Gedichte

Mehr
30 Aug 2024 13:30 #49442 von Kaninchen
  te

Es ist so still; die Heide liegt
Im warmen Mittagssonnenstrahle,
Ein rosenroter Schimmer fliegt
Um ihre alten Gräbermale;
Die Kräuter blühn; der Heideduft
Steigt in die blaue Sommerluft.

Laufkäfer hasten durchs Gesträuch
In ihren goldnen Panzerröckchen,
Die Bienen hängen Zweig um Zweig
Sich an der Edelheide Glöckchen,
Die Vögel schwirren aus dem Kraut -
Die Luft ist voller Lerchenlaut.

Ein halbverfallen niedrig Haus
Steht einsam hier und sonnbeschienen;
Der Kätner lehnt zur Tür hinaus,
Behaglich blinzelnd nach den Bienen;
Sein Junge auf dem Stein davor
Schnitzt Pfeifen sich aus Kälberrohr.

Kaum zittert durch die Mittagsruh
Ein Schlag der Dorfuhr, der entfernten;
Dem Alten fällt die Wimper zu,
Er träumt von seinen Honigernten.
- Kein Klang der aufgeregten Zeit
Drang noch in diese Einsamkeit.

Theodor Storm

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Mehr
31 Aug 2024 11:24 #49451 von Kaninchen
 

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Mehr
01 Sep 2024 13:44 #49465 von Kaninchen
 

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Mehr
02 Sep 2024 13:08 #49480 von Kaninchen
 

Sommermittag

Nun ist es still um Hof und Scheuer,
Und in der Mühle ruht der Stein;
Der Birnenbaum mit blanken Blättern
Steht regungslos im Sonnenschein.
Die Bienen summen so verschlafen;
Und in der offnen Bodenluk',
Benebelt von dem Duft des Heues,
Im grauen Röcklein nickt der Puk.

Der Müller schnarcht und das Gesinde,
Und nur die Tochter wacht im Haus;
Die lachet still und zieht sich heimlich
Fürsichtig die Pantoffeln aus.

Sie geht und weckt den Müllerburschen,
Der kaum den schweren Augen traut:
"Nun küsse mich, verliebter Junge;
Doch sauber, sauber! nicht zu laut."

Theodor Storm

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Mehr
04 Sep 2024 13:07 #49507 von Kaninchen
 

Das Gedicht „Abend wird es wieder“ stammt aus der Feder von Hoffmann von Fallersleben.

Abend wird es wieder,
über Wald und Feld
legt sich Frieden nieder,
und es ruht die Welt.

Nur der Bach ergießet
sich am Felsen dort,
und er braust und fließet,
immer, immer fort.

Und kein Abend bringet
Frieden ihm und Ruh,
keine Glocke klinget
ihm ein Nachtlied zu.

So in deinem Streben
bist, mein Herz auch du,
Gott nur kann dir geben,
wahre Abendruh.

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Mehr
06 Sep 2024 13:17 #49530 von Kaninchen
 

Das Gedicht „Das Krokodil“ stammt aus der Feder von Hermann Lingg.

Im heil′gen Teich zu Singapur,
Da liegt ein altes Krokodil
Von äußerst grämlicher Natur
Und kaut an einem Lotosstiel.

Es ist ganz alt und völlig blind,
Und wenn es einmal friert des Nachts,
So weint es wie ein kleines Kind,
Doch wenn ein schöner Tag ist, lacht′s.

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Ladezeit der Seite: 0.186 Sekunden
Powered by Kunena Forum