Gedichte
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25 Mär 2018 08:40 #16882
von Kaninchen
Im Goldnen Lamm
Im Goldnen Lamm, bei weingefüllten Bechern,
da ist es gut sein um die Abendzeit.
Ein kleiner Kreis von wohlbeleibten Zechern
genießt beschaulich weise Fröhlichkeit.
Man spricht von einst erlebten Jugendlastern
und prahlt von mancher süßen Liebesnacht.
Die Nasen blühn wie auf dem Tisch die Astern.
Eros schaut schweigend fort – und Bacchus lacht.
Im Goldnen Lamm in einer stillen Nische,
da ist es gut sein um die Abendzeit.
Ein junges Pärchen sitzt allein am Tische,
genießt das Glück der Liebesseligkeit.
Es ist ein zärtlich Flüstern und Liebkosen,
die jungen Herzen sind von Glut entfacht,
so schön wie auf dem Tisch die roten Rosen.
Bacchus schaut schweigend fort – und Eros lacht.
Im Goldnen Lamm scheint abends alles rosa,
ganz anders ist es um die Mittagszeit.
Es kommt der Tag, und mit ihm kommt die Prosa
und hält für uns das Mittagsmahl bereit.
Wie köstlich dampft jetzt auf dem Tisch der Braten,
die Klöße anzuschaun, ist eine Pracht.
Statt Astern, Rosen, leuchten die Tomaten.
Bacchus, auch Eros schweigt – Lucullus lacht.
fred endrikat
Im Goldnen Lamm, bei weingefüllten Bechern,
da ist es gut sein um die Abendzeit.
Ein kleiner Kreis von wohlbeleibten Zechern
genießt beschaulich weise Fröhlichkeit.
Man spricht von einst erlebten Jugendlastern
und prahlt von mancher süßen Liebesnacht.
Die Nasen blühn wie auf dem Tisch die Astern.
Eros schaut schweigend fort – und Bacchus lacht.
Im Goldnen Lamm in einer stillen Nische,
da ist es gut sein um die Abendzeit.
Ein junges Pärchen sitzt allein am Tische,
genießt das Glück der Liebesseligkeit.
Es ist ein zärtlich Flüstern und Liebkosen,
die jungen Herzen sind von Glut entfacht,
so schön wie auf dem Tisch die roten Rosen.
Bacchus schaut schweigend fort – und Eros lacht.
Im Goldnen Lamm scheint abends alles rosa,
ganz anders ist es um die Mittagszeit.
Es kommt der Tag, und mit ihm kommt die Prosa
und hält für uns das Mittagsmahl bereit.
Wie köstlich dampft jetzt auf dem Tisch der Braten,
die Klöße anzuschaun, ist eine Pracht.
Statt Astern, Rosen, leuchten die Tomaten.
Bacchus, auch Eros schweigt – Lucullus lacht.
fred endrikat
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26 Mär 2018 07:49 - 26 Mär 2018 07:53 #16899
von Kaninchen
Letzte Änderung: 26 Mär 2018 07:53 von Kaninchen.
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27 Mär 2018 08:20 - 27 Mär 2018 08:29 #16913
von Kaninchen
Schöne Fraun mit schönen Katzen
Schöne Fraun und Katzen pflegen
Häufig Freundschaft, wenn sie gleich sind,
Weil sie weich sind
Und mit Grazie sich bewegen.
Weil sie leise sich verstehen,
Weil sie selber leise gehen,
Alles Plumpe oder Laute
Fliehen und als wohlgebaute
Wesen stets ein schönes Bild sind.
Unter sich sind sie Vertraute,
Sie, die sonst unzähmbar wild sind.
Fell wie Samt und Haar wie Seide.
Allverwöhnt. – Man meint, daß beide
Sich nach nichts, als danach sehnen,
Sich auf Sofas schön zu dehnen.
