Gedichte
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24 Feb 2020 08:08 #27125
von Kaninchen
Zahnschmerz
Das Zahnweh, subjektiv genommen,
ist ohne Zweifel unwillkommen;
doch hat's die gute Eigenschaft,
dass sich dabei die Lebenskraft,
die man nach außen oft verschwendet,
auf einen Punkt nach innen wendet
und hier energisch konzentriert.
Kaum wird der erste Stich verspürt,
kaum fühlt man das bekannte Bohren,
das Zucken, Rucken und Rumoren,
und aus ist's mit der Weltgeschichte,
vergessen sind die Kursberichte,
die Steuern und das Einmaleins,
kurz, jede Form gewohnten Seins,
die sonst real erscheint und wichtig,
wird plötzlich wesenlos und nichtig.
Ja, selbst die alte Liebe rostet,
man weiß nicht, was die Butter kostet,
denn einzig in der engen Höhle
des Backenzahnes weilt die Seele,
und unter Toben und Gesaus
reift der Entschluss: Er muss heraus!
Wilhelm Busch
Zahnschmerz
Das Zahnweh, subjektiv genommen,
ist ohne Zweifel unwillkommen;
doch hat's die gute Eigenschaft,
dass sich dabei die Lebenskraft,
die man nach außen oft verschwendet,
auf einen Punkt nach innen wendet
und hier energisch konzentriert.
Kaum wird der erste Stich verspürt,
kaum fühlt man das bekannte Bohren,
das Zucken, Rucken und Rumoren,
und aus ist's mit der Weltgeschichte,
vergessen sind die Kursberichte,
die Steuern und das Einmaleins,
kurz, jede Form gewohnten Seins,
die sonst real erscheint und wichtig,
wird plötzlich wesenlos und nichtig.
Ja, selbst die alte Liebe rostet,
man weiß nicht, was die Butter kostet,
denn einzig in der engen Höhle
des Backenzahnes weilt die Seele,
und unter Toben und Gesaus
reift der Entschluss: Er muss heraus!
Wilhelm Busch
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25 Feb 2020 07:51 #27141
von Kaninchen
Und dräut der Winter noch so sehr
Mit trotzigen Gebärden,
Und streut er Eis und Schnee umher,
Es muß doch Frühling werden.
Und drängen Nebel noch so dicht
Sich vor den Blick der Sonne,
Sie wecket doch mit ihrem Licht
Einmal die Welt zur Wonne.
Blast nur ihr Stürme, blast mit Macht,
Mir soll darob nicht bangen,
Auf leisen Sohlen über Nacht,
Kommt doch der Lenz gegangen.
Da wacht die Erde grünend auf,
Weiß nicht, wie ihr geschehen,
Und lacht in den sonnigen Himmel hinauf,
Und möcht vor Lust vergehen.
Sie flicht sich blühende Kränze ins Haar
Und schmückt sich mit Rosen und Ähren,
Und läßt die Brünnlein rieseln klar,
Als wären es Freudenzähren!
Drum still, und wie es frieren mag,
O Herz, gib dich zufrieden,
Es ist ein großer Maientag
Der ganzen Welt beschieden.
Und wenn dir oft auch bangt und graut,
Als sei die Höll' auf Erden:
Nur unverzagt auf Gott gebaut,
Es muß doch Frühling werden.
Emanuel Geibel
1815 - 1884
deutscher Lyriker und Dramatiker
Und dräut der Winter noch so sehr
Mit trotzigen Gebärden,
Und streut er Eis und Schnee umher,
Es muß doch Frühling werden.
Und drängen Nebel noch so dicht
Sich vor den Blick der Sonne,
Sie wecket doch mit ihrem Licht
Einmal die Welt zur Wonne.
Blast nur ihr Stürme, blast mit Macht,
Mir soll darob nicht bangen,
Auf leisen Sohlen über Nacht,
Kommt doch der Lenz gegangen.
