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24 Jun 2020 05:15 #29457
von Feschtbrueder
Humor ist, wenn man trotzdem lacht! Lachen ist die beste Medizin!
Ein weiteres Maus - Katze Gedicht von Heinz Erhardt
Die polyglotte Katze
Die Katze sitzt vorm Mauseloch,
in das die Maus vor kurzem kroch,
und denkt: "Da wart nicht lang ich,
die Maus, die fang ich!"
Die Maus jedoch spricht in dem Bau:
„Ich bin zwar klein, doch bin ich schlau!
Ich rühr mich nicht von hinnen,
ich bleibe drinnen!"
Da plötzlich hört sie - statt "miau" -
ein laut vernehmliches "wau-wau"
und lacht: „Die arme Katze,
der Hund, der hatse!
Jetzt muss sie aber schleunigst flitzen,
anstatt vor meinem Loch zu sitzen!"
Doch leider - nun, man ahnt's bereits -
war das ein Irrtum ihrerseits.
Denn als die Maus vors Loch hintritt -
es war nur ein ganz kleiner Schritt -
wird sie durch Katzenpfotenkraft
hinweggerafft! - -
Danach wäscht sich die Katze die Pfote
und spricht mit der ihr eignen Note:
„Wie nützlich ist es dann und wann,
wenn man 'ne fremde Sprache kann...!"
Heinz Erhardt
Die Katze sitzt vorm Mauseloch,
in das die Maus vor kurzem kroch,
und denkt: "Da wart nicht lang ich,
die Maus, die fang ich!"
Die Maus jedoch spricht in dem Bau:
„Ich bin zwar klein, doch bin ich schlau!
Ich rühr mich nicht von hinnen,
ich bleibe drinnen!"
Da plötzlich hört sie - statt "miau" -
ein laut vernehmliches "wau-wau"
und lacht: „Die arme Katze,
der Hund, der hatse!
Jetzt muss sie aber schleunigst flitzen,
anstatt vor meinem Loch zu sitzen!"
Doch leider - nun, man ahnt's bereits -
war das ein Irrtum ihrerseits.
Denn als die Maus vors Loch hintritt -
es war nur ein ganz kleiner Schritt -
wird sie durch Katzenpfotenkraft
hinweggerafft! - -
Danach wäscht sich die Katze die Pfote
und spricht mit der ihr eignen Note:
„Wie nützlich ist es dann und wann,
wenn man 'ne fremde Sprache kann...!"
Heinz Erhardt
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24 Jun 2020 07:49 #29479
von Kaninchen
Für Beerensucher
Gingen zwei in einen Beerenwald;
Fand der Eine süße Beeren bald;
Hat sich fleißig gebückt
Und emsig gepflückt;
That nichts als essen.
Der Andre indessen
Trug immer die Nase gen Himmel gericht,
Sah den lieben Herrgott oder macht' ein Gedicht,
Aber die süßen Beeren, die sah er nicht.
Thun mir leid alle Beide.
Ich liebe die Beeren- und Himmelsweide.
Ich hätte mir Beeren gesucht im Kraut
Und essend zum blauen Himmel geschaut.
Mir hätte keins das andre geniert,
Hätte Himmel und Beeren in eins skandiert.
Otto Julius Bierbaum
Für Beerensucher
Gingen zwei in einen Beerenwald;
Fand der Eine süße Beeren bald;
Hat sich fleißig gebückt
Und emsig gepflückt;
That nichts als essen.
Der Andre indessen
Trug immer die Nase gen Himmel gericht,
Sah den lieben Herrgott oder macht' ein Gedicht,
Aber die süßen Beeren, die sah er nicht.
Thun mir leid alle Beide.
Ich liebe die Beeren- und Himmelsweide.
Ich hätte mir Beeren gesucht im Kraut
Und essend zum blauen Himmel geschaut.
Mir hätte keins das andre geniert,
Hätte Himmel und Beeren in eins skandiert.
Otto Julius Bierbaum
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25 Jun 2020 08:04 - 25 Jun 2020 08:10 #29500
von Kaninchen
Auf Freunde, herunter das heiße Gewand
Und tauchet in kühlende Flut
Die Glieder, die matt von der Sonne gebrannt,
Und holet von neuem euch Mut.
Die Hitze erschlaffet, macht träge uns nur,
Nicht munter und tätig und frisch,
Doch Leben gibt uns und der ganzen Natur
Die Quelle im kühlen Gebüsch
.Vielleicht daß sich hier auch ein Mädchen gekühlt
Mit rosichten Wangen und Mund
,Am niedlichen Leibe dies Wellchen gespielt,
Am Busen so weiß und so rund.
Und welches Entzücken! dies Wellchen bespült
Auch meine entkleidete Brust
O! wahrlich, wer diesen Gedanken nur fühlt,
Hat süße entzückende Lust.
