Gedichte
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29 Mai 2019 07:26 #23420
von Kaninchen
Dunkel war's, der Mond schien helle,
schneebedeckt die grüne Flur,
als ein Wagen blitzesschnelle
langsam um die Ecke fuhr.
Drinnen saßen stehend Leute,
schweigend ins Gespräch vertieft,
als ein totgeschoss'ner Hase
auf der Sandbank Schlittschuh lief.
Und auf einer grünen Bank,
die rot angestrichen war,
saß ein blondgelockter Jüngling
mit kohlrabenschwarzem Haar.
Neben ihm 'ne alte Schrulle,
zählte kaum erst sechzehn Jahr',
in der Hand 'ne Butterstulle,
die mit Schmalz bestrichen war.
Droben auf dem Apfelbaume,
der sehr süße Birnen trug,
hing des Frühlings letzte Pflaume
und an Nüssen noch genug.
schneebedeckt die grüne Flur,
als ein Wagen blitzesschnelle
langsam um die Ecke fuhr.
Drinnen saßen stehend Leute,
schweigend ins Gespräch vertieft,
als ein totgeschoss'ner Hase
auf der Sandbank Schlittschuh lief.
Und auf einer grünen Bank,
die rot angestrichen war,
saß ein blondgelockter Jüngling
mit kohlrabenschwarzem Haar.
Neben ihm 'ne alte Schrulle,
zählte kaum erst sechzehn Jahr',
in der Hand 'ne Butterstulle,
die mit Schmalz bestrichen war.
Droben auf dem Apfelbaume,
der sehr süße Birnen trug,
hing des Frühlings letzte Pflaume
und an Nüssen noch genug.
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29 Mai 2019 08:26 #23425
von Feschtbrueder
Humor ist, wenn man trotzdem lacht! Lachen ist die beste Medizin!
Der Mond
Als Gott den lieben Mond erschuf,
gab er ihm folgenden Beruf:
Beim Zu- sowohl wie beim Abnehmen
sich deutschen Lesern zu bequemen,
ein [A] formierend und ein [Z] –
dass keiner gross zu denken hätt.
Befolgend dies, ward der Trabant
ein völlig deutscher Gegenstand.
Christian Morgenstern
Als Gott den lieben Mond erschuf,
gab er ihm folgenden Beruf:
Beim Zu- sowohl wie beim Abnehmen
sich deutschen Lesern zu bequemen,
ein [A] formierend und ein [Z] –
dass keiner gross zu denken hätt.
Befolgend dies, ward der Trabant
ein völlig deutscher Gegenstand.
Christian Morgenstern
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30 Mai 2019 08:07 #23443
von Kaninchen
»Manch ein schwer Problema hab' ich
Prüfend in dem Katerherzen
Schon erwogen und ergründet,
Aber eins bleibt ungelöst mir,
Ungelöst und unbegriffen:
Warum küssen sich die Menschen?
's ist nicht Haß, sie beißen nicht,
Hunger nicht, sie fressen sich nicht.
's kann auch kein zweckloser, blinder
Unverstand sein, denn sie sind sonst
Klug und selbstbewußt im Handeln,
Warum also, frag' umsonst ich,
Warum küssen sich die Menschen;
Warum meistens nur die jüngern?
Warum diese meist im Frühling?
Über diese Punkte werd' ich
Morgen auf des Daches Giebel
Etwas näher meditieren.«
Joseph Victor von Scheffel (1826 - 1886), deutscher Schriftsteller, Romanautor, Kommerslieder
Quelle: Scheffel, Der Trompeter von Säckingen, 1854
»Manch ein schwer Problema hab' ich
Prüfend in dem Katerherzen
Schon erwogen und ergründet,
Aber eins bleibt ungelöst mir,
Ungelöst und unbegriffen:
Warum küssen sich die Menschen?
's ist nicht Haß, sie beißen nicht,
Hunger nicht, sie fressen sich nicht.
's kann auch kein zweckloser, blinder
Unverstand sein, denn sie sind sonst
Klug und selbstbewußt im Handeln,
Warum also, frag' umsonst ich,
Warum küssen sich die Menschen;
Warum meistens nur die jüngern?
Warum diese meist im Frühling?
Über diese Punkte werd' ich
Morgen auf des Daches Giebel
Etwas näher meditieren.«
Joseph Victor von Scheffel (1826 - 1886), deutscher Schriftsteller, Romanautor, Kommerslieder
Quelle: Scheffel, Der Trompeter von Säckingen, 1854
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31 Mai 2019 08:22 #23459
von Kaninchen
Ach, armer Paul
Sass im Fegefeuer eine arme Seele,
Die nicht klagte ob der eignen Schmerzen,
Sondern unablässig seufzend rief sie
Einzig immer: "Paul, ach, armer Paul!"
Als vom Himmel nun ein lichter Engel
Niederschwebte, mildiglich zu trösten
Die so viel gequälten armen Seelen,
Blieb doch diese eine stets untröstlich,
Rief nur immer: "Paul ach, armer Paul!"
Und es fragte sie der Engel, liebreich
Kühlung hauchend in die Feuersflammen:
"Sprich, was fehlt dir liebe, arme Seele?"
Und sie sprach: "Ich liess zurück auf Erden
Meinen theuren guten Mann untröstlich.
Er verzehrt in Jammer sich und Klagen,
Einmal nur, ach, nur noch einmal’ möcht’ ich
Wiederkehren auf ein Viertelstündlein,
Trost zu bringen seinen wilden Schmerzen."
