Gedichte
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17 Dez 2021 11:33 #39158
von Kaninchen
Bestimmung
Soviel Dinge gehn im Leben
auf dich zu, noch mehr daneben.
Mensch, dein Weg ist dir bestimmt.
Nimm das Schicksal, wie es kimmt.
Jeder muss sein Päcklein tragen,
teils mit Wohl-, teils Unbehagen.
Schau nach vorn, dort gehen sie:
Hans im Glück und Pechmarie.
Etwas Sonne, sehr viel Regen,
Freude folgt den Nackenschlägen,
oder manchmal umgedreht,
wie es so im Leben geht.
Wieviel Blüten an dem Baume
werden nie zur reifen Pflaume.
Wieviel Pulver, wieviel Blei
schießt der Feind an dir vorbei.
Weine nicht um das Verpasste.
Denke: Was du hast, das haste.
Kriegst du nicht, was du gewollt,
hat es wohl nicht sein gesollt.
Fred Endrikat
Soviel Dinge gehn im Leben
auf dich zu, noch mehr daneben.
Mensch, dein Weg ist dir bestimmt.
Nimm das Schicksal, wie es kimmt.
Jeder muss sein Päcklein tragen,
teils mit Wohl-, teils Unbehagen.
Schau nach vorn, dort gehen sie:
Hans im Glück und Pechmarie.
Etwas Sonne, sehr viel Regen,
Freude folgt den Nackenschlägen,
oder manchmal umgedreht,
wie es so im Leben geht.
Wieviel Blüten an dem Baume
werden nie zur reifen Pflaume.
Wieviel Pulver, wieviel Blei
schießt der Feind an dir vorbei.
Weine nicht um das Verpasste.
Denke: Was du hast, das haste.
Kriegst du nicht, was du gewollt,
hat es wohl nicht sein gesollt.
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18 Dez 2021 07:46 #39179
von Kaninchen
Der Wecker hat morgens nicht rechtzeitig geklingelt,
doch dafür hat es dann an der Haustür gebimmelt,
ich eile dahin, um diese öffnen und wer steht da ?
Niemand, ein Klingelstreich, das war ja klar !
Dann habe ich am Kaffee den Mund mir verbrannt,
stieß mir den Kopf, weil der Schrank offen stand,
doch plötzlich fiel es mir endlich noch ein,
es musste heute doch Heilig Abend sein,
in Windeseile lief ich dann in die Küche,
murmelte derweil ein paar nicht nette Sprüche,
begann dann damit, Nüsse und Mandeln zu hacken,
denn ich wollte ja schließlich Plätzchen noch backen,
so rührte ich dann in der riesigen Schüssel herum,
auf einmal vernahm ich so ein leises Gebrumm´,
dann stand ich plötzlich da, mit Teig beschmiert,
mir ist doch tatsächlich der Mixer explodiert !
Nach einer gründlichen Reinigung nahm ich mir vor,
den Braten zu garen, doch bereits davor,
kam es zum nächsten, unfassbaren Missgeschick,
denn ich brach mir doch fast das Genick,
als ich versuchte, den Truthahn zu füllen,
ich blieb darin stecken, ganz wider Willen,
als meine Hand ich dann schließlich befreit,
war auch der Ofen nun endlich bereit,
ich schob auf dem Blech den Truthahn hinein,
stellte die Eieruhr auf eine Stunde ein,
und was soll ich sagen, so ist es geschehen,
ich habe ehrlich ganz oft auf die Uhr gesehen,
trotzdem habe ich ihn zu spät aus dem Ofen geholt,
darum ist Dein Essen jetzt schwarz und verkohlt.
—
doch dafür hat es dann an der Haustür gebimmelt,
ich eile dahin, um diese öffnen und wer steht da ?
Niemand, ein Klingelstreich, das war ja klar !
