Gedichte
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27 Sep 2020 17:58 - 27 Sep 2020 18:13 #31333
von Kaninchen
Die Linde blühte,
die Nachtigall sang ,
Die Sonne lachte mit freundlicher Lust;.
Da küßtest du mich, und dein Arm mich umschlang,
Da preßtest du mich an die schwellende Brust.
Die Blätter fielen, der Rabe schrie hohl,
Die Sonne grüßte verdrossenen Blicks;
Da sagten wir frostig einander: »Lebwohl!«
Da knickstest du höflich den höflichsten Knicks.
Heinrich Heine
die Nachtigall sang ,
Die Sonne lachte mit freundlicher Lust;.
Da küßtest du mich, und dein Arm mich umschlang,
Da preßtest du mich an die schwellende Brust.
Die Blätter fielen, der Rabe schrie hohl,
Die Sonne grüßte verdrossenen Blicks;
Da sagten wir frostig einander: »Lebwohl!«
Da knickstest du höflich den höflichsten Knicks.
Heinrich Heine
Letzte Änderung: 27 Sep 2020 18:13 von Kaninchen.
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29 Sep 2020 07:14 #31369
von Kaninchen
Schottland
Heidekraut
O Heidekraut o Heidekraut !
Wie mich dein Anblick stets erbaut!
Du blühest scheinlos und bescheiden,
Nicht wie sich eitle Tulpen kleiden,
Auf deren Putz die Menge schaut;
O Heidekraut
O Heidekraut ! o Heidekraut !
Wie gern auf dich mein Auge schaut !
Du treibest keine stolzen Ranken,
Wie Rosen, die im Winde schwanken;
Du lebst dem niedern Moos vertraut,
O Heidekraut !
O Heidekraut ! o Heidekraut !
Wie fühlt sich dir mein Herz vertraut !
Du schickst nicht buhlerische Düfte,
Wie volle Nelken, durch die Lüfte;
Bist eine züchtig-stille Braut,
O, Heidekraut !
David Friedrich Strauss, 1849
Schottland
Heidekraut
O Heidekraut o Heidekraut !
Wie mich dein Anblick stets erbaut!
Du blühest scheinlos und bescheiden,
Nicht wie sich eitle Tulpen kleiden,
Auf deren Putz die Menge schaut;
O Heidekraut
O Heidekraut ! o Heidekraut !
Wie gern auf dich mein Auge schaut !
Du treibest keine stolzen Ranken,
Wie Rosen, die im Winde schwanken;
Du lebst dem niedern Moos vertraut,
O Heidekraut !
O Heidekraut ! o Heidekraut !
Wie fühlt sich dir mein Herz vertraut !
Du schickst nicht buhlerische Düfte,
Wie volle Nelken, durch die Lüfte;
Bist eine züchtig-stille Braut,
O, Heidekraut !
David Friedrich Strauss, 1849
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30 Sep 2020 07:22 #31383
von Kaninchen
Bettlers Klage
Bin einsam, schwach und alt,
Mich hüllen Lumpen ein,
Wie bläst der Wind so kalt,
Geht mir durch Mark und Bein.
Ich bettle vor der Tür,
Und hab ich lang gefleht,
So tönt es oft herfür:
»In Gottes Namen geht!«
Da fährt durchs hohe Tor
Ein Herr, – der Rosse Huf
Verstampfet seinem Ohr
Des Bettelmannes Ruf.
Die Dame wendt den Blick
Voll Ekel von mir; ach,
Mein schreckliches Geschick
Fühl ich dann siebenfach !
Nikolaus Lenau
Bin einsam, schwach und alt,
Mich hüllen Lumpen ein,
Wie bläst der Wind so kalt,
Geht mir durch Mark und Bein.
Ich bettle vor der Tür,
Und hab ich lang gefleht,
So tönt es oft herfür:
»In Gottes Namen geht!«
Da fährt durchs hohe Tor
Ein Herr, – der Rosse Huf
Verstampfet seinem Ohr
Des Bettelmannes Ruf.
Die Dame wendt den Blick
Voll Ekel von mir; ach,
Mein schreckliches Geschick
Fühl ich dann siebenfach !
Nikolaus Lenau
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01 Okt 2020 07:24 #31407
von Kaninchen
Heimatglück
Wenn Du noch eine Heimath hast,
So nimm den Ranzen und den Stecken,
Und wand're, wand're ohne Rast,
Bis du erreicht den theuren Flecken.
Und strecken nur zwei Arme sich
In freud'ger Sehnsucht Dir entgegen,
Fließt eine Thräne nur um Dich,
Spricht Dir ein einz'ger Mund den Segen,
Ob du ein Bettler, Du bist reich;
Ob krank Dein Herz, Dein Muth beklommen,
Gesunden wirst Du allsogleich,
Hörst Du das süße Wort: Willkommen!
