Gedichte
- Kaninchen
-
- Offline
- Platinum Boarder
-
Weniger
Mehr
- Beiträge: 28354
04 Okt 2020 08:11 #31468
von Kaninchen
Gründliche Heilung
Es saß der fromme Meister
Mit Weib und Kind bei Tisch.
Ach, seine Lebensgeister
Sind nicht wie sonst so frisch.
Er sitzt mit krummem Nacken
Vor seinem Leibgericht,
Er hält sich beide Backen,
Worin es heftig sticht.
Das brennt wie heiße Kohlen.
Au, schreit er, au, verdammt!
Der Teufel soll sie holen,
Die Zähne allesamt!
Doch gleich, wie es in Nöten
Wohl öfter schon geschah,
Begann er laut zu beten:
Hilf, Apollonia!
Kaum, daß aus voller Seele
Er diesen Spruch getan,
Fällt aus des Mundes Höhle
Ihm plötzlich jeder Zahn.
Und schmerzlos, Dank dem Himmel,
Schmaust er, wie 's sonst der Brauch,
Nur war es mehr Gemümmel,
Und lispeln tät er auch.
Pohsit! Wie klingt so niedlich
Des Meisters Säuselton.
Er trank, entschlummert friedlich,
Und horch, da schnarcht er schon.
Wilhelm Busch
Es saß der fromme Meister
Mit Weib und Kind bei Tisch.
Ach, seine Lebensgeister
Sind nicht wie sonst so frisch.
Er sitzt mit krummem Nacken
Vor seinem Leibgericht,
Er hält sich beide Backen,
Worin es heftig sticht.
Das brennt wie heiße Kohlen.
Au, schreit er, au, verdammt!
Der Teufel soll sie holen,
Die Zähne allesamt!
Doch gleich, wie es in Nöten
Wohl öfter schon geschah,
Begann er laut zu beten:
Hilf, Apollonia!
Kaum, daß aus voller Seele
Er diesen Spruch getan,
Fällt aus des Mundes Höhle
Ihm plötzlich jeder Zahn.
Und schmerzlos, Dank dem Himmel,
Schmaust er, wie 's sonst der Brauch,
Nur war es mehr Gemümmel,
Und lispeln tät er auch.
Pohsit! Wie klingt so niedlich
Des Meisters Säuselton.
Er trank, entschlummert friedlich,
Und horch, da schnarcht er schon.
Wilhelm Busch
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
- Kaninchen
-
- Offline
- Platinum Boarder
-
Weniger
Mehr
- Beiträge: 28354
05 Okt 2020 07:11 #31491
von Kaninchen
Quelle: Franz-Voneisen Junggesellenbrevier. Gesammelte Aphorismen über Frauen, Liebe und Ehe
Das großformatige Gemälde dürfte, wie auch Botticellis Primavera, eine Auftragsarbeit für Lorenzo di Pierfrancesco de’ Medicis Villa di Castello gewesen sein und eine Huldigung an die Liebe des Giuliano di Piero de’ Medici zu Simonetta Vespucci, deren Gesicht es vermutlich darstellt.
Giorgio Vasari beschreibt das Bild in den Vite als „Venus, die geboren wird, mit den Lüftchen und Winden, die sie auf die Erde bringen …“.
Venus flocht den Frauen allen
Eine Perle in das Leben.
Schönheit hat sie hold der Einen,
Anmut – Majestät und Güte –
Zauber – ros'ge Tugendblüte,
Liebreiz noch im trotz'gen Weinen,
Einer Andern zu gefallen,
Gnädig mit zur Welt gegeben. –
Aber Auserkor'nen nur im Lieben
Hat sie Treue in das Herz geschrieben.
Unbekannt
Eine Perle in das Leben.
Schönheit hat sie hold der Einen,
Anmut – Majestät und Güte –
Zauber – ros'ge Tugendblüte,
Liebreiz noch im trotz'gen Weinen,
Einer Andern zu gefallen,
Gnädig mit zur Welt gegeben. –
Aber Auserkor'nen nur im Lieben
Hat sie Treue in das Herz geschrieben.
Unbekannt
Quelle: Franz-Voneisen Junggesellenbrevier. Gesammelte Aphorismen über Frauen, Liebe und Ehe
Das großformatige Gemälde dürfte, wie auch Botticellis Primavera, eine Auftragsarbeit für Lorenzo di Pierfrancesco de’ Medicis Villa di Castello gewesen sein und eine Huldigung an die Liebe des Giuliano di Piero de’ Medici zu Simonetta Vespucci, deren Gesicht es vermutlich darstellt.
Giorgio Vasari beschreibt das Bild in den Vite als „Venus, die geboren wird, mit den Lüftchen und Winden, die sie auf die Erde bringen …“.
