Gedichte
- Kaninchen
-
- Offline
- Platinum Boarder
-
Weniger
Mehr
- Beiträge: 28344
09 Nov 2025 13:15 #54681
von Kaninchen
Möwenlied
Von Christian Morgenstern
Die Möwen sehen alle aus,
als ob sie Emma hießen.
Sie tragen einen weißen Flaus
und sind mit Schrot zu schießen.
Ich schieße keine Möwe tot,
ich lass sie lieber leben —
und füttre sie mit Roggenbrot
und rötlichen Zibeben.
O Mensch, du wirst nie nebenbei
der Möwe Flug erreichen.
Wofern du Emma heißest, sei
zufrieden, ihr zu gleichen.
Möwenlied
Von Christian Morgenstern
Die Möwen sehen alle aus,
als ob sie Emma hießen.
Sie tragen einen weißen Flaus
und sind mit Schrot zu schießen.
Ich schieße keine Möwe tot,
ich lass sie lieber leben —
und füttre sie mit Roggenbrot
und rötlichen Zibeben.
O Mensch, du wirst nie nebenbei
der Möwe Flug erreichen.
Wofern du Emma heißest, sei
zufrieden, ihr zu gleichen.
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
- Feschtbrueder
-
Autor
- Offline
- Administrator
-
Weniger
Mehr
- Beiträge: 13481
10 Nov 2025 19:32 - 10 Nov 2025 19:33 #54708
von Feschtbrueder
Humor ist, wenn man trotzdem lacht! Lachen ist die beste Medizin!
Herbsttag
Rainer Maria Rilke
Herr, es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los.
Befiehl den letzten Früchten, voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin, und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.
Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.
Rainer Maria Rilke
Herr, es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los.
Befiehl den letzten Früchten, voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin, und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.
Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.
Letzte Änderung: 10 Nov 2025 19:33 von Feschtbrueder.
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
- Kaninchen
-
- Offline
- Platinum Boarder
-
Weniger
Mehr
- Beiträge: 28344
13 Nov 2025 16:13 #54756
von Kaninchen
Die Eicheln sind reif
Ein Gedicht von Doris Grevesmühl
Auf einem Berg am Ackerrand
ein riesengroßer Eichenbaum stand.
Im Herbst waren an jedem Zweig
die vielen Eicheln inzwischen reif.
Abends der Herbstwind durch die Zweige pfiff
und viele Eicheln von den Zweigen riss,
die liegen blieben im Gras,
doch eine kullerte den Berg weit herab.
In der Nacht Wildschweine da waren,
um sich an den Eicheln zu laben,
nur die eine lag wohl zu weit weg,
wurde von den Schweinen nicht entdeckt.
Die Eichel sah schon im Traum,
wie aus ihr wächst ein neuer Eichenbaum,
doch ganz plötzlich kam
ein kleines Mäuschen an,
das auf der Suche nach Futter war
und die Eichel im Gras liegen sah,
freute sich darüber sehr,
drehte sie hin und her,
bevor es sie angenagt
und anschließend gefressen hat.
Aus war damit der Eichel Traum
von einem neuen Eichenbaum.
Die Eicheln sind reif
Ein Gedicht von Doris Grevesmühl
Auf einem Berg am Ackerrand
ein riesengroßer Eichenbaum stand.
Im Herbst waren an jedem Zweig
die vielen Eicheln inzwischen reif.
Abends der Herbstwind durch die Zweige pfiff
und viele Eicheln von den Zweigen riss,
die liegen blieben im Gras,
doch eine kullerte den Berg weit herab.
In der Nacht Wildschweine da waren,
um sich an den Eicheln zu laben,
nur die eine lag wohl zu weit weg,
wurde von den Schweinen nicht entdeckt.
Die Eichel sah schon im Traum,
wie aus ihr wächst ein neuer Eichenbaum,
doch ganz plötzlich kam
ein kleines Mäuschen an,
das auf der Suche nach Futter war
und die Eichel im Gras liegen sah,
freute sich darüber sehr,
drehte sie hin und her,
bevor es sie angenagt
und anschließend gefressen hat.