Novalis
(1772 - 1801), eigentlich Georg Philipp Friedrich Leopold Freiherr von Hardenberg, deutscher Lyriker
Auf Freunde, herunter das heiße Gewand
Und tauchet in kühlende Flut
Die Glieder, die matt von der Sonne gebrannt,
Und holet von neuem euch Mut.
Die Hitze erschlaffet, macht träge uns nur,
Nicht munter und tätig und frisch,
Doch Leben gibt uns und der ganzen Natur
Die Quelle im kühlen Gebüsch
.Vielleicht daß sich hier auch ein Mädchen gekühlt
Mit rosichten Wangen und Mund
,Am niedlichen Leibe dies Wellchen gespielt,
Am Busen so weiß und so rund.
Und welches Entzücken! dies Wellchen bespült
Auch meine entkleidete Brust
O! wahrlich, wer diesen Gedanken nur fühlt,
Hat süße entzückende Lust.
Novalis
(1772 - 1801), eigentlich Georg Philipp Friedrich Leopold Freiherr von Hardenberg, deutscher Lyriker
Letzte Änderung: 25 Jun 2020 08:10 von Kaninchen.
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26 Jun 2020 06:28 - 26 Jun 2020 06:29 #29513
von Feschtbrueder
Humor ist, wenn man trotzdem lacht! Lachen ist die beste Medizin!
Das ästhetische Wiesel
Ein Wiesel
saß auf einem Kiesel
inmitten Bachgeriesel.
Wißt ihr
weshalb?
Das Mondkalb
verriet es mir
im Stillen:
Das raffinier-
te Tier
tat's um des Reimes willen.
Christian Morgenstern
Ein Wiesel
saß auf einem Kiesel
inmitten Bachgeriesel.
Wißt ihr
weshalb?
Das Mondkalb
verriet es mir
im Stillen:
Das raffinier-
te Tier
tat's um des Reimes willen.
Christian Morgenstern
Letzte Änderung: 26 Jun 2020 06:29 von Feschtbrueder. Grund: Formatierung
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26 Jun 2020 07:53 #29525
von Kaninchen
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27 Jun 2020 07:56 #29539
von Kaninchen
Aus dem lyrischen Portrait
des François Villon
Soll man denn den Dichtern trauen?
Ihr Geschäft heißt Lob der Frauen.
Selbst der blinde Dichtervater
Schnurrt gleich mit dem Frühlingskater,
Harft er von der Helena,
Die sein Auge niemals sah.
Trumpf ist beides: blond und braun.
Doch die Krone aller Fraun,
Wild und mild und bittersüß,
Sind die Mädchen von Paris.
Dunkle Italienerinnen
Mögen Liebesfäden spinnen.
Eine Deutsche, eine Türkin
Mag auf manchen Jüngling wirken.
Mit der schlanken Angelsachsin
Fühlt man seelisch sich verwachsen.
Trumpf ist beides: blond und braun.
Doch die Krone aller Fraun,
Wild und mild und bittersüß,
Sind die Mädchen von Paris.
Welche Szene: an der Seine:
Eine Nymphe! Eine Schöne!
Gleicht ihr Leib nicht der Alhambra,
Hoch gebaut? Es atmen Ambra
Ihre tulpenroten Lippen
(Die am liebsten Rotwein nippen…)
Schopf und Schoß: ein goldnes Braun
Bei der Krone aller Fraun,
Wild und mild und bittersüß,
Sind die Mädchen von Paris.
Klabund
(1890 - 1928)
eigentlich Alfred Henschke, deutscher Schriftsteller, Übersetzer ostasiatischer Dichtkunst, Lyriker, Dramatiker und Komödienschreiber
des François Villon
Soll man denn den Dichtern trauen?
Ihr Geschäft heißt Lob der Frauen.
Selbst der blinde Dichtervater
Schnurrt gleich mit dem Frühlingskater,
Harft er von der Helena,
Die sein Auge niemals sah.
Trumpf ist beides: blond und braun.
Doch die Krone aller Fraun,
Wild und mild und bittersüß,
Sind die Mädchen von Paris.
Dunkle Italienerinnen
Mögen Liebesfäden spinnen.
Eine Deutsche, eine Türkin
Mag auf manchen Jüngling wirken.
Mit der schlanken Angelsachsin
Fühlt man seelisch sich verwachsen.
Trumpf ist beides: blond und braun.
Doch die Krone aller Fraun,
Wild und mild und bittersüß,
Sind die Mädchen von Paris.
Welche Szene: an der Seine:
Eine Nymphe! Eine Schöne!
Gleicht ihr Leib nicht der Alhambra,
Hoch gebaut? Es atmen Ambra
Ihre tulpenroten Lippen
(Die am liebsten Rotwein nippen…)
Schopf und Schoß: ein goldnes Braun
Bei der Krone aller Fraun,
Wild und mild und bittersüß,
Sind die Mädchen von Paris.
Klabund
(1890 - 1928)
eigentlich Alfred Henschke, deutscher Schriftsteller, Übersetzer ostasiatischer Dichtkunst, Lyriker, Dramatiker und Komödienschreiber
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