Gedichte
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08 Jun 2025 13:15 #52817
von Kaninchen
JOACHIM RINGELNATZ
Pfingstbestellung
Ein Pfingstgedichtchen will heraus
Ins Freie, ins Kühne.
So treibt es mich aus meinem Haus
Ins Neue, ins Grüne.
Wenn sich der Himmel grau bezieht,
Mich stört’s nicht im geringsten.
Wer meine weiße Hose sieht,
Der merkt doch: Es ist Pfingsten.
Nun hab ich ein Gedicht gedrückt,
Wie Hühner Eier legen,
Und gehe festlich und geschmückt –
Pfingstochse meinetwegen –
Dem Honorar entgegen.
1932
JOACHIM RINGELNATZ
Pfingstbestellung
Ein Pfingstgedichtchen will heraus
Ins Freie, ins Kühne.
So treibt es mich aus meinem Haus
Ins Neue, ins Grüne.
Wenn sich der Himmel grau bezieht,
Mich stört’s nicht im geringsten.
Wer meine weiße Hose sieht,
Der merkt doch: Es ist Pfingsten.
Nun hab ich ein Gedicht gedrückt,
Wie Hühner Eier legen,
Und gehe festlich und geschmückt –
Pfingstochse meinetwegen –
Dem Honorar entgegen.
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09 Jun 2025 18:15 #52827
von Kaninchen
Gottfried Keller
Berliner Pfingsten
Heute sah ich ein Gesicht,
Wonnevoll zu deuten:
In dem frühen Pfingstenlicht
Und beim Glockenläuten
Schritten Weiber drei einher,
Feierlich im Gange,
Wäscherinnen, fest und schwer!
Jede trug 'ne Stange.
Mädchensommerkleider drei
Flaggten von den Stangen;
Schönre Fahnen, stolz und frei,
Als je Krieger schwangen,
Blau und weiß und rot gestreift,
Wunderbar beflügelt,
Frisch gewaschen und gesteift,
Tadellos gebügelt.
Lustig blies der Wind, der Schuft,
Lenden auf und Büste,
Und von frischer Morgenluft
Blähten sich die Brüste!
Und ich sang, als ich gesehn
Ferne sie entschweben:
Auf und laßt die Fahnen wehn,
Schön ist doch das Leben!
Gottfried Keller
Berliner Pfingsten
Heute sah ich ein Gesicht,
Wonnevoll zu deuten:
In dem frühen Pfingstenlicht
Und beim Glockenläuten
Schritten Weiber drei einher,
Feierlich im Gange,
Wäscherinnen, fest und schwer!
Jede trug 'ne Stange.
Mädchensommerkleider drei
Flaggten von den Stangen;
Schönre Fahnen, stolz und frei,
Als je Krieger schwangen,
Blau und weiß und rot gestreift,
Wunderbar beflügelt,
Frisch gewaschen und gesteift,
Tadellos gebügelt.
Lustig blies der Wind, der Schuft,
Lenden auf und Büste,
Und von frischer Morgenluft
Blähten sich die Brüste!
Und ich sang, als ich gesehn
Ferne sie entschweben:
Auf und laßt die Fahnen wehn,
Schön ist doch das Leben!
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10 Jun 2025 17:42 #52836
von Kaninchen
Bierbaum, Otto
Wenn im Sommer der rote Mohn
wieder glüht im gelben Korn,
wenn des Finken süßer Ton
wieder lockt im Hagedorn,
wenn es wieder weit und breit
feierklar und fruchtstill ist,
dann erfüllt sich uns die Zeit,
die mit vollen Massen misst.
Dann verebbt, was uns bedroht,
dann verweht, was uns bedrückt,
über dem Schlangenkopf der Not
ist das Sonnenschwert gezückt.
Glaube nur, es wird geschehn!
Wende nicht den Blick zurück!
Wenn die Sommerwinde wehn,
werden wir in Rosen gehn,
und die Sonne lacht uns Glück!
Bierbaum, Otto
Wenn im Sommer der rote Mohn
wieder glüht im gelben Korn,
wenn des Finken süßer Ton
wieder lockt im Hagedorn,
wenn es wieder weit und breit
feierklar und fruchtstill ist,
dann erfüllt sich uns die Zeit,
die mit vollen Massen misst.
Dann verebbt, was uns bedroht,
dann verweht, was uns bedrückt,
über dem Schlangenkopf der Not
ist das Sonnenschwert gezückt.
Glaube nur, es wird geschehn!
Wende nicht den Blick zurück!
Wenn die Sommerwinde wehn,
werden wir in Rosen gehn,
und die Sonne lacht uns Glück!
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11 Jun 2025 18:40 - 11 Jun 2025 18:44 #52853
von Kaninchen
Ein paar Heckenrosen
Max Dauthendey
Ein paar Heckenrosen,
die ich gestern für dich im Mondschein gepflückt,
Stehen heute rosig im Glas, wie von deiner Nähe entzückt.