Da wacht die Erde grünend auf,
Weiß nicht, wie ihr geschehen,
Und lacht in den sonnigen Himmel hinauf,
Und möcht vor Lust vergehen.
Sie flicht sich blühende Kränze ins Haar
Und schmückt sich mit Rosen und Ähren,
Und läßt die Brünnlein rieseln klar,
Als wären es Freudenzähren!
Drum still, und wie es frieren mag,
O Herz, gib dich zufrieden,
Es ist ein großer Maientag
Der ganzen Welt beschieden.
Und wenn dir oft auch bangt und graut,
Als sei die Höll' auf Erden:
Nur unverzagt auf Gott gebaut,
Es muß doch Frühling werden.
Emanuel Geibel
1815 - 1884
deutscher Lyriker und Dramatiker
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26 Feb 2020 07:54 - 26 Feb 2020 07:56 #27156
von Kaninchen
Der hinkende Bote kommt nach
Wie schön ist, Freunde, das Trinken!
Doch trinket, ihr Freunde, gemach!
Das Trinken oft bringet zum Sinken;
Der hinkende Bot’ kommt nach.
Wie schön ist, Freunde, das Küssen;
Doch küsset, ihr Freunde, gemach,
Nicht ‘s Küssen einst büßen zu müssen;
Der hinkende Bot’ kommt nach.
Wie schön ist, Freunde, das Schmausen,
Doch schmauset, ihr Freunde, gemach;
Im Magen die Teufel oft Hausen;
Der hinkende Bot’ kommt nach.
Wie schön ist, Freunde, das Jagen;
Doch jaget, ihr Freunde, gemach!
Leicht kriegt euch Samiel beim Kragen;
Der hinkende Bot’ kommt nach.
Wie schön ist, Freunde, das Spielen
Doch spielet, ihr Freunde, gemach.
Leicht könnt ihr das Leben verspielen;
Der hinkende Bot’ kommt nach.
Wie schön ist, Freunde, das Leben;
Doch lebet, ihr Freunde, gemach!
Ach, schnell ist das Leben vergeben;
Der hinkende Bot’ kommt nach.
Doch komme der hinkende Bote;
Wir trinken, wir leben gemach,
Und schritten wir aus dem Gebote,
Dann hinken wir lustig ihm nach.
Carl Geisheim
Der hinkende Bote kommt nach
Wie schön ist, Freunde, das Trinken!
Doch trinket, ihr Freunde, gemach!
Das Trinken oft bringet zum Sinken;
Der hinkende Bot’ kommt nach.
Wie schön ist, Freunde, das Küssen;
Doch küsset, ihr Freunde, gemach,
Nicht ‘s Küssen einst büßen zu müssen;
Der hinkende Bot’ kommt nach.
Wie schön ist, Freunde, das Schmausen,
Doch schmauset, ihr Freunde, gemach;
Im Magen die Teufel oft Hausen;
Der hinkende Bot’ kommt nach.
Wie schön ist, Freunde, das Jagen;
Doch jaget, ihr Freunde, gemach!
Leicht kriegt euch Samiel beim Kragen;
Der hinkende Bot’ kommt nach.
Wie schön ist, Freunde, das Spielen
Doch spielet, ihr Freunde, gemach.
Leicht könnt ihr das Leben verspielen;
Der hinkende Bot’ kommt nach.
Wie schön ist, Freunde, das Leben;
Doch lebet, ihr Freunde, gemach!
Ach, schnell ist das Leben vergeben;
Der hinkende Bot’ kommt nach.
Doch komme der hinkende Bote;
Wir trinken, wir leben gemach,
Und schritten wir aus dem Gebote,
Dann hinken wir lustig ihm nach.
Carl Geisheim
Letzte Änderung: 26 Feb 2020 07:56 von Kaninchen.
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27 Feb 2020 08:28 #27174
von Feschtbrueder
Humor ist, wenn man trotzdem lacht! Lachen ist die beste Medizin!
Wankelmut
Was bin ich alter Bösewicht
So wankelig von Sinne.
