Gedichte
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22 Mär 2020 08:06 #27592
von Kaninchen
Adelens Spaziergang
Wilhelm Busch
Ein Mädchen, schön und voll Gemüt,
Geht hier spazieren, wie man sieht.
Sie pflückt auf frühlingsgrüner Au
Vergißmeinnicht, das Blümlein blau.
Ach Gott! Da hupft ein grüner, nasser,
Erschrecklich großer Frosch ins Wasser.
Adele, die ihn hupfen sah,
Fällt um und ist der Ohnmacht nah.
Ameisenbisse tun gar weh;
Schnell springt Adele in die Höh'.
Ein Schäfer weidet in der Fern. -
Den Ziegenbock hat man nicht gern.
Es stößt der Bock - Adele schreit -
Der Hirt ist in Verlegenheit.
Auf seine Hörner nimmt der Bock
Adelens Krinolinenrock.
Hund, Hirt und Herde stehen stumm
Um diesen Unglücksfall herum.
Der Schäfer trägt Adelen fort;
Ein Storch kommt auch an diesen Ort.
Schnapp! faßt der Storch die Krinoline
Und fliegt davon mit froher Miene.
Hier sitzt das Ding im Baume fest
Als wunderschönes Storchennest.
Adelens Spaziergang
Wilhelm Busch
Ein Mädchen, schön und voll Gemüt,
Geht hier spazieren, wie man sieht.
Sie pflückt auf frühlingsgrüner Au
Vergißmeinnicht, das Blümlein blau.
Ach Gott! Da hupft ein grüner, nasser,
Erschrecklich großer Frosch ins Wasser.
Adele, die ihn hupfen sah,
Fällt um und ist der Ohnmacht nah.
Ameisenbisse tun gar weh;
Schnell springt Adele in die Höh'.
Ein Schäfer weidet in der Fern. -
Den Ziegenbock hat man nicht gern.
Es stößt der Bock - Adele schreit -
Der Hirt ist in Verlegenheit.
Auf seine Hörner nimmt der Bock
Adelens Krinolinenrock.
Hund, Hirt und Herde stehen stumm
Um diesen Unglücksfall herum.
Der Schäfer trägt Adelen fort;
Ein Storch kommt auch an diesen Ort.
Schnapp! faßt der Storch die Krinoline
Und fliegt davon mit froher Miene.
Hier sitzt das Ding im Baume fest
Als wunderschönes Storchennest.
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23 Mär 2020 07:49 - 24 Mär 2020 07:01 #27606
von Kaninchen
Letzte Änderung: 24 Mär 2020 07:01 von Feschtbrueder. Grund: Formatierung
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24 Mär 2020 07:42 #27621
von Kaninchen
Einer Unbekannten
In diesem großen Traurigsein,
das Leben heißt,
kann einer fremden Lampe Schein
oft wie ein stilles Grüßen sein
von Geist zu Geist.
Und eines Menschen Angesicht,
das kaum man kennt,
kann rührend sein wie ein Gedicht
und tröstend wie ein leises Licht,
das tief im Dämmer brennt.
Anton Wildgans
(1881 - 1932)
österreichischer Jurist, Dramatiker und Lyriker;
Einer Unbekannten
In diesem großen Traurigsein,
das Leben heißt,
kann einer fremden Lampe Schein
oft wie ein stilles Grüßen sein
von Geist zu Geist.
Und eines Menschen Angesicht,
das kaum man kennt,
kann rührend sein wie ein Gedicht
und tröstend wie ein leises Licht,
das tief im Dämmer brennt.
Anton Wildgans
(1881 - 1932)
österreichischer Jurist, Dramatiker und Lyriker;
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25 Mär 2020 07:29 #27637
von Kaninchen
Abschied vom blauen Rauch
Heut nachts erwacht' ich jäh, das Herz stand still!
Dann aber hub ein Hämmern an, ein Pochen,
So ungefüg, als würde eingebrochen
Im Purpurschrein des Lebens. - Wie Gott will.
Es meint' der Arzt zu mir: Du rauchst zuviel,
Solch sinnlos Fröhnen bleibt nicht ungerochen! -
Und hat mir lange weise zugesprochen
Von meines Daseins Pflicht und ernstem Ziel.
Du blauer Rauch, berauschendes Umfließen,
Aus dem mir Ahnung und Gedanke quillt,
So muß ich deiner spärlicher genießen
Und ganz entsagen, wenn es einmal gilt. -
Wärst nicht das erste duftende Gebild,
Von dem ich habe Abschied nehmen müssen.
Anton Wildgans
Aus der Sammlung Mittag
Heut nachts erwacht' ich jäh, das Herz stand still!
Dann aber hub ein Hämmern an, ein Pochen,
So ungefüg, als würde eingebrochen
Im Purpurschrein des Lebens. - Wie Gott will.
