Gedichte

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09 Mai 2017 16:43 #12437 von Kaninchen
Wilhelm Busch

Der Esel

Es stand vor eines Hauses Tor
Ein Esel mit gespitztem Ohr,
Der käute sich sein Bündel Heu
Gedankenvoll und still entzwei.

Nun kommen da und bleiben stehn
Der naseweisen Buben zween,
Die auch sogleich, indem sie lachen,
Verhasste Redensarten machen,
Womit man denn bezwecken wollte,
Dass sich der Esel ärgern sollte.

Doch dieser hocherfahrne Greis
Beschrieb nur einen halben Kreis,
Verhielt sich stumm und zeigte itzt
Die Seite, wo der Wedel sitzt.
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10 Mai 2017 08:27 #12449 von Kaninchen
Ein Casus Anatomicus
Der Kaufmann Harpax starb; sein Leichnam ward sezieret;
Und als man überall dem Übel nachgespüret,
So kam man auch aufs Herz, und sieh! Er hatte keins:
Da, wo sonst dieses schlägt, fand man das Einmaleins.

Gottfried August Bürger (1747-1794)
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16 Mai 2017 07:41 - 16 Mai 2017 07:50 #12536 von Kaninchen
Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn

Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn,
Im dunkeln Laub die Gold-Orangen glühn,
Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht,
Die Myrte still und hoch der Lorbeer steht?
Kennst du es wohl?
Dahin! dahin
Möcht ich mit dir, o mein Geliebter, ziehn.

Kennst du das Haus? Auf Säulen ruht sein Dach.
Es glänzt der Saal, es schimmert das Gemach,
Und Marmorbilder stehn und sehn mich an:
Was hat man dir, du armes Kind, getan?
Kennst du es wohl?
Dahin! dahin
Möcht ich mit dir, o mein Beschützer, ziehn.

Kennst du den Berg und seinen Wolkensteg?
Das Maultier sucht im Nebel seinen Weg;
In Höhlen wohnt der Drachen alte Brut;
Es stürzt der Fels und über ihn die Flut!
Kennst du ihn wohl?
Dahin! dahin
Geht unser Weg! O Vater, laß uns ziehn!

Johann Wolfgang von Goethe
Letzte Änderung: 16 Mai 2017 07:50 von Kaninchen.
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05 Jun 2017 08:03 #12766 von Kaninchen
Ludwig Uhland
(1787-1862)

Der Mohn

Wie dort, gewiegt von Westen,
Des Mohnes Blüthe glänzt!
Die Blume, die am besten
Des Traumgotts Schläfe kränzt;
Bald purpurhell, als spiele
Der Abendröthe Schein,
Bald weiß und bleich, als fiele
Des Mondes Schimmer ein.

Zur Warnung hört` ich sagen,
Daß, der im Mohne schlief,
Hinunter ward getragen
In Träume, schwer und tief;
Dem Wachen selbst geblieben
Sei irren Wahnes Spur,
Die Nahen und die Lieben
Halt` er für Schemen nur.

In meiner Tage Morgen,
Da lag auch ich einmal,
Von Blumen ganz verborgen,
In einem schönen Thal.
Sie dufteten so milde;
Da ward, ich fühlt` es kaum,
Das Leben mir zum Bilde,
Das Wirkliche zum Traum.

Seitdem ist mir beständig,
Als wär` es nur so recht,
Mein Bild der Welt lebendig,
Mein Traum nur wahr und echt;
Die Schatten, die ich sehe,
Sie sind, wie Sterne, klar.
O Mohn der Dichtung, wehe
Ums Haupt mir immerdar!
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06 Jun 2017 04:05 #12769 von Georg Borer
Dies sind zwar keine Gedichte und es gibt einen Beitrag Blumen, aber zum Gedicht "Der Mohn" ein paar Fotos, aufgenommen in unserem Garten. Ich kann die meisten Mohnarten nicht benamsen, oder weiss nicht ob es Kreuzungen der verschiedenen Mohnarten sind















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06 Jun 2017 06:00 #12773 von Glögglifrosch
Oh sind die schön!

Nichts in der Welt wirkt so ansteckend, wie lachen und gute Laune.
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