Gedichte
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14 Mär 2018 07:19 - 14 Mär 2018 07:24 #16688
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Letzte Änderung: 14 Mär 2018 07:24 von Kaninchen.
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15 Mär 2018 06:57 #16708
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16 Mär 2018 07:42 - 16 Mär 2018 07:47 #16720
von Kaninchen
Traum
Mir träumte neulich, ich wäre
Vermählt mit der Liebsten mein -
Da bangte mir auf Ehre,
Ich sah betroffen d'rein.
Sie saß im Morgenhäubchen
Mit mir auf dem Kanapee,
Ich sagte: "Mein liebes Täubchen,
Sehr schwach ist der Kaffee."
Sie aber rümpft das Näschen,
Wie sie den Tadel hört;
Da macht' ich gleich ein Späschen -
Hausfriede blieb ungestört.
D'rauf kamen die Verwandten,
Und schauten nach im Haus,
Die Onkeln und die Tunten,
Sah'n recht ehrwürdig aus.
Familiengeschichten
Besprachen sie allerlei;
Ich glaubt', ich müßte flüchten,
Mir ward so weh' dabei.
Sie aber blieb gelassen
Und sprach von Wirthschaft gut;
Da rannt' ich auf die Gassen
Im Schlafrock, ohne Hut.
Und blickte nach dem Hause
Und sah mir's an genau:
"O wär' ich ein stiller Klause!
Da droben wohnt — meine Frau!!'"
Sie winkte mir vom Fenster
Im weißen Neglige;
Ich dachte an Gespenster
Und an den schlechten Kaffee.
Da lief ich in die Weite
Wie man nur laufen kann;
Die Leute lachten zur Seite:
"Dort rennt ein Ehemann!"
Da fühlt' ich heißes Bangen,
Sie jagten hinter mir her;
Ich dacht', sie wollten mich fangen,
Ich stöhnt' und schwitzte sehr.
Das Ding war nicht ergötzlich,
Ich stolperte her und hin,
Und stolpernd lag ich plötzlich
Mitten in der Gosse drin.
Und hörte der Verwandten
Und meiner Frauen Stimm',
Die Onkeln und die Tanten
Schalten mit bitt'rem Grimm.
Was schierte mich Frau und Base,
Ich lag wie in der Gruft; —
Es kitzelte mir die Nase
So was wie Mokkaduft.
Und plötzlich überkam mich
Eine Wärme, lieblich und süß,
Ein fernes Läuten vernahm ich —
Ich blinzelte ungewiß.
Da stand Johann am Bette:
Die Glocke schlüge schon zehn;
Wie lang' ich geschlafen hätte!
Ich sollte zum Frühstück gehn.
Die Sonne schien so golden
Mir auf das Angesicht;
Ein Briefchen meiner Holden
Lag mir vor den Augen dicht.
Es war ein freundlich‘ Grüßen,
Sie lud mich in ihr Haus;
Da sprang ich mit gleichen Füßen
Und frei aus dem Bette heraus!
(Aus der Sammlung "Aus der Jugend".)
Eduard von Bauernfeld
Darstellung Bauernfelds im Sitzen aus dem Atelier des Hof-Photographen L. Angerer, Wien.
Traum
Mir träumte neulich, ich wäre
Vermählt mit der Liebsten mein -
Da bangte mir auf Ehre,
Ich sah betroffen d'rein.
Sie saß im Morgenhäubchen
Mit mir auf dem Kanapee,
Ich sagte: "Mein liebes Täubchen,
Sehr schwach ist der Kaffee."
Sie aber rümpft das Näschen,
Wie sie den Tadel hört;
Da macht' ich gleich ein Späschen -
Hausfriede blieb ungestört.
D'rauf kamen die Verwandten,
Und schauten nach im Haus,
Die Onkeln und die Tunten,
Sah'n recht ehrwürdig aus.
Familiengeschichten
Besprachen sie allerlei;
Ich glaubt', ich müßte flüchten,
Mir ward so weh' dabei.
Sie aber blieb gelassen
Und sprach von Wirthschaft gut;
Da rannt' ich auf die Gassen
Im Schlafrock, ohne Hut.
Und blickte nach dem Hause
Und sah mir's an genau:
"O wär' ich ein stiller Klause!
Da droben wohnt — meine Frau!!'"
Sie winkte mir vom Fenster
Im weißen Neglige;
Ich dachte an Gespenster
Und an den schlechten Kaffee.
Da lief ich in die Weite
Wie man nur laufen kann;
Die Leute lachten zur Seite:
"Dort rennt ein Ehemann!"
