Gedichte
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22 Dez 2020 07:43 #33048
von Kaninchen
Zum Geburtstage der Frau Griesbach
Mach auf, Frau Griesbach ! Ich bin da
Und klopf' an deine Türe.
Mich schickt Papa und die Mama,
Daß ich dir gratuliere.
Ich bringe nichts als ein Gedicht
Zu deines Tages Feier,
Denn alles, wie die Mutter spricht,
Ist so entsetzlich teuer.
Sag selbst, was ich dir wünschen soll,
Ich weiß nichts zu erdenken.
Du hast ja Küch' und Keller voll,
Nichts fehlt in deinen Schränken.
Es wachsen dir fast auf den Tisch
Die Spargeln und die Schoten,
Die Stachelbeeren blühen frisch
Und so die Reineclauden.
Bei Stachelbeeren fällt mir ein:
Die schmecken gar zu süße,
Und wenn sie werden zeitig sein,
So sorge, daß ich's wisse.
Viel fette Schweine mästest du
Und gibst den Hühnern Futter.
Die Kuh im Stalle ruft muh, muh!
Und gibt dir Milch und Butter.
Es haben alle dich so gern,
Die Alten und die Jungen,
Und deinem lieben, braven Herrn
Ist alles wohl gelungen.
Du bist wohlauf, Gott Lob und Dank!
Mußt's auch fein immer bleiben;
Du, höre, werde ja nicht krank,
Daß sie dir nichts verschreiben.
Nun lebe wohl! ich sag Ade.
Gelt, ich war heut bescheiden?
Doch könntest du mir, eh ich geh
'ne Butterbemme schneiden.
Friedrich von Schiller
(1759 - 1805), Johann Christoph Friedrich Schiller, ab 1802 von Schiller
Quelle: Schiller, F., Gedichte. 1797 von Schiller der Frau Kirchenrätin Griesbach vorgetragen im Namen seines kleinen Sohnes Karl
Mach auf, Frau Griesbach ! Ich bin da
Und klopf' an deine Türe.
Mich schickt Papa und die Mama,
Daß ich dir gratuliere.
Ich bringe nichts als ein Gedicht
Zu deines Tages Feier,
Denn alles, wie die Mutter spricht,
Ist so entsetzlich teuer.
Sag selbst, was ich dir wünschen soll,
Ich weiß nichts zu erdenken.
Du hast ja Küch' und Keller voll,
Nichts fehlt in deinen Schränken.
Es wachsen dir fast auf den Tisch
Die Spargeln und die Schoten,
Die Stachelbeeren blühen frisch
Und so die Reineclauden.
Bei Stachelbeeren fällt mir ein:
Die schmecken gar zu süße,
Und wenn sie werden zeitig sein,
So sorge, daß ich's wisse.
Viel fette Schweine mästest du
Und gibst den Hühnern Futter.
Die Kuh im Stalle ruft muh, muh!
Und gibt dir Milch und Butter.
Es haben alle dich so gern,
Die Alten und die Jungen,
Und deinem lieben, braven Herrn
Ist alles wohl gelungen.
Du bist wohlauf, Gott Lob und Dank!
Mußt's auch fein immer bleiben;
Du, höre, werde ja nicht krank,
Daß sie dir nichts verschreiben.
Nun lebe wohl! ich sag Ade.
Gelt, ich war heut bescheiden?
Doch könntest du mir, eh ich geh
'ne Butterbemme schneiden.
Friedrich von Schiller
(1759 - 1805), Johann Christoph Friedrich Schiller, ab 1802 von Schiller
Quelle: Schiller, F., Gedichte. 1797 von Schiller der Frau Kirchenrätin Griesbach vorgetragen im Namen seines kleinen Sohnes Karl
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23 Dez 2020 07:38 #33062
von Kaninchen
Der Bratapfel
Kinder, kommt und ratet,
was im Ofen bratet!
Hört, wies knallt und zischt.
Bald wird er aufgetischt,
der Zipfel, der Zapfel,
der Kipfel, der Kapfel,
der gelbrote Apfel.
Kinder, lauft schneller,
holt einen Teller,
holt eine Gabel!
Sperrt auf den Schnabel
Für den Zipfel, der Zapfel,
den Kipfel, den Kapfel,
den goldbraunen Apfel.
Sie pusten und prusten,
sie gucken und schlucken,
sie schnalzen und schmecken,
sie lecken und schlecken
den Zipfel, den Zapfel,
den Kipfel, den Kapfel,
den knusprigen Apfel.
Unbekannt
Volksgut, Albumverse
Der Bratapfel
Kinder, kommt und ratet,
was im Ofen bratet!
