Gedichte
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22 Nov 2021 07:18 #38763
von Kaninchen
Rangstreitigkeiten
In einem Lumpenkasten
War große Rebellion:
Die feinen Lumpen haßten
Die groben lange schon.
Die Fehde tät beginnen
Ein Lümpchen von Batist,
Weil ihm ein Stück Sacklinnen
Zu nah gekommen ist.
Sacklinnen aber freilich
War eben Sackleinwand
Und hatte grob und eilig
Die Antwort bei der Hand:
»Von Ladies oder Schlumpen –
's tut nichts zur Sache hier,
Du zählst jetzt zu den Lumpen
Und bist nicht mehr wie wir.«
Theodor Fontane
1819 - 1898
dt. Schriftsteller
In einem Lumpenkasten
War große Rebellion:
Die feinen Lumpen haßten
Die groben lange schon.
Die Fehde tät beginnen
Ein Lümpchen von Batist,
Weil ihm ein Stück Sacklinnen
Zu nah gekommen ist.
Sacklinnen aber freilich
War eben Sackleinwand
Und hatte grob und eilig
Die Antwort bei der Hand:
»Von Ladies oder Schlumpen –
's tut nichts zur Sache hier,
Du zählst jetzt zu den Lumpen
Und bist nicht mehr wie wir.«
Theodor Fontane
1819 - 1898
dt. Schriftsteller
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23 Nov 2021 06:37 - 23 Nov 2021 06:39 #38773
von Feschtbrueder
Humor ist, wenn man trotzdem lacht! Lachen ist die beste Medizin!
Im Nebel
Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein,
Kein Baum sieht den andern,
Jeder ist allein.
Voll von Freunden war mir die Welt,
Als noch mein Leben licht war;
Nun, da der Nebel fällt,
Ist keiner mehr sichtbar.
Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkel kennt,
Das unentrinnbar und leise
Von allen ihn trennt.
Seltsam, im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein.
Kein Mensch kennt den andern,
Jeder ist allein.
Hermann Hesse
Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein,
Kein Baum sieht den andern,
Jeder ist allein.
Voll von Freunden war mir die Welt,
Als noch mein Leben licht war;
Nun, da der Nebel fällt,
Ist keiner mehr sichtbar.
Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkel kennt,
Das unentrinnbar und leise
Von allen ihn trennt.
Seltsam, im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein.
Kein Mensch kennt den andern,
Jeder ist allein.
Hermann Hesse
Letzte Änderung: 23 Nov 2021 06:39 von Feschtbrueder. Grund: Format
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23 Nov 2021 07:05 #38782
von Kaninchen
An meine Mutter B. Heine,
geborene v. Geldern
Im tollen Wahn hatt ich dich einst verlassen,
Ich wollte gehn die ganze Welt zu Ende,
Und wollte sehn, ob ich die Liebe fände,
Um liebevoll die Liebe zu umfassen.
Die Liebe suchte ich auf allen Gassen,
Vor jeder Türe streckt ich aus die Hände,
Und bettelte um g'ringe Liebesspende –
Doch lachend gab man mir nur kaltes Hassen.
Und immer irrte ich nach Liebe, immer
Nach Liebe, doch die Liebe fand ich nimmer,
Und kehrte um nach Hause, krank und trübe.
Doch da bist du entgegen mir gekommen,
Und ach! was da in deinem Aug' geschwommen,
Das war die süße, langgesuchte Liebe.
Heinrich Heine
1797 - 1856
deutscher Dichter und Romancier
Betty Heine, geb. Peira von Geldern
geboren am 27. November 1771 in Düsseldorf
gestorben am 3. September 1859 in Hamburg
geborene v. Geldern
Im tollen Wahn hatt ich dich einst verlassen,
Ich wollte gehn die ganze Welt zu Ende,
Und wollte sehn, ob ich die Liebe fände,
Um liebevoll die Liebe zu umfassen.
Die Liebe suchte ich auf allen Gassen,
Vor jeder Türe streckt ich aus die Hände,
Und bettelte um g'ringe Liebesspende –
Doch lachend gab man mir nur kaltes Hassen.
Und immer irrte ich nach Liebe, immer
Nach Liebe, doch die Liebe fand ich nimmer,
Und kehrte um nach Hause, krank und trübe.