Da fühlt' ich heißes Bangen,
Sie jagten hinter mir her;
Ich dacht', sie wollten mich fangen,
Ich stöhnt' und schwitzte sehr.
Das Ding war nicht ergötzlich,
Ich stolperte her und hin,
Und stolpernd lag ich plötzlich
Mitten in der Gosse drin.
Und hörte der Verwandten
Und meiner Frauen Stimm',
Die Onkeln und die Tanten
Schalten mit bitt'rem Grimm.
Was schierte mich Frau und Base,
Ich lag wie in der Gruft; —
Es kitzelte mir die Nase
So was wie Mokkaduft.
Und plötzlich überkam mich
Eine Wärme, lieblich und süß,
Ein fernes Läuten vernahm ich —
Ich blinzelte ungewiß.
Da stand Johann am Bette:
Die Glocke schlüge schon zehn;
Wie lang' ich geschlafen hätte!
Ich sollte zum Frühstück gehn.
Die Sonne schien so golden
Mir auf das Angesicht;
Ein Briefchen meiner Holden
Lag mir vor den Augen dicht.
Es war ein freundlich‘ Grüßen,
Sie lud mich in ihr Haus;
Da sprang ich mit gleichen Füßen
Und frei aus dem Bette heraus!
(Aus der Sammlung "Aus der Jugend".)
Eduard von Bauernfeld
Darstellung Bauernfelds im Sitzen aus dem Atelier des Hof-Photographen L. Angerer, Wien.
Letzte Änderung: 16 Mär 2018 07:47 von Kaninchen.
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16 Mär 2018 11:55 - 16 Mär 2018 11:57 #16732
von Kaninchen
binged.it/2HEdImq
Der Kuckuck hat gerufen:
Nun lasst uns fröhlich sein!
Er kündet uns den Frühling
mit seinem Sonnenschein.
Kuckuck! Kuckuck! Kuckuck!
Der Kuckuck hat gerufen,
er ruft uns fort von Haus,
wir sollen jetzt spazieren
zum grünen Wald hinaus.
Kuckuck! Kuckuck! Kuckuck!
Der Kuckuck hat gerufen,
und wer's nicht hören mag,
für den ist grün geworden
kein Feld, kein Wald noch Hag.
Kuckuck! Kuckuck! Kuckuck!
Dieses schöne Frühlingsgedicht über den Kuckuck schrieb August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)
binged.it/2HEdImq
Der Kuckuck hat gerufen:
Nun lasst uns fröhlich sein!
Er kündet uns den Frühling
mit seinem Sonnenschein.
Kuckuck! Kuckuck! Kuckuck!
Der Kuckuck hat gerufen,
er ruft uns fort von Haus,
wir sollen jetzt spazieren
zum grünen Wald hinaus.
Kuckuck! Kuckuck! Kuckuck!
Der Kuckuck hat gerufen,
und wer's nicht hören mag,
für den ist grün geworden
kein Feld, kein Wald noch Hag.
Kuckuck! Kuckuck! Kuckuck!
Dieses schöne Frühlingsgedicht über den Kuckuck schrieb August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)
Letzte Änderung: 16 Mär 2018 11:57 von Kaninchen.
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17 Mär 2018 14:05 #16752
von Kaninchen
Die Baumstämme werden wie Menschen jetzt warm
Die Baumstämme werden wie Menschen jetzt warm,
Sie nehmen den Sonnenschein gern in den Arm.
Der Schnee rund um den Stamm entweicht,
Soweit des Baumes Wurzel reicht.
Die Schneeglocken hocken da rund in Scharen
Begrüßt von den Staren.
Auf graslosem Boden bloß Keim bei Keim,
Beim kahlen Baum duftet's nach Honigseim,
Es duftet nach Liebe, dem Frost entronnen,
Erste Blüte und letzter Schnee sich dort sonnen.
Dauthendey, Max (1867-1918)
Die Baumstämme werden wie Menschen jetzt warm,
Sie nehmen den Sonnenschein gern in den Arm.
Der Schnee rund um den Stamm entweicht,
Soweit des Baumes Wurzel reicht.
Die Schneeglocken hocken da rund in Scharen
Begrüßt von den Staren.
Auf graslosem Boden bloß Keim bei Keim,
Beim kahlen Baum duftet's nach Honigseim,
Es duftet nach Liebe, dem Frost entronnen,
Erste Blüte und letzter Schnee sich dort sonnen.
Dauthendey, Max (1867-1918)
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18 Mär 2018 07:53 #16764
von Kaninchen
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