Gedichte
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02 Feb 2021 07:23 #33834
von Kaninchen
Die Selbstkritik hat viel für sich.
Gesetzt den Fall, ich tadle mich,
So hab' ich erstens den Gewinn,
Daß ich so hübsch bescheiden bin;
Zum zweiten denken sich die Leut,
Der Mann ist lauter Redlichkeit;
Auch schnapp' ich drittens diesen Bissen
Vorweg den andern Kritiküssen;
Und viertens hoff' ich außerdem
Auf Widerspruch, der mir genehm.
So kommt es denn zuletzt heraus,
Daß ich ein ganz famoses Haus.
Wilhelm Busch
Gesetzt den Fall, ich tadle mich,
So hab' ich erstens den Gewinn,
Daß ich so hübsch bescheiden bin;
Zum zweiten denken sich die Leut,
Der Mann ist lauter Redlichkeit;
Auch schnapp' ich drittens diesen Bissen
Vorweg den andern Kritiküssen;
Und viertens hoff' ich außerdem
Auf Widerspruch, der mir genehm.
So kommt es denn zuletzt heraus,
Daß ich ein ganz famoses Haus.
Wilhelm Busch
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03 Feb 2021 07:25 #33848
von Kaninchen
Die Baumstämme werden wie Menschen jetzt warm
Die Baumstämme werden wie Menschen jetzt warm,
Sie nehmen den Sonnenschein gern in den Arm.
Der Schnee rund um den Stamm entweicht,
Soweit des Baumes Wurzel reicht.
Die Schneeglocken hocken da rund in Scharen
Begrüßt von den Staren.
Auf graslosem Boden bloß Keim bei Keim,
Beim kahlen Baum duftet's nach Honigseim,
Es duftet nach Liebe, dem Frost entronnen,
Erste Blüte und letzter
Schnee sich dort sonnen.
max dauthendey
Die Baumstämme werden wie Menschen jetzt warm,
Sie nehmen den Sonnenschein gern in den Arm.
Der Schnee rund um den Stamm entweicht,
Soweit des Baumes Wurzel reicht.
Die Schneeglocken hocken da rund in Scharen
Begrüßt von den Staren.
Auf graslosem Boden bloß Keim bei Keim,
Beim kahlen Baum duftet's nach Honigseim,
Es duftet nach Liebe, dem Frost entronnen,
Erste Blüte und letzter
Schnee sich dort sonnen.
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04 Feb 2021 07:25 - 04 Feb 2021 07:33 #33873
von Kaninchen
Adolf Böttger (1815 - 1870), deutscher Lyriker und Dramatiker
Nach Jahren
Die Mutter lehnt am schattigen Thor,
Ihr blondes Töchterchen kniete davor,
Brach Rosen sich und Vergißmeinnicht,
Und küßt sie mit lachendem Angesicht:
»Ei! Mutter, bin ich so groß wie du,
Dann trag' ich dir alles im Hause zu,
Dann heg' und pfleg' ich dich lieb und fein
Wie die Rosen und die Vergißnichtmein.«
Und Jahre schwanden, – am schattigen Thor
Ragt höher und voller der Flieder empor !
Ein Mägdlein umfaßt des Geliebten Arm,
Es schlagen ihre Herzen so treu und warm,
Doch wie sie sich küßten auf Wang' und Mund,
Weinte das Mädchen aus Herzensgrund:
Denn die sie wollt' pflegen so lieb und fein,
Lag still unter Ros' und Vergißnichtmein.
Nach Jahren
Die Mutter lehnt am schattigen Thor,
Ihr blondes Töchterchen kniete davor,
Brach Rosen sich und Vergißmeinnicht,
Und küßt sie mit lachendem Angesicht:
»Ei! Mutter, bin ich so groß wie du,
Dann trag' ich dir alles im Hause zu,
Dann heg' und pfleg' ich dich lieb und fein
Wie die Rosen und die Vergißnichtmein.«
Und Jahre schwanden, – am schattigen Thor
Ragt höher und voller der Flieder empor !
Ein Mägdlein umfaßt des Geliebten Arm,
Es schlagen ihre Herzen so treu und warm,
Doch wie sie sich küßten auf Wang' und Mund,
Weinte das Mädchen aus Herzensgrund:
Denn die sie wollt' pflegen so lieb und fein,
Lag still unter Ros' und Vergißnichtmein.
Letzte Änderung: 04 Feb 2021 07:33 von Feschtbrueder. Grund: Leerraum unten entfernt
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05 Feb 2021 07:23 #33891
von Kaninchen
Zum Rendezvous
Kam er oder kam er nicht?
Sicher wird er meiner warten,
Lief von links die Katze auch
Übern Weg mir schon im Garten.
Zwar die Mutter fest und steif
Glaubt, das muß stets Unglück bringen,
Aber alte Leute sind
Wunderlich in solchen Dingen.
Kätzchen schlich ins Grüne nur,
Einen Vogel sich zu fangen.
Ach, mir ist der schönste schon
Längst und leicht ins Netz gegangen.
Wo sich aus dem Park ins Feld
Stehlen die umbuschten Wege,
Lief er eines Sonntags früh
Ahnungslos mir ins Gehege.
Dorthin hat er heute auch
Mich zum Rendezvous geladen.
Komm ich auch ein wenig spät,
Etwas Warten kann nicht schaden.
Allzupünktlich jetzt schon sein,
Kann den Herrn mir leicht verwöhnen.
Schmollt er, wird ein Küßchen schnell
Den verliebten Schelm versöhnen.
