Gedichte
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03 Mär 2019 08:06 #21980
von Kaninchen
Fink und Frosch
Im Apfelbaume pfeift der Fink
Sein Pinkepink!
Ein Laubfrosch klettert mühsam nach
Bis auf des Baumes Blätterdach
Und bläht sich auf und quakt: "Jaja!
Herr Nachbar, ick bin och noch da!"
Und wie der Vogel frisch und süß
Sein Frühlingslied erklingen ließ,
Gleich muß der Frosch in rauhen Tönen
Den Schusterbaß dazwischen dröhnen.
"Juchheija heija !" spricht der Fink.
"Fort flieg' ich flink!"
Und schwingt sich in die Lüfte hoch.
"Wat!" ruft der Frosch. "Dat kann ick och!"
Macht einen ungeschickten Satz,
Fällt auf den harten Gartenplatz,
Ist platt, wie man die Kuchen backt,
Und hat für ewig ausgequackt.
Wenn einer, der mit Mühe kaum
Geklettert ist auf einen Baum,
Schon meint, daß er ein Vogel wär',
So irrt sich der.
Wilhelm Busch
Fink und Frosch
Im Apfelbaume pfeift der Fink
Sein Pinkepink!
Ein Laubfrosch klettert mühsam nach
Bis auf des Baumes Blätterdach
Und bläht sich auf und quakt: "Jaja!
Herr Nachbar, ick bin och noch da!"
Und wie der Vogel frisch und süß
Sein Frühlingslied erklingen ließ,
Gleich muß der Frosch in rauhen Tönen
Den Schusterbaß dazwischen dröhnen.
"Juchheija heija !" spricht der Fink.
"Fort flieg' ich flink!"
Und schwingt sich in die Lüfte hoch.
"Wat!" ruft der Frosch. "Dat kann ick och!"
Macht einen ungeschickten Satz,
Fällt auf den harten Gartenplatz,
Ist platt, wie man die Kuchen backt,
Und hat für ewig ausgequackt.
Wenn einer, der mit Mühe kaum
Geklettert ist auf einen Baum,
Schon meint, daß er ein Vogel wär',
So irrt sich der.
Wilhelm Busch
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04 Mär 2019 08:07 #21994
von Kaninchen
Die Schildkröte und die Ratte
Eine Fabel.
Vor dem Sturm eilt sich zu schützen
Manches Thier dem Walde zu;
Nur die Schildkröt' bleibet liegen
Auf dem off'nen Feld in Ruh.
Dies erblickt die Ratte; zeigen
Will sie auch den gleichen Mut,
Daß auch sie der Sturm nicht schrecke
Noch des Regens kühle Flut.
Tückisch grollend lacht der Eitlen
Jene bei sich, denn sie sah
Ueber sich, bald Unheil bringend,
Weiße Hagelwolken nah.
Und nicht lang', so rauscht es; Schlossen
Schlagen nieder, scharf und dick.
In ihr Schild zieht jetzt die Kröte
Sicher Kopf und Bein' zurück.
Doch die arme Ratte findet
Keinen Schirm, der sie hier deckt;
Und in wen'gen Augenblicken
Liegt sie todt dahingestreckt.
Miß nicht, Armer, dich mit Reichen,
In der Not deckt sie ihr Glück.
Nackend sinkst du; jene freuet
Oefters noch dein Mißgeschick.
Friedrich (Maler) Müller
1749-1825
Die Schildkröte und die Ratte
Eine Fabel.
Vor dem Sturm eilt sich zu schützen
Manches Thier dem Walde zu;
Nur die Schildkröt' bleibet liegen
Auf dem off'nen Feld in Ruh.
Dies erblickt die Ratte; zeigen
Will sie auch den gleichen Mut,
Daß auch sie der Sturm nicht schrecke
Noch des Regens kühle Flut.
Tückisch grollend lacht der Eitlen
Jene bei sich, denn sie sah
Ueber sich, bald Unheil bringend,
Weiße Hagelwolken nah.
Und nicht lang', so rauscht es; Schlossen
Schlagen nieder, scharf und dick.
In ihr Schild zieht jetzt die Kröte
Sicher Kopf und Bein' zurück.
Doch die arme Ratte findet
Keinen Schirm, der sie hier deckt;
Und in wen'gen Augenblicken
Liegt sie todt dahingestreckt.
Miß nicht, Armer, dich mit Reichen,
In der Not deckt sie ihr Glück.
Nackend sinkst du; jene freuet
Oefters noch dein Mißgeschick.