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
- Kaninchen
-
- Offline
- Platinum Boarder
-
Weniger
Mehr
- Beiträge: 28354
06 Okt 2020 07:36 #31514
von Kaninchen
Trauben, die ess' ich gern
Trauben, die ess' ich gern,
Das kannst du glauben,
Süßer als Mandelkern
Schmecken die Trauben.
Trauben hol mir geschwind,
Hole mir Trauben.
Dass sie gegessen sind,
Kann ich nicht glauben.
Mutter, an dem Spalier
Und an den Lauben,
Überall, da und hier
Gibt es noch Trauben.
Trauben, die ess' ich gern,
Das kannst du glauben,
Süßer als Mandelkern
Schmecken die Trauben.
August Heinrich Hoffmann von Fallersleben
Trauben, die ess' ich gern
Trauben, die ess' ich gern,
Das kannst du glauben,
Süßer als Mandelkern
Schmecken die Trauben.
Trauben hol mir geschwind,
Hole mir Trauben.
Dass sie gegessen sind,
Kann ich nicht glauben.
Mutter, an dem Spalier
Und an den Lauben,
Überall, da und hier
Gibt es noch Trauben.
Trauben, die ess' ich gern,
Das kannst du glauben,
Süßer als Mandelkern
Schmecken die Trauben.
August Heinrich Hoffmann von Fallersleben
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
- Kaninchen
-
- Offline
- Platinum Boarder
-
Weniger
Mehr
- Beiträge: 28354
07 Okt 2020 07:10 #31538
von Kaninchen
Spätherbst
Theodor Fontane
Schon mischt sich Rot in der Blätter Grün,
Reseden und Astern im Verblühn,
Die Trauben geschnitten, der Hafer gemäht,
Der Herbst ist da, das Jahr wird spät.
Und doch (ob Herbst auch) die Sonne glüht -
Weg drum mit der Schwermut aus deinem Gemüt!
Banne die Sorge, genieße, was frommt,
Eh Stille, Schnee und Winter kommt.
Spätherbst
Theodor Fontane
Schon mischt sich Rot in der Blätter Grün,
Reseden und Astern im Verblühn,
Die Trauben geschnitten, der Hafer gemäht,
Der Herbst ist da, das Jahr wird spät.
Und doch (ob Herbst auch) die Sonne glüht -
Weg drum mit der Schwermut aus deinem Gemüt!
Banne die Sorge, genieße, was frommt,
Eh Stille, Schnee und Winter kommt.
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
- Kaninchen
-
- Offline
- Platinum Boarder
-
Weniger
Mehr
- Beiträge: 28354
08 Okt 2020 07:10 #31555
von Kaninchen
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
- Kaninchen
-
- Offline
- Platinum Boarder
-
Weniger
Mehr
- Beiträge: 28354
09 Okt 2020 07:11 #31576
von Kaninchen
Der Wanderer an den Mond
Ich auf der Erd', am Himmel du,
Wir wandern beide rüstig zu:
Ich ernst und trüb, du mild und rein,
Was mag der Unterschied wohl sein?
Ich wandre fremd von Land zu Land,
So heimatlos, so unbekannt;
Berg auf, Berg ab, Wald ein, Wald aus,
Doch bin ich nirgend, ach! zu Haus.
Du aber wanderst auf und ab
Aus Ostens Wieg' in Westens Grab,
Wallst Länder ein und Länder aus,
Und bist doch, wo du bist, zu Haus.
Der Himmel, endlos ausgespannt,
Ist dein geliebtes Heimatland;
O glücklich, wer, wohin er geht,
Doch auf der Heimat Boden steht !
Johann Gabriel Seidl
(1804 - 1875)
österreichischer Archäologe, Lyriker, Erzähler und Dramatiker, war der Textdichter der österreichischen Kaiserhymne »Gott erhalte, Gott beschütze unsern Kaiser, unser Land«
Ich auf der Erd', am Himmel du,
Wir wandern beide rüstig zu:
Ich ernst und trüb, du mild und rein,
Was mag der Unterschied wohl sein?
Ich wandre fremd von Land zu Land,
So heimatlos, so unbekannt;
Berg auf, Berg ab, Wald ein, Wald aus,
Doch bin ich nirgend, ach! zu Haus.
Du aber wanderst auf und ab
Aus Ostens Wieg' in Westens Grab,
Wallst Länder ein und Länder aus,
Und bist doch, wo du bist, zu Haus.
Der Himmel, endlos ausgespannt,
Ist dein geliebtes Heimatland;
O glücklich, wer, wohin er geht,
Doch auf der Heimat Boden steht !
Johann Gabriel Seidl
(1804 - 1875)
österreichischer Archäologe, Lyriker, Erzähler und Dramatiker, war der Textdichter der österreichischen Kaiserhymne »Gott erhalte, Gott beschütze unsern Kaiser, unser Land«
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
Ladezeit der Seite: 0.120 Sekunden
- Aktuelle Seite:
-
Startseite
-
Forum
-
Feschtbrueder's Foren
-
Feschtplatz
- Gedichte