Gestern stahl sich kaum ihre Blässe in die bläuliche Nacht,
Sie waren in Dämmerdunkel noch nicht für dich erwacht.
Sie waren noch Schwestern der Blätter und Büsche gestern,
Heute sind sie deines Lächelns und deiner Wangen Schwestern.
Die Rosen, wenn in die Nähe verliebter Augen kommen,
Sind nicht wie Vögel, denen die Freiheit genommen, und die man gefangen,
Die Rosen werden erst Rosen in der Nähe errötender Wangen.
Ein paar Heckenrosen
Max Dauthendey
Ein paar Heckenrosen,
die ich gestern für dich im Mondschein gepflückt,
Stehen heute rosig im Glas, wie von deiner Nähe entzückt.
Gestern stahl sich kaum ihre Blässe in die bläuliche Nacht,
Sie waren in Dämmerdunkel noch nicht für dich erwacht.
Sie waren noch Schwestern der Blätter und Büsche gestern,
Heute sind sie deines Lächelns und deiner Wangen Schwestern.
Die Rosen, wenn in die Nähe verliebter Augen kommen,
Sind nicht wie Vögel, denen die Freiheit genommen, und die man gefangen,
Die Rosen werden erst Rosen in der Nähe errötender Wangen.
Letzte Änderung: 11 Jun 2025 18:44 von Kaninchen.
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13 Jun 2025 18:02 #52867
von Kaninchen
Die Affen
Wilhelm Busch
Der Bauer sprach zu seinem Jungen:
Heut in der Stadt, da wirst du gaffen.
Wir fahren hin und seh’n die Affen.
Es ist gelungen
Und um sich schief zu lachen,
Was die für Streiche machen
Und für Gesichter
Wie rechte Bösewichter.
Sie krauen sich,
Sie zausen sich,
Sie hauen sich,
Sie lausen sich,
Beschnuppern dies, beknuppern das,
Und keiner gönnt dem andern was,
Und essen tun sie mit der Hand,
Und alles tun sie mit Verstand,
Und jeder stiehlt als wie ein Rabe.
Paß auf, das siehst du heute.
O Vater, rief der Knabe,
Sind Affen denn auch Leute?
Der Vater sprach: Nun ja,
Nicht ganz, doch so beinah.
Die Affen
Wilhelm Busch
Der Bauer sprach zu seinem Jungen:
Heut in der Stadt, da wirst du gaffen.
Wir fahren hin und seh’n die Affen.
Es ist gelungen
Und um sich schief zu lachen,
Was die für Streiche machen
Und für Gesichter
Wie rechte Bösewichter.
Sie krauen sich,
Sie zausen sich,
Sie hauen sich,
Sie lausen sich,
Beschnuppern dies, beknuppern das,
Und keiner gönnt dem andern was,
Und essen tun sie mit der Hand,
Und alles tun sie mit Verstand,
Und jeder stiehlt als wie ein Rabe.
Paß auf, das siehst du heute.
O Vater, rief der Knabe,
Sind Affen denn auch Leute?
Der Vater sprach: Nun ja,
Nicht ganz, doch so beinah.
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14 Jun 2025 12:32 #52880
von Kaninchen
Hummel
Ein Gedicht von Hans Josef Rommerskirchen
Bimmel, Bammel, Bummel,
es Flog einst eine Hummel,
ein kleines ungetümchen,
sie flog auf alle Blümchen.
Bummel, Bimmel, Bammel,
und ärgerte den Hammel,
auch ärgerte sie immerzu,
auf der wies die arme Kuh.
Sie flog mit ach so großer freut,
über alle wiesen Leut,
und naschte an allen Blüten,
und reckte sich mit Wonne,,
in der warmen Sonne,
und passt nicht auf tat sich nicht hüten,
auf einer Blüt' hat sie gesessen,
da hat ein Vöglein sie gefressen,
Bummel, Bammel, Bimmel,
nun fliegt sie ob im Himmel.
Hummel
Ein Gedicht von Hans Josef Rommerskirchen
Bimmel, Bammel, Bummel,
es Flog einst eine Hummel,
ein kleines ungetümchen,
sie flog auf alle Blümchen.
Bummel, Bimmel, Bammel,
und ärgerte den Hammel,
auch ärgerte sie immerzu,
auf der wies die arme Kuh.
Sie flog mit ach so großer freut,
über alle wiesen Leut,
und naschte an allen Blüten,
und reckte sich mit Wonne,,
in der warmen Sonne,
und passt nicht auf tat sich nicht hüten,
auf einer Blüt' hat sie gesessen,
da hat ein Vöglein sie gefressen,
Bummel, Bammel, Bimmel,
nun fliegt sie ob im Himmel.
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