Friedrich (Maler) Müller
1749-1825
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05 Mär 2019 08:20 #22016
von Kaninchen
Karneval
Auch uns, in Ehren sei's gesagt,
Hat einst der Karneval behagt,
Besonders und zu allermeist
In einer Stadt, die München heißt.
Wie reizend fand man dazumal
Ein menschenwarmes Festlokal,
Wie fleißig wurde über Nacht
Das Glas gefüllt und leer gemacht.
Und gingen wir im Schnee nach Haus,
War grad die frühe Messe aus,
Dann können gleich die frömmsten Frau'n
Sich negativ an uns erbau'n.
Die Zeit verging, das Alter kam,
Wir wurden sittsam, wurden zahm.
Nun sehn wir zwar noch ziemlich gern
Die Sach' uns an, doch nur von fern
(Ein Auge zu, Mundwinkel schief)
Durchs umgekehrte Perspektiv.
Wilhelm Busch
Karneval
Auch uns, in Ehren sei's gesagt,
Hat einst der Karneval behagt,
Besonders und zu allermeist
In einer Stadt, die München heißt.
Wie reizend fand man dazumal
Ein menschenwarmes Festlokal,
Wie fleißig wurde über Nacht
Das Glas gefüllt und leer gemacht.
Und gingen wir im Schnee nach Haus,
War grad die frühe Messe aus,
Dann können gleich die frömmsten Frau'n
Sich negativ an uns erbau'n.
Die Zeit verging, das Alter kam,
Wir wurden sittsam, wurden zahm.
Nun sehn wir zwar noch ziemlich gern
Die Sach' uns an, doch nur von fern
(Ein Auge zu, Mundwinkel schief)
Durchs umgekehrte Perspektiv.
Wilhelm Busch
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05 Mär 2019 22:09 #22017
von Feschtbrueder
Humor ist, wenn man trotzdem lacht! Lachen ist die beste Medizin!
Narrentreiben
Jetz isses wieder Narrenzeit,
ja mei wie des die Narren freut!
Der Wecker klingt, es Aug' geht auf
und schon sinnse verdammt gut drauf!
Es wird geschminkt und kostümiert,
denn wer nicht auffällt, der verliert!
Perücke, Glatze oder Hut,
irgendwas steht jedem gut!
Dann endlich geht’s ins Narrentreiben,
'n Jeck will nicht zuhause bleiben!
Singen, trinken und laut lachen,
weil heut da läßt's ein jeder krachen!
Es wird geherzt und auch geküsst
und ned g'fragt, wer da ander ist!
Zu fortgeschritt'ner Stunde dann
hängt jeder an am andan dran!
Auf allen vieren kriecht man heim,
als Single oder auch zu zwei'n!
Doch nicht ein jeder, des is gut,
hat mit dem Fasching was am Hut!
Wenn andre sich zum Affen machen
kann so einer ned drüber lachen!
Auf Knopfdruck lustig ist suspekt,
in manchem das den Argwohn weckt!
Bei Schunkelei und blöde Lieder
fährt ihm der Schrecken in die Glieder!
Hellau, Alaaf und Täterää, des tut
ihm in den Ohren weh!
Im Fernseh'n da kommt auch nur Schrott,
beend den Schmarrn, ich bitt dich Gott!
Und ja, schau her, es is soweit.
Vorbei is wieder, d' Narrenzeit.
Der eine mag's, der andre nicht,
so bleibt die Welt im Gleichgewicht.
Und eine Sache, die is' klar –
im »echten« Leben sei kein Narr!
© Sarah Razak
Jetz isses wieder Narrenzeit,
ja mei wie des die Narren freut!
Der Wecker klingt, es Aug' geht auf
und schon sinnse verdammt gut drauf!
Es wird geschminkt und kostümiert,
denn wer nicht auffällt, der verliert!
Perücke, Glatze oder Hut,
irgendwas steht jedem gut!
Dann endlich geht’s ins Narrentreiben,
'n Jeck will nicht zuhause bleiben!
Singen, trinken und laut lachen,
weil heut da läßt's ein jeder krachen!
Es wird geherzt und auch geküsst
und ned g'fragt, wer da ander ist!
Zu fortgeschritt'ner Stunde dann
hängt jeder an am andan dran!
Auf allen vieren kriecht man heim,
als Single oder auch zu zwei'n!
Doch nicht ein jeder, des is gut,
hat mit dem Fasching was am Hut!
Wenn andre sich zum Affen machen
kann so einer ned drüber lachen!
Auf Knopfdruck lustig ist suspekt,
in manchem das den Argwohn weckt!
