Gedichte
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17 Mär 2020 07:47 #27505
von Kaninchen
Eichhorn klettert übern Schlehdorn,
Eichhorn will zum Wipfel steigen,
Eichhorn fällt ins Gras herab.
Wär' es nicht so hoch gestiegen,
Wär' es nicht so tief gefallen,
Bräch's sein Füßlein nicht entzwei.
Joseph Victor von Scheffel
(1826 - 1886)
ab 1876 von Scheffel,
deutscher Schriftsteller und Dichter
Eichhorn klettert übern Schlehdorn,
Eichhorn will zum Wipfel steigen,
Eichhorn fällt ins Gras herab.
Wär' es nicht so hoch gestiegen,
Wär' es nicht so tief gefallen,
Bräch's sein Füßlein nicht entzwei.
Joseph Victor von Scheffel
(1826 - 1886)
ab 1876 von Scheffel,
deutscher Schriftsteller und Dichter
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18 Mär 2020 08:20 - 19 Mär 2020 07:33 #27522
von Kaninchen
Leitung
Es wird ein Engel dir gesandt,
um dich durchs Leben zu begleiten.
Er nimmt dich liebend an der Hand
und bleibt bei dir zu allen Zeiten.
Er kennt den Weg, den du zu gehen hast,
und trägt mit dir der Erde Leid und Last.
Es wird ein Engel dir gesandt,
dem sollst du dich gern anvertrauen.
Auf ihn soll stets und unverwandt
das Auge deiner Seele schauen.
Er trägt zu deinem Schutz das Schwert des Herrn
und ist dir nie mit seiner Hülfe fern.
Es wird ein Engel dir gesandt,
dem sollst du niemals widerstreben,
Und hast du ihn vielleicht verkannt,
so zwing ihn nicht, dich aufzugeben,
Denn bautest du auf deine Kraft allein,
es würde nur zu deinem Unglück sein.
Karl May
(1842 - 1912)
eigentlich Carl Friedrich May, Pseudonym Karl Hohenthal; dt. Jugendschriftsteller
Es wird ein Engel dir gesandt,
um dich durchs Leben zu begleiten.
Er nimmt dich liebend an der Hand
und bleibt bei dir zu allen Zeiten.
Er kennt den Weg, den du zu gehen hast,
und trägt mit dir der Erde Leid und Last.
Es wird ein Engel dir gesandt,
dem sollst du dich gern anvertrauen.
Auf ihn soll stets und unverwandt
das Auge deiner Seele schauen.
Er trägt zu deinem Schutz das Schwert des Herrn
und ist dir nie mit seiner Hülfe fern.
Es wird ein Engel dir gesandt,
dem sollst du niemals widerstreben,
Und hast du ihn vielleicht verkannt,
so zwing ihn nicht, dich aufzugeben,
Denn bautest du auf deine Kraft allein,
es würde nur zu deinem Unglück sein.
Karl May
(1842 - 1912)
eigentlich Carl Friedrich May, Pseudonym Karl Hohenthal; dt. Jugendschriftsteller
Letzte Änderung: 19 Mär 2020 07:33 von Feschtbrueder. Grund: Formatierung
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19 Mär 2020 07:51 #27539
von Kaninchen
Humor
Man spricht von Humor jetzt oft und viel
Und denkt dabei nur an ein leeres Spiel.
Mancher kursiert als Humorist,
der nichts weiter als Spaßmacher ist,
Nichts ahnt von dem inneren Widerspruch,
von dem Zickzack, dem tiefen Bruch,
Der durch das ganze Weltall dringt,
Daß man immer fürchtet: es zerspringt,
Während die also geborstne Welt
Doch immer noch steht und zusammenhält...
Hat aber einer die Geistesmacht,
Die scharf durchschaut und doch heiter lacht,
Bleibt er fest und verzweifelt nie,
Hat er mehr als Witz, hat er Phantasie,
Versteht er über sich selbst zu schweben,
Sich selber dem Lachen preiszugeben:
Dem sei es gegönnt von ganzem Herzen,
Auf einmal einfach närrisch zu scherzen.
Ohne versteckte Gedankentiefen
Seine Freude zu haben am Naiven.
Friedrich Theodor von Vischer
(1807 - 1887)
deutscher Philosoph, Lyriker, Erzähler und Ästhetiker
Humor
Man spricht von Humor jetzt oft und viel
Und denkt dabei nur an ein leeres Spiel.
Mancher kursiert als Humorist,
der nichts weiter als Spaßmacher ist,
Nichts ahnt von dem inneren Widerspruch,
von dem Zickzack, dem tiefen Bruch,
Der durch das ganze Weltall dringt,
Daß man immer fürchtet: es zerspringt,
Während die also geborstne Welt
Doch immer noch steht und zusammenhält...
Hat aber einer die Geistesmacht,
Die scharf durchschaut und doch heiter lacht,
Bleibt er fest und verzweifelt nie,
Hat er mehr als Witz, hat er Phantasie,
Versteht er über sich selbst zu schweben,
Sich selber dem Lachen preiszugeben:
Dem sei es gegönnt von ganzem Herzen,
Auf einmal einfach närrisch zu scherzen.