Dann habe ich am Kaffee den Mund mir verbrannt,
stieß mir den Kopf, weil der Schrank offen stand,
doch plötzlich fiel es mir endlich noch ein,
es musste heute doch Heilig Abend sein,
in Windeseile lief ich dann in die Küche,
murmelte derweil ein paar nicht nette Sprüche,
begann dann damit, Nüsse und Mandeln zu hacken,
denn ich wollte ja schließlich Plätzchen noch backen,
so rührte ich dann in der riesigen Schüssel herum,
auf einmal vernahm ich so ein leises Gebrumm´,
dann stand ich plötzlich da, mit Teig beschmiert,
mir ist doch tatsächlich der Mixer explodiert !
Nach einer gründlichen Reinigung nahm ich mir vor,
den Braten zu garen, doch bereits davor,
kam es zum nächsten, unfassbaren Missgeschick,
denn ich brach mir doch fast das Genick,
als ich versuchte, den Truthahn zu füllen,
ich blieb darin stecken, ganz wider Willen,
als meine Hand ich dann schließlich befreit,
war auch der Ofen nun endlich bereit,
ich schob auf dem Blech den Truthahn hinein,
stellte die Eieruhr auf eine Stunde ein,
und was soll ich sagen, so ist es geschehen,
ich habe ehrlich ganz oft auf die Uhr gesehen,
trotzdem habe ich ihn zu spät aus dem Ofen geholt,
darum ist Dein Essen jetzt schwarz und verkohlt.
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19 Dez 2021 07:46 #39196
von Kaninchen
Rainer Maria Rilke
Die hohen Tannen atmen heiser
im Winterschnee, und bauschiger
schmiegt sich sein Glanz um alle Reiser.
Die weißen Wege werden leiser,
die trauten Stuben lauschiger.
Da singt die Uhr, die Kinder zittern:
im grünen Ofen kracht ein Scheit
und stürzt in lichten Lohgewittern,
und draußen wächst im Flockenflittern
der weiße Tag zu Ewigkeit.
Die hohen Tannen atmen heiser
im Winterschnee, und bauschiger
schmiegt sich sein Glanz um alle Reiser.
Die weißen Wege werden leiser,
die trauten Stuben lauschiger.
Da singt die Uhr, die Kinder zittern:
im grünen Ofen kracht ein Scheit
und stürzt in lichten Lohgewittern,
und draußen wächst im Flockenflittern
der weiße Tag zu Ewigkeit.
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19 Dez 2021 17:22 #39207
von Kaninchen
Beantwortete Frage
Die Schöne:
Leicht gesagt ist: seid nicht grausam !
Doch wenn sechs um eine frein,
Muß da nicht das arme Seelchen
Gegen fünfe grausam sein ?
Der Dichter:
Grausam gegen fünfe werden,
Ist so gar gefährlich nicht,
Weil von Hunderten nicht einer
Sich vor Liebesgram ersticht.
Und erschießt sich etwa einer,
Ist es nicht der Beste just;
Größten Schmerz ertragen lernen,
Ziemt der edlen Männerbrust.
Mancher stürzte sich ins Wasser,
Weil die Schöne ihn verlacht,
Der, wenn sies mit ihm gewaget,
Sie mit Peinigen umgebracht.
Mancher, der vor Sehnsucht schmachtet,
Gleich als wär es mit ihm aus,
Brächte, würd er ganz erhöret,
Nichts wie Langeweil ins Haus.
Darum, sorgenvolle Schöne,
Sieh dir deine Freier an,
Und wer mit dir weiß zu leben,
Diesen wähl, er sei dein Mann.
Quäl ihn etwas, doch nicht lange,
Und dann sprich das holde Ja;
Und die Sterber lasse sterben,
Denn sie sind zum Sterben da !
August Kopisch (1799 - 1853), deutscher Maler, Gelegenheitsdichter und Übersetzer von neapolitanischen Komödien
Die Schöne:
Leicht gesagt ist: seid nicht grausam !
Doch wenn sechs um eine frein,
Muß da nicht das arme Seelchen
Gegen fünfe grausam sein ?
Der Dichter:
Grausam gegen fünfe werden,
Ist so gar gefährlich nicht,
Weil von Hunderten nicht einer
Sich vor Liebesgram ersticht.