Bei Schunkelei und blöde Lieder
fährt ihm der Schrecken in die Glieder!
Hellau, Alaaf und Täterää, des tut
ihm in den Ohren weh!
Im Fernseh'n da kommt auch nur Schrott,
beend den Schmarrn, ich bitt dich Gott!
Und ja, schau her, es is soweit.
Vorbei is wieder, d' Narrenzeit.
Der eine mag's, der andre nicht,
so bleibt die Welt im Gleichgewicht.
Und eine Sache, die is' klar –
im »echten« Leben sei kein Narr!
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06 Mär 2019 08:14 #22037
von Kaninchen
Hier sieht man Bruder Franz und Fritzen
Zu zweit in einer Wanne sitzen.
Die alte Lene geht; - und gleich
Da treibt man lauter dummes Zeug.
Denn Reinlichkeit ist für die zwei
Am Ende doch nur Spielerei.-
Jetzt will der Fritz beim Untertauchen
Nur seinen einen Finger brauchen.
Natürlich läuft ihm was ins Ohr
Dem Franz kommt dieses lustig vor.
Das ärgert aber Bruder Fritzen
Drum fängt er an, den Franz zu spritzen.
Doch der mit seiner großen Zehe
Tut Fritzen an der Nase wehe;
Dafür taucht Fritz den Kopf ihm nieder
Was so im Wasser sehr zuwider.
Franz aber zieht an Fritzens Bein;
Der zappelt sehr und kaun nicht schrein.
In Mund und Auge, zornentbrannt,
Greift jetzt die rachbegierge Hand.
Die Wanne wird zu enge
Für dieses Kampfgedränge.
Perdatsch! die alte, brave Lene
Kommt leider grad zu dieser Szene.
Sie spricht voll Würde und voll Schmerz:
"Die Reinlichkeit ist nicht zum Scherz!"
Und die Moral von der Geschicht:
Bad zwei in einer Wanne nicht!
Wilhelm Busch
Hier sieht man Bruder Franz und Fritzen
Zu zweit in einer Wanne sitzen.
Die alte Lene geht; - und gleich
Da treibt man lauter dummes Zeug.
Denn Reinlichkeit ist für die zwei
Am Ende doch nur Spielerei.-
Jetzt will der Fritz beim Untertauchen
Nur seinen einen Finger brauchen.
Natürlich läuft ihm was ins Ohr
Dem Franz kommt dieses lustig vor.
Das ärgert aber Bruder Fritzen
Drum fängt er an, den Franz zu spritzen.
Doch der mit seiner großen Zehe
Tut Fritzen an der Nase wehe;
Dafür taucht Fritz den Kopf ihm nieder
Was so im Wasser sehr zuwider.
Franz aber zieht an Fritzens Bein;
Der zappelt sehr und kaun nicht schrein.
In Mund und Auge, zornentbrannt,
Greift jetzt die rachbegierge Hand.
Die Wanne wird zu enge
Für dieses Kampfgedränge.
Perdatsch! die alte, brave Lene
Kommt leider grad zu dieser Szene.
Sie spricht voll Würde und voll Schmerz:
"Die Reinlichkeit ist nicht zum Scherz!"
Und die Moral von der Geschicht:
Bad zwei in einer Wanne nicht!
Wilhelm Busch
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07 Mär 2019 07:59 #22055
von Kaninchen
Nur ein Lied färbt die Grauseele bunter
Ich setze mich hin unter nächstbesten Busch
Und sing’'s Blau mir vom Himmel herunter;
Nur ein Lied färbt die Grauseele bunter.
Aus dem Grautag, in welchen die Sorge öd weint,
Wird ein Blautag, sobald nur ein Lied hell erscheint;
Die verstockteste Wolke wird munter.
Wo ein Liebeslied rot wie die Sonne aufgeht,
Jede Wange frohleuchtend voll Herzblut dasteht.
So ein Rot geht dann schwer mehr herunter.
Max Dauthendey (1867 - 1918), deutscher Dichter und Maler
Ich setze mich hin unter nächstbesten Busch
Und sing’'s Blau mir vom Himmel herunter;
Nur ein Lied färbt die Grauseele bunter.
Aus dem Grautag, in welchen die Sorge öd weint,
Wird ein Blautag, sobald nur ein Lied hell erscheint;
Die verstockteste Wolke wird munter.
Wo ein Liebeslied rot wie die Sonne aufgeht,
Jede Wange frohleuchtend voll Herzblut dasteht.
So ein Rot geht dann schwer mehr herunter.
Max Dauthendey (1867 - 1918), deutscher Dichter und Maler
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