Gedichte
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25 Feb 2019 07:54 #21886
von Kaninchen
Das Wassertröpflein
Tröpflein muß zur Erde fallen,
muß das zarte Blümchen netzen,
muß mit Quellen weiter wallen,
muß das Fischlein auch ergötzen,
muß im Bach die Mühle schlagen,
muß im Strom die Schiffe tragen.
Und wo wären denn die Meere,
wenn nicht erst das Tröpflein wäre.
Johann Wolfgang von Goethe
Das Wassertröpflein
Tröpflein muß zur Erde fallen,
muß das zarte Blümchen netzen,
muß mit Quellen weiter wallen,
muß das Fischlein auch ergötzen,
muß im Bach die Mühle schlagen,
muß im Strom die Schiffe tragen.
Und wo wären denn die Meere,
wenn nicht erst das Tröpflein wäre.
Johann Wolfgang von Goethe
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26 Feb 2019 08:07 - 27 Feb 2019 05:36 #21902
von Kaninchen
Ei der Tausend!
Ich saß auf einem Birnenbaum,
Wollt` gelbe Rüben graben,
Da kam derselbe Bauersmann,
Dem diese Zwiebeln waren.
"Ach, ach, du Schelm, ach, ach, du Dieb!
Was machst du in den Nüssen!"
So hatt` ich all mein Lebetag
Kein` bess` re Pflaumen `gessen.
Der Esel hat Pantoffeln an,
Kam übers Dach geflogen,
Ach, ach, ich armes Mädelein,
Wie bin ich doch betrogen.
Aus: Des Knaben Wunderhorn
Ei der Tausend!
Ich saß auf einem Birnenbaum,
Wollt` gelbe Rüben graben,
Da kam derselbe Bauersmann,
Dem diese Zwiebeln waren.
"Ach, ach, du Schelm, ach, ach, du Dieb!
Was machst du in den Nüssen!"
So hatt` ich all mein Lebetag
Kein` bess` re Pflaumen `gessen.
Der Esel hat Pantoffeln an,
Kam übers Dach geflogen,
Ach, ach, ich armes Mädelein,
Wie bin ich doch betrogen.
Aus: Des Knaben Wunderhorn
Letzte Änderung: 27 Feb 2019 05:36 von Feschtbrueder. Grund: Duplikat, Triplikat und Quadruplikat entfernt. ;)
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27 Feb 2019 07:55 #21918
von Kaninchen
Der kluge Prophet
Ein Fröschlein sitzt im Schilf und Rohr
und lugt zum Himmelszelt empor,
wie es dort mit dem Wetter steht.
Der Frosch ist, laut Beruf, Prophet.
Bei Regen oder Sonnenschein
ist es sehr leicht, zu prophezein,
doch ist das Wetter ungewiß,
traut selbst ein Frosch der Sache miß.
Auf alle Fälle sagt er sich:
Das Wetter ist »veränderlich«.
Das macht nicht klüger und nicht dümmer.
der gold'ne Mittelweg stimmt immer.
Fred Endrikat
Ein Fröschlein sitzt im Schilf und Rohr
und lugt zum Himmelszelt empor,
wie es dort mit dem Wetter steht.
Der Frosch ist, laut Beruf, Prophet.
Bei Regen oder Sonnenschein
ist es sehr leicht, zu prophezein,
doch ist das Wetter ungewiß,
traut selbst ein Frosch der Sache miß.
Auf alle Fälle sagt er sich:
Das Wetter ist »veränderlich«.
Das macht nicht klüger und nicht dümmer.
der gold'ne Mittelweg stimmt immer.
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28 Feb 2019 07:34 #21933
von Kaninchen
Der Gesang im Ofen
Wer sang in meinem Ofen
Heut nacht so wunderbar,
Wie nie ein andres Singen
Mir herzergreifend war?
Lang war's, als säng' in Flammen
Unsel'ger Geister Chor,
Dann aber sang's in Worten
So tönend meinem Ohr:
Du forschest, was so singet
In deines Ofens Raum.
Ich bin's, der Ast von einem
Gefällten Tannenbaum.
So sang es kurz in Worten,
In Tönen doch noch lang,
Bis mich in Schlaf und Träume
Einlullte der Gesang.
Justinus Kerner, 1786-1862
Der Gesang im Ofen
Wer sang in meinem Ofen
Heut nacht so wunderbar,
Wie nie ein andres Singen
Mir herzergreifend war?
Lang war's, als säng' in Flammen
Unsel'ger Geister Chor,
Dann aber sang's in Worten
So tönend meinem Ohr:
Du forschest, was so singet
In deines Ofens Raum.
Ich bin's, der Ast von einem
Gefällten Tannenbaum.
So sang es kurz in Worten,
In Tönen doch noch lang,
Bis mich in Schlaf und Träume
Einlullte der Gesang.
Justinus Kerner, 1786-1862
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01 Mär 2019 08:19 #21950
von Kaninchen
Alte Geschichten
Der Abend dämmert, es wirbelt der Wind
den Schnee von dem hohen Dache,
Großmütterchen sitzt am warmen Kamin
mit den Kleinen im warmen Gemache.
„Erzähl uns etwas, Großmütterlein!“ –
„Recht gern, ihr närrischen Dinger,
ihr müsst nur brav und bescheiden sein!“
Und mahnend hebt sie den Finger.
Dann fängt sie an: „Es war einmal ....“,
und die Kinder, sie lauschen und lauschen.
Sie hören das Bellen des Hofhunds nicht
und des Sturmes Zischen und Rauschen,
und nicht das Schlagen der Schwarzwalduhr
und der Stunde rasches Verrinnen.
Sie sitzen und horchen mit Mund und Ohr,
versenkt in Träumen und Sinnen.
