Gedichte
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10 Okt 2020 07:37 - 10 Okt 2020 07:45 #31600
von Kaninchen
Wenn jemand sagt, dass ihm etwas Böhmische Dörfer sind, dann meint er, dass er etwas ganz und gar nicht versteht, nicht kennt oder nicht das Geringste davon weiß
"Latein und Griechisch waren ihm, wie man zu sagen pflegt, böhmische Dörfer ".
Lustig ist, dass die Tschechen selber eine ähnliche Redewendung haben und von spanischen Dörfern sprechen, schließlich war das Königreich Spanien im 16. Jahrhundert von Tschechien aus noch viel schwerer erreichbar als heute und Spanisch für die Tschechen ebenso fremd klingend. Auf Englisch wird das Synonym für das Unbekannte durch "It's Greek to me" – "Das kommt mir griechisch vor" oder sogar "That's Double Dutch" – "Für mich ist das doppeltes Niederländisch" ausgedrückt.
Das böhmische Dorf
Palmström reist, mit einem Herrn v. Korf,
in ein sogenanntes Böhmisches Dorf.
Unverständlich bleibt ihm alles dort,
von dem ersten bis zum letzten Wort.
Auch v. Korf (der nur des Reimes wegen
ihn begleitet) ist um Rat verlegen.
Doch just dieses macht in blass vor Glück.
Tiefentzückt kehrt unser Freund zurück.
Und er schreibt in seine Wochenchronik:
Wieder ein Erlebnis, voll von Honig !
Christian Morgenstern
Palmström reist, mit einem Herrn v. Korf,
in ein sogenanntes Böhmisches Dorf.
Unverständlich bleibt ihm alles dort,
von dem ersten bis zum letzten Wort.
Auch v. Korf (der nur des Reimes wegen
ihn begleitet) ist um Rat verlegen.
Doch just dieses macht in blass vor Glück.
Tiefentzückt kehrt unser Freund zurück.
Und er schreibt in seine Wochenchronik:
Wieder ein Erlebnis, voll von Honig !
Christian Morgenstern
Wenn jemand sagt, dass ihm etwas Böhmische Dörfer sind, dann meint er, dass er etwas ganz und gar nicht versteht, nicht kennt oder nicht das Geringste davon weiß
"Latein und Griechisch waren ihm, wie man zu sagen pflegt, böhmische Dörfer ".
Lustig ist, dass die Tschechen selber eine ähnliche Redewendung haben und von spanischen Dörfern sprechen, schließlich war das Königreich Spanien im 16. Jahrhundert von Tschechien aus noch viel schwerer erreichbar als heute und Spanisch für die Tschechen ebenso fremd klingend. Auf Englisch wird das Synonym für das Unbekannte durch "It's Greek to me" – "Das kommt mir griechisch vor" oder sogar "That's Double Dutch" – "Für mich ist das doppeltes Niederländisch" ausgedrückt.
Letzte Änderung: 10 Okt 2020 07:45 von Kaninchen.
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11 Okt 2020 08:24 - 11 Okt 2020 08:26 #31613
von Kaninchen
Wilhelm Baumgartner
1820-1867
Noch sind die Tage der Rosen
Noch ist die blühende, goldene Zeit
O du schöne Welt, wie bist du so weit!
Und so weit ist mein Herz, und so blau wie der Tag,
Wie die Lüfte durchjubelt vom Lerchen schlag!
Ihr Fröhlichen singt, weil das Leben noch mait.
Noch ist ja die schöne, die blühende Zeit,
Noch sind die Tage der Rosen !
Frei ist das Herz und frei ist das Lied,
Und frei ist der Bursch, der die Welt durchzieht,
Und ein rosiger Kuß ist nicht minder frei,
So spröd und verschämt auch die Lippe sei.
Wo ein Lied erklingt, wo ein Kuß sich beut,
Da heißt's: noch ist blühende, goldene Zeit,
Noch sind die Tage der Rosen !
Ja im Herzen tief drinnen ist alles daheim,
Der Freude Saaten, der Schmerzen Keim.
Drum frisch sei das Herz und lebendig der Sinn,
Dann brauset ihr Stürme, daher und dahin.
Wir sind allezeit zu singen bereit:
Noch ist ja die blühende, goldene Zeit,
Noch sind die Tage der Rosen !
Wilhelm Baumgartner
1820-1867
Noch sind die Tage der Rosen
Noch ist die blühende, goldene Zeit
O du schöne Welt, wie bist du so weit!
Und so weit ist mein Herz, und so blau wie der Tag,
Wie die Lüfte durchjubelt vom Lerchen schlag!
Ihr Fröhlichen singt, weil das Leben noch mait.
Noch ist ja die schöne, die blühende Zeit,
Noch sind die Tage der Rosen !
Frei ist das Herz und frei ist das Lied,
Und frei ist der Bursch, der die Welt durchzieht,
Und ein rosiger Kuß ist nicht minder frei,
So spröd und verschämt auch die Lippe sei.
Wo ein Lied erklingt, wo ein Kuß sich beut,
Da heißt's: noch ist blühende, goldene Zeit,
Noch sind die Tage der Rosen !
Ja im Herzen tief drinnen ist alles daheim,
Der Freude Saaten, der Schmerzen Keim.
Drum frisch sei das Herz und lebendig der Sinn,
Dann brauset ihr Stürme, daher und dahin.
Wir sind allezeit zu singen bereit:
Noch ist ja die blühende, goldene Zeit,
Noch sind die Tage der Rosen !
Letzte Änderung: 11 Okt 2020 08:26 von Kaninchen.
