchen
Heut ist der holde Tag
Nicht warm und kalt auch nicht,
die Wolke wäscht
der Welt ihr Blumenangesicht; ich hör die Nachtigall
wie sie zur Rose spricht:
"Blüh auf und lieb und trink,
eh´ dich der Herbstwind bricht."
Omar Khayyam, (Chajjam, 1048- 1131)
Der persische Mathematiker, Astronom, Philosoph und Dichter OMAR KHAYYAM wurde in Nischapur geboren, wo er auch im hohen Alter starb.
Heut ist der holde Tag
Nicht warm und kalt auch nicht,
die Wolke wäscht
der Welt ihr Blumenangesicht; ich hör die Nachtigall
wie sie zur Rose spricht:
"Blüh auf und lieb und trink,
eh´ dich der Herbstwind bricht."
Omar Khayyam, (Chajjam, 1048- 1131)
Der persische Mathematiker, Astronom, Philosoph und Dichter OMAR KHAYYAM wurde in Nischapur geboren, wo er auch im hohen Alter starb.
Letzte Änderung: 10 Okt 2018 08:00 von Kaninchen.
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
Ladezeit der Seite: 0.116 Sekunden
- Aktuelle Seite:
-
Startseite
-
Forum
-
Feschtbrueder's Foren
-
Feschtplatz
- Gedichte