"Nun, wohlan, es sei!" so sprach der Engel,
"Aber tausend Jahre länger musst du
Dann in Fegefeuerflammen büssen."
"Gern, und wären’s hunderttausend Jahre"
Und der Engel löste nun die Ketten,
Nahm das Seelchen in die weissen Arme,
Flog mit ihm zur alten Erdenheimath.
Aber weh, du liebe arme Seele,
Weh, im Kreise wüster Zechgenossen
Und von einer Dirne Arm umschlungen
Fand sie jenen, den ihr Herz begehrte.
"Lieber guter Engel," sprach sie tonlos,
"Führe mich zurück ins Fegefeuer!"
Milde strahlte nun des Engels Antlitz:
"Mehr als tausend Jahre Feuersqualen
Hast du hier im Augenblick erduldet!"
Sprach’s und trug mit sanftem Arm sie aufwärts
Zu des Himmelreiches goldnen Höhn! -
Heinrich Seidel
Sass im Fegefeuer eine arme Seele,
Die nicht klagte ob der eignen Schmerzen,
Sondern unablässig seufzend rief sie
Einzig immer: "Paul, ach, armer Paul!"
Als vom Himmel nun ein lichter Engel
Niederschwebte, mildiglich zu trösten
Die so viel gequälten armen Seelen,
Blieb doch diese eine stets untröstlich,
Rief nur immer: "Paul ach, armer Paul!"
Und es fragte sie der Engel, liebreich
Kühlung hauchend in die Feuersflammen:
"Sprich, was fehlt dir liebe, arme Seele?"
Und sie sprach: "Ich liess zurück auf Erden
Meinen theuren guten Mann untröstlich.
Er verzehrt in Jammer sich und Klagen,
Einmal nur, ach, nur noch einmal’ möcht’ ich
Wiederkehren auf ein Viertelstündlein,
Trost zu bringen seinen wilden Schmerzen."
"Nun, wohlan, es sei!" so sprach der Engel,
"Aber tausend Jahre länger musst du
Dann in Fegefeuerflammen büssen."
"Gern, und wären’s hunderttausend Jahre"
Und der Engel löste nun die Ketten,
Nahm das Seelchen in die weissen Arme,
Flog mit ihm zur alten Erdenheimath.
Aber weh, du liebe arme Seele,
Weh, im Kreise wüster Zechgenossen
Und von einer Dirne Arm umschlungen
Fand sie jenen, den ihr Herz begehrte.
"Lieber guter Engel," sprach sie tonlos,
"Führe mich zurück ins Fegefeuer!"
Milde strahlte nun des Engels Antlitz:
"Mehr als tausend Jahre Feuersqualen
Hast du hier im Augenblick erduldet!"
Sprach’s und trug mit sanftem Arm sie aufwärts
Zu des Himmelreiches goldnen Höhn! -
Heinrich Seidel
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04 Jun 2019 07:39 #23502
von Kaninchen
Ob ich morgen leben werde
Ob ich morgen leben werde,
weiss ich freilich nicht;
aber wenn ich morgen lebe,
dass ich morgen trinken werde,
weiss ich ganz gewiss!
Gotthold Ephraim Lessing
Ob ich morgen leben werde,
weiss ich freilich nicht;
aber wenn ich morgen lebe,
dass ich morgen trinken werde,
weiss ich ganz gewiss!
Gotthold Ephraim Lessing
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05 Jun 2019 07:25 #23508
von Kaninchen
Sehnsucht
Es schienen so golden die Sterne,
Am Fenster ich einsam stand
Und hörte aus weiter Ferne
Ein Posthorn im stillen Land.
Das Herz mir im Leib entbrennte,
Da hab ich mir heimlich gedacht:
Ach, wer da mitreisen könnte
In der prächtigen Sommernacht!
Zwei junge Gesellen gingen
Vorüber am Bergeshang,
Ich hörte im Wandern sie singen
Die stille Gegend entlang:
Von schwindelnden Felsenschlüften,
Wo die Wälder rauschen so sacht,
Von Quellen, die von den Klüften
Sich stürzen in die Waldesnacht.
Sie sangen von Marmorbildern,
Von Gärten, die überm Gestein
In dämmernden Lauben verwildern,
Palästen im Mondenschein,
Wo die Mädchen am Fenster lauschen,
Wann der Lauten Klang erwacht
Und die Brunnen verschlafen rauschen
In der prächtigen Sommernacht. -
Joseph von Eichendorff
Sehnsucht
Es schienen so golden die Sterne,
Am Fenster ich einsam stand
Und hörte aus weiter Ferne
Ein Posthorn im stillen Land.
Das Herz mir im Leib entbrennte,
Da hab ich mir heimlich gedacht:
Ach, wer da mitreisen könnte
In der prächtigen Sommernacht!
Zwei junge Gesellen gingen
Vorüber am Bergeshang,
Ich hörte im Wandern sie singen
Die stille Gegend entlang:
Von schwindelnden Felsenschlüften,
Wo die Wälder rauschen so sacht,
Von Quellen, die von den Klüften
Sich stürzen in die Waldesnacht.
Sie sangen von Marmorbildern,
Von Gärten, die überm Gestein
In dämmernden Lauben verwildern,
Palästen im Mondenschein,
Wo die Mädchen am Fenster lauschen,
Wann der Lauten Klang erwacht
Und die Brunnen verschlafen rauschen
In der prächtigen Sommernacht. -
Joseph von Eichendorff
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