Aus war damit der Eichel Traum
von einem neuen Eichenbaum.
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
- Kaninchen
-
- Offline
- Platinum Boarder
-
Weniger
Mehr
- Beiträge: 28344
15 Nov 2025 15:31 #54777
von Kaninchen
Der Winterabend
Es ist so still und heimlich um mich,
Die Sonn' ist unter, der Tag entwich.
Wie schnell nun heran der Abend graut! –
Mir ist es recht, sonst ist mir's zu laut.
Jetzt aber ist's ruhig, es hämmert kein Schmied,
Kein Klempner, das Volk verlief, und ist müd;
Und selbst, daß nicht raßle der Wagen Lauf,
Zog Decken der Schnee durch die Gassen auf.
Wie thut mir so wohl der selige Frieden!
Da sitz' ich im Dunkel, ganz abgeschieden,
So ganz für mich; – nur der Mondenschein
Kommt leise zu mir in's Gemach herein.
Brauche mich aber nicht zu geniren,
Nicht zu spielen, zu conversiren,
Oder mich sonst attent zu zeigen.
Er kennt mich schon, und läßt mich schweigen,
Nimmt nur seine Arbeit, die Spindel, das Gold,
Und spinnet stille, webt und lächelt hold,
Und hängt dann sein schimmerndes Schleyertuch
Ringsum an Geräth und Wänden aus.
Ist gar ein stiller, lieber Besuch,
Macht mir gar keine Unruh' im Haus'.
Will er bleiben, so hat er Ort,
Freut's ihn nimmer, so geht er fort.
Ich sitze dann stumm im Fenster gern',
Und schaue hinauf in Gewölk' und Stern.
Denke zurück, ach! weit, gar weit,
In eine schöne, verschwund'ne Zeit.
Denk' an Sie, an das Glück der Minne,
Seufze still', und sinne und sinne.
Franz Peter Schubert
Der Winterabend
Es ist so still und heimlich um mich,
Die Sonn' ist unter, der Tag entwich.
Wie schnell nun heran der Abend graut! –
Mir ist es recht, sonst ist mir's zu laut.
Jetzt aber ist's ruhig, es hämmert kein Schmied,
Kein Klempner, das Volk verlief, und ist müd;
Und selbst, daß nicht raßle der Wagen Lauf,
Zog Decken der Schnee durch die Gassen auf.
Wie thut mir so wohl der selige Frieden!
Da sitz' ich im Dunkel, ganz abgeschieden,
So ganz für mich; – nur der Mondenschein
Kommt leise zu mir in's Gemach herein.
Brauche mich aber nicht zu geniren,
Nicht zu spielen, zu conversiren,
Oder mich sonst attent zu zeigen.
Er kennt mich schon, und läßt mich schweigen,
Nimmt nur seine Arbeit, die Spindel, das Gold,
Und spinnet stille, webt und lächelt hold,
Und hängt dann sein schimmerndes Schleyertuch
Ringsum an Geräth und Wänden aus.
Ist gar ein stiller, lieber Besuch,
Macht mir gar keine Unruh' im Haus'.
Will er bleiben, so hat er Ort,
Freut's ihn nimmer, so geht er fort.
Ich sitze dann stumm im Fenster gern',
Und schaue hinauf in Gewölk' und Stern.
Denke zurück, ach! weit, gar weit,
In eine schöne, verschwund'ne Zeit.
Denk' an Sie, an das Glück der Minne,
Seufze still', und sinne und sinne.
Franz Peter Schubert
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
- Feschtbrueder
-
Autor
- Offline
- Administrator
-
Weniger
Mehr
- Beiträge: 13481
16 Nov 2025 13:57 #54803
von Feschtbrueder
Humor ist, wenn man trotzdem lacht! Lachen ist die beste Medizin!
Herbst
Theodor Storm
Schon ins Land der Pyramiden
Flohn die Störche übers Meer;
Schwalbenflug ist längst geschieden,
Auch die Lerche singt nicht mehr.