Ein leeres Glas gefällt mir nicht,
Ich will, das was darinne.
Das ist mir so ein dürr Geklirr;
He, Kellnerin, erscheine!
Lass dieses öde Trinkgeschirr
Befeuchtet sein von Weine!
Nun will mir aber dieses auch
Nur kurze Zeit gefallen;
Hinunter muss es durch den Schlauch
Zur dunklen Tiefe wallen. -
So schwank ich ohne Unterlass
Hinwieder zwischen beiden.
Ein volles Glas, ein leeres Glas
Mag ich nicht lange leiden.
Ich bin gerade so als wie
Der Erzbischof von Köllen,
Er leert sein Gläslein wuppheidi
Und lässt es wieder völlen.
Wilhelm Busch
Was bin ich alter Bösewicht
So wankelig von Sinne.
Ein leeres Glas gefällt mir nicht,
Ich will, das was darinne.
Das ist mir so ein dürr Geklirr;
He, Kellnerin, erscheine!
Lass dieses öde Trinkgeschirr
Befeuchtet sein von Weine!
Nun will mir aber dieses auch
Nur kurze Zeit gefallen;
Hinunter muss es durch den Schlauch
Zur dunklen Tiefe wallen. -
So schwank ich ohne Unterlass
Hinwieder zwischen beiden.
Ein volles Glas, ein leeres Glas
Mag ich nicht lange leiden.
Ich bin gerade so als wie
Der Erzbischof von Köllen,
Er leert sein Gläslein wuppheidi
Und lässt es wieder völlen.
Wilhelm Busch
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27 Feb 2020 08:42 #27175
von Kaninchen
Lebewohl
Es trennen Feld und Berg und Bäche
Mich bald von Dir, wenn ich nun fort,
Ob ich zu Dir auch zärtlich spreche,
Du sagst zur Antwort mir kein Wort.
Du selbst mir, wenn der Abend dunkelt,
Wo sonst mich Deine Näh entzückt'!
Und ach, wenn früh der Morgen funkelt -
Wo bleibt Dein Gruss, der mich beglückt'?
Sag' nicht, ich könne Dich vergessen,
Das Wort - Du glaubst es selber nicht!
Wohl tausendmal hast Du ermessen,
Was mich durchdringt, was aus mir spricht.
Tand liess ich, Leichtsinn, Lust der Sinne,
Seit Du zogst in mein Herz hinein:
Mir lebt die Welt in unsrer Minne,
Sie ist mir bloss Dein Wiederschein!
Dein Bild scheint mir, wo Sonnen lohen,
Dein Wort des Baches Murmeln sacht,
Am Firmament, dem hehren, hohen,
Deut'st Du mir Rätsel in der Nacht.
Was Erd' und Himmel nur zu eigen
An Herrlichem, ich seh's in Dir,
Dein Aug' glänzt mir wie Sternenreigen,
Gleich Lilien scheint Dein Busen mir!
Und trennt uns auch des Raumes Weite,
Wir bleiben uns doch ewig nah,
Du sitzt zwar nicht an meiner Seite,
Doch in ihr bist Du ewig da.
Ja, in der Linken, dort erglühet
Ein Herz und in ihm wohnest Du:
Wo solches hehre Glück erblühet,
Schliesst man das Tor den Andern zu.
Wie dringen Deine edlen, bleichen,
Geliebten Züge in mein Herz!
Die Lust muss Himmelsfreuden gleichen,
Doch - irdisch ist der Trennung Schmerz!
In meinem Ohr erklingt's von süssen
Gesängen, die Dein Odem haucht,
Noch einmal lass mich jetzt Dich küssen:
Ein Kuss in Weh und Glut getaucht!
Leb' wohl! Bleib' treu! Wie jäh Verderben
Packt's mich, dass Du nicht ewig treu!
Bleib' treu! Die Stunde müsst' ich sterben,
Wo andre Lieb' Du fühltest neu!
Du Morgenstern in meinem Leben,
Mein bessres Ich, mein süss Idol,
Du höchstes Ziel für heisses Streben!
