Gedichte

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03 Mär 2018 07:54 #16496 von Feschtbrueder
Am 1. März war ja der meteorologische Frühlingsanfang. Obschon es nicht gerade frühlingshaft ist, kann man sich ja den Frühling schon mal ein bisschen vorstellen. B) :)


Frühling

Was rauschet, was rieselt, was rinnet so schnell?
Was blitzt in der Sonne? Was schimmert so hell?
Und als ich so fragte, da murmelt der Bach:
"Der Frühling, der Frühling, der Frühling ist wach!"

Was knospet, was keimet, was duftet so lind?
Was grünet so fröhlich? Was flüstert im Wind?
Und als ich so fragte, da rauscht es im Hain:
"Der Frühling, der Frühling, der Frühling zieht ein!"

Was klingelt, was klaget, was flötet so klar?
Was jauchzet, was jubelt so wunderbar?
Und als ich so fragte, die Nachtigall schlug:
"Der Frühling, der Frühling!" – da wußt' ich genug!

Heinrich Seidel

:-) Humor ist, wenn man trotzdem lacht! Lachen ist die beste Medizin!

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04 Mär 2018 07:31 #16513 von Kaninchen



Joseph von Eichendorff
geb. 10.3.1788 auf Schloß Lubowitz bei Ratibor
gest. 26.11.1857 in Neisse
gilt als bedeutender Lyriker und Schriftsteller der deutschen Romantik

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05 Mär 2018 07:16 #16533 von Kaninchen
Elegischer Rauchermonolog



Lebe wohl, es ist genug
mit dem langen Erdenrummel.
Bald geht unser letzter Zug,
lebe wohl, du alter Stummel.
Anfangs ging es flott voran,
plötzlich kam die große Wende.
Funkensprühend fängt man an,
und ein Stummel ist das Ende.
So verpafft man seine Zeit,
und man streicht uns von der Liste,
Sinnbild der Vergänglichkeit,
Inbegriff der leeren Kiste.
Alles muß in Rauch vergehn,
aufwärts zu den Cherubimen.
War der Anfang noch so schön,
doch der letzte Rest heißt: Priemen.
Alter Bursche, glaube mir,
Stummel sein, ist kein Vergnügen.
Schau mich an, jetzt stehen wir
beide vor den letzten Zügen.
Zeig dich stark und fasse dich,
daß man uns nicht überrasche.
Du bist so verkohlt wie ich,
darum Friede unsrer Asche.

Fred Endrikat
Aus der Sammlung "Der fröhliche Diogenes"

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06 Mär 2018 07:14 #16547 von Kaninchen
Der Humor

Humor ist sozusagen unser Senf des Lebens.
Er macht ein Stücklein trocken Brot zum Leibgericht.
Wer ihn nicht selbst besitzt, der hamstert ihn vergebens,
so hat man ihn entweder – oder hat ihn nicht.

Humor ist schwierig oder gar nicht zu ergründen.
Er ist stets taktvoll, niemals vorlaut und nicht spitz.
Humor ist zu erleben und nicht zu erfinden,
im Gegensatz zu seinem kleinen Bruder Witz.

Humor ist unser Freund in allen Lebenslagen,
weil er dem Herz entspringt und nicht dem Intellekt.
Man kann zum Beispiel mit Humor die Wahrheit sagen,
so daß sie uns bekommt und halb so bitter schmeckt.

Humor blüht auch an kühlen Dauerregentagen
und stimmt uns fröhlich, wenn es noch so schaurig ist.
Ja, mit Humor läßt sich sogar ein Humorist ertragen,
und wenn er wirklich noch so traurig ist.



Fred Endrikat (1890 - 1942), deutscher Kohlenpott-Dichter und Bänkelsänger

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07 Mär 2018 06:54 #16562 von Kaninchen
Rücksprache mit der Hose

Ich habe mit meiner Hose Rücksprache genommen,
ob wir beide wohl gut durch den Winter kommen.
Sie legte ihr Antlitz in noch mehr Falten
und meinte: "Ich habe die Absicht, eisern durchzuhalten.
Mein Boden dehnt sich zwar schon bis ins Uferlose,
bin sonst aber eine innerlich geschlossene Hose.
Der Glanz und Wolle aus früheren Tagen
sind stets weggebürstet und teils abgetragen,
die Nähte und Falten sind leidlich durchgestoßen,
sonst bin ich noch rüstig im ganzen und großen.
Der Charakter bildet sich im Laufe der Zeiten
und überschattet alle die Äußerlichkeiten.
Eine ehrwürdige Hose mit Flicken und Narben
kann Bände erzählen in den buntesten Farben.
Die härtesten Kämpfe und Stürme im Leben
haben mir die richtige Haltung gegeben.
Ich habe mir fest und eisern vorgenommen,
wir beide müssen gut durch den Winter kommen."
So sprach meine Hose, die an Jahren so reiche,
vor mir stehend wie eine knorrige Eiche.
Oh, ihr kleingläubigen Zweifler solltet euch schämen
und einmal mit eurer Hose Rücksprache nehmen.
Man soll es kaum glauben, wieviel Kraft und Lebensmut
in solch einer welterfahrenen Hose ruht.



Fred Endrikat (1890 - 1942), deutscher Kohlenpott-Dichter und Bänkelsänger

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08 Mär 2018 06:44 - 08 Mär 2018 06:45 #16576 von Kaninchen
Der Geist des Weines

Sang in meinem Glas und ich lauschte
mit Hingebung den berauschenden Klängen,
Seinem verschwenderischen und prachtvollen Lied
„Ich bin Gesundheit, ich bin Herz, ich bin Leben!
Weil ich dem, der nach mir verlangt,
das Feuer des Sonnenkönigs, meines Vaters,
und die Kraft meiner Mutter, der Erde, spende.
Im tiefsten Wesen Inspiration
bin ich dem Gelehrten Klugheit und Weisheit,
dem Dichter fleischliche Muse
Kraft des Begehrens dem Liebenden
und allen zusammen das göttliche Lachen
Letzte Änderung: 08 Mär 2018 06:45 von Kaninchen.

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