Gedichte

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03 Dez 2025 09:11 #55113 von Kaninchen
 

Wahre Liebe

Das Gedicht „Wahre Liebe“ stammt aus der Feder von Kurt Tucholsky.

Wenn ich so müd nach Hause komm,
zerredet und zerschrieben:
dann sitzt du da, so lieb und fromm.
Man muß, man muß dich lieben!

Die Nacht gleich einem Feste ist.
Ich weiß, dass du die Beste bist.
Und warum ist das? Nämlich
Du bist so himmlisch dämlich.

Du hast es gut. Du ahnst es nicht,
was Stalin jüngst gesprochen;
weißt nichts vom Leipziger Reichsgericht
und nichts von Kunstepochen.

Du hältst einen Puff für ein Hotel
und Bronnen für einen lauteren Quell …
Ich liebe dich. Weil … nämlich …
Du bist so himmlisch dämlich!

Mein blondes Glück! Von Zeit zu Zeit
tu ich ein bißchen fremd gehn.
Die andern Frauen sind so gescheit
und lassen das noch im Hemd sehn.

Dann kehr ich reuig zu dir zurück
und genieße tief atmend das reine Glück …
Dumm liebt zweimal. Nämlich:
Du bist so himmlisch dämlich –!

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04 Dez 2025 13:55 #55142 von Kaninchen
 

„Mit einem Kirschzweig, bei Kälte gepflückt,
hast du dir einmal dein Zimmer geschmückt.
An einem Kirschzweig blüht’s kirschblütenweiß
am Weihnachtstage trotz Schnee und trotz Eis.
Mit einem Kirschzweig – hast du’s gesehn?
Kann tief im Winter ein Wunder geschehn.“

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05 Dez 2025 16:55 #55170 von Kaninchen
 

Die Puppe

Zur Weihnachtszeit da träumte Anne,
fast jede Nacht vom Weihnachtsmanne.
Würd` er auch an das Mädchen denken,
und ihr das Heißersehnte schenken.
Dies Püppchen mit dem gold´nen Haar,
das sie dereinst im Kaufhaus sah.

Ihr Vater sagt, er hätt´ kein Geld,
doch Weihnachtsmann der Kinderheld,
der über all die Kleinen wacht,
hat sicher auch an sie gedacht.
So sagt sie sich und wartet nun,
wie es die meisten Kinder tun.

Als dann der Heil´ge Abend kam,
die Dunkelheit das Tagwerk nahm.
Der Weihnachtsbaum im hellen Schein,
fing froh den Hauch von Weihnacht ein.
Doch gab´s kein Püppchen für das Kind
und um das Haus strich kühl der Wind.

Dem Mädchen brach beinah´ das Herz,
so übergroß in ihren Schmerz,
sah es still in die Dunkelheit,
die vor dem Fenster weit und breit.
Und eine heiße Träne rinnt,
vor Kummer seufzt das brave Kind.

Der Mutters Worte trösten kaum,
auch nicht der buntgeschmückte Baum.
Die neue Jacke ist zwar schick,
so mollig warm, so flauschig dick.
Doch schöner wäre, wie erwähnt,
das Püppchen, das so heiß ersehnt.

Plötzlich ertönt die Haustürschelle.
Wer steht so spät noch vor der Schwelle?
Der Vater geht um nachzusehen.
Wer kann da vor der Türe stehen?
Bald kehrt er in das Haus zurück
und seine Augen sind voll Glück.

Ein Päckchen hält er in der Hand,
auf dem “Für meine Anne“ stand.
Und in dem Päckchen wohlgebunden,
hat sich die Puppe bald gefunden.
Nun strahlt des Kindes Angesicht.
Der Weihnachtsmann vergisst dich nicht!

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06 Dez 2025 13:44 #55182 von Kaninchen
 

Nikolaus, Nikolaus, heiliger Mann
zieh die Sonntagsstiefel an,
reis damit nach Spanien,
kauf Äpfel, Nüss, Kastanien.
Bring den kleinen Kindern was,
lass die Großen laufen,
die können sich selbst was kaufen.

Stell das Schimmelchen untern Tisch,
damit es Heu und Hafer frisst,
Heu und Hafer frisst es nicht,
Zucker und Plätzchen kriegt es nicht.

Volksmund

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07 Dez 2025 14:09 #55204 von Kaninchen
 

Der Bratapfel

Kinder, kommt und ratet,
Was im Ofen bratet!
Hört, wie’s knallt und zischt!
Bald wird er aufgetischt,
Der Zipfel, der Zapfel,
Der Kipfel, der Kapfel,
Der gelbrote Apfel.

Kinder, lauft schneller;
Holt einen Teller,
Holt eine Gabel!
Sperrt auf den Schnabel
Für den Zipfel, den Zapfel,
Den Kipfel, den Kapfel,
Den goldbraunen Apfel.

Sie pusten und prusten,
Sie gucken und schlucken,
Sie schnalzen und schmecken
Sie lecken und schlecken
Den Zipfel, den Zapfel,
Den Kipfel, den Kapfel,
Den knusprigen Apfel.

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08 Dez 2025 13:53 #55223 von Kaninchen
 

Wenn Engel reisen

Der Himmel lacht, wenn Engel reisen.
Sie kriegen davon nie genug.
Und jeder wird sich glücklich preisen,
sogar in einem Bummelzug.

Das Schöne lässt sich leicht erfahren,
um Engel ist es gut bestellt,
denn Kummer kann man sich ersparen,
was sicher allseits gut gefällt.

An Neuem wird man Anteil nehmen.
Begeisternd wirkt die Gegenwart,
und Abstand hält man von Problemen,
geht man vereint auf große Fahrt.

Wenn Engel reisen, lacht die Sonne,
verschont bleibt man vom Wolkenstau.
Es tropft nichts in die Regentonne,
der Himmel hessisch: weiß und blau.

Roman Herberth

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