Schöne Fraun mit schönen Katzen,
Wem von ihnen man dann schmeichelt,
Wen von ihnen man gar streichelt,
Stets riskiert man, daß sie kratzen.
Denn sie haben meistens Mucken,
Die zuletzt uns andre jucken.
Weiß man recht, ob sie im Hellen
Echt sind oder sich verstellen?
Weiß man, wenn sie tief sich ducken,
Ob das nicht zum Sprung geschieht?
Aber abends, nachts, im Dunkeln,
Wenn dann ihre Augen funkeln,
Weiß man alles oder flieht
Vor den Funken, die sie stieben.
Doch man soll nicht Fraun, die ihre
Schönen Katzen wirklich lieben,
Menschen überhaupt, die Tiere
Lieben, dieserhalb verdammen.
Sind Verliebte auch wie Flammen,
Zu- und ineinander passend,
Alles Fremde aber hassend.
Ob sie anders oder so sind,
Ob sie männlich, feminin sind,
Ob sie traurig oder froh sind,
Aus Madrid oder Berlin sind,
Ob sie schwarz, ob gelb, ob grau,–
Auch wer weder Katz noch Frau
Schätzt, wird Katzen gern mit Frauen,
Wenn sie beide schön sind, schauen.
Doch begegnen Ringelnatzen
Häßlich alte Fraun mit Katzen,
Geht er schnell drei Schritt zurück.
Denn er sagt: Das bringt kein Glück.
Joachim Ringelnatz
1883-1934
Schöne Fraun mit schönen Katzen
Schöne Fraun und Katzen pflegen
Häufig Freundschaft, wenn sie gleich sind,
Weil sie weich sind
Und mit Grazie sich bewegen.
Weil sie leise sich verstehen,
Weil sie selber leise gehen,
Alles Plumpe oder Laute
Fliehen und als wohlgebaute
Wesen stets ein schönes Bild sind.
Unter sich sind sie Vertraute,
Sie, die sonst unzähmbar wild sind.
Fell wie Samt und Haar wie Seide.
Allverwöhnt. – Man meint, daß beide
Sich nach nichts, als danach sehnen,
Sich auf Sofas schön zu dehnen.
Schöne Fraun mit schönen Katzen,
Wem von ihnen man dann schmeichelt,
Wen von ihnen man gar streichelt,
Stets riskiert man, daß sie kratzen.
Denn sie haben meistens Mucken,
Die zuletzt uns andre jucken.
Weiß man recht, ob sie im Hellen
Echt sind oder sich verstellen?
Weiß man, wenn sie tief sich ducken,
Ob das nicht zum Sprung geschieht?
Aber abends, nachts, im Dunkeln,
Wenn dann ihre Augen funkeln,
Weiß man alles oder flieht
Vor den Funken, die sie stieben.
Doch man soll nicht Fraun, die ihre
Schönen Katzen wirklich lieben,
Menschen überhaupt, die Tiere
Lieben, dieserhalb verdammen.
Sind Verliebte auch wie Flammen,
Zu- und ineinander passend,
Alles Fremde aber hassend.
Ob sie anders oder so sind,
Ob sie männlich, feminin sind,
Ob sie traurig oder froh sind,
Aus Madrid oder Berlin sind,
Ob sie schwarz, ob gelb, ob grau,–
Auch wer weder Katz noch Frau
Schätzt, wird Katzen gern mit Frauen,
Wenn sie beide schön sind, schauen.
Doch begegnen Ringelnatzen
Häßlich alte Fraun mit Katzen,
Geht er schnell drei Schritt zurück.
Denn er sagt: Das bringt kein Glück.
Joachim Ringelnatz
1883-1934
Letzte Änderung: 27 Mär 2018 08:29 von Kaninchen.
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28 Mär 2018 07:49 #16931
von Kaninchen
Der Knoten
Als ich in den Jugendtagen
noch ohne Grübelei,
da meint ich mit Behagen,
mein Denken wäre frei.
