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23 Feb 2018 12:18 #16377 von Kaninchen
Pensionierte Sittlichkeit

Es war einmal ein Auerhahn,
der hatte seine Pflicht getan,
acht Jahre lang und noch viel mehr,
dann ward der Dienst ihm etwas schwer.
Kein Ding auf Erden ewig dauert,
er hatte eben ausge-auert.
Nun ließ er seine Blicke schweifen
betrübt zu all den Ordensschleifen,
Diplomen und den Ehrenpreisen,
die er er-auert einst auf Reisen.
Was halfen ihm jetzt all die Prämien?
Er musst' sich vor den Hühnern schämien.
Kein Hafer und kein Sellerie
entlockte ihm ein Kikeriki.
Es klang jetzt wie ein heisres Quieken
sein einst so frohes Kikerikieken.
Und alle Hennen, alle Glucken,
die waren darob baß erschrucken.
So stand er traurig wie Pik sieben
im Kreise seiner Hühnerlieben.
Man hat den Enterich gebeten,
den Hahn einstweilen zu vertreten.
Was kümmert sich das Federvieh
um Sittlichkeit und Bigamie.
»Jawoll«, sprach stolz der Enterich.
»Die Kleinigkeit besorge ich.«
Am Zaun stand nun der Auerhahn
und sah voll tiefer Trauer an,
wie seine Hennen, seine Glucken,
ohn' mit der Wimper nur zu zucken,
im Gegenteil, noch mit Frohlucken,
sich von dem Entrich ließen ducken.

Endrikat Fred

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23 Feb 2018 22:41 - 23 Feb 2018 22:43 #16378 von Feschtbrueder
Ich musste schmunzeln bei diesem Gedicht von Endrikat, hatte aber irgendwie in Erinnerung, dass es nicht das ganze Gedicht ist. Der Schluss fehlt.


Kaninchen schrieb: Pensionierte Sittlichkeit

Es war einmal ein Auerhahn,
der hatte seine Pflicht getan,
acht Jahre lang und noch viel mehr,
dann ward der Dienst ihm etwas schwer.
Kein Ding auf Erden ewig dauert,
er hatte eben ausge-auert.
Nun ließ er seine Blicke schweifen
betrübt zu all den Ordensschleifen,
Diplomen und den Ehrenpreisen,
die er er-auert einst auf Reisen.
Was halfen ihm jetzt all die Prämien?
Er musst' sich vor den Hühnern schämien.
Kein Hafer und kein Sellerie
entlockte ihm ein Kikeriki.
Es klang jetzt wie ein heisres Quieken
sein einst so frohes Kikerikieken.
Und alle Hennen, alle Glucken,
die waren darob baß erschrucken.
So stand er traurig wie Pik sieben
im Kreise seiner Hühnerlieben.
Man hat den Enterich gebeten,
den Hahn einstweilen zu vertreten.
Was kümmert sich das Federvieh
um Sittlichkeit und Bigamie.
»Jawoll«, sprach stolz der Enterich.
»Die Kleinigkeit besorge ich.«
Am Zaun stand nun der Auerhahn
und sah voll tiefer Trauer an,
wie seine Hennen, seine Glucken,
ohn' mit der Wimper nur zu zucken,
im Gegenteil, noch mit Frohlucken,
sich von dem Entrich ließen ducken.

Endrikat Fred


Schluss:
.....
Am Zaun stand nun der Auerhahn
und sah voll tiefer Trauer an,
wie seine Hennen, seine Glucken,
ohn' mit der Wimper nur zu zucken,
im Gegenteil, noch mit Frohlucken
sich von dem Entrich ließen ducken.
Verächtlich tät der Hahn ausspucken:
"Pfui Teufel, ja so sind die Glucken."
Dann kam der böse Bauer an
und schnappte sich den Auerhahn
und sprach: "Du oller Veteran
wirst höchstens für die Suppe taugen."
Dann schlossen sich zwei Hühneraugen.
Was ist des Lebens ganze Mühe?
Ein kleiner Topp voll Hühnerbrühe! –

:-) Humor ist, wenn man trotzdem lacht! Lachen ist die beste Medizin!
Letzte Änderung: 23 Feb 2018 22:43 von Feschtbrueder. Grund: Korr.

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23 Feb 2018 22:55 #16381 von Feschtbrueder
Vom Busseln

Geh, gib mir a' Bussel
und mach koa so G'schicht,
i druck scho' die Aug'n zua,
dass's niemand sieht.

Geh gib mir a Bussel
oa Bussel - was tuat's?
Es gibt ja nix Bessers,
als wie ebbes Guats.

Karl Stieler

:-) Humor ist, wenn man trotzdem lacht! Lachen ist die beste Medizin!

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24 Feb 2018 07:02 #16388 von Kaninchen
Oh vielen dank feschtbrueder mein Laptop ist kaputt und ich quäle mich im wahrsten Sinne des Wortes mit dem smartphone. Als es mir endlich gelungen war, das Gedicht einzufügen, hatte ich nicht mehr den Nerv für eine Kontrolle

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24 Feb 2018 09:37 - 25 Feb 2018 06:10 #16392 von Kaninchen
Brennessel steht am Wegesrand

Brennessel steht am Wegesrand
Neider und Feinde hab ich in Stadt und Land.
Neidet, hasst, verleumdet, doch das bringt mir keine Not,
Wenn nur mein süßes Liebchen
Treu bleibt bis zum Tod.

Hugo Conrat
Letzte Änderung: 25 Feb 2018 06:10 von Feschtbrueder. Grund: Korr.

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25 Feb 2018 08:48 - 27 Feb 2018 08:01 #16404 von Kaninchen
Frühling

Die Bäume im Ofen lodern
Die Vögel locken am Grill
Die Sonnenschirme vermodern.
Im übrigen ist es still.

Es stecken die Spargel aus Dosen
Die zarten Köpfchen hervor.
Bunt ranken sich künstliche Rosen
In Faschingsgirlanden empor.

Ein Etwas, wie Glockenklingen,
Den Oberkellner bewegt,
Mir tausend Eier zu bringen,
Von Osterstören gelegt.

Ein süßer Duft von Havanna
Verweht in ringelnder Spur.
Ich fühle in meiner Susanna
Erwachende neue Natur.

Es lohnt sich manchmal, zu lieben,
Was kommt, nicht ist oder war,
Ein Frühlingsgedicht, geschrieben
Im kältesten Januar.

Joachim Ringelnatz
Letzte Änderung: 27 Feb 2018 08:01 von Feschtbrueder. Grund: Korrekturen

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