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12 Okt 2020 07:20 #31638
von Kaninchen
Epilog
zum Loblied auf den celeberrimo maestro Fiascomo
Die Neger berichten: der König der Tiere,
Der Löwe, wenn er erkrankt ist, kuriere
Sich dadurch, daß er einen Affen zerreißt
Und ihn mit Haut und Haar verspeist.
Ich bin kein Löwe, ich bin kein König
Der Tiere, doch wollt ich erproben ein wenig
Das Negerrezept - ich schrieb dies Poem,
Und ich befinde mich besser seitdem.
Heinrich Heine
zum Loblied auf den celeberrimo maestro Fiascomo
Die Neger berichten: der König der Tiere,
Der Löwe, wenn er erkrankt ist, kuriere
Sich dadurch, daß er einen Affen zerreißt
Und ihn mit Haut und Haar verspeist.
Ich bin kein Löwe, ich bin kein König
Der Tiere, doch wollt ich erproben ein wenig
Das Negerrezept - ich schrieb dies Poem,
Und ich befinde mich besser seitdem.
Heinrich Heine
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13 Okt 2020 07:51 #31661
von Kaninchen
Erinnerung an den Sommer
Schwertlilien
Das sind die Blumen, die wie Kirchen sind.
Ein Blick in sie hinein zwingt uns zu schweigen.
Wie Weihrauch fromm berauschend strömt ihr Duft,
Wenn wir uns zu der schönen Blüte neigen.
Sie sind wie Schmetterlinge dünn und zart.
Und wissen ihr Geheimnis doch zu hüten.
Es hellen goldne Kerzen sanft den Pfad
Ins Allerheiligste der Wunderblüten.
Franziska Stoecklin (* 11. September 1894 in Basel; † 1. September 1931 ebenda) war eine Schweizer Schriftstellerin und Künstlerin.
Iris (Schwertlilien)
Vincent van Gogh
Schwertlilien
Das sind die Blumen, die wie Kirchen sind.
Ein Blick in sie hinein zwingt uns zu schweigen.
Wie Weihrauch fromm berauschend strömt ihr Duft,
Wenn wir uns zu der schönen Blüte neigen.
Sie sind wie Schmetterlinge dünn und zart.
Und wissen ihr Geheimnis doch zu hüten.
Es hellen goldne Kerzen sanft den Pfad
Ins Allerheiligste der Wunderblüten.
Franziska Stoecklin (* 11. September 1894 in Basel; † 1. September 1931 ebenda) war eine Schweizer Schriftstellerin und Künstlerin.
Iris (Schwertlilien)
Vincent van Gogh
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14 Okt 2020 07:43 #31682
von Kaninchen
AN LAURENS EICHHÖRNCHEN
O Tierchen, das mit Munterkeit
Vor meines Mädchens Fenster springet,
Und dem sie selbst voll Sorgsamkeit
Im weißen Händchen Futter bringet.
Das Sprünge macht wie Pantalon,
Durch seine Späße sie vergnüget,
Und, seiner Drolligkeit zum Lohn,
Von ihr geliebt im Schoße lieget.
Das an ihr hängt, dem Busen nah,
Und ihre Rosenwangen lecket,
Und das oft viele Reize sah,
Die meinem Späherblick verstecket:
Sonst bin ich wohl vom Neide frei,
Doch hier, da muß ich dich beneiden;
Sie koset dich und liebt dich treu,
Bei mir verhöhnt sie meine Leiden.
O lächelte mir doch das Glück,
Ließ einen Tag mich in dich fahren,
Denn mich begnügte nicht ein Blick,
Sie würde Ledas Los erfahren!
Novalis
O Tierchen, das mit Munterkeit
Vor meines Mädchens Fenster springet,
Und dem sie selbst voll Sorgsamkeit
Im weißen Händchen Futter bringet.
Das Sprünge macht wie Pantalon,
Durch seine Späße sie vergnüget,
Und, seiner Drolligkeit zum Lohn,
Von ihr geliebt im Schoße lieget.
Das an ihr hängt, dem Busen nah,
Und ihre Rosenwangen lecket,
Und das oft viele Reize sah,
Die meinem Späherblick verstecket:
Sonst bin ich wohl vom Neide frei,
Doch hier, da muß ich dich beneiden;
Sie koset dich und liebt dich treu,
Bei mir verhöhnt sie meine Leiden.
O lächelte mir doch das Glück,
Ließ einen Tag mich in dich fahren,
Denn mich begnügte nicht ein Blick,
Sie würde Ledas Los erfahren!
Novalis
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15 Okt 2020 07:13 #31697
von Kaninchen
Es lebe die Mode!
Für die Mode, nicht dagegen
Sei der Mensch! – Denn sie erfreut,
Wenn sie sich auch oft verwegen
Vor dem größten Kitsch nicht scheut.
Ob sie etwas kürzer, länger,
Enger oder anders macht,
Bin ich immer gern ihr Sänger,
Weil sie keck ins Leben lacht.
Durch das Weltall sei's gejodelt
Allen Schneidern zum Gewinn:
Mode lebt und Leben modelt,
Und so haben beide Sinn.
Joachim Ringelnatz
Quelle: Ringelnatz, J., Gedichte. Verstreut Gedrucktes
Für die Mode, nicht dagegen
Sei der Mensch! – Denn sie erfreut,
Wenn sie sich auch oft verwegen
Vor dem größten Kitsch nicht scheut.
Ob sie etwas kürzer, länger,
Enger oder anders macht,
Bin ich immer gern ihr Sänger,
Weil sie keck ins Leben lacht.
Durch das Weltall sei's gejodelt
Allen Schneidern zum Gewinn:
Mode lebt und Leben modelt,
Und so haben beide Sinn.
Joachim Ringelnatz
Quelle: Ringelnatz, J., Gedichte. Verstreut Gedrucktes
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