Gustav Falke
1853 - 1916
deutscher Lyriker
Kam er oder kam er nicht?
Sicher wird er meiner warten,
Lief von links die Katze auch
Übern Weg mir schon im Garten.
Zwar die Mutter fest und steif
Glaubt, das muß stets Unglück bringen,
Aber alte Leute sind
Wunderlich in solchen Dingen.
Kätzchen schlich ins Grüne nur,
Einen Vogel sich zu fangen.
Ach, mir ist der schönste schon
Längst und leicht ins Netz gegangen.
Wo sich aus dem Park ins Feld
Stehlen die umbuschten Wege,
Lief er eines Sonntags früh
Ahnungslos mir ins Gehege.
Dorthin hat er heute auch
Mich zum Rendezvous geladen.
Komm ich auch ein wenig spät,
Etwas Warten kann nicht schaden.
Allzupünktlich jetzt schon sein,
Kann den Herrn mir leicht verwöhnen.
Schmollt er, wird ein Küßchen schnell
Den verliebten Schelm versöhnen.
Gustav Falke
1853 - 1916
deutscher Lyriker
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06 Feb 2021 07:44 #33910
von Kaninchen
Lebensläufe
Drei kleine Knaben
Hüteten die Gänse,
Hatt' jeder seine Gaben,
und wurde große Hänse.
Einer ward ein Schneider,
Der hatte zehn Gesellen,
Dem König macht' er Kleider,
Dem Narren eins mit Schellen.
Der andre nahm 'ne Pfarre,
Wusch allem Volk die Köpfe,
Der Herr lohnt ihm die Quarre
Und füllt ihm Tasch und Töpfe.
Der dritte ward ein Schreiber,
Hat schöne Lieder gesungen,
Die Kinder und Weiber
Sind um ihn herumgesprungen.
Der Schneider kriegt 'nen Orden,
Der Pfarrer kriegt die Gicht,
Der Schreiber ist verdorben,
Wo, weiß man nicht.
Gustav Falke
Drei kleine Knaben
Hüteten die Gänse,
Hatt' jeder seine Gaben,
und wurde große Hänse.
Einer ward ein Schneider,
Der hatte zehn Gesellen,
Dem König macht' er Kleider,
Dem Narren eins mit Schellen.
Der andre nahm 'ne Pfarre,
Wusch allem Volk die Köpfe,
Der Herr lohnt ihm die Quarre
Und füllt ihm Tasch und Töpfe.
Der dritte ward ein Schreiber,
Hat schöne Lieder gesungen,
Die Kinder und Weiber
Sind um ihn herumgesprungen.
Der Schneider kriegt 'nen Orden,
Der Pfarrer kriegt die Gicht,
Der Schreiber ist verdorben,
Wo, weiß man nicht.
Gustav Falke
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07 Feb 2021 08:14 #33933
von Kaninchen
Samstagabend
Wozu würden wir denn leben,
Wenn nach dem verdammten Streben
Nicht der Samstag Abend wär'
Mit dem Sonntag hinterher?
Fehlt' es uns an diesem Ziele,
Möcht' ich wirklich sehn, wie viele
Noch bereit beim Hahnenschrei
Wären zu der Rackerei!
So hingegen läßt sich's tragen –
Tröstet's doch, schon nach sechs Tagen
Arbeitsamer Höllenpein
Immer wieder faul zu sein!
Mit dem Batzen in der Tasche
Hockt man dann bei Krug und Flasche,
Hört als kunstgeneigter Mann
Einen Widihupfauf an;
Spricht nicht mehr, als zur Verdauung
Nötig ist und Auferbauung –
Regt sich 'mal die Phantasie,
Kneift sein Schätzgen man ins Knie.
Ja, 's ist alles richtig wieder,
Sinkt die Samstagssonne nieder!
Schmunzelnd geht im Publikum
Dann sein lieber Gott herum.
Hanns von Gumppenberg
(1866 - 1928), Hanns Theodor Wilhelm Freiherr von Gumppenberg, benutzte auch die Pseudonyme Jodok und Professor Immanuel Tiefbohrer; deutscher Dichter, Übersetzer, Kabarettist, Mitbegründer des Münchner Kabaretts »Die Elf Scharfrichter«
Wozu würden wir denn leben,
Wenn nach dem verdammten Streben
Nicht der Samstag Abend wär'
Mit dem Sonntag hinterher?
Fehlt' es uns an diesem Ziele,
Möcht' ich wirklich sehn, wie viele
Noch bereit beim Hahnenschrei
Wären zu der Rackerei!
So hingegen läßt sich's tragen –
Tröstet's doch, schon nach sechs Tagen
Arbeitsamer Höllenpein
Immer wieder faul zu sein!
Mit dem Batzen in der Tasche
Hockt man dann bei Krug und Flasche,
Hört als kunstgeneigter Mann
Einen Widihupfauf an;
Spricht nicht mehr, als zur Verdauung
Nötig ist und Auferbauung –
Regt sich 'mal die Phantasie,
Kneift sein Schätzgen man ins Knie.
Ja, 's ist alles richtig wieder,
Sinkt die Samstagssonne nieder!
Schmunzelnd geht im Publikum
Dann sein lieber Gott herum.
Hanns von Gumppenberg
(1866 - 1928), Hanns Theodor Wilhelm Freiherr von Gumppenberg, benutzte auch die Pseudonyme Jodok und Professor Immanuel Tiefbohrer; deutscher Dichter, Übersetzer, Kabarettist, Mitbegründer des Münchner Kabaretts »Die Elf Scharfrichter«
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