Und ist verweht auch jede Spur,
Zeigt nichts sich Deinem Blick, dem nassen,
Als grün berast ein Hügel nur
Von allem, was du einst verlassen:
O, nirgend weint es sich so gut,
Wie weit Dich Deine Füße tragen,
Als da, wo still ein Herze ruht,
Das einstens warm für Dich geschlagen.
Albert Traeger
Wenn Du noch eine Heimath hast,
So nimm den Ranzen und den Stecken,
Und wand're, wand're ohne Rast,
Bis du erreicht den theuren Flecken.
Und strecken nur zwei Arme sich
In freud'ger Sehnsucht Dir entgegen,
Fließt eine Thräne nur um Dich,
Spricht Dir ein einz'ger Mund den Segen,
Ob du ein Bettler, Du bist reich;
Ob krank Dein Herz, Dein Muth beklommen,
Gesunden wirst Du allsogleich,
Hörst Du das süße Wort: Willkommen!
Und ist verweht auch jede Spur,
Zeigt nichts sich Deinem Blick, dem nassen,
Als grün berast ein Hügel nur
Von allem, was du einst verlassen:
O, nirgend weint es sich so gut,
Wie weit Dich Deine Füße tragen,
Als da, wo still ein Herze ruht,
Das einstens warm für Dich geschlagen.
Albert Traeger
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02 Okt 2020 07:18 #31424
von Kaninchen
Nimmersatte Liebe
So ist die Lieb'! So ist die Lieb'!
Mit Küssen nicht zu stillen:
Wer ist der Tor und will ein Sieb
mit eitel Wasser füllen?
Und schöpfst du an die tausend Jahr,
und küssest ewig, ewig gar,
du tust ihr nie zu Willen.
Die Lieb', die Lieb' hat alle Stund
neu wunderlich Gelüsten;
wir bissen uns die Lippen wund,
da wir uns heute küßten,
das Mädchen hielt in guter Ruh,
wie's Lämmlein unterm Messer;
ihr Auge bat: Nur immer zu,
je weher, desto besser!
So ist die Lieb' und war auch so,
wie lang es Liebe gibt,
und anders war Herr Salomo,
der Weise, nicht verliebt.
Eduard Mörike
Nimmersatte Liebe
So ist die Lieb'! So ist die Lieb'!
Mit Küssen nicht zu stillen:
Wer ist der Tor und will ein Sieb
mit eitel Wasser füllen?
Und schöpfst du an die tausend Jahr,
und küssest ewig, ewig gar,
du tust ihr nie zu Willen.
Die Lieb', die Lieb' hat alle Stund
neu wunderlich Gelüsten;
wir bissen uns die Lippen wund,
da wir uns heute küßten,
das Mädchen hielt in guter Ruh,
wie's Lämmlein unterm Messer;
ihr Auge bat: Nur immer zu,
je weher, desto besser!
So ist die Lieb' und war auch so,
wie lang es Liebe gibt,
und anders war Herr Salomo,
der Weise, nicht verliebt.
Eduard Mörike
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03 Okt 2020 07:46 #31447
von Kaninchen
Wohin ?
Wohin, du rauschender Strom, wohin ?
»Hinunter, hinab die Bahn.
Will rasten, weil ich müde bin,
Im stillen Ozean.«
Wohin, du wehender Wind, wohin ?
»Weit, weit hinein ins Land.
Will ruhen, weil ich müde bin,
An einer Felsenwand.«
Wohin, du ziehende Wolke, wohin ?
»Ich weiß ein dürres Feld !
Dort ward mir, weil ich müde bin,
Ein Ruheplatz bestellt.«
Wohin, du fliehender Vogel, wohin ?
»Tief in des Waldes Reich !
Will suchen mir, weil ich müde bin,
Zur Rast einen sicheren Zweig.«
Und du, meine Seele, wohin ? wohin ?
»Hoch über die Wolken hinauf !
Dort nimmt mich, weil ich müde bin,
Die ewige Liebe auf.«
Julius Sturm
1816 - 1896
Julius Carl Reinhold Sturm, Pseudonym Julius Stern, deutscher Dichter und Liedertexter
Wohin, du rauschender Strom, wohin ?
»Hinunter, hinab die Bahn.
Will rasten, weil ich müde bin,
Im stillen Ozean.«
Wohin, du wehender Wind, wohin ?
»Weit, weit hinein ins Land.
Will ruhen, weil ich müde bin,
An einer Felsenwand.«
Wohin, du ziehende Wolke, wohin ?
»Ich weiß ein dürres Feld !
Dort ward mir, weil ich müde bin,
Ein Ruheplatz bestellt.«
Wohin, du fliehender Vogel, wohin ?
»Tief in des Waldes Reich !
Will suchen mir, weil ich müde bin,
Zur Rast einen sicheren Zweig.«
Und du, meine Seele, wohin ? wohin ?
»Hoch über die Wolken hinauf !
Dort nimmt mich, weil ich müde bin,
Die ewige Liebe auf.«
Julius Sturm
1816 - 1896
Julius Carl Reinhold Sturm, Pseudonym Julius Stern, deutscher Dichter und Liedertexter
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