Großmutter weiß der Geschichten viel
aus fernen vergangenen Tagen,
von Riesen und Zwergen, von Burgen, von Seen,
seltsame Märchen und Sagen;
von Nixen und Elfen, von Rübezahl,
Musikanten und Lumpengesindel,
und wie Dornröschen im Schlaf versank,
gestochen von giftiger Spindel.
Vom Weibe, das tanzt in feurigen Schuh’n,
von sieben Raben und Schwaben,
von Aschenbrödel und Drosselbart
und Hans, dem glücklichen Knaben;
von der großen Stadt, tief unter der See,
Vineta, der schlummernden Leiche,
auch wohl zum Schluß vom Meister Till
schalkhafte, lustige Streiche.
Großmutter weiß der Geschichten so viel,
als Blätter auf Büschen und Bäumen;
die Kinder lauschen mit Ohr und Mund,
versenkt in Sinnen und Träumen.
Und die kleine Marie – sie lächelt und schläft;
still wird es im trauten Gemache,
und der Wind schläft auch, und die Sterne steh’n
hell über dem hohen Dache.
Friedrich Wilhelm Weber
1813-1894
Alte Geschichten
Der Abend dämmert, es wirbelt der Wind
den Schnee von dem hohen Dache,
Großmütterchen sitzt am warmen Kamin
mit den Kleinen im warmen Gemache.
„Erzähl uns etwas, Großmütterlein!“ –
„Recht gern, ihr närrischen Dinger,
ihr müsst nur brav und bescheiden sein!“
Und mahnend hebt sie den Finger.
Dann fängt sie an: „Es war einmal ....“,
und die Kinder, sie lauschen und lauschen.
Sie hören das Bellen des Hofhunds nicht
und des Sturmes Zischen und Rauschen,
und nicht das Schlagen der Schwarzwalduhr
und der Stunde rasches Verrinnen.
Sie sitzen und horchen mit Mund und Ohr,
versenkt in Träumen und Sinnen.
Großmutter weiß der Geschichten viel
aus fernen vergangenen Tagen,
von Riesen und Zwergen, von Burgen, von Seen,
seltsame Märchen und Sagen;
von Nixen und Elfen, von Rübezahl,
Musikanten und Lumpengesindel,
und wie Dornröschen im Schlaf versank,
gestochen von giftiger Spindel.
Vom Weibe, das tanzt in feurigen Schuh’n,
von sieben Raben und Schwaben,
von Aschenbrödel und Drosselbart
und Hans, dem glücklichen Knaben;
von der großen Stadt, tief unter der See,
Vineta, der schlummernden Leiche,
auch wohl zum Schluß vom Meister Till
schalkhafte, lustige Streiche.
Großmutter weiß der Geschichten so viel,
als Blätter auf Büschen und Bäumen;
die Kinder lauschen mit Ohr und Mund,
versenkt in Sinnen und Träumen.
Und die kleine Marie – sie lächelt und schläft;
still wird es im trauten Gemache,
und der Wind schläft auch, und die Sterne steh’n
hell über dem hohen Dache.
Friedrich Wilhelm Weber
1813-1894
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02 Mär 2019 07:47 #21966
von Kaninchen
Der Blinde und der Lahme
Von ungefähr muß einen Blinden,
Ein Lahmer auf der Straße finden,
Und jener hofft schon freudenvoll,
Daß ihn der andre leiten soll.
Dir, spricht der Lahme, beizustehen?
Ich armer Mann kann selbst nicht gehen;
Doch scheints, daß du zu einer Last
Noch sehr gesunde Schultern hast.
Entschließe dich, mich fortzutragen:
So will ich dir die Stege sagen:
So wird dein starker Fuß mein Bein,
Mein helles Auge deines sein.
Der Lahme hängt, mit seinen Krücken,
Sich auf des Blinden breiten Rücken.
Vereint wirkt also dieses Paar,
Was einzeln keinem möglich war.
Du hast das nicht, was andre haben,
Und andern mangeln deine Gaben;
Aus dieser Unvollkommenheit
Entspringet die Geselligkeit.
Wenn jenem nicht die Gabe fehlte,
Die die Natur für mich erwählte:
So würd er nur für sich allein,
Und nicht für mich bekümmert sein.
Beschwer die Götter nicht mit Klagen!
Der Vorteil, den sie dir versagen,
Und jenem schenken, wird gemein,
Wir dürfen nur gesellig sein.
Christian Fürchtegott Gellert
1715-1769
Von ungefähr muß einen Blinden,
Ein Lahmer auf der Straße finden,
Und jener hofft schon freudenvoll,
Daß ihn der andre leiten soll.
Dir, spricht der Lahme, beizustehen?
Ich armer Mann kann selbst nicht gehen;
Doch scheints, daß du zu einer Last
Noch sehr gesunde Schultern hast.
Entschließe dich, mich fortzutragen:
So will ich dir die Stege sagen:
So wird dein starker Fuß mein Bein,
Mein helles Auge deines sein.
Der Lahme hängt, mit seinen Krücken,
Sich auf des Blinden breiten Rücken.
Vereint wirkt also dieses Paar,
Was einzeln keinem möglich war.
Du hast das nicht, was andre haben,
Und andern mangeln deine Gaben;
Aus dieser Unvollkommenheit
Entspringet die Geselligkeit.
Wenn jenem nicht die Gabe fehlte,
Die die Natur für mich erwählte:
So würd er nur für sich allein,
Und nicht für mich bekümmert sein.
Beschwer die Götter nicht mit Klagen!
Der Vorteil, den sie dir versagen,
Und jenem schenken, wird gemein,
Wir dürfen nur gesellig sein.
Christian Fürchtegott Gellert
1715-1769
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