Hört, wies knallt und zischt.
Bald wird er aufgetischt,
der Zipfel, der Zapfel,
der Kipfel, der Kapfel,
der gelbrote Apfel.
Kinder, lauft schneller,
holt einen Teller,
holt eine Gabel!
Sperrt auf den Schnabel
Für den Zipfel, der Zapfel,
den Kipfel, den Kapfel,
den goldbraunen Apfel.
Sie pusten und prusten,
sie gucken und schlucken,
sie schnalzen und schmecken,
sie lecken und schlecken
den Zipfel, den Zapfel,
den Kipfel, den Kapfel,
den knusprigen Apfel.
Unbekannt
Volksgut, Albumverse
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24 Dez 2020 07:43 - 24 Dez 2020 07:43 #33085
von Kaninchen
Kaninchen wünscht Euch allen und dem Rest der Welt ein frohes Fest, einen guten Rutsch ins Neue Jahr, - hoffen darf man ja - und bleibt gesund !
In der Christnacht
Ein Bettelkind schleicht durch die Gassen
- der Markt läßt seine Wunder sehn:
Lichtbäumchen, Spielzeug, bunte Massen.
Das Kind blieb traumverhalten stehn.
Aufseufzt die Brust, die leidgepreßte,
die Wimpern sinken tränenschwer.
Ein freudlos Kind am Weihnachtsfeste
- ich weiß kein Leid, das tiefer wär.
Im Prunksaal gleißt beim Kerzenscheine
der Gaben köstliches Gemisch,
und eine reichgeputzte Kleine
streicht gähnend um den Weihnachtstisch.
Das Schönste hat sie längst, das Beste,
ihr Herz ist satt und wünscht nichts mehr.
Ein freudlos Kind am Weihnachtsfeste
– ich weiß kein Leid, das tiefer wär.
Doch gälts in Wahrheit zu entscheiden,
wer des Erbarmens Preis verdient
– ich sprach: Das ärmste von euch beiden
bist du, du armes reiches Kind !
Ottokar Kernstock
1848 - 1928
österreichischer Dichter
Ein Bettelkind schleicht durch die Gassen
- der Markt läßt seine Wunder sehn:
Lichtbäumchen, Spielzeug, bunte Massen.
Das Kind blieb traumverhalten stehn.
Aufseufzt die Brust, die leidgepreßte,
die Wimpern sinken tränenschwer.
Ein freudlos Kind am Weihnachtsfeste
- ich weiß kein Leid, das tiefer wär.
Im Prunksaal gleißt beim Kerzenscheine
der Gaben köstliches Gemisch,
und eine reichgeputzte Kleine
streicht gähnend um den Weihnachtstisch.
Das Schönste hat sie längst, das Beste,
ihr Herz ist satt und wünscht nichts mehr.
Ein freudlos Kind am Weihnachtsfeste
– ich weiß kein Leid, das tiefer wär.
Doch gälts in Wahrheit zu entscheiden,
wer des Erbarmens Preis verdient
– ich sprach: Das ärmste von euch beiden
bist du, du armes reiches Kind !
Ottokar Kernstock
1848 - 1928
österreichischer Dichter
Letzte Änderung: 24 Dez 2020 07:43 von Kaninchen.
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25 Dez 2020 08:10 #33104
von Kaninchen
Weihnachtsabend
An die hellen Fenster kommt er gegangen
Und schaut in des Zimmers Raum;
Die Kinder alle tanzten und sangen
Um den brennenden Weihnachtsbaum.
Da pocht ihm das Herz, dass es will zerspringen;
"Oh", ruft er, "lasst mich hinein!
Was Frommes, was Fröhliches will ich euch singen
Zu dem hellen Kerzenschein."
Und die Kinder kommen, die Kinder ziehen
Zur Schwelle den nächtlichen Gast;
Still grüssen die Alten, die Jungen umknien
Ihn scheu in geschäftiger Hast.
Und er singt: "Weit glänzen da draussen die Lande
Und locken den Knaben hinaus;
Mit klopfender Brust, im Reisegewande
Verlässt er das Vaterhaus.
Da trägt ihn des Lebens breitere Welle –
Wie war so weit die Welt!
Und es findet sich mancher gute Geselle,
Der's treulich mit ihm hält.
Tief bräunt ihm die Sonne die Blüte der Wangen,
Und der Bart umsprosset das Kinn;
Den Knaben, der blond in die Welt gegangen,
Wohl nimmer erkennet ihr ihn.
Aus goldenen und aus blauen Reben
Es mundet ihm jeder Wein;
Und dreister greift er in das Leben
Und in die Saiten ein.