Und erschießt sich etwa einer,
Ist es nicht der Beste just;
Größten Schmerz ertragen lernen,
Ziemt der edlen Männerbrust.
Mancher stürzte sich ins Wasser,
Weil die Schöne ihn verlacht,
Der, wenn sies mit ihm gewaget,
Sie mit Peinigen umgebracht.
Mancher, der vor Sehnsucht schmachtet,
Gleich als wär es mit ihm aus,
Brächte, würd er ganz erhöret,
Nichts wie Langeweil ins Haus.
Darum, sorgenvolle Schöne,
Sieh dir deine Freier an,
Und wer mit dir weiß zu leben,
Diesen wähl, er sei dein Mann.
Quäl ihn etwas, doch nicht lange,
Und dann sprich das holde Ja;
Und die Sterber lasse sterben,
Denn sie sind zum Sterben da !
August Kopisch (1799 - 1853), deutscher Maler, Gelegenheitsdichter und Übersetzer von neapolitanischen Komödien
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20 Dez 2021 07:57 #39213
von Kaninchen
Das Vöglein auf dem Weihnachtsbaum
Ich hatt‘ ein Vöglein, das war wunderzahm,
daß es vom Munde mir das Futter nahm.
Es flatterte bei meinem Ruf herbei
und trieb der muntern Kurzweil vielerlei,
drum stand das Türchen seines Kerkers auf
den ganzen Tag zu freiem Flug und Lauf.
Im Käfig war es aus dem Ei geschlüpft,
war nie durch Gras und grünes Laub gehüpft
und hatte nie den dunklen Wald geschaut,
wo sein Geschlecht die leichten Nester baut.
Und wie der Winter wieder kam ins Land,
das Weihnachtsbäumchen in der Stube stand,
da fand mein schmuckes, zahmes Vögelein
neugierig bald sich in den Zweigen ein.
Wohl trippelt es behutsam erst und scheu
dem Rätsel zu, so lockend und so neu,
doch bald war’s in dem grünen Reich zu Haus,
wie prüfend breitet es die Flügel aus;
so freudig stieg und fiel die kleine Brust,
als schwellte sie der Tannenduft mit Luft.
Und wie er nie vom Käfig noch erklang,
so froh, so schmetternd tönte sein Gesang !
Zum erstenmal berauscht vom neuen Glück,
kehrt es zu seinem Hause nicht zurück.
Hart an das Stämmchen duckt es, still und klein
und schlummert in der grünen Dämmrung ein.
Und sinnend sah ich lang des Lieblings Ruh
wie erst dem Spiel, dem zierlich heitren, zu,
als durch des Vogels Leib mit einemmal
sein seltsam Zittern wunderbar sich stahl;
das Köpfchen mit dem Fittich zugetan,
fing es geheim und süß zu zwitschern an:
Im Traum geschah’s … und Wald und Waldeswehn
schien ahnungslos durch diesen Traum zu gehen.
Und seltsam überkam’s mich bei dem Laut !
Was nie das Tierchen lebend noch geschaut,
des freien Waldes freie Herrlichkeit,
nun lag es offen da vor ihm und weit …
mich aber mahnt es einer anderen Welt,
und mancher Frage, zweifelnd oft gestellt,
und dieses Leben deuchte mir ein Traum
wie der des Vögleins auf dem Weihnachtsbaum.
Hermann von Schmid
1850-1880
Ich hatt‘ ein Vöglein, das war wunderzahm,
daß es vom Munde mir das Futter nahm.
Es flatterte bei meinem Ruf herbei
und trieb der muntern Kurzweil vielerlei,
drum stand das Türchen seines Kerkers auf
den ganzen Tag zu freiem Flug und Lauf.
Im Käfig war es aus dem Ei geschlüpft,
war nie durch Gras und grünes Laub gehüpft
und hatte nie den dunklen Wald geschaut,
wo sein Geschlecht die leichten Nester baut.
