Gedichte
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22 Sep 2020 07:32 #31232
von Kaninchen
Zu dir
Sie sprangen aus rasender Eisenbahn
Und haben sich gar nicht weh getan.
Sie wanderten über Geleise,
Und wenn ein Zug sie überfuhr,
Dann knirschte nichts. Sie lachten nur.
Und weiter ging die Reise.
Sie schritten durch eine steinerne Wand,
Durch Stacheldrähte und Wüstenbrand,
Durch Grenzverbote und Schranken
Und durch ein vorgehaltnes Gewehr,
Durchzogen viele Meilen Meer. –
Meine Gedanken. –
Ihr Kurs ging durch, ging nie vorbei.
Und als sie dich erreichten,
Da zitterten sie und erbleichten
Und fühlten sich doch unsagbar frei.
Joachim Ringelnatz
Zu dir
Sie sprangen aus rasender Eisenbahn
Und haben sich gar nicht weh getan.
Sie wanderten über Geleise,
Und wenn ein Zug sie überfuhr,
Dann knirschte nichts. Sie lachten nur.
Und weiter ging die Reise.
Sie schritten durch eine steinerne Wand,
Durch Stacheldrähte und Wüstenbrand,
Durch Grenzverbote und Schranken
Und durch ein vorgehaltnes Gewehr,
Durchzogen viele Meilen Meer. –
Meine Gedanken. –
Ihr Kurs ging durch, ging nie vorbei.
Und als sie dich erreichten,
Da zitterten sie und erbleichten
Und fühlten sich doch unsagbar frei.
Joachim Ringelnatz
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23 Sep 2020 16:13 - 23 Sep 2020 16:16 #31252
von Kaninchen
An M.
Der du meine Wege mit mir gehst,
Jede Laune meiner Wimper spürst,
Meine Schlechtigkeiten duldest und verstehst – –.
Weißt du wohl, wie heiß du oft mich rührst?
Wenn ich tot bin, darfst du gar nicht trauern.
Meine Liebe wird mich überdauern
Und in fremden Kleidern dir begegnen
Und dich segnen.
Lebe, lache gut!
Mache deine Sache gut!
Ich kann dreistimmig singen - laut, falsch, und mit Begeisterung
Kabarettist, Schriftsteller, Maler: Joachim Ringelnatz war ein Multitalent.
Der du meine Wege mit mir gehst,
Jede Laune meiner Wimper spürst,
Meine Schlechtigkeiten duldest und verstehst – –.
Weißt du wohl, wie heiß du oft mich rührst?
Wenn ich tot bin, darfst du gar nicht trauern.
Meine Liebe wird mich überdauern
Und in fremden Kleidern dir begegnen
Und dich segnen.
Lebe, lache gut!
Mache deine Sache gut!
Ich kann dreistimmig singen - laut, falsch, und mit Begeisterung
Kabarettist, Schriftsteller, Maler: Joachim Ringelnatz war ein Multitalent.
Letzte Änderung: 23 Sep 2020 16:16 von Kaninchen.
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24 Sep 2020 14:36 #31274
von Kaninchen
Der Narr
Der Narr macht seine Reverenz,
Der gute derbe Geselle!
Ihr hörtet wohl von weitem schon
Das Rauschen seiner Schelle.
Als alter Hausfreund bin ich ja
Notwendig bei dem Feste;
Denn hörtet ihr die Klapper nicht,
Euch fehlte doch das Beste.
Ein tücht'ger Kerl hat seinen Sparrn!
Das ist unwiderleglich;
Und hat das Haus nicht seinen Narrn,
So wird es öd und kläglich.
Hier war ich manchen guten Tag
Gastfreundlich aufgenommen;
Heil diesem vielbeglückten Haus,
Wo auch der Narr willkommen !
Theodor Storm
Der Narr
Der Narr macht seine Reverenz,
Der gute derbe Geselle!
Ihr hörtet wohl von weitem schon
Das Rauschen seiner Schelle.