Seufzend in geheimer Klage
Streift der Wind das letzte Grün;
Und die süssen Sommertage,
Ach, sie sind dahin, dahin!
Nebel hat den Wald verschlungen,
Der dein stillstes Glück gesehn;
Ganz in Duft und Dämmerungen
Will die schöne Welt vergehn.
Nur noch einmal bricht die Sonne
Unaufhaltsam durch den Duft,
Und ein Strahl der alten Wonne
Rieselt über Tal und Kluft.
Und es leuchten Wald und Heide,
Dass man sicher glauben mag,
Hinter allem Winterleide
Lieg' ein ferner Frühlingstag.
Die Sense rauscht, die Ähre fällt,
Die Tiere räumen scheu das Feld,
Der Mensch begehrt die ganze Welt.
Und sind die Blumen abgeblüht,
So brecht der Äpfel goldne Bälle;
Hin ist die Zeit der Schwärmerei,
So schätzt nun endlich das Reelle!
Theodor Storm
Schon ins Land der Pyramiden
Flohn die Störche übers Meer;
Schwalbenflug ist längst geschieden,
Auch die Lerche singt nicht mehr.
Seufzend in geheimer Klage
Streift der Wind das letzte Grün;
Und die süssen Sommertage,
Ach, sie sind dahin, dahin!
Nebel hat den Wald verschlungen,
Der dein stillstes Glück gesehn;
Ganz in Duft und Dämmerungen
Will die schöne Welt vergehn.
Nur noch einmal bricht die Sonne
Unaufhaltsam durch den Duft,
Und ein Strahl der alten Wonne
Rieselt über Tal und Kluft.
Und es leuchten Wald und Heide,
Dass man sicher glauben mag,
Hinter allem Winterleide
Lieg' ein ferner Frühlingstag.
Die Sense rauscht, die Ähre fällt,
Die Tiere räumen scheu das Feld,
Der Mensch begehrt die ganze Welt.
Und sind die Blumen abgeblüht,
So brecht der Äpfel goldne Bälle;
Hin ist die Zeit der Schwärmerei,
So schätzt nun endlich das Reelle!
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
- Kaninchen
-
- Offline
- Platinum Boarder
-
Weniger
Mehr
- Beiträge: 28344
16 Nov 2025 15:36 #54806
von Kaninchen
Der Winterabend
Der Winterabend, das ist die Zeit
der Arbeit und der Fröhlichkeit.
Wenn die andern nähen, stricken und spinnen,
dann müssen wir Kinder auch was beginnen;
wir dürfen nicht müßig sitzen und ruhn,
wir haben auch unser Teil zu tun.
Wir müssen zu morgen uns vorbereiten
und vollenden unsere Schularbeiten.
Und sind wir fertig mit Lesen und Schreiben,
dann können wir unsere Kurzweil treiben...
Und ist der Abend auch noch so lang,
wir kürzen ihn mit Spiel und Gesang.
Und wer ein hübsches Rätsel kann,
der sagts, und wir fangen zu raten an.
Heinrich Hoffmann von Fallersleben
Der Winterabend
Der Winterabend, das ist die Zeit
der Arbeit und der Fröhlichkeit.
Wenn die andern nähen, stricken und spinnen,
dann müssen wir Kinder auch was beginnen;
wir dürfen nicht müßig sitzen und ruhn,
wir haben auch unser Teil zu tun.
Wir müssen zu morgen uns vorbereiten
und vollenden unsere Schularbeiten.
Und sind wir fertig mit Lesen und Schreiben,
dann können wir unsere Kurzweil treiben...
Und ist der Abend auch noch so lang,
wir kürzen ihn mit Spiel und Gesang.
Und wer ein hübsches Rätsel kann,
der sagts, und wir fangen zu raten an.
Heinrich Hoffmann von Fallersleben
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
Ladezeit der Seite: 0.119 Sekunden
- Aktuelle Seite:
-
Startseite
-
Forum
-
Feschtbrueder's Foren
-
Feschtplatz
- Gedichte