Gedichte

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15 Mär 2021 07:12 #34617 von Kaninchen
Der Rosenzweig

Von Kurt dem Träumer

Von einem blühenden Rosenstrauch
Brach heut' ich ein Zweiglein mir.
Das trug eine volle Ros' und auch
Dazu der Knospen vier.

Und als ich der Liebsten den Zweig gereicht,
Da fiel mir folgendes ein:
O diese Rose, wie sehr sie gleicht
Einer Sau mit vier Ferkelein.

 

Das sagt' ich der Liebsten, sie nahm es schief,
Warf mir den Zweig ins Gesicht,
Ich aber schimpfend von dannen lief
Und machte dieses Gedicht.

Johannes Trojan
1837 - 1915
deutscher Humorist, Dichter und Redakteur des »Kladderadatsch«

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16 Mär 2021 07:34 #34637 von Kaninchen
Des Lebens Contraste

Indes sein Knäblein im Fieber lag
Und die Noth sein Weib drückte nieder,
Schrieb er und schrieb mit stöhnender Hast
Sein ganzes Elend in Lieder.

Doch wie er sie zum Verleger trug,
Rief der: – Veraltete Sachen !
Die Verse sind ja voll Empfindung und glatt,
Doch das Publikum heute will lachen !

Da ging er heim und schrieb lustiges Zeug,
Wie es ihm das Herz auch zerquälte,
Und sieh' da, ihm brachte Gold und Glück
Der Humor seiner blutenden Seele.

Unbekannt

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17 Mär 2021 07:26 #34652 von Kaninchen
Frauen von Freunden

Frauen von Freunden zerstören die Freundschaft.

Schüchtern erst besetzen sie einen Teil des Freundes,

nisten sich in ihm ein,

warten,

beobachten, und nehmen scheinbar teil am Freundesbund.



Dies Stück des Freundes hat uns nie gehört –

wir merken nichts.

Aber bald ändert sich das:

Sie nehmen einen Hausflügel nach dem andern,

dringen tiefer ein,

haben bald den ganzen Freund.



Der ist verändert; es ist, als schäme er sich seiner Freundschaft.

So, wie er sich früher der Liebe vor uns geschämt hat,

schämt er sich jetzt der Freundschaft vor ihr.

Er gehört uns nicht mehr.

Sie steht nicht zwischen uns – sie hat ihn weggezogen.



Er ist nicht mehr unser Freund:

Er ist ihr Mann.

Eine leise Verletzlichkeit bleibt übrig.

Traurig blicken wir ihm nach.


Die im Bett behält immer recht.



Kurt Tucholsky
Gedichte und Lieder 1923-1925



 

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18 Mär 2021 15:37 #34669 von Kaninchen
Schmetterlingslied

 


Es blühen die Blumen in buntem Schein;
Sie laden zum Flattern und Kosen uns ein !
So lieblich ihr Duft !
So linde die Luft !
Vergessen ist gestern,
Und morgen ist weit!
Laßt heut uns genießen
Die goldene Zeit !

Es duften die Blumen und blühen so bunt,
Und jede Blüth' ist ein rosiger Mund !
Wir flattern im Wind
Und küssen geschwind!
Vergessen ist gestern,
Und morgen ist weit !

Laßt heut uns genießen
Die goldene Zeit !

Heinrich Seidel (1842 - 1906), deutscher Ingenieur, ab 1880 lebte er als freier Schriftsteller in Berlin

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19 Mär 2021 07:06 #34683 von Kaninchen
Das kommt davon.

Ein Moschustier am Hindukusch
Mußt' eines Jägers Blei erliegen.
Da brummt ein Stinktier aus dem Busch:
»Es ist ein Fehler gut zu riechen.«“

Rudolf Presber

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20 Mär 2021 07:22 - 20 Mär 2021 07:33 #34703 von Kaninchen
 

Ihr fragt, wieso's denn kommen mag,
Daß ich so heiter bin,
Da nie auf meinen Lebenstag
Des Glückes Sonne schien ?

Das Räthsel, Freund, ist nicht schwer,
Denn heiter bin ich nur,
Weil auf der Welt kein Unglück mehr,
Das ich nicht schon erfuhr.

Emil Peschkau (1856 - 1930), österreichischer Schriftsteller und Redakteur
Letzte Änderung: 20 Mär 2021 07:33 von Kaninchen.

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