Es meint' der Arzt zu mir: Du rauchst zuviel,
Solch sinnlos Fröhnen bleibt nicht ungerochen! -
Und hat mir lange weise zugesprochen
Von meines Daseins Pflicht und ernstem Ziel.
Du blauer Rauch, berauschendes Umfließen,
Aus dem mir Ahnung und Gedanke quillt,
So muß ich deiner spärlicher genießen
Und ganz entsagen, wenn es einmal gilt. -
Wärst nicht das erste duftende Gebild,
Von dem ich habe Abschied nehmen müssen.
Anton Wildgans
Aus der Sammlung Mittag
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26 Mär 2020 05:38 #27643
von Feschtbrueder
Humor ist, wenn man trotzdem lacht! Lachen ist die beste Medizin!
Aus tiefster Seele
Ich lehne träumend am Brückenrand,
Das Aug‘ zu des Stromes Tiefen gewandt.
Wie Schatten huscht es an mir vorbei,
Nur halb noch hör’ ich verworr’nes Geschrei.
Der Abend dämmert mählich herein ...
Plötzlich ergiesst sich trübfahler Schein:
Jäh‘ trifft mein Blick die Menschen all‘,
Die vorüberfluthen in wirrem Schwall.
Ich sehe Karossen stolz und reich,
Daneben die Armut kummerbleich.
Zumeist grub tiefe Linien die Noth,
Das Laster, die Sorge um Leben und Brot.
Verrohung spiegelt gar mancher Zug,
Unselige Selbstsucht, Lug und Trug.
Keinem Auge entsprüh’t des Daseins Lust -
Weltscheue Schwermuth füllt meine Brust.
Unendliches Weh und unendlicher Groll:
Was all‘ das tolle Treiben soll!
Wilhelm Arent
Ich lehne träumend am Brückenrand,
Das Aug‘ zu des Stromes Tiefen gewandt.
Wie Schatten huscht es an mir vorbei,
Nur halb noch hör’ ich verworr’nes Geschrei.
Der Abend dämmert mählich herein ...
Plötzlich ergiesst sich trübfahler Schein:
Jäh‘ trifft mein Blick die Menschen all‘,
Die vorüberfluthen in wirrem Schwall.
Ich sehe Karossen stolz und reich,
Daneben die Armut kummerbleich.
Zumeist grub tiefe Linien die Noth,
Das Laster, die Sorge um Leben und Brot.
Verrohung spiegelt gar mancher Zug,
Unselige Selbstsucht, Lug und Trug.
Keinem Auge entsprüh’t des Daseins Lust -
Weltscheue Schwermuth füllt meine Brust.
Unendliches Weh und unendlicher Groll:
Was all‘ das tolle Treiben soll!
Wilhelm Arent
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26 Mär 2020 08:18 #27656
von Kaninchen
Die Dreiflüssestadt Passau , hier bin ich aufgewachsen
Am Strome
Ich kann oft stundenlang am Strome stehen,
Wenn ich entflohen aus der Menschen Bann;
Er plaudert hier wie ein erfahrner Mann,
Der in der Welt sich tüchtig umgesehen.
Da schildert er mir seiner Jugend Wehen,
Wie er den Weg durch Klippen erst gewann,
Ermattet darauf im Sande schier verrann,
Und jedes Wort fühl' ich zum Herzen gehen.
Wie wallt er doch so sicher seine Bahn!
Bei allem Plänkeln, Hin- und Widerstreifen
Vergißt er nie: "Ich muß zum Ozean!"
Du, Seele, nur willst in der Irre schweifen?
O tritt, ein Kind, doch zur Natur heran
Und lern' die Weisheit aus den Wassern greifen!
Georg Herwegh
(1817 - 1875), deutscher Lyriker
Die Dreiflüssestadt Passau , hier bin ich aufgewachsen
Am Strome
Ich kann oft stundenlang am Strome stehen,
Wenn ich entflohen aus der Menschen Bann;
Er plaudert hier wie ein erfahrner Mann,
Der in der Welt sich tüchtig umgesehen.
Da schildert er mir seiner Jugend Wehen,
Wie er den Weg durch Klippen erst gewann,
Ermattet darauf im Sande schier verrann,
Und jedes Wort fühl' ich zum Herzen gehen.
Wie wallt er doch so sicher seine Bahn!
Bei allem Plänkeln, Hin- und Widerstreifen
Vergißt er nie: "Ich muß zum Ozean!"
Du, Seele, nur willst in der Irre schweifen?
O tritt, ein Kind, doch zur Natur heran
Und lern' die Weisheit aus den Wassern greifen!
Georg Herwegh
(1817 - 1875), deutscher Lyriker
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