Gedichte

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20 Jan 2022 08:20 #39571 von Kaninchen
Kritik der Weltschöpfung

Maximilian Bern
1849-1923

Wenn ich die liebe Herrgott wär´,
dann würde ich mich schämen
und diese Welt verbessert neu
zu schaffen mich bequemen.
Denn wahrlich recht mißlungen scheint
sie mir in manchem Teile,
was mich durchaus nicht wunder nimmt,
denk ich der großen Eile,
in der Gott dies, sein Erstlingswerk,
vollbracht in nur sechs Tagen,
anstatt mit seiner Schöpfung sich
noch manches Jahr zu plagen. --

Das Welterschaffen ist wohl schwer !
Drum wenn ich´s recht betrachte
muß ich gestehn, daß einzelnes
Gott nicht so übel machte.
Zu früh nur fand er alles gut
mit selbstgefäll´ger Miene,
nicht leugnen läßt sich sein Talent,
ihm fehlte bloß Routine.
 

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21 Jan 2022 07:46 #39580 von Kaninchen
Was bringt den Doktor um sein Brot ?

a) Die Gesundheit
b) Der Tod

Drum hält der Arzt, auf daß er lebe, uns zwischen beiden in der Schwebe !

Eugen Roth

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22 Jan 2022 08:00 - 22 Jan 2022 08:03 #39589 von Kaninchen
Carpe diem ! Pflücke den Tag !
Rät der Römer Horaz.
Pflück den Tag wie die Rose im Hag,
Nütze den köstlichen Schag !
Schäumen die Becher beim Festgelag
Schäumt die Begeisterung -
Carpe diem ! Pflücke den Tag
Sei mit den andern jung !

Klopft das Glück an das Pförtlein,
sag eilig zum Gaste : "Herein !"
Carpe diem ! Pflücke den Tag !
Hüte das Glück, wenn es dein !

Aber pochen mit dröhnendem Schlag
Sorge und Unheil an -
Carpe diem ! Pflücke den Tag !
Lern ihn mannhaft bestahn !


Otto Kernstock
1848-1928
Letzte Änderung: 22 Jan 2022 08:03 von Kaninchen.

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23 Jan 2022 08:02 #39599 von Kaninchen
Das Glück, das glatt und schlüpfrig rollt,
tauscht in Sekunden seine Pfade,
ist heute mir, dir morgen hold,
und treibt die Narren rund im Rade.

Laß fliehn, was sich nicht halten läßt,
den leichten Schmetterling laß schweben,
und halte Dich nur selber fest;
Du hältst das Schicksal und das Leben.


Ernst Moritz Arndt
1769-1860

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23 Jan 2022 17:35 #39601 von Kaninchen
Wilhelm Busch

Es saßen einstens beieinand
Zwei Knaben, Fritz und Ferdinand.
Da sprach der Fritz : Nun gib mal acht,
Was ich geträumt vergangne Nacht.
Ich stieg in einen schönen Wagen,
Der Wagen war mit Gold beschlagen.
Zwei Englein spannten sich davor,
Die zogen mich zum Himmelstor.
Gleich kamst Du auch und wolltest mit
Und sprangest auf den Kutschentritt.
Jedoch ein Teufel schwarz und groß
Der nahm dich hinten beider Hos´
und hat Dich in die Höll getragen.
Es war sehr lustig, muß ich sagen."

So hübsch nun dieses Traumgesicht,
dem Ferdinand gefiel es nicht.
Schlapp ! schlug er Fritzen an das Ohr,
daß er die Zippelmütz verlor.
Der Fritz, der dies verdrießlich fand,
haut wiederum den Ferdinand;
Und jetzt entsteht ein Handgemenge,
sehr schmerzlich und von großer Länge.
So geht durch wesenlose Träume
Gar oft die Freundschaft aus dem Leime.

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24 Jan 2022 16:53 #39610 von Kaninchen
Mich locken nicht die Himmelsauen,
Im Paradies, im sel´gen Land;
Dort find ich keine schönren Frauen
als ich bereits auf Erden fand.

Kein Engel mit den feinsten Schwingen,
könnt´ mir ersetzen dort mein Weib;
Auf Wolken sitzend Psalmen singen,
wär´ auch nicht just mein Zeitvertreib.

Oh Herr, ich glaub, es wär´ das beste,
Du ließest mich in dieser Welt;
Heil nur zuvor mein Leibgebreste,
Und sorge auch für etwas Geld.

Ich weiß, es ist voll Sünd´ und Laster
Die Welt; Jedoch ich bin einmal
Gewöhnt auf diesem Erdpechpflaster
Zu schlendern durch das Jammertal.

Genieren wird das Weltgetriebe
Mich nie, denn selten geh´ ich aus;
In Schlafrock und Pantoffeln bleibe
Ich gern bei meiner Frau zuhaus´.

Laß mich bei ihr! Hör ich sie schwätzen
Trinkt meine Seele die Musik
Der holden Stimme mit Ergötzen!
So treu und ehrlich ist ihr Blick !

Gesundheit nur und Geldzulage
Verlang ich, Herr ! O laß mich froh
Hinleben noch viel schöne Tage
Bei meiner Frau im statu quo !

Heinrich Heine

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