Gedichte
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08 Jan 2022 08:05 #39447
von Kaninchen
Ein winterliches Gedicht
Erst gestern war es, denkst du daran?
Es ging der Tag zur Neige.
Ein böser Schneesturm da begann
und brach die dürren Zweige.
Der Sturmwind blies die Sterne weg,
die Lichter, die wir lieben.
Vom Monde gar war nur ein Fleck,
ein gelber Schein geblieben.
Und jetzt? So schau doch nur hinaus:
Die Welt ertrinkt in Wonne.
Ein weißer Teppich liegt jetzt aus.
Es strahlt und lacht die Sonne.
Wohin du siehst: Ganz puderweiß
geschmückt sind alle Felder,
der Bach rauscht lustig unterm Eis.
Nur finster stehn die Wälder.
Alexander Sergejewitsch Puschkin
Erst gestern war es, denkst du daran?
Es ging der Tag zur Neige.
Ein böser Schneesturm da begann
und brach die dürren Zweige.
Der Sturmwind blies die Sterne weg,
die Lichter, die wir lieben.
Vom Monde gar war nur ein Fleck,
ein gelber Schein geblieben.
Und jetzt? So schau doch nur hinaus:
Die Welt ertrinkt in Wonne.
Ein weißer Teppich liegt jetzt aus.
Es strahlt und lacht die Sonne.
Wohin du siehst: Ganz puderweiß
geschmückt sind alle Felder,
der Bach rauscht lustig unterm Eis.
Nur finster stehn die Wälder.
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09 Jan 2022 08:24 #39456
von Kaninchen
Wenn jemals noch zu Dir des Lebens
Gesegnet goldne Ströme geh´n
Laß nicht auf Deinen Tisch vergebens
Den Hungrigen durchs Fenster seh´n:
Verscheuche nicht die wilde Taube,
Laß hinter Dir noch Ähren steh´n,
Und nimm dem Weinstock nicht die letzte Traube.
Adele Elisa von Bredow-Goerne
1830-1885
Gräfin von Bredow-Görne, geb. Adele Elise von Gansauge,
deutsche Dramatikerin und Lyrikerin
Gesegnet goldne Ströme geh´n
Laß nicht auf Deinen Tisch vergebens
Den Hungrigen durchs Fenster seh´n:
Verscheuche nicht die wilde Taube,
Laß hinter Dir noch Ähren steh´n,
Und nimm dem Weinstock nicht die letzte Traube.
Adele Elisa von Bredow-Goerne
1830-1885
Gräfin von Bredow-Görne, geb. Adele Elise von Gansauge,
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10 Jan 2022 07:34 #39469
von Kaninchen
Ach hätte die Rose Flügel
Ach hätte die Rose Flügel,
sie flüge hinüber zu Dir
und brächte Dir tausend Grüße
und Du wüßtest, sie kämen von mir.
O könnte die Rose singen,
ich sendete sie an Dich,
und sie sänge Dir dieses Liedchen,
und Du dächtest dabei an mich.
Sie kann nicht fliegen, nicht singen !
Ich bin die Sehnsucht so müd,
drum fliege ich selber und bringe
Dir Gruß und Rose und Lied.
Rhingulf Eduard Wegener
1821 - um 1900
deutscher Dichter und Schriftsteller
Ach hätte die Rose Flügel,
sie flüge hinüber zu Dir
und brächte Dir tausend Grüße
und Du wüßtest, sie kämen von mir.
O könnte die Rose singen,
ich sendete sie an Dich,
und sie sänge Dir dieses Liedchen,
und Du dächtest dabei an mich.
Sie kann nicht fliegen, nicht singen !
Ich bin die Sehnsucht so müd,
drum fliege ich selber und bringe
Dir Gruß und Rose und Lied.
Rhingulf Eduard Wegener
1821 - um 1900
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11 Jan 2022 07:42 #39481
von Kaninchen
Der Kuckuck
Der Kuckuck sprach mit einem Star,
der aus der Stadt entflohen war.
"Was spricht man", fing er an zu schrein,
"was spricht man in der Stadt von unsern Melodein ?
Was spricht man von der Nachtigall ?"
"Die ganze Stadt lobt ihre Lieder." -
"Und von der Lerche ?" rief er wieder.
"Die halbe Stadt lobt ihrer Stimme Schall."
"Und von der Amsel? " fuhr er fort.
"Auch diese lobt man hier und dort."
"Ich muß dich doch noch etwas fragen:
Was", rief er, "spricht man denn von mir,"
"Das", sprach der Star, "das weiß ich nicht zu sagen;
denn keine Seele red't von dir."
"So will ich", fuhr er fort, "mich an dem Undank rächen
und ewig von mir selber sprechen."
Christian Fürchtegott Gellert
* 04.07.1715, † 13.12.1769
Der Kuckuck
Der Kuckuck sprach mit einem Star,
der aus der Stadt entflohen war.