Doch da bist du entgegen mir gekommen,
Und ach! was da in deinem Aug' geschwommen,
Das war die süße, langgesuchte Liebe.
Heinrich Heine
1797 - 1856
deutscher Dichter und Romancier
Betty Heine, geb. Peira von Geldern
geboren am 27. November 1771 in Düsseldorf
gestorben am 3. September 1859 in Hamburg
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24 Nov 2021 07:21 #38801
von Kaninchen
Ein Arzt drei Gesichter hat:
Dem Engel gleich, gibt er dem Kranken Rat;
Und hilft er ihm aus seiner Not,
Dann gleicht er schon dem lieben Gott.
Doch wie er nun um Lohn anspricht,
Hat er ein teuflisch Angesicht.
Unbekannt
Unterschrift eines Kupferstichs aus dem Jahre 1609
Dem Engel gleich, gibt er dem Kranken Rat;
Und hilft er ihm aus seiner Not,
Dann gleicht er schon dem lieben Gott.
Doch wie er nun um Lohn anspricht,
Hat er ein teuflisch Angesicht.
Unbekannt
Unterschrift eines Kupferstichs aus dem Jahre 1609
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25 Nov 2021 07:20 - 25 Nov 2021 07:40 #38818
von Kaninchen
Deine Augen haben mir's angethan,
Mit dem hellen, freundlichen Leuchten,
Deine Augen haben mir's angethan,
Die Kummer und Sorgen verscheuchten.
Deine Augen haben mir's angethan,
Mit dem sanften Drängen und Bitten,
Deine Augen haben mir's angethan,
Sie haben den Sieg Dir erstritten.
Deine Augen haben mir's angethan,
Mit den unergründlichen Blicken.
Deine Augen haben mir's angethan,
Sie wollen den Sinn mir berücken.
Deine Augen haben mir's angethan,
Als Deine Gefangene seh' ich mich an,
Deine Augen tragen die Schuld daran,
Deine Augen haben mir's angethan.
Unbekannt
Quelle: Aachener Kritische Revue, 1891-94
Mit dem hellen, freundlichen Leuchten,
Deine Augen haben mir's angethan,
Die Kummer und Sorgen verscheuchten.
Deine Augen haben mir's angethan,
Mit dem sanften Drängen und Bitten,
Deine Augen haben mir's angethan,
Sie haben den Sieg Dir erstritten.
Deine Augen haben mir's angethan,
Mit den unergründlichen Blicken.
Deine Augen haben mir's angethan,
Sie wollen den Sinn mir berücken.
Deine Augen haben mir's angethan,
Als Deine Gefangene seh' ich mich an,
Deine Augen tragen die Schuld daran,
Deine Augen haben mir's angethan.
Unbekannt
Quelle: Aachener Kritische Revue, 1891-94
Letzte Änderung: 25 Nov 2021 07:40 von Kaninchen.
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26 Nov 2021 07:15 #38842
von Kaninchen
Die Wehmut
Ich hab' einen Haß, einen grimmigen Haß
Und weiß doch selbst nicht recht auf was.
Ich bin so elend, so träge und faul
Wie 'n abgeschundner Ackergaul.
Ich hab' einen bösen Zug im Gesicht.
Mir ist niemand Freund, ich will es auch nicht.
Ich hab' eine Wut auf die ganze Welt.
In der mir nicht mal mehr das Laster gefällt.
Und schimpfe und fluche, ich oller Tor
Und komme mir sehr dämonisch vor.
Alfred Lichtenstein
(1889 - 1914), frühexpressionistischer Lyriker und Erzähler
Ich hab' einen Haß, einen grimmigen Haß
Und weiß doch selbst nicht recht auf was.
Ich bin so elend, so träge und faul
Wie 'n abgeschundner Ackergaul.
Ich hab' einen bösen Zug im Gesicht.
Mir ist niemand Freund, ich will es auch nicht.
Ich hab' eine Wut auf die ganze Welt.
In der mir nicht mal mehr das Laster gefällt.
Und schimpfe und fluche, ich oller Tor
Und komme mir sehr dämonisch vor.
Alfred Lichtenstein
(1889 - 1914), frühexpressionistischer Lyriker und Erzähler
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