Und wie der Winter wieder kam ins Land,
das Weihnachtsbäumchen in der Stube stand,
da fand mein schmuckes, zahmes Vögelein
neugierig bald sich in den Zweigen ein.
Wohl trippelt es behutsam erst und scheu
dem Rätsel zu, so lockend und so neu,
doch bald war’s in dem grünen Reich zu Haus,
wie prüfend breitet es die Flügel aus;
so freudig stieg und fiel die kleine Brust,
als schwellte sie der Tannenduft mit Luft.
Und wie er nie vom Käfig noch erklang,
so froh, so schmetternd tönte sein Gesang !
Zum erstenmal berauscht vom neuen Glück,
kehrt es zu seinem Hause nicht zurück.
Hart an das Stämmchen duckt es, still und klein
und schlummert in der grünen Dämmrung ein.
Und sinnend sah ich lang des Lieblings Ruh
wie erst dem Spiel, dem zierlich heitren, zu,
als durch des Vogels Leib mit einemmal
sein seltsam Zittern wunderbar sich stahl;
das Köpfchen mit dem Fittich zugetan,
fing es geheim und süß zu zwitschern an:
Im Traum geschah’s … und Wald und Waldeswehn
schien ahnungslos durch diesen Traum zu gehen.
Und seltsam überkam’s mich bei dem Laut !
Was nie das Tierchen lebend noch geschaut,
des freien Waldes freie Herrlichkeit,
nun lag es offen da vor ihm und weit …
mich aber mahnt es einer anderen Welt,
und mancher Frage, zweifelnd oft gestellt,
und dieses Leben deuchte mir ein Traum
wie der des Vögleins auf dem Weihnachtsbaum.
Hermann von Schmid
1850-1880
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21 Dez 2021 08:04 #39224
von Kaninchen
Der Zeisig
Ein Zeisig wars und eine Nachtigall,
Die einst zu gleicher Zeit vor Damons Fenster hingen.
Die Nachtigall fing an, ihr göttlich Lied zu singen,
Und Damons kleinem Sohn gefiel der süße Schall.
»Ach welcher singt von beiden doch so schön ?
Den Vogel möcht ich wirklich sehn !«
Der Vater macht ihm diese Freude,
Er nimmt die Vögel gleich herein.
»Hier«, spricht er, »sind sie alle beide;
Doch welcher wird der schöne Sänger sein ?
Getraust du dich, mir das zu sagen ?«
Der Sohn läßt sich nicht zweimal fragen,
Schnell weist er auf den Zeisig hin:
»Der«, spricht er, »muß es sein, so wahr ich ehrlich bin.
Wie schön und gelb ist sein Gefieder !
Drum singt er auch so schöne Lieder;
Dem andern sieht mans gleich an seinen Federn an,
Daß er nichts Kluges singen kann.«
Sagt, ob man im gemeinen Leben
Nicht oft wie dieser Knabe schließt ?
Ein Zeisig wars und eine Nachtigall,
Die einst zu gleicher Zeit vor Damons Fenster hingen.
Die Nachtigall fing an, ihr göttlich Lied zu singen,
Und Damons kleinem Sohn gefiel der süße Schall.
»Ach welcher singt von beiden doch so schön ?
Den Vogel möcht ich wirklich sehn !«
Der Vater macht ihm diese Freude,
Er nimmt die Vögel gleich herein.
»Hier«, spricht er, »sind sie alle beide;
Doch welcher wird der schöne Sänger sein ?
Getraust du dich, mir das zu sagen ?«
Der Sohn läßt sich nicht zweimal fragen,
Schnell weist er auf den Zeisig hin:
»Der«, spricht er, »muß es sein, so wahr ich ehrlich bin.
Wie schön und gelb ist sein Gefieder !
Drum singt er auch so schöne Lieder;
Dem andern sieht mans gleich an seinen Federn an,
Daß er nichts Kluges singen kann.«
Sagt, ob man im gemeinen Leben
Nicht oft wie dieser Knabe schließt ?
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