Seitdem hab ich die Stirne
Oft auf die Hand gestützt
Und fand, daß im Gehirne
Ein harter Knoten sitzt.
Mein Stolz, der wurde kleiner,
ich merkte mit Verdruß:
Es kann doch unsereiner
nur denken wie er muß.
Wilhelm Busch
Als ich in den Jugendtagen
noch ohne Grübelei,
da meint ich mit Behagen,
mein Denken wäre frei.
Seitdem hab ich die Stirne
Oft auf die Hand gestützt
Und fand, daß im Gehirne
Ein harter Knoten sitzt.
Mein Stolz, der wurde kleiner,
ich merkte mit Verdruß:
Es kann doch unsereiner
nur denken wie er muß.
Wilhelm Busch
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29 Mär 2018 07:55 #16948
von Kaninchen
Fred Endrikat
1890-1942
Menschen, lernet von den Tieren
Die Natur ist tolerant,
sorgt für Ausgleich der Extreme.
Nur der Mensch mit dem Verstand
schafft Konflikte und Probleme.
Friedlich läßt ein sattes Tier
neben sich sein Mittier laufen.
Säuft ein Ochse voller Gier,
wird er sich doch nie besaufen.
Nur ein Floh, der Hunger hat,
saugt das Blut aus Menschenkeulen.
Wenn der größte Tiger satt,
läßt er sich das Köpfchen kräulen.
Schau dem Tier in das Gesicht:
Nirgendwo der Falschheit Schatten.
Haß und Feindschaft gibt es nicht,
nur die Hungrigen und Satten.
Gleich und gleich gesellt sich gern,
Gegensätze sich berühren,
darin liegt des Pudels Kern.
Menschen, lernet von den Tieren.
1890-1942
Menschen, lernet von den Tieren
Die Natur ist tolerant,
sorgt für Ausgleich der Extreme.
Nur der Mensch mit dem Verstand
schafft Konflikte und Probleme.
Friedlich läßt ein sattes Tier
neben sich sein Mittier laufen.
Säuft ein Ochse voller Gier,
wird er sich doch nie besaufen.
Nur ein Floh, der Hunger hat,
saugt das Blut aus Menschenkeulen.
Wenn der größte Tiger satt,
läßt er sich das Köpfchen kräulen.
Schau dem Tier in das Gesicht:
Nirgendwo der Falschheit Schatten.
Haß und Feindschaft gibt es nicht,
nur die Hungrigen und Satten.
Gleich und gleich gesellt sich gern,
Gegensätze sich berühren,
darin liegt des Pudels Kern.
Menschen, lernet von den Tieren.
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30 Mär 2018 08:19 #16967
von Kaninchen
Märzveilchen
Der Himmel wölbt sich rein und blau,
Der Reif stellt Blumen aus zur Schau.
Am Fenster prangt ein flimmernder Flor,
Ein Jüngling steht, ihn betrachtend, davor,
Und hinter den Blumen blühet noch gar
Ein blaues, ein lächelndes Augenpaar,
Märzveilchen, wie jener noch keine gesehn.
Der Reif wird, angehaucht, zergehn.
Eisblumen fangen zu schmelzen an,
Und Gott sei gnädig dem jungen Mann.
Hans Christian Andersen
(* 02.04.1805, † 04.08.1875)
Der Himmel wölbt sich rein und blau,
Der Reif stellt Blumen aus zur Schau.
Am Fenster prangt ein flimmernder Flor,
Ein Jüngling steht, ihn betrachtend, davor,
Und hinter den Blumen blühet noch gar
Ein blaues, ein lächelndes Augenpaar,
Märzveilchen, wie jener noch keine gesehn.
Der Reif wird, angehaucht, zergehn.
Eisblumen fangen zu schmelzen an,
Und Gott sei gnädig dem jungen Mann.
Hans Christian Andersen
(* 02.04.1805, † 04.08.1875)
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