"Was spricht man", fing er an zu schrein,
"was spricht man in der Stadt von unsern Melodein ?
Was spricht man von der Nachtigall ?"
"Die ganze Stadt lobt ihre Lieder." -
"Und von der Lerche ?" rief er wieder.
"Die halbe Stadt lobt ihrer Stimme Schall."
"Und von der Amsel? " fuhr er fort.
"Auch diese lobt man hier und dort."
"Ich muß dich doch noch etwas fragen:
Was", rief er, "spricht man denn von mir,"
"Das", sprach der Star, "das weiß ich nicht zu sagen;
denn keine Seele red't von dir."
"So will ich", fuhr er fort, "mich an dem Undank rächen
und ewig von mir selber sprechen."
Christian Fürchtegott Gellert
* 04.07.1715, † 13.12.1769
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12 Jan 2022 07:26 #39492
von Kaninchen
Fipps der Affe
Also jetzt kommt die Geschichte
Von dem Bitterbösewichte,
Schlau, possierlich und behend,
Der sich Fipps der Affe nennt.
Er besitzt nicht nur wie wir
Zween Hände, sondern vier,
Vorne zwei und hinten zwei
Und 'nen langen Schweif dabei.
Hiermit, denkt sich jeder nun,
Wird er recht viel Gutes tun;
Aber nein, im Gegenteile,
Tugend macht ihm Langeweile,
Während er in solchen Dingen,
Welche andern Schaden bringen,
Jederzeit mit größter List
Rührig und betriebsam ist –
Kurz, die Taten der Verbrecher
Sind so seine Lieblingsfächer.
Freilich, einmal will es scheinen,
Und wir hoffen schon und meinen,
Daß uns dieser Fipps gefalle,
Aber gleich ist's wieder alle.
Wie er war, so ist und bleibt er.
Weise schütteln ihre Häupter,
Und so wissen wir bestimmt,
Was er für ein Ende nimmt.
Jeder kriegt, was jeder tut.
Schlechtigkeit bekommt nicht gut.
Wilhelm Busch (1832 - 1908), deutscher Zeichner, Maler und Schriftsteller
Quelle: Busch, W., Gedichte. Verstreute Gedichte, 1859-1871
Also jetzt kommt die Geschichte
Von dem Bitterbösewichte,
Schlau, possierlich und behend,
Der sich Fipps der Affe nennt.
Er besitzt nicht nur wie wir
Zween Hände, sondern vier,
Vorne zwei und hinten zwei
Und 'nen langen Schweif dabei.
Hiermit, denkt sich jeder nun,
Wird er recht viel Gutes tun;
Aber nein, im Gegenteile,
Tugend macht ihm Langeweile,
Während er in solchen Dingen,
Welche andern Schaden bringen,
Jederzeit mit größter List
Rührig und betriebsam ist –
Kurz, die Taten der Verbrecher
Sind so seine Lieblingsfächer.
Freilich, einmal will es scheinen,
Und wir hoffen schon und meinen,
Daß uns dieser Fipps gefalle,
Aber gleich ist's wieder alle.
Wie er war, so ist und bleibt er.
Weise schütteln ihre Häupter,
Und so wissen wir bestimmt,
Was er für ein Ende nimmt.
Jeder kriegt, was jeder tut.
Schlechtigkeit bekommt nicht gut.
Wilhelm Busch (1832 - 1908), deutscher Zeichner, Maler und Schriftsteller
Quelle: Busch, W., Gedichte. Verstreute Gedichte, 1859-1871
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13 Jan 2022 08:02 #39501
von Kaninchen
Winterabend
Das Feuer knistert im Ofen,
Hell lodert die rote Glut -
Wir rücken dicht an die Flammen,
So plaudert und träumt sich´s gut.
Hier drinnen trauliche Wärme
Und süßer Maiblumenduft -
Dort draußen das Flockengeriesel
Und eisige Winterluft.
Leg noch ein Scheit zu den andern
Und schüre die Flammenglut,
Dann gib mir, Lieb, Deine Hände -
So plaudertund träumt sich´s gut.
Leon Vandersee, gest. 1907, eigentlich Helene von Tiedemann
deutsche Lyrikerin
Winterabend
Das Feuer knistert im Ofen,
Hell lodert die rote Glut -
Wir rücken dicht an die Flammen,
So plaudert und träumt sich´s gut.
Hier drinnen trauliche Wärme
Und süßer Maiblumenduft -
Dort draußen das Flockengeriesel
Und eisige Winterluft.
Leg noch ein Scheit zu den andern
Und schüre die Flammenglut,
Dann gib mir, Lieb, Deine Hände -
So plaudertund träumt sich´s gut.
Leon Vandersee, gest. 1907, eigentlich Helene von Tiedemann
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