Als alter Hausfreund bin ich ja
Notwendig bei dem Feste;
Denn hörtet ihr die Klapper nicht,
Euch fehlte doch das Beste.
Ein tücht'ger Kerl hat seinen Sparrn!
Das ist unwiderleglich;
Und hat das Haus nicht seinen Narrn,
So wird es öd und kläglich.
Hier war ich manchen guten Tag
Gastfreundlich aufgenommen;
Heil diesem vielbeglückten Haus,
Wo auch der Narr willkommen !
Theodor Storm
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25 Sep 2020 07:15 #31292
von Kaninchen
Herbst
Rings ein Verstummen, ein Entfärben:
Wie sanft den Wald die Lüfte streicheln,
Sein welkes Laub ihm abzuschmeicheln;
Ich liebe dieses milde Sterben.
Von hinnen geht die stille Reise,
Die Zeit der Liebe ist verklungen,
Die Vögel haben ausgesungen,
Und dürre Blätter sinken leise.
Die Vögel zogen nach dem Süden,
Aus dem Verfall des Laubes tauchen
Die Nester, die nicht Schutz mehr brauchen,
Die Blätter fallen stets, die müden.
In dieses Waldes leisem Rauschen
Ist mir als hör' ich Kunde wehen,
dass alles Sterben und Vergehen
Nur heimlich still vergnügtes Tauschen.
Nikolaus Lenau
(1802 - 1850)
eigentlich Nikolaus Franz Niembsch, Edler von Strehlenau
österreichischer Dichter und melancholischer Lyriker
Herbst
Rings ein Verstummen, ein Entfärben:
Wie sanft den Wald die Lüfte streicheln,
Sein welkes Laub ihm abzuschmeicheln;
Ich liebe dieses milde Sterben.
Von hinnen geht die stille Reise,
Die Zeit der Liebe ist verklungen,
Die Vögel haben ausgesungen,
Und dürre Blätter sinken leise.
Die Vögel zogen nach dem Süden,
Aus dem Verfall des Laubes tauchen
Die Nester, die nicht Schutz mehr brauchen,
Die Blätter fallen stets, die müden.
In dieses Waldes leisem Rauschen
Ist mir als hör' ich Kunde wehen,
dass alles Sterben und Vergehen
Nur heimlich still vergnügtes Tauschen.
Nikolaus Lenau
(1802 - 1850)
eigentlich Nikolaus Franz Niembsch, Edler von Strehlenau
österreichischer Dichter und melancholischer Lyriker
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26 Sep 2020 07:47 #31310
von Kaninchen
van Gogh: Weizenfeld mit Zypressen, Saint-Remy, Ende Juni 1889
Erinnerung
Es flüstert in den Cypressen
Am verfallenen Gartenthor;
Wie kann, wer einst dich besessen,
Vergessen,
Was er an dir verlor!
Es weht um die Lauben, die düstern,
Wie verhaltene Sehnsucht nach dir ...
Ich höre ein Grüßen und Flüstern,
So lüstern,
Als wohntest du noch hier.
Heinrich Leuthold
1827 - 1879
Schweizer Dichter und Epiker, Mitglied des Münchner Dichterkreises und Übersetzer französischer Lyrik
van Gogh: Weizenfeld mit Zypressen, Saint-Remy, Ende Juni 1889
Erinnerung
Es flüstert in den Cypressen
Am verfallenen Gartenthor;
Wie kann, wer einst dich besessen,
Vergessen,
Was er an dir verlor!
Es weht um die Lauben, die düstern,
Wie verhaltene Sehnsucht nach dir ...
Ich höre ein Grüßen und Flüstern,
So lüstern,
Als wohntest du noch hier.
Heinrich Leuthold
1827 - 1879
Schweizer Dichter und Epiker, Mitglied des Münchner Dichterkreises und Übersetzer französischer Lyrik
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27 Sep 2020 08:33 #31329
von Kaninchen
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