Ohne versteckte Gedankentiefen
Seine Freude zu haben am Naiven.
Friedrich Theodor von Vischer
(1807 - 1887)
deutscher Philosoph, Lyriker, Erzähler und Ästhetiker
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20 Mär 2020 08:03 #27554
von Kaninchen
Gekränkte Unschuld
Ein Rad gebrochen... Da liegt das Heu...
Da liegt der Wagen, und nebenbei
ein blasses, schmächtiges Dirnlein steht,
das heulend die Zipfel der Schürze dreht.
"Was willst denn"? Ich streichle ihm sanft das Gesicht.
Da zeigt's auf den riesigen Wagen, und spricht,
das zitternde Stimmchen von Schluchzen zerrissen:
"Sie sagen, ich hätte ihn umgeschmissen".
Anna Ritter
1865 - 1921
deutsche Dichterin und Novellistin
Ein Rad gebrochen... Da liegt das Heu...
Da liegt der Wagen, und nebenbei
ein blasses, schmächtiges Dirnlein steht,
das heulend die Zipfel der Schürze dreht.
"Was willst denn"? Ich streichle ihm sanft das Gesicht.
Da zeigt's auf den riesigen Wagen, und spricht,
das zitternde Stimmchen von Schluchzen zerrissen:
"Sie sagen, ich hätte ihn umgeschmissen".
Anna Ritter
1865 - 1921
deutsche Dichterin und Novellistin
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21 Mär 2020 05:51 #27561
von Feschtbrueder
Humor ist, wenn man trotzdem lacht! Lachen ist die beste Medizin!
Der Hügel
Wie wundersam ist doch ein Hügel,
der sich ans Herz der Sonne legt,
indes des Winds gehaltner Flügel
des Gipfels Gräser leicht bewegt.
Mit buntem Faltertanz durchwebt sich,
von wilden Bienen singt die Luft,
und aus der warmen Erde hebt sich
ein süsser, hingegebner Duft.
Christian Morgenstern
Wie wundersam ist doch ein Hügel,
der sich ans Herz der Sonne legt,
indes des Winds gehaltner Flügel
des Gipfels Gräser leicht bewegt.
Mit buntem Faltertanz durchwebt sich,
von wilden Bienen singt die Luft,
und aus der warmen Erde hebt sich
ein süsser, hingegebner Duft.
Christian Morgenstern
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21 Mär 2020 08:39 #27574
von Kaninchen
Der Jäger
Was sucht denn der Jäger am Mühlbach hier?
Bleib, trotziger Jäger, in deinem Revier!
Hier gibt es kein Wild zu jagen für dich,
Hier wohnt nur ein Rehlein, ein zahmes, für mich.
Und willst du das zärtliche Rehlein sehn,
So laß deine Büchsen im Walde stehn,
Und laß deine klaffenden Hunde zu Haus,
Und laß auf dem Horne den Saus und Braus,
Und schere vom Kinne das struppige Haar,
Sonst scheut sich im Garten das Rehlein fürwahr.
Doch besser, du bliebest im Walde dazu,
Und ließest die Mühlen und Müller in Ruh.
Was taugen die Fischlein im grünen Gezweig?
Was will denn das Eichhorn im bläulichen Teich?
Drum bleibe, du trotziger Jäger, im Hain,
Und laß mich mit meinen drei Rädern allein;
Und willst meinem Schätzchen dich machen beliebt,
So wisse, mein Freund, was ihr Herzchen betrübt:
Die Eber, die kommen zu Nacht aus dem Hain,
Und brechen in ihren Kohlgarten ein,
Und treten und wühlen herum in dem Feld:
Die Eber die schieße, du Jägerheld!
Wilhelm Müller
genannt "Griechen-Müller"
Der Jäger
Was sucht denn der Jäger am Mühlbach hier?
Bleib, trotziger Jäger, in deinem Revier!
Hier gibt es kein Wild zu jagen für dich,
Hier wohnt nur ein Rehlein, ein zahmes, für mich.
Und willst du das zärtliche Rehlein sehn,
So laß deine Büchsen im Walde stehn,
Und laß deine klaffenden Hunde zu Haus,
Und laß auf dem Horne den Saus und Braus,
Und schere vom Kinne das struppige Haar,
Sonst scheut sich im Garten das Rehlein fürwahr.
Doch besser, du bliebest im Walde dazu,
Und ließest die Mühlen und Müller in Ruh.
Was taugen die Fischlein im grünen Gezweig?
Was will denn das Eichhorn im bläulichen Teich?
Drum bleibe, du trotziger Jäger, im Hain,
Und laß mich mit meinen drei Rädern allein;
Und willst meinem Schätzchen dich machen beliebt,
So wisse, mein Freund, was ihr Herzchen betrübt:
Die Eber, die kommen zu Nacht aus dem Hain,
Und brechen in ihren Kohlgarten ein,
Und treten und wühlen herum in dem Feld:
Die Eber die schieße, du Jägerheld!
Wilhelm Müller
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