Und für manche Dirne mit schwarzen Locken
Im Herzen findet er Raum; –
Da klingen durch das Land die Glocken,
Ihm war's wie ein alter Traum.
Wohin er kam, die Kinder sangen,
Die Kinder weit und breit;
Die Kerzen brannten, die Stimmlein klangen,
Das war die Weihnachtszeit.
Da fühlte er, dass er ein Mann geworden;
Hier gehörte er nicht dazu.
Hinter den blauen Bergen im Norden
Liess ihm die Heimat nicht Ruh.
An die hellen Fenster kam er gegangen
Und schaut' in des Zimmers Raum;
Die Schwestern und Brüder tanzten und sangen
Um den brennenden Weihnachtsbaum." –
Da war es, als würden lebendig die Lieder
Und nahe, der eben noch fern;
Sie blicken ihn an und blicken wieder;
Schon haben ihn alle so gern.
Nicht länger kann er das Herz bezwingen,
Er breitet die Arme aus:
"Oh, schliesset mich ein in das Preisen und Singen,
Ich bin ja der Sohn vom Haus !"
Theodor Storm
An die hellen Fenster kommt er gegangen
Und schaut in des Zimmers Raum;
Die Kinder alle tanzten und sangen
Um den brennenden Weihnachtsbaum.
Da pocht ihm das Herz, dass es will zerspringen;
"Oh", ruft er, "lasst mich hinein!
Was Frommes, was Fröhliches will ich euch singen
Zu dem hellen Kerzenschein."
Und die Kinder kommen, die Kinder ziehen
Zur Schwelle den nächtlichen Gast;
Still grüssen die Alten, die Jungen umknien
Ihn scheu in geschäftiger Hast.
Und er singt: "Weit glänzen da draussen die Lande
Und locken den Knaben hinaus;
Mit klopfender Brust, im Reisegewande
Verlässt er das Vaterhaus.
Da trägt ihn des Lebens breitere Welle –
Wie war so weit die Welt!
Und es findet sich mancher gute Geselle,
Der's treulich mit ihm hält.
Tief bräunt ihm die Sonne die Blüte der Wangen,
Und der Bart umsprosset das Kinn;
Den Knaben, der blond in die Welt gegangen,
Wohl nimmer erkennet ihr ihn.
Aus goldenen und aus blauen Reben
Es mundet ihm jeder Wein;
Und dreister greift er in das Leben
Und in die Saiten ein.
Und für manche Dirne mit schwarzen Locken
Im Herzen findet er Raum; –
Da klingen durch das Land die Glocken,
Ihm war's wie ein alter Traum.
Wohin er kam, die Kinder sangen,
Die Kinder weit und breit;
Die Kerzen brannten, die Stimmlein klangen,
Das war die Weihnachtszeit.
Da fühlte er, dass er ein Mann geworden;
Hier gehörte er nicht dazu.
Hinter den blauen Bergen im Norden
Liess ihm die Heimat nicht Ruh.
An die hellen Fenster kam er gegangen
Und schaut' in des Zimmers Raum;
Die Schwestern und Brüder tanzten und sangen
Um den brennenden Weihnachtsbaum." –
Da war es, als würden lebendig die Lieder
Und nahe, der eben noch fern;
Sie blicken ihn an und blicken wieder;
Schon haben ihn alle so gern.
Nicht länger kann er das Herz bezwingen,
Er breitet die Arme aus:
"Oh, schliesset mich ein in das Preisen und Singen,
Ich bin ja der Sohn vom Haus !"
Theodor Storm
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26 Dez 2020 08:40 - 26 Dez 2020 08:44 #33126
von Kaninchen
Letzte Änderung: 26 Dez 2020 08:44 von Kaninchen.
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27 Dez 2020 08:09 #33147
von Kaninchen
Noch einmal ein Weihnachtsfest,
Immer kleiner wird der Rest,
Aber nehm' ich so die Summe,
Alles Grade, alles Krumme,
Alles Falsche, alles Rechte,
Alles Gute, alles Schlechte –
Rechnet sich aus allem Braus
Doch ein richtig Leben raus.
Und dies können ist das Beste
Wohl bei diesem Weihnachtsfeste.
Theodor Fontane
Immer kleiner wird der Rest,
Aber nehm' ich so die Summe,
Alles Grade, alles Krumme,
Alles Falsche, alles Rechte,
Alles Gute, alles Schlechte –
Rechnet sich aus allem Braus
Doch ein richtig Leben raus.
Und dies können ist das Beste
Wohl bei diesem Weihnachtsfeste.
Theodor Fontane
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