Geliebtes Weib, leb' wohl, leb' wohl!
Esaias Tegner
1782-1846
schwedischer Lyriker
In der Übersetzung von Edmund Lobedanz
Lebewohl
Es trennen Feld und Berg und Bäche
Mich bald von Dir, wenn ich nun fort,
Ob ich zu Dir auch zärtlich spreche,
Du sagst zur Antwort mir kein Wort.
Du selbst mir, wenn der Abend dunkelt,
Wo sonst mich Deine Näh entzückt'!
Und ach, wenn früh der Morgen funkelt -
Wo bleibt Dein Gruss, der mich beglückt'?
Sag' nicht, ich könne Dich vergessen,
Das Wort - Du glaubst es selber nicht!
Wohl tausendmal hast Du ermessen,
Was mich durchdringt, was aus mir spricht.
Tand liess ich, Leichtsinn, Lust der Sinne,
Seit Du zogst in mein Herz hinein:
Mir lebt die Welt in unsrer Minne,
Sie ist mir bloss Dein Wiederschein!
Dein Bild scheint mir, wo Sonnen lohen,
Dein Wort des Baches Murmeln sacht,
Am Firmament, dem hehren, hohen,
Deut'st Du mir Rätsel in der Nacht.
Was Erd' und Himmel nur zu eigen
An Herrlichem, ich seh's in Dir,
Dein Aug' glänzt mir wie Sternenreigen,
Gleich Lilien scheint Dein Busen mir!
Und trennt uns auch des Raumes Weite,
Wir bleiben uns doch ewig nah,
Du sitzt zwar nicht an meiner Seite,
Doch in ihr bist Du ewig da.
Ja, in der Linken, dort erglühet
Ein Herz und in ihm wohnest Du:
Wo solches hehre Glück erblühet,
Schliesst man das Tor den Andern zu.
Wie dringen Deine edlen, bleichen,
Geliebten Züge in mein Herz!
Die Lust muss Himmelsfreuden gleichen,
Doch - irdisch ist der Trennung Schmerz!
In meinem Ohr erklingt's von süssen
Gesängen, die Dein Odem haucht,
Noch einmal lass mich jetzt Dich küssen:
Ein Kuss in Weh und Glut getaucht!
Leb' wohl! Bleib' treu! Wie jäh Verderben
Packt's mich, dass Du nicht ewig treu!
Bleib' treu! Die Stunde müsst' ich sterben,
Wo andre Lieb' Du fühltest neu!
Du Morgenstern in meinem Leben,
Mein bessres Ich, mein süss Idol,
Du höchstes Ziel für heisses Streben!
Geliebtes Weib, leb' wohl, leb' wohl!
Esaias Tegner
1782-1846
schwedischer Lyriker
In der Übersetzung von Edmund Lobedanz
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28 Feb 2020 08:28 - 28 Feb 2020 08:30 #27190
von Kaninchen
Ritornelle
Gebt mir zu trinken!
Was in den Sternen steht, kann man nicht ändern,
Doch man vergißt es bei der Gläser Blinken.
Blume der Schenke!
Du wirfst was in den Wein, daß ich erkranke,
Und trunken bin, so oft ich dein gedenke.
Friedrich Rückert (1788 - 1866) alias Freimund Raimar, deutscher Dichter, Lyriker und Übersetzer arabischer, hebräischer, indischer und chinesischer Dichtung
Ritornelle
Gebt mir zu trinken!
Was in den Sternen steht, kann man nicht ändern,
Doch man vergißt es bei der Gläser Blinken.
Blume der Schenke!
Du wirfst was in den Wein, daß ich erkranke,
Und trunken bin, so oft ich dein gedenke.
Friedrich Rückert (1788 - 1866) alias Freimund Raimar, deutscher Dichter, Lyriker und Übersetzer arabischer, hebräischer, indischer und chinesischer Dichtung
Letzte Änderung: 28 Feb